410
in unſerer Stadt die Winkervergnügen der verſchiedenen Vereine und Geſellſchaften begonnen und werden nach kurzen Unterbrechungen noch weitere folgen. Die Caſino⸗Geſellſchaft, in welche mit der neuen Orga⸗ niſation ein friſch belebender Geiſt eingezogen zu ſein ſcheint, wie dies ſchon bei verſchiedenen Gelegenheiten in recht erfreulicher Weiſe wahrzu— nehmen war, gab unlängſt ihren erſten Ball für dieſen Winter, der ſehr zahlreich beſucht wurde und wirklich ein glänzender genannt werden darf. Das eifrige Streben des derzeitigen Vorſtandes, allen Anſprüchen, die man billigerweiſe an eine derartige Geſellſchaft ſtellen kann, zu genügen, verdient alle Anerkennung und wird nicht verfehlen, bei den einzelnen Mitgliedern wieder die Theilnahme und das Intereſſe an den Angelegen⸗ heiten der Geſellſchaft zu erwecken, welche zu dem erfreulichen Beſtehen derſelben nicht fehlen dürfen. Herr Seminardircctox Dr. Curtman nament⸗ lich macht ſich durch ſeine höchſt intereſſanten geſchichtlichen Vorträge, die recht zahlreich beſucht werden, um die Geſellſchaft verdient und erwirbt ſich den wohlverdienten Dank aller Mitglieder, welchen ihm dieſelben gewiß mit Freuden zollen werden.— Auch unſere beiden bhieſigen Geſangvereine haben nach längerer Pauſe wieder einmal ein Lebenszeichen von ſich gegeben. Nachdem der altere Geſangverein „Liederkranz“ vor acht Tagen für ſeine Mitglieder eine Abendun⸗ terhaltung veranſtaltet, folgte demſelben am verfloſſenen Sonntage der Geſangverein„Frohſinn“ gleichfalls mit einer Abendunterhaltung, zu welcher er ſeine Freunde geladen hatte. An beiden Abenden hatte ſich ein recht zahlreiches Auditorium eingefunden und von beiden Vereinen wurde gewiß alles Mögliche aufgeboten, den Zuhörern einen recht ge⸗ nußreichen Abend zu bereiten, wovon ſchon ein flüchtiger Blick auf die Programme überzeugen kann. Wir fühlen uns nicht berufen, hier ſcharfe Kritik über die verſchiedenen Produktionen der einzelnen Vereine zu üben und wollen auch nicht deren Leiſtungen einander gegenüberſtellen, wir ſprechen aber das allgemeine Urtheil aus, wenn wir offen geſtehen, daß wir den Geſangverein„Liederkranz“ ſchon beſſer fingen hörten, als an jenem Abend. Das Spiel des Herrn Krüger, von der Nauheimer Kur⸗ kapelle, der auf dem Violoncell einige Solis vortrug, war recht brav und erndtete verdienten Beifall; auch der Solo⸗Piece für Tenor wurde vielſeitiger Applaus zu Theil. Der ſchön und präcis vorgetragene Schlußchor:„Das iſt der Tag des Herrn“ war unſtreitig das Gelun⸗ genſte des Abends. Mit Vergnügen bemerkten wir übrigens, daß in die Reihe der Veteranen dieſes Vereines ein ſchöner Zuwachs jugendlicher Kräfte eingetreten, deren friſche Stimmen, wenn dieſelben nur erſt etwas zärter und biegſamer geworden, dem Vereine ſehr erwünſcht ſein müſſen. — Den Leiſtungen des Vereins„Frohſinn“ müſſen wir in Anbetracht des kurzen Beſtehens deſſelben alle Gerechtigkeit widerfahren laſſen; er ſang wacker und mit Präziſion und bekundete recht erfreuliche Fort⸗ ſchritte. Schade nur, daß dem Vereine bis jetzt eine für größere Solo⸗ Parthieen geeignete Stimme zu fehlen ſcheint, denn wenn wir auch die Auswahl der ſehr anſprechenden Vorträge, welche dem Herrn Dirigenten alle Ehre macht, für ſehr gelungen bezeichnen möchten, ſo war es gerade eine Solo⸗Piece für