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Amtlicher Theil.
Von den erſchienenen Regierungsblättern für 1835 ſind zu publieiren:
Nr. 36 sub 2. Nr. 37 sub 1, 2, 4. Nr, 38 sub 2. Nr. 39 das Polizeiſtrafgeſetz vollſtändig. Nr. 40 sub, 1, 4. Nr. 41 sud 1, 2.
Nr. 42 sub J, 2, 3. 4. Friedberg am 18. Dezember 1855.
Großherzogliches Kreis amt Friedberg 1 Müller.
Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Betreffend: Die Abnabme des Verfaſſungscides vom 4. Quartal.
Der Verfaſſungseid für das 4. Quartal l. J. wird Dienſtag den 8. Januar l. J. Vormittags 11 Uhr auf dem Rathhauſe dahier abgenommen. Sie werden die jungen, im 4. Quartal l. J. aufgenommenen Ortsbürger hierher einladen, und Inſinuationsbeſcheinigung vor dem Termin anher einſenden.
Friedberg, am 18. Dezember 1855.
Müller.
An Die eben
Sie haben alsbald in Ihren Gemeinden bekannt zu machen, daß die Conſeriptionsliſte der Militärpflichtigen des Jahres 1856 im Kreiſe Friedberg, in Gemäßheit des Art. 25 des Rekrutirungsgeſetzes vom 20. Juli 1830, 14 Tage lang und zwar vom 24. d. M. bis zum 7. k. M. zu Jedermanns Einſicht auf meinem Büreau offen liege.
Betreffend: Die Muſterung des Jahres 1856.
Friedberg, am 20. Dezember 1855.
Müller.
Ernennungen. Zu Bürgermeiſtern und Beigeordneten wurden ernanut für die Gemeinden: Wölfersheim: der ſeitherige Bürgermeiſter Andreas Allwohn II. zum Bürgermeiſter; der ſeitherige Beigeordnete Hein⸗
rich Peter Dorſch zum Beigeordneten.
Wiſſelsheim: Der ſeitherige Beigeordnete Georg Nürnberger zum Beigeordneten. Wohnbach: Der ſeitherige Bürgermeiſter Wilhelm Philippi II. zum Bürgermeiſter und der ſeitherige Beigeordnete
Conrad Lung II. zum Beigeordneten. Friedberg den 19. Dezember 1855.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg M̃üel leer
Ein Stücklein Brod. 1.
Ein lautes, freudiges Leben erfüllte die Stadt. Ein Lichtmeer ſchien ausgegoſſen durch die Straßen, ein won— niges Rauſchen und Klingen drang durch die Lüfte: es war ja der ſchönſte, der ſeligſte bend, der Weihnachts- abend, eingekehrt bei den kleinen und großen Kindern. Tauſend Herzen, welche der Froſt des Stolzes, die Kälte der Gleichgiltigkeit bisher geſchloſſen hielt, thauten auf in dem Hauche der allgemeinen Freude. Tauſend andere Herzen, welche aus den Wunden des Schmerzes und des Haſſes, der Erniedrigung und Entſagung geblutet hatten, ſchloſſen ſich unter dem lindernden Balſam des Friedens und der Verſöhnung. Der heilige Chriſt berührte ſie mit ſeiner ſegnenden Wunderhand und wiegte ihr rauhes und rohes Werktagstreiben wenigſtens auf einige Stunden zur ſtillen Sabathruhe ein. Doch auch dieſer Abend, den ich beinahe einen allgemeinen Feſt- und Feierabend genannt hätte, ging, wie ſo oft alles menſchliche Glück und alle irdiſche Freude, an manchem Hauſe und manchem Herzen vorüber, ohne darin eine gaſtliche Einkehr zu nehmen. Während in den glänzenden Gemächern des Reichthums und des Wohlſtandes Wonne und Entzücken die Herzen berauſchten, herrſchten in dumpfen Wohnungen der Ar— muth das Elend und der Kummer oft mit doppelter Ge— walt. Am traurigſten war es an dieſem Abend in einer duſtern Stube der Vorſtadt; die arme und kranke Tagloh⸗ nerswittwe Mariane Lebrecht hatte dieſelbe mit ihrer 6jähri— gen Tochter Klara bisher bewohnt. Sie hatte ſeit Monaten nichts mehr verdienen, alſo auch nichts mehr bezahlen können, und wenn man ſie noch in der Stube duldete, ſo dankte ſie es nur dem traurigen Umſtande, daß ſie ihr armes Lager nicht mehr verlaſſen konnte, und der Tod ihr bald eine andere Wohnung anzuweiſen verſprach.
Heute war er denn auch an ihr Lager getreten, der letzte, allgemeine Freund der duldenden Menſchenkinder, und hatte ein Leben geendet, das voll war von Mühſal und Noth, dem nur wenige Sonnenblicke des Genuſſes und der Freude geleuchtet hatten. Die Todtengräber waren eben beſchäf— tigt, die Leiche fortzuſchaffen. Niemand befand ſich im Zummer außer Klara, die heute ſchon ſo viel geweint hatte, daß ſie keinen Laut und keine Thräne mehr fand als ſie ihre Mutter hinaustrugen. Doch kaum hatten die Män⸗ ner des traurigen Amtes die Stube verlaſſen, ſo eilte ſie ihnen nach, erlag aber bald der ungeheuren Laſt des Schmerzes und ſturzte nieder in den Schnee. Die heftige Kälte aber trieb ſie bald wieder empor, und nun ſtellte ſich auch ein anderes Gefühl bei ihr ein, das Gefühl des Hungers, denn das arme Kind hatte zwei Tage am Ster— belager ſeiner Mutter geſeſſen, ohne einen Biſſen zu genießen.
Das Elend der verwaiſten und verlaