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alſo: ich ſoll täglich drei Mahlzeiten bekommen, in einem guten reinlichen Bette ſchlafen und mir meine alten Knochen an einem warmen Ofen laben dürfen?... Meiner Treu, wie ſollte ich mich nicht gern in ein ſolches Leben fügen? Ich wäre ein Thor, wenn ich's nicht dankbar hinnähme. Aber ich kann an ſo viel Glück noch gar nicht glauben. Was hab' ich gethan, Herr, daß ich mir eine ſolche Gnade verdient habe?“
„Seid Ihr nicht arm und verlaſſen?“ fragte Herr Raymond ihn lächelnd.„Ich will Euch beweiſen, daß das Leben nicht immer ein ſchlechter Scherz iſt, und daß man weder gegen das Leben noch gegen die Menſchen eine Bit— terkeit zu hegen braucht?“ Mit dieſen Worten riß er das Blatt, auf welches er einige Zeilen geſchrieben hatte, aus der Brieftaſche heraus, und händigte es dem Alten mit einigen mündlichen Weiſungen ein. ü
Der greiſe Bettler hörte ihn ſchweigend zu Ende, als ob er ſich hätte überzeugen wollen, daß auch Alles wahr und nicht das Truggebilde eines Traumes ſeie; endlich blickte er dem Reiſenden mit feuchten Augen in's Geſicht und ſagte kopfſchüttelnd:„Wohl hat das Sprüchwort Recht, daß auch die älteſten Leute in ihrem Leben nicht aufhören zu lernen. Ich bin 65 Jahre alt geworden ohne Das erfahren zu haben, was man in der Welt Wohlwollen und Güte nannte. Nun aber ſind es für mich nicht mehr leere Worte, ſondern wirkliche Dinge! Bitte, ſagen Sie mir Ihren Namen, mein Herr, damit ich wenigſtens auch weiß, Wen ich in meinem Herzen dafür ſegnen muß!“
Raymond nannte ſich ihm und benützte die jetzige weiche Stimmung des Greiſes, um ihn zu Beſſerung ſeines Lebenswandels und zur Angewöhnung einer beſſern Lebens— ordnung aufzufordern.
Während ihrer Unterredung war die Nacht einge— brochen; bald darauf ſah man von Weitem zwei Lichter auf der Straße daher kommen und hörte das Geklingel von Pferdeglocken: es war der Eilwagen nach Lyon, der nun anlangte. Der Reiſende ſtand raſch auf, verabſchiedete ſich von dem Greiſe, deſſen Dankesbezeugungen er ſich entzog, und trat zu dem Eilwagen, welcher anhielt, um die Pferde zu wechſeln. In wenigen Sekunden war das neue Geſpann vorgelegt, und das rieſige Fuhrwerk rollte unter Peitſchen— knall und Schellengeläute weiter.
Da alle Gelaſſe des Eilwagens ſchon beſetzt waren, ſo hatte Herr Raymond auf den Bock ſteigen müſſen, wo er einen einzigen Reiſegefaͤhrten vorfand, der ſich bis an
die Augen in einen weiten Mantel eingewickelt hatte. Ray⸗ mond bemühte ſich anfangs, durch Austauſch einiger All— tagsphraſen eine Unterhaltung mit dem Andern anzu— knüpfen; allein dieſer antwortete kaum und blieb in ſeinen Mantel eingemummt. Erſt nachdem er) ſich durch mehrere Verſuche überzeugt hatte, daß aus dieſem Burſchen Nichts herauszubringen war, beſchränkte Raymond ſich auf ſich ſelbſt und unterhielt ſich mit ſeinen eigenen Gedanken. Er ging daher im Stillen bei ſich die Liſte der Geſchäfte durch, die er in Lyon zu beſorgen hatte, durchſuchte noch im Mond— ſchein ſeine Brieftaſche, um zu ſehen, ob er alle nöthigen Papiere bei ſich habe, und ging dann in Gedanken mit ſich zu Rathe, was er mit den 150,000 Franken beginnen ſollte, welche ſeinem Geſchick eine ſolch freundliche Wendung gegeben hatten.(Fortſetzung folgt.)
Herzliche Bitte an Menſchenfreunde.
