Ausgabe 
26.1.1855
 
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Man ſpringt nicht ungeſtraft ſo vom höchſten Glück zu der äußerſten Hülfloſigkeit über, denn das Gemüth leidet noch mehr als der Körper unter den plötzlichen Verände rungen der Atmoſphäre. Jouvencel wagte ebenfalls einige alltaͤgliche Troſtworte, allein Raymond hörte ſie nicht ein⸗ mal. Es tobte in ihm nun einer jener inneren Kämpfe, deren Ausgang lediglich nur von unſeren Kräften abhängt. Als er ſo plötzlich all ſeine Hoffnungen zerſchellt ſah, be⸗ mühte er ſich, gegen die Entmuthigung anzukämpfen und bäumte ſich in ſeinem Unglück wie ein Schiffbrüchiger, bei welchem der Inſtinkt der Selbſterhaltung ſich geltend macht. Als er endlich wieder etwas Selbſtbeherrſchung gewonnen hatte, begriff er, daß er zunächſt alle diejenigen Nachfor ſchungen anſtellen müſſe, von welchen er einigen Erfolg erwarten konnte. Er ging daher zunächſt nach dem Gaſt⸗ hauſe, wo er abgeſtiegen war, dann nach dem Poſthofe, konnte aber nirgends eine, Spur von dem Vermißten auf finden. Auch über ſeinen Reiſegefährten brachte er nichts Genaueres in Erfahrung, denn dieſer war zwiſchen zwei Poſtſtationen auf- und abgeſtiegen, ohne daß ſein Name oder Beſtimmungsort auf der Liſte des Schirrmeiſters ein getragen worden wären. Er erfuhr nur, daß er hinter La Verpillière abgeſtiegen und dem Anſchein nach in der Rich- tung von Meyzins weiter gegangen war. Raymond ließ ſich unverweilt dorthin bringen, ſuchte, zog Erkundigungen ein, ſtellte alle möglichen Nachforſchungen an, allein Alles vergebens! Niemand hatte den Mann im Mantel geſehen, und er mußte unverrichteter Dinge und ohne einen Schim⸗ mer von Hoffnung nach Lyon zurückkehren.

Die Nachforſchungen der Polizei, die er ſchon im erſten Augenblick der Entdeckung ſeines Verluſtes in An⸗ ſpruch genommen hatte, waren nicht glücklicher. Mehre Tage vergingen, ohne daß die mindeſte Entdeckung gemacht wurde, und endlich kam der Vorabend des verhängnißvollen Tags heran, nach deſſen Ablauf die Urkunde ſelbſt ungültig wurde, weil ſie dem Verjährungsgeſetze verſtel. Es war alſo nun⸗ mehr nur noch ein wahres Wunder nöthig, um ihn vor dem Verderben zu retten; er hielt es daher für das Klügſte, ſich auf das Schlimmſte gefaßt zu machen, und entſchied ſich für den äußerſten verzweifelten Schritt. Auf den ihm gemachten Antrag, die Leitung einer Faktorei am Senegal zu übernehmen, konnte er noch immer eingehen; die Stelle war noch unbeſetzt und die angebotenen Vortheile waren hinreichend, um die Zukunft ſeiner Frau und ſeiner Töchter zu ſichern, ſelbſt wenn ihn die Folgen des ungeſunden Kli ma's dahinrafften. Mehr begehrte er nicht, und zu jedem Opfer entſchloſſen, meldete er dem Marſeiller Handelshauſe, welches jene Stelle zu vergeben hatte, daß er ſie annehme.

(Fortſetzung folgt.)

Aſſiſen⸗Verhandlungen für Oberheſſen. I. Quartal 1855. Verurtheil ungen. Am 10. Januar: Philipp Heinrich Schmidt von Lich, wegen Meineids, in eine Correctionshausſtrafe von 1 Jahr; am 11. Januar:

Johs. Schmidt II., Georg Schmidt und Georg Pfeffer von Münſter, wegen deſſelben Verbrechens, Erſterer in eine desgl. von 2 Jahren und 3 Monaten, die beiden Letzteren jeder in eine desgl. von 2 Jahren; am 12. Januar wurde Wilhelm Blum von Eichelsdorf von der gegen ihn gerichteten Anklage des Meineids freigeſprochen; die Anklage des Philipp Spengler von Großenlinden, wegen Raubs, Diebſtah's ꝛc. iſt, in Folge Nichterſcheinens des Hauptbelaſtungszeugen, vor die nächſten Aſſiſen verwieſen; am 17. Januar: Johannes Römer IV. von Allerts⸗ hauſen, wegen Mords, Diebſtahls und Fälſchung, zum Tode, ſowie Johannes Hilgärtner III. von da, wegen Begünſtigung dieſer Verbrechen, in eine Correctionshausſtrafe von 6 Monaten, wovon jedoch 4 Wochen, als ſchon verbüßte Unterſuchungshaft abgerechnet werden; am 19. Ja- nuar: Balthaſer Adolph von Kaulſtoß, wegen Diebſtahls, in eine Zucht⸗ hausſtrafe von 7 Jahren 2 Monaten; deſſen Ehefrau, wegen deſſelben Verbrechens, in eine desgl. von 4 Monaten, wovon jedoch 3 Monate als ſchon erlittene Unterſuchungshaft in Abzug kommen, deren Sohn Joh. Adolph, wegen deſſelben Verbrechens, in eine Correctionshausſſrafe von 1 Jahr, wovon ebenfalls 3 Monate als ſchon verbüßte Unterſuchungshaft abgerechnet werden, dagegen wurde deren Sohn Heinrich, wegen Unzurech nungsfähigkeit, freigeſprochen.*

Herzliche Bitte an Menſchenfreunde.

