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Erſcheint wõ⸗ 3 zweimal, ienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
Friedberger Intelligenzblatt.
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eaten Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. n
ſammen 7 kr.
N A1.
Freitag, den 25. Mai.
1855.
Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg
an ſämmtliche Großherzogliche
Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Ich benachrichtige Sie hiermit, daß die nachbenannten Gemeinden an Helzwerth und Schad nserſatz vom Jahr 1854 von den betreffenden Großherzoglichen Rentämtern Friedberg, Gießen und Nidda zu erhalten ha ben:
. H, Kr. 135 93 7 F. k 1. Aſſenheim 6 1½¼ 10. Hochweiſel 1 19 19. eiederwöllſtadt 5 ½ 28. Straßheimer Hü⸗ 2. Bodenrod— 27 11. Kirchgöns 19 2¾ 20. Obermörlen 14 45 berſchaft— 47 3. Bönſtadt 7 31 ¼ 12. Langenhain 8 2721. Oberrosbach 3 40 29. Wölfersheim 2 24 4. Butzbach 4 54 13. Maibach 6 59 22. Ockſtadt 1 27 30. Wohnbach 3 12 5. Fauerbach J.— 24 14. Münſter— 623. Oſtheim— 28 31. Beyenheim— 41 6. Gambacher Mark 2 55 15. Florſtadt 34 16 24. Pohlgöns 13 21½ 32. Weckesheim— 3 7„ Gemeinde 5 6 16. Niedermörlen— 3225. Rockenberg. Mark 3 40 ½¼ 8. Griedeler Mark 3 39 17. Niederrosbach— 34 26. Södel 14 2 9. Hauſen 2 22 18. Niederweiſel 7 26 27. Steinfurt 1 32 welche Beiträge Sie in Einnahme decretiren und controliren laſſen werden.
Friedberg den 22. Mai 1855. Müller.
Eine Wechſelſchuld. Novelle von F. Brunold.
Der alte Schloſſermeiſter Martin Wildhahn ſchob die Brille nach der Stirn, legte Feile und Zange nieder und ſagte, ſich zu ſeiner mit ihm alt gewordenen Frau wendend:„Wo er nur bleibt! Meiner Rechnung nach könnte er längſt hier ſein!“—„Ach was!“ ſagte die Frau gutmüthig polternd,„denkſt immer, die Zeit iſt noch wie ehedem— und die Leute wie damals, als Du und ich noch jung waren. Der Jung', wollt ſagen, der junge Herr Friedrich, iſt mit heut' wo er in die Fabrik des reichen Waidmoſer tritt, oder vielmehr zu treten gedenkt, nicht mehr Dein Geſell, Dein Gehülfe, dem Du Dies und Je— nes ſagen kannſt, was Du einem Andern nicht ſagen wür⸗ deſt, weil er bei Dir ausgelernt; der Friedrich wird..“— „Nun, ein Anderer, willſt Du ſagen,“ fiel der alte Martin ein,„und haſt im Grunde recht! Doch was er bisher ge— lernt, das hat ex mir zu danken— und ich denke, er ſoll ſeinem alten Meiſter dereinſt keine Schande machen. Und Du weißt es ja, Frau, der Junge iſt mir an's Herz ge⸗ wachſen— und es wird mir ſchwer, ihn von mir zu laſſen. Doch was ſein muß, muß ſein! Bin alt, werd' wohl keinen Lehrburſchen wieder annehmen können, der Friedrich wird wohl der letzte geweſen ſein. Vielleicht wird mir's darum ſo ſchwer, ihn zu miſſen— und eines Geſellen werde ich auch nicht ferner bedürfen. Der Friedrich iſt auch der letzte geweſen. Bin alt! und der Arbeit wird weniger. Sonſt ſaß Meiſter, Geſell und Burſche mitſammen am Werk⸗ und Eſchtiſch,— Einer für den Andern ſorgend, jetzt lebt Jeder für ſich— und frei wollen ſie Alle ſein: den Herrn ſpielt der Burſche ſchon.— Sollte mich ſchmerzen, wenn der Friedrich auch ſo würde!“
Der alte Mann nahm die Feile wieder zur Hand und arbeitete emſig darauf los, bis endlich der Erwartete dem Geſchäft ein Ende machte.
„Da bin ich, Meiſter!“ ſagte der Eintretende, ein keckes, friſches, frohes Blut, und reichte dem Alten freu— dig die Hand;„bin angenommen, trete morgen die Arbeit an. Gelt, Meiſter! Die Sache freut mich— und auch nicht. Und wenn ich nun gar daran denke, daß ich Euch, Meiſter, verlaſſen ſoll, wird mir das Herz beſonders ſchwer — und ich möchte bleiben wo ich bisher geweſen— bei Euch!/
„Geht nicht, geht nicht!“ erwiederte ernſt, wehmuthig der alte Meiſter.„Habe nicht Arbeit für Dich— und wenn ich ſie hätte, triebe ich Dich dennoch fort. Ein junges Blut muß in die Welt hinaus, das heißt in die Fabriken. Früher mußte der Geſell ſeine Jahre gewandert haben, jetzt reiſt er per Dampf aus einer Fabrik in die andere. Alles hat ſich geändert. Der einzelne erreicht nichts, nur die Maſſe muß ſchaffen und wirken. Ein Hand— werker in einſamer Werkſtatt bleibt in jetziger Zeit ein Stümper— die Handwerker wurden die Handlanger der Fabrikherren.“
„Habt recht, Meiſter!“ fiel der Geſell ein.„Früher mußte man das Handwerk ganz erlernen, mußte in Allem Beſcheid wiſſen und Alles anzufaſſen und auszuführen ver— ſtehen— jetzt iſt's genug, wenn ich nur etwas verſtehe und ein Burſche, der ſeinem Meiſter vielleicht entlaufen, aber eine Schraube zu drehen verſteht— verdient in der Fabrik bei ſeinem ewigen Schraubendrehen und Feilen vielleicht mehr als ſein tüchtiger Meiſter daheim bei künſt⸗ licher, ſchwieriger Arbeit.“
„Magſt recht haben!“ lächelte wehmüthig der Meiſter, „doch dafür lernt er auch ſeine Schrauben beſſer und ſchneller machen, als es je ſein Meſſer vermocht. Das iſt der Vortheil bei den Fabriken. Dort iſt Jeder nur ein Glied eines Ganzes— und mag er, als Ganzes betrach— tet, noch ſo unbedeutend ſein— er fördert doch das Ge—
triebe, er iſt doch ein Stift in der Maſchine, der nicht