Geſang, welche wir ungerne auf dem Programme vermißten. Dafür wurden wir freilich anderweitig entſchädigt durch die ſehr gelungenen Solis für Piano wie für Violine, welche uns eine große Fertigkeit und Gewandtheit der betreffenden Herren auf ihren Inſtru⸗ menten wahrnehmen ließen. Ganz beſonderer Erwähnung verdienen je. doch die Clarinettſolis, welche von Hrn. Kämpfer, erſtem Clarinettiſten von der Nauheimer Kurkapelle, ſo vorzüglich vorgetragen wurden. Wir lernten dabei denſelben als einen Künſtler kennen, welcher ganz Herr iſt def ſeinem Inſtrumente, dem er die zarteſten und lieblichſten Töne ent— lockte und in der That allen Muſikfreunden einen ſonſt ſelten gebotenen Kunſtgenuß bereitete. Seinen Vorträgen folgte ſtets allgemeiner Beifall. Wir boffen, daß wir im Laufe des Winters noch öfters Gelegenheit ha⸗ ben werden, Herrn Kämpfer zu hören, da derſelbe für längere Zeit ſei⸗ nen Wohnſitz in hieſiger Stadt genommen, in der Abſicht, auf verſchie⸗ denen Inſtrumenten Unterricht zu ertheilen. Möge ihm die verdiente Beachtung unſeres muſikliebenden Publikums zu Theil werden.— Den muſikaliſchen Productionen beider Vereine folgte wie gewöhnlich Tanz⸗ vergnügen und jedesmal trennten ſich die Anweſenden ſpät in der Nacht mit dem lebhaften Wunſche, ſich recht bald wieder zu fröhlicher Unter⸗ haltung vereint zu ſehen, welchem Wunſche ſich auch Schreiber dieſer Zeilen gerne anſchließt mit den Worten: Wer nicht liebt Wein, Weib und Geſang, Der bleibt ein Narr ſein Leben lang!—
Hohes Alter. Melbach in der Wetterau, 20. Nov. Heute ſtarb dahier die Schäfers Wittwe A. Kath. Klee, 96 Jahre, 8 Monate alt. Im Hauſe ihres Enkels, des hieſigen Schäfers, liebevoll verpflegt, bewahrte ſie bei ungeſtörtem Beſitze der Sinne ein heiteres und zufrie— denes Gemüth bis zu ihrem Ende. Sie erlebte 5 Kinder, 9 Enkel u. 17 Urenkel.
Die Reiſe nach Amerika und das Leben in den Vereinigten Staaten. Ein Rathgeber für Aus⸗ wanderer von Franco vom Rhein. Frankfurt a. M. Druck und Verlag von Heinr. Ludw. Brönner. 1855.
Dieſe Schrift trägt das Motto:„Trau, ſchau, wem, und zeigt ſchon dadurch an, daß ſie warnen will, damit
nicht der Europamüde bittere Erfahrungen machen muß, und in ſeinen Erwartungen ſich ſchwer getäuſcht ſieht. Keines⸗ wegs will der Verf. das Auswandern nach den vielgeprie— ſenen Freiſtaaten jenſeits des atlantiſchen Meeres ganz widerrathen. Er erkennt an, daß man daſelbſt bei Arbeits- luſt und Arbeitskraft eher Etwas verdienen und erſparen kann als in unſerem, theilweiſe übervölkerten Vaterland. Zeigen aber will er, welche Gefahren der Auswanderer auf der Reiſe ſchon und in Amerika ſelbſt zu vermeiden hat, wie er von ſeinem Einſchiffen in den Europäiſchen Häfen an, bis zu einer feſten Niederlaſſung in ſeiner neuen Hei—
math und auch jetzt noch allerlei Betrügereien ausgeſetzt iſt,
und was er thun müſſe, um dieſen Betrügereien zu ent⸗ gehen. Diejenigen, welche ſich verſucht fühlen, den Zu— ſtand in Amerika als ein Muſter für uns zu preiſen, können ſich gleichfalls eines Beſſeren belehren. Sie brauchen nur hinzuſchauen auf dasjenige, was über die Schandthaten, welche täglich in Neu-York begangen werden, geſagt iſt, oder was der nun verſtorbene ehemalige Abgeordnete der Frankfurter Reichsverſammlung, Rößler, über die Verhält⸗ niſſe in Amerika überhaupt bemerkt.
