Ausgabe 
21.12.1855
 
Einzelbild herunterladen

Die Jahre kommen und gehen in ihrem immer gleichmä⸗ ßigen Schritte hin über die Erde. Doch wie oft werden dem Menſchenherzen Tage zu Wochen und Monden, wie oft aber ſchwinden ihm auch Stunden und Tage, ja Wochen und Monate dahin wie eine einzige flüchtige Minute, je nachdem die geſchäftige Sorge auf ihm laſtet und der na gende Wurm der Reue darin zehrt, oder die tanzende Woge des Glückes es auf ſeinem klaren ſchwellenden Spiegel dahin trägt. Für Klara gab es keinen Wechſel der Zeit.Pfeilſchnell iſt die Gegenwart entflogen!, Dies konnte man freilich auch von ihr ſagen, denn der Flug der Zeit ging ſo raſch an ihr vorüber, daß ſie ſeine Schwingungen gar nicht bemerkte. Ihr war die nächſte Stunde wie die letzte, der kommende Tag wie der vergan⸗ gene. Mit gleicher, ungetrübter Heiterkeit und Ruhe wal tete ſie im Kreiſe ihrer ſtillen Häuslichkeit. Der Mann, deſſen Liebe mit ihren Jahren groß gewachſen, war nun ihr Gatte; das Haus, das ſie einſt arm und verlaſſen als Aſyl aufgenommen, war nun ihr eigenes geworden. Was ſie nächſt der Liebe ihres Gatten beglückte, war die ihr gegebene Möglichkeit, ihren theuren Schwiegereltern, die ja früher ſchon ihre Adoptiveltern geworden waren, in thätiger Liebe ſich dankbar zu erweiſen. Freudig er füllte ſie ihnen jeden Wunſch, den ſie ihnen nur aus den Augen leſen konnte. Mehr aber als alle Dienſte, die ſie ihnen leiſtete, erfreute die alien Herzen das täglich ſich erneuernde Bewußtſein, daß ihr Sohn in dem Beſitze Klaras ſo glücklich ſei, als ſie ſelbſt einſt in den goldenen Tagen ihres erſten ehelichen Glückes waren.

Zögernd kommt die Zukunft hergezogen! Niemand ſah und fuͤhlte den langſamen, trägen Schritt der kommen den und namentlich der beſſern Zeit langſamer und träger heranſchleichen als der junge Hugo Weller. Seine Mutter hatte ſich nach dem gewaltſamen Tode des Vaters mit der Aufopferung und Entſagung, welche großen Frauen herzen eigen ſind, bald in ihr herbes Schickſal ergeben. Ihr klarer Geiſt, ſo bald er die nothwendige Ruhe wieder gefunden hatte, ſagte ihr, daß ſie nicht blos Wittwe, daß ſie auch Mutter ſei, und daß die mütterlichen Pflichten jetzt ihr ganzes Herz erfüllen müſſen. Sie gab auch den jenigen Reſt ihres Vermögens, den ihr die Gerichte als unantaſtbares Eigenthum zuſchrieben, dahin, um die här teſten und ungeſtümſten Gläubiger zu befriedigen. An ſolche, die mit einem ausgedehnten Beſitze ein gutes und für fremde Leiden mitfühlendes Herz beſitzen, wendete ſie ſich perſönlich um Nachlaß oder Schankung und ruhte nicht eher, als bis ſie dieſelbe in Ferm einer rechtmäßigen Ur kunde erhalten hatte, ſo daß an ihren Sohn, wenn er vielleicht ſpäter einmal in glücklichere Umſtände gelangen ſollte, keine Forderung mehr geſtellt werden könnte, und nicht der Schatten einer trüben Vergangenheit auch in ſeine hellere Zukunft hinüberragen würde. Zu ihrem und ihres Sohnes Glücke hatte ſich ihr Gemahl in ſeinen beſ⸗ ſeren Tagen an der Gründung eines Inſtitutes betheiligt, das ihuen jetzt eine rettende Zufluchtsſtaͤtte gewähren ſollte. Dies Inſtitut war eine Freiſchule für Söhne verunglück⸗ ter und verarmter Kaufleute. In dieſe Freiſchule trat jetzt Hugo ein, um ſich für die ſpätere Gründung einer eigenen ſelbſtſtändigen Lebensſtellung vorzubereiten. Da in der Kaufmannsſchule gegenwärtig auch die Stelle einer Beſchließerin erledigt war, ſo bewarb ſich ſeine Mutter um dieſelbe; und daß man ſie der unglücklichen Wittwe eines Mannes, der ſich an der Begründung des Inſtituts in hervorragender Weiſe betheiligt hatte, nicht abſchlug, läßt ſich leicht denken. So öffnete ſich ihr, wenn auch in

