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Friedberger Intelligenzblatt.

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ Dienſtag u. Frei⸗ ſpaltene Petit zeile

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, dees Id i„ e a bee ketten Amts- und verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. ane

ſammen 7 kr.

Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal,

Ni 7. 1855.

Dienſtag, den 23. Januar.

Amtlicher Theil.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg . an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes. Betreffend: Die in Gemäßheit des Geſetzes vom 8. Januar 1852 vorzunehmenden Ergänzungswahlen des Gemeinderathes.

Da nach Art. 44—46 des Geſetzes vom 8. Janaur 1852 im laufenden Jahre zur Vornahme der regelmäßigen Ergänzungswahlen hinſichtlich des austretenden Drittheils des Gemeinderaths zu ſchreiten iſt, ſo fordere ich Sie auf:

1) nach§. 1 der Anleitung vom 20. Februar 1852 die erforderlichen Wahlcommiſſionen für ſämmtliche Bürger— meiſterei⸗Gemeinden zu bilden, ſofort nach§. 2 von denſelben die Grundliſten aufſtellen und das weiter Erforderliche beſorgen zu laſſen.

2) die Beſtandliſten des Gemeinderaths der Gemeinden aufzuſtellen und diejenigen Mitglieder deſſelben in der Rubrik„Bemerkungen“ zu bezeichnen, welche mittlerweile durch Tod oder aus einem ſonſtigen jedesmal genau anzuge— benden Grunde ausgefallen ſind, und welche nach Art. 44—46 des oben erwähnten Geſetzes am Ende des Jahres 1855 auszutreten haben, ſofort die nach dem Schlußſatz des Art. 46 im Falle der Stimmengleichheit erforderliche Verlooſung

vorzunehmen und deren Ergebniß in der Beſtandliſte zu bemerken; 3) zu den fraglichen Arbeiten iſt ſich des vorgeſchriebenen gedruckten Formularpapiers“) zu bedienen, ſowie ich auch erwarte, daß die Protokolle und Liſten mit Sorgfalt aufgeſtellt und alle Ausſtreichungen möglichſt vermieden werden. 4) nach Vollendung der Ihnen aufgetragenen Arbeiten ſehe ich der Vorlegung der erwachſenen Akten entgegen.

Friedberg am 18. Januar 1855.

*) Dieſes Formular iſt in C. Bindernagel's Buchhandlung zu haben.

In Verhinderung des Kreisraths de Beauclair, Kreisaſſeſſor.

Eine gute Lehre. (Fortſetzung.)

Auch wenn der Ton des Reiſenden nicht ſo freundlich und wohlwollend geweſen wäre, hätte ſich Loriot, der ſehr gerne plauderte, nicht lange nöthigen laſſen, dem fremden Herrn ſeine Lebensgeſchichte zu erzählen und dabei jenen ſatyriſchen Humor zu entwickeln, den er ſich zur Würze und Lebensphiloſophie erkoren hatte. Sein Zuhörer be— griff bald, während er dieſer Schilderung auſmerkſam folgte, daß dieſes Leben, wie manche andere, halb aus Unvorſich— tigkeit, halb durch Zufall, aus der Bahn der Ordnung und Vernunft gewichen war; daß die erſten Verſehen und Fehl— tritte ſich unmerklich in leidige üble Gewohnheiten ver— wandelt und die ſchwere Buße herbeigeführt hatten, welche der Greis nun erdulden mußte.

Reiche Lebenserfahrungen, vorgerücktes Alter und umfaſſende Menſchenkenntniß hatten Herrn Raymond's Ge— müth nicht verhärtet, ſondern eher zum Mitgefühl geſtimmt. Sogar der beſtrafte Schuldige war ihm ein Unglücklicher, der ihn weniger an das zu ſühnende Vergehen, als an die Linderung ſeiner Strafe denken ließ. So ſaß er denn auch jetzt auf der Steinbank neben Vater Loriot und betrachtete die ſen mitleidig.

„Ihr ſteht alſo gegenwärtig ganz allein in der Welt, ohne andere Hülfsquellen als die Großmuth und Frei— gebigkeit guter Menſchen?“ fragte er den Alten.

„Allerdings, und daher kommt es, daß ich beinahe Hungers ſterbe,“ verſetzte der Bettler ironiſch;„allein ſo geht es nun einmal in der Welt:

Jupin hat jedem Stand der Welt der Tiſche zwei beſchieden:

Wer klug, gewandt und ſtark, der zecht am erſten friſch,

Das kleine Volk am andern iſt Mit dem Abhub von Jenen zufrieden.“

„Warum habt Ihr keinen Platz in dem neuen Hoſpi— tal von La Verpillière nachgeſucht?“ fragte Herr Ray— mond.

„Du liebe Zeit, Herr! Ich und ein ſolcher Platz, wie ſollten wir zuſammenkommen?“ verſetzte Vater Loriot, kopfſchüttelnd;„glauben Sie denn, es genüge, um Pfruͤnd— ner in einem ſolchen Spital zu werden, daß man eine der— artige Verſorgung nöthig habe? Dort nimmt man nur Leute auf, die wohlhabend oder gut empfohlen ſind, denn die Spitäler und Pfleghäuſer ſind heutzutage nur für die— jenigen da, welche Gönner beſitzen, und nicht für die armen Leute!“

Herr Raymond lächelte, zog eine Brieftaſche von Maroquin heraus, auf deren Deckel ein kleines Miniatur— bild eingeſetzt war und ſagte freundlich:„Wohlan denn, ſo will ich Euer Gönner werden. Ich habe zur Stiftung des Spitals auch meinen Antheil beigeſteuert, und daher nach dem Stiftungsſtatut das Recht, einen Pfründner zur Aufnahme vorzuſchlagen. Von dieſem Rechte hab' ich glück— licherweiſe ſeither noch keinen Gebrauch gemacht und will Euch eine ſolche Pfründe verſchaffen!“

„Wie, Herr? iſt das wirklich Ihr Ernſt?“ rief Loriot erſtaunt.

„Ei gewiß! und zum Beweis dafür braucht Ihr nur das Billet, das ich Euch nun ſchreiben werde, zum Direktor hinzutragen.“

„Und ich werde in's Spital aufgenommen?“ fragte der Alte.

„Zuverläſſig, und Ihr könnt Euren Lebensabend vol— lends dort zubringen, wenn Ihr Euch nämlich in die Haus— ordnung fügen wollt!“

„Die Hausordnung?“ rief der Bettler, und die Thränen traten ihm unwillkürlich in die Augen;„das heißt

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