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— Jutelligenzblatt.
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
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ec e Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. e
mmen 7 k.
S1.
Freitag, den 16. Oktober.
1857.
Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes. Betreffend: Die Erhebung von Gebühren für Beglaubigung der Unterſchriften der Empfänger von Geld- und Werthſendungen.
Da Beſchwerde darüber erhoben worden, daß von einem Theile von Ihnen, der Vorſchrift des Ausſchreibens vom 25. November 1845(Amtsblatt Nr. J) zuwider, bisher noch für Beglaubigungen der Unterſchriften auf den Empfang⸗
ſcheinen von Geldſendungen Gebühren erhoben worden ſeien; ſo ſehen wir uns hiermit veranlaßt,
den Befolg dieſes
Ausſchreibens unter dem Anfügen einzuſchärfen, daß etwa dennoch weiter vorkommende Zuwiderhandlungen mit aller
Strenge geahndet werden müßten. Friedberg am 8. Oktober 1857.
Müller.
Aan Nee lb e n.
Betreffend: Hagelſchlag in dem Kreiſe Schotten.
Im Laufe dieſes Sommers iſt eine größere Zahl von Gemeinden des Kreiſes Schotten und unter dieſen mehrere, welche zu den ärmſten des oberen Vogelsbergs zählen, von ſtarkem Hagelſchlag betroffen worden, welcher einen großen
Theil der Erndte vernichtete.
Um einen hiernach zu befürchtenden Nothſtand in dieſen Gemeinden abzuwenden, hat Großherzogliches Mini— ſterium des Innern beſchloſſen, für die durch Hagelſchlag beſchädigten ärmeren Einwohner dieſer Gemeinden eine Collekte in ſämmtlichen Kreiſen der Provinz Oberheſſen— mit Ausnahme von Biedenkopf und Vöhl— zu geſtatten.
Wir empfehlen Ihnen dieſe Collekte alsbald zu veranſtalten und die geſammelten Beiträge an Großherzogliches Kreisamt Schotten einzuſenden, hierher aber einzuberichten, was eingegangnn iſt.
Friedberg am 10. Oktober 1857.
Müller.
Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat-Anzeigen.
Fiſcherei⸗ Verpachtung. 11695 Die dem Gräfl. Hauſe Solms⸗Rödel⸗ beim zuſtehende Fiſchereiberechtigung in der Wetter und zwar von der Wiſſelsheimer Grenze bis an das Salinen⸗Kunſtrad bei Schwalheim ſoll
Dienſtag den 20. J. M., Vormittags 10 Ubr, bei Herrn Gaſtwirth Wilhelm Bingel zu Dor— heim auf mehrere Jahre verpachtet werden. Aſſenheim den 7. Gräflich Solms-Rödelheim'ſche Rentkammer.
Oktober 1857.
Neue Holländiſche Haͤringe [1664] pr. Stück 4 kr. bei H. W. Hatteroth.
Die Kokosnußpalme.
Der vielſeitige Nutzen dieſes Baumes, eines der ſchönſten der Tropenwelt, eines wahren„Fürſten der Pflan— zenwelt,“ iſt ſprüchwörtlich geworden. Nirgendwo aber verſteht man ſich vielleicht beſſer auf ſeine Verwerthung, als auf der Inſel Ceylon. Das„Herz“ oder die innern jungen Blätter der Krone liefern den Palmkohl, ein vor— treffliches Gemüſe, das entweder für ſich gekocht, oder mit gedünſtetem Fleiſch, Hachis oder Ragouts ſervirt wird. Die Eingaleſen bedienen ſich der getrockneten alten Blät— ter als Fackel, ſowohl um in den dunkeln Nächten ihr Haus zu erleuchten, wie es im Schwarzwald, den Voge— ſen und andern deutſchen Gebirgen durch die Lichtſpäue geſchieht, oder um ſie vor den Wagen und Palankinen der Europäer herzutragen. Ebenſo wird die getrocknete Blüthenſcheide zur Feuerung benützt, und vertritt die Stelle des Kienholzes; auf Rotuma und andern Inſeln Polyneſiens dient ſie ſtatt der Schwefelhölzer. Auf Ton⸗ gatabu, einer der Freundſchaftsinſeln, verfertigt man Kämme aus der Mittelrippe der Abſchnitte, und der obere Theil dieſer Kämme wird mit der Faſer der Fruchtſchale
oder Bulu ſchön ausgeputzt.„Dieſe Kämme,“ ſagt Ben— net,„waren wegen ihres niedlichen Ausſehens immer ſehr geſucht, während ich mich auf jener Inſel aufhielt; und die Weiber waren während unſeres Verweilens ſtets em— ſig mit deren Anfertigung beſchäftigt, um ſie gegen Klei— nigkeiten an die fremden Offiziere und die Mannſchaft der Schiffe auszutauſchen. Die Kämme waren mittelſt der Rinde des Kokabaumes gefärbt und gebeizt, ſo daß ſie eine dunkelrothbraune Farbe hatten, welche für eine rohe Nachahmung von Schildpatt gelten konnte.“
Die Wäſcherinnen von Ceylon verbrennen die Blät— ter der Kokospalme wegen des reichen Gehalts ihrer Aſche an Laugenſalzen; die zuſammengebundenen Mittelrippen der Blätter geben treffliche Beſen für die Schiffsverdecke. Die Eingaleſen bedienen ſich der noch unentfalteten Blät— ter zur Herſtellung von Verzierungen bei Gelegenheit ir— gend eines Feſtes, zur Ausſchmückung von Bogengängen u. ſ. w. in verſchiedenen maleriſchen Geſtalten von Krän— zen, Blumen ꝛc.
Namentlich Ein Theil des Baumes hat die Aufmerk— ſamkeit der Beobachter in hohem Grade angezogen,— nämlich eine Art Netzwerk an der Baſis des Blattſtiels.