dienender Stellung, doch der Beginn eines neuen ehrlichen

438

Daſeins, und blieb ihr zugleich die ſchwere Trennung von dem geliebten Sohne erlaſſen. Auf dieſem aber laſteten die Jahre des Unterrichts ſchwer und drückend. Nicht als ob er die Mühe des Unterrichts ſelbſt geſcheut oder ſich unter den übrigen Zöglingen, denen er allen an Jahren überlegen war, deßhalb unbehaglich gefühlt hätte; es war zunächſt nur der Anblick ſeiner Mutter in ihrer jetzigen dem frühern Wohlbehagen ſo entgegengeſetzten Lage, der ihn unendlich traurig machte. Doch gerade der ſehnende Wunſch, ſie recht bald dieſer dienſtbaren Lage entreißen und ihr einen eignen, wenn auch beſchränkten, häuslichen Herd bereiten zu können, trieb ihn zu einem ſolchen Eifer und einer ſolchen Ausdauer in ſeiner Schule, daß er die⸗ ſelbe ſchon vor dem Ablaufe der eigentlich feſtgeſetzten Zeit unter allgemeiner Zufriedenheit verlaſſen durfte. Da er die nothwendigſten praktiſchen Handgriffe und tech⸗ niſchen Behelfe ſchon früher im Geſchäftszimmer ſeines Va⸗ ters erlernt hatte, ſo gelang es ihm nun bald, ſich eine Stelle zu erringen, die es ihm bei ſorgfältiger Beſchrän⸗ kung erlaubte, ſeine Mutter zur Führung und zum Mit⸗ genuſſe ſeines kleinen Hausweſens zu ſich zu nehmen. Dieſelbe fühlte ſich in dieſer kleinen, beſchränkten Häus⸗ lichkeit bald glücklicher und zufriedener als früher in ihrem glänzenden Wohlleben. Damals in dem immer gleichen, ruhigen Beſitze und Genuſſe, der unwillkührlich zu dem Gedanken verleitet, es müſſe das Alles von ſelbſt ſo fort⸗ dauern, fühlte ſie nicht die ſtille Seligkeit, die ein ſonniger Frühlingsblick des Geſchickes dem in der Winternacht der Armuth und des Unglücks erſtarrten Menſchenherzen ge⸗ währt. Die Sommertage ihres vormaligen Reichthums betrachtete ſie nun als ein parteiiſches Geſchenk des blinden, verſtandloſen Zufalls; an dem Herbſtmorgen ihrer Gegen wart aber hingen die ſchönſten Thauperlen, die das Erden leben erzeugen kann: es waren die Schweißtropfen des Fleißes, die Thränentropfen der Dankbarkeit von ihrem ge⸗ liebten, einzigen Kinde.(Schluß folgt.)

Friedberger Kirchenbuchsauszug vom Monat November.

Getraute:

11. Friedrich Chriſtian Ritzel, hſ. B. u. Hufſchmied, des hf. B. u. Hufſchmieds Johann Wilhelm Ritzel ebl. led. S. und Maria Eliſa⸗ betha Hahn, des B. u. Oekonomen zu Melbach, Kr. Friedberg, Johann Friedrich Hahn ehl. led. T.

12. Johannes Feiling, hſ. B. u. Oekonom, des verſt. hſ. B. u. Oekonom. Jacob Feiling ebl. verwittw. S. u. Maria Dorothea Bopp, des B. e zu Aſſenheim, Kr. Friedberg, Karl Ludwig Bopp ehl. led. T. 25. Johann Philipp Engel II., hſ. B. u. Metzgermeiſter, des h. B. u. Metzgermeiſters Joh. Heinrich Engel ebl. led. S. u. Maria Magdalene Becker, des verſt. B. Wirths u. Oekonomen zu Melbach, Kr. Friedberg, Philipp Becker ehl. unverheirathete T.

25.(zu Laubach). Konrad Diehl, hſ. B. u. Schneidermeiſter des verſt. Feldwebels Johannes Diehl ehl. verwittw. S. u. Maria Krauß, des B. zu Laubach u. Barbiers Philipp Krauß ehl. led. T.

Gera ft e 4. Dem bſ. B. u. Sattlermeiſter Heinrich Hieronymus ein S. Heinrich Hartmann, geb. 19. Oct. 4. Dem hf. B. u. Schreinermeiſter Johannes Becker ein S. Karl Friedrich Chriſtian, geb. 19. Oct. 8. Dem hſ. B. u. Gaſtwirth Wilhelm Auguſt Simon eine T. Anna Roſa Emilie, geb. 28. Sept.. 11. Dem bſ. B. u. Schuhmachermeiſter Johannes Enders eine T. Anna Maria, geb. 18. Oct. 0 1 11. Dem B. zu Schotten u. Tuchmacher Heinrich Breiter eine T. Juliane, geb. 14. g 25. Dem bſ. B. u. Fuhrmann Chriſtoph Jof eine T. Suſanne Dorothea, geb. 11. Nov. f Beer digte: 11. Anna Cbriſtine Nees, des hſ. B. u. Handarbeiters Johann Heinrich Nees ehl. T., alt 4 J 7 M. 20 T., T 10. 14 Johanna Charlotte Wilhelmine Wendel, geb. Diehl, des B. zu Horchheim in Rbeinbeſſen u. Ziegler dahier Johann Peter Wendel Ehefrau, alt 38 J. 20 T., f 12.

Submiſſio worüber d. Stelle l Gebalt bie Mormiltag Auſſchrist eizureiche Gie ſſe G1

2 G ü g

1852] 1 Vert Erben g Termin a 27

anberaum

find. Fried!

Der Vorf

DSJ die in de ſlücke

V

V ſo ihm zi den Nan ſtehende, Grundffüe Schwalbe Elgenthum Aurag we Grundſtäe zeige

unter der ſonſt die! resp. nat hard Wal Grundbuc tationsver Fried 0

11834] 1 fſehende n des Heinr

weurg Mußt, we haupt on gemacht

ſchluſſeg Nit hier arzuz erſchrinend der Wahl khrators 90 dre dbe Or