Am 15. d. Mts., Nachmittags gegen 2 Uhr, ſtürzte der hier wohnende Bergmann Heinrich Butte, als er eben ſein mühe⸗ und gefahrvolles Tagwerk auf dem Dorheimer Braunkohlenbergwerk vollendet hatte und im Begriffe war, aus dem tiefen Schachte herauszuſteigen, wahr⸗ ſcheinlich in Folge von Entkräftung, wieder in die Tiefe hinab und gab mit dem Ausrufe:ach, Herr Jeſus!/ alsbald ſeinen Geiſt auf. Es war ein herzzerreißender Anblick, als der Mann, welcher am frühen Morgen geſund und wohl ſeine Familie verlaſſen hatte, am Nachmittage als Leiche, auf einem Brette liegend, von ſeinen Kameraden in ſeine Wohnung gebracht wurde, ſeine an Krämpfen leidende Frau unter heftigen Zuckungen zu Boden ſank und die 4 unmündigen, nun vaterloſen Waiſen jammernd und weinend die Hände rangen. Butte war ein in der tiefſten Armuth ledender, äußerſt fleißiger und von echt chriſtlichem Sinne erfüllter Mann,

der auch in der größten Noth ſein Vertrauen auf Gott nicht verlor und

nach ſeiner eigenen Erklärung mit den Seinigenwie im Himmel, lebte undmit manchem Reichen nicht tauſchen wollte. Seine Familie hat mit ihm ihren Ernährer und Verſorger, ihre einzige irdiſche Stütze verloren und die leidende Wittwe iſt nicht im Stande, auch nur für die nothwendigſten Bedürfniſſe zu ſorgen, wenn nicht wohlthätige Menſchen⸗ freunde ſich ihrer erbarmen. Im Hinblick auf die außerordentliche Noth der Hinterbliebenen wagen es daher die Unterzeichneten hierdurch öffentlich um einige Gaben der Liebe für dieſelben zu bitten. Auch die kleinſte Gabe wird mit herzlichem Danke empfangen und zweckmäßig verwendet werden. Bepyenheim den 18. Januar 1855. F. Hoffmann, Pfarrer. Muth, Bürgermeiſter.

Für die Familie des H. Butte

iſt bei uns eingegangen: Von W. Müller 12 kr.; Ungenannt 1 fl.; G. K. Wittwe 1 fl.; D. M. 30 kr.; K. Wittwe 12 kr. M. W. geb. Friedrich 1 fl.; Gefangenwärter Schnell 30 kr.; Frau C. P. 1 fl. 18 kr.; M. W. 30 kr.; von den Zöglingen des Schullebrerſeminars 6 fl. 6 kr.; Steuer⸗Commiſſär Hiſſerich in Butzbach 1 fl.; H. H. 1 fl. 48 kr.; H. in F. 12 kr.; Rſtr. M. 1 fl.; G. 1 fl.

Die Exped. des Friedb. Int.⸗Bl.

Markt⸗Bericht von Friedberg.

23. Januar.

Waizen aufgefabren 547 Malter, verkauft 383, 16 fl. 39 kr.; Korn aufg. 52½, verk. 22, 13 fl. 20 kr.; Gerſte aufg. 44, verk. 18, 8 fl. 10 kr.; Hafer aufg. 78, verk. 78, 5 fl. 36 kr.; Vorſchußmehl aufg. 16, verk. 7, 19 fl. 38 kr.; Erbſen aufg. 1, verk. 1, 11fl. 15 kr. Wicken aufg. 1, verk., 8 fl. 40 kr.; Bohnen aufg. 1, verk. 1, 13fl. 20 kr.

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat-Anzeigen.

Hofraitheverſteigerung. Lü04] Donnerſtag den 1. Februar d. J., Vor⸗ mittags 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe auf freiwilligen Antrag des Bürgers und Metz⸗ germeiſters Wilhelm Krauch wegen Wohnungs⸗ veränderung die demſelben dahier zuſtehende Hofraithe, als:

Gemarkung Friedberg: Pag. No. Flur No. Klftr. 30/178 11. 574 94,5 Hofraithe in der Stadt, öffentlich meiſtbietend unter ſehr vortheilhaften Bedingungen verſteigert.

Hierbei wird bemerkt, daß die Hofraithe eine ſehr günſtige Lage ganz in der Nähe des Bahn. hofs hat, welche ſich zu jedem Gewerbebetrieb eignet. Dieſelbe beſteht in einem ſehr ſchönen dreiſtöckigen, erſt vor einigen Jahren neu er⸗ bauten Wohnhauſe mit Hofraum, gutem Keller und Hintergebäuden.

Friedberg am 24. Januar 1854. In Auftrag: Großherzogliches Ortsgericht Friedberg: Bender, Ortsgerichtsvorſteher.

Wagen ⸗Verſteigerung. 188] Dienſtag den 30. Januar d. J., Vormit⸗ tags 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe ein gepfändeter Wagen öffentlich meiſtbietend gegen Baarzahlung verſteigert.

Friedberg den 20. Januar 1855.

In Auftrag Großherzoglichen Landgerichts Friedberg Großherzogliches Ortsgericht Friedberg:

Bender, Ortsgerichtsvorſteher.

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