Der Ton der Schrift iſt im Ganzen genommen po— pulär; doch kommt Einiges vor, was für den gewöhnlichen Leſer recht gut hätte wegbleiben können. Einſender dieſes rechnet dahin das ausführliche Verzeichniß der deutſchen Zeitſchriften in Amerika. 5
O- ch. Str.
Ver ſchiedenes.
Ein arger Streich wurde kürzlich einer berüchtigten Klatſchſchweſter zu Wien geſpielt. Die böſe Zunge dieſer Dame hatte ſchon die Einigkeit ſo mancher Ehe geſtört, ſo manches Brautpaar getrennt, überhaupt ſo manchen Unfrieden geſtiftet. Da beſchloß eines ihrer Opfer, deſſen guten Ruf ſie auf ihre Weiſe verarbeitet hatte, Rache an der Verhaßten zu nehmen. Die Dame ſaß eines Ta⸗ ges mit ihrer Geſellſchaft am Kaffeetiſch, als das Stuben— mädchen mit einer großen Schachtel eintrat, welche, wie der Ueberbringer geſagt hatte, ſo eben mit der Poſt ange— kommen war.„Ach!“ rief die Dame aus,„das iſt gewiß mein Hut und meine Chemiſetten aus Paris!“— So— gleich war die Geſellſchaft in vollem Aufruhr. Mit Ungeduld riß die Hausfrau die Hüllen weg und bald entrollte ſich den neugierigen Blicken— eine rieſige Ochſenzunge. Dabei lag ein zierlich geſchriebener Zettel, welcher wörtlich Fol⸗ gendes enthielt: Da durch den allzu häufigen Gebrauch Dero Lunge und Zunge zu befürchten ſteht, daß dieſelben nach ſo langer Dienſtleiſtung bereits Schaden gelitten haben dürften, und dem Wiener Tratſch-Comité dazu ein allzu großer Verluſt erwüchſe, ſo nimmt man ſich die Frei heit, Ihnen hiermit zum Erſatze und zum Beweiſe der Anerkennung dieſes Prachtexemplar eines Plauſchinſtrumen⸗ tes zu überſenden.“ Der Leſer mag ſich die Scene ſelbſt ausmalen, welche jetzt erfolgte.— Woher aber die Och— ſenzungen nehmen, wenn dies Beiſpiel auch anderwärts Nachahmung finden und allen Klatſchſchweſtern und Ehr⸗ abſchneidern eine gleiche Züchtigung zugedacht werden ſollte?
22* Hülfer u f. Am 21. d. M. iſt der allgemein geachtete Zimmermeiſter Johann Philipp Wolf von Rödgen raſch in die Ewigkeit abgerufen worden. Die in Armutb binterlaſſene Wittwe ſieht mit ihren ſechs 5 Kindern, wovon das älteſte noch nicht 13 Jahre zählt, einer trüben Zu⸗
kunft entgegen. Die drückende Noth zu lindern, wird menſchenfreundliche Hülfe dringend erbeten. Jede Gabe, auch das Scherflein der Wittwe, wird Gott lohnen.— Liebesgaben für die Betreffende werden entgegen genommen von Kaufm. Jean Huber in Friedberg und Pfarrgehülfen Brüning in Nauheim. In andern Gemeinden werden die Herrn Pfarrer erſucht Gaben entgegen zu nehmen und ſolche an Letztgenannten zu überſenden.
, ole berg
Großherdd Hoi an Landrichter.
Ed
o] Die. u Bauernheil Kur und Nur Gema 1455, 14 262, III 9. welches lezte Namen des E Walther V. halb, und h. übergegangen Get
12²4 347 IV 2127 VII, v unter ſich ver Urkunden mie werden alle, flücke Anſprü Ahgeige binn
5 von heute ar gefordert, d ffitigt werde! berzeichniß, des Wucheils Walther V.
Friedbe Gro
——
Er 742] In Frankfurt, K zu Aſſenheim, betreffend, h U. Woemde 12 fl. belt. 30 r., ſum dann Zinſen gend) von 9 Ar ab wien dab ſch auf
diedberg Oroßher