Am 15. d. Mts., Nachmittags gegen 2 Uhr, ſtürzte der hier wohnende Bergmann Heinrich Butte, als er eben ſein mühe und gefahrvolles Tagwerk auf dem Dorheimer Braunkoblenbergwerk vollendet botte und im Begriffe war, aus dem tiefen Schachte herauszuſteigen, wahr⸗ ſcheinlich in Folge von Entkräftung, wieder in die Tiefe hinab und gab mit dem Ausrufe:„ach, Herr Jeſus l“ alsbald ſeinen Geiſt auf.— Es war ein herzzerreißender Anblick, als der Mann, welcher am frühen Morgen geſund und wohl ſeine Familie verlaſſen hatte, am Nachmittage als Leiche, auf einem Brette liegend, von ſeinen Kameraden in ſeine Wohnung gebracht wurde, ſeine an Krämpfen leidende Frau unter beftigen Zuckungen zu Boden ſank und die 4 unmündigen, nun vaterloſen Waiſen jammernd und weinend die Hände rangen.— Butte war ein in der tiefſten Armuth ledender, äußerſt fleißiger und von echt chriſtlichem Sinne erfüllter Mann, der auch in der größten Noth ſein Vertrauen auf Gott nicht verlor und — nach ſeiner eigenen Erklärung— mit den Seinigen„wie im Himmel⸗ lebte und„mit manchem Reichen nicht tauſchen wollte“. Seine Familie hat mit ihm ihren Ernährer und Verſorger, ihre einzige irdiſche Stütze verloren und die leidende Wittwe iſt nicht im Stande, auch nur für die nothwendigſten Bedürfniſſe zu ſorgen, wenn nicht wohlthätige Menſchen⸗ freunde ſich ihrer erbarmen.— Im Hinblick auf die außerordentliche Noth der Hinterbliebenen wagen es daher die Unterzeichneten hierdurch öffentlich um einige Gaben der Liebe für dieſelben zu bitten. Auch die kleinſte Gabe wird mit herzlichem Danke empfangen und zweckmäßig verwendet werden.
Bepyenheim den 18. Januar 1855.
F. Hoffmann, Pfarrer. Muth, Bürgermeiſter.
Wir ſind gleichfalls erbötig, für die Hinterlaſſenen des verun— glückten Bergmanns Heinrich Butte milde Gaben anzunehmen. Die Exped. des Frie db. Int.⸗Bl.
Für die Familie des H. Butte gingen bereits ein: Von Hrn. Lehrer F. in Friedberg 30 kr.; Hrn. Sch. e en e eee
Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.
Oeffentliche Aufforderung. 181 Heinrich Völker von Bruchenbrücken will ſeine Immobilien, worüber vollſtändiger Grund⸗ buchsauszug auf der Regiſtratur der unterzeich⸗ neten Behörde zur Einſicht offen liegt, an ſeine Kinder abtreten; da er jedoch das Eigenthum zum Theil, namentlich hinſichtlich der Grund⸗ ſtücke 1 959, V 21, VII 113c., VII 134d. XII 138 nicht urkundlich nachweiſen kann, und das Stück 11. 373 im oberſten Pfannſtiel, ob⸗ gleich er Kaufbrief darüber beſitzt, auf Jacob Praſch Namen im Grundbuch eingetragen iſt, ſo werden alle, welche Anſprüche an die frag⸗ lichen Immobilien machen zu können glauben, aufgefordert, ſolche binnen 6 Wochen zur An⸗ zeige zu bringen, widrigenfalls dieſelben bei Be⸗ ſtätigung der Theilungsurkunden unberückſichtigt bleiben und das Stück II. 373 dem Heinrich Völker im Mutationsverzeichniß zugeſchrieben werden wird.
Friedberg den 7. Dezember 1854. Großherzogliches Landgericht Friedberg Hofmann, v. Preuſchen, Landrichter. Landgerichtsaſſeſſor.
Bekanntmachung.
1681 Die Pfandſcheine Nr. 22784 und 22440
ſind angeblich verloren worden.
Anſprüche an dieſelben ſind innerhalb ſechs Wochen bei unterzeichneter Verwaltung zu be— gründen, gegenfalls die Pfänder ausgehändigt und ſpätere Anſprüche nicht berückſichtigt werden.
Friedberg den 13. Januar 1855.
Für die Pfandhausverwaltung: Faatz. Fr. Schweitzer.
eff dh he eee 169] Anſprüche aller Art an den concursfälligen Andreas Guthmann II. in Ilbenſtadt ſind Dienſtag den 6. Februar d. J., Vormittags 10 Uhr, bei Meidung ſtillſchweigenden Ausſchluſſes von der Maſſe, welche übrigens kaum zur Deckung der Hypothekſchulden genügt, dahier anzuzeigen. Friedberg den 5. Januar 1855. Großherzogliches Landgericht Friedberg J. Verh d. Landr. v. Preuſchen,
Dr. Irle, Landgerichtsaſſeſſor. Landgerichtsaſſeſſor.
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Solz ger tei gern g. [72] In verſchiedenen Diſtrikten, und zwar jedesmal Vormittags 9 Uhr im Diſtrikte Haſſel⸗ ecker Weg beginnend, werden an den Meiſtbie⸗ tenden verſteigert:
J. Montag, den 29. d. Mts.:
2½ Stecken Eichen und 29 Stecken Nadel- Scheitholz; 7 Stecken Eichen- und 33„ do. Prügelholz; 4%½ Stecken Eichen- und 56 1 do. Stockholz; 5 375 Stück Eichen- und 7074 Stück do. Wellen u.. 2½ Wagen Allerleiholz. IJ. Dienstag, den 30. d. Mts.: 3 Stämme Eichenbauholz— 194 Kubikfuß; 235 0 Nadel⸗Bau⸗ u. Werkholz= 10209 Kubikfuß, von 6— 17 Zoll Durch⸗ meſſer u. 15-80 Fuß Länge, und 26 Stück Nadelſtangen— 103 Kubikfuß. Ockſtadt, am 17. Januar 1855. Freihl. v. Franckenſtein'ſches Rentamt Angerer.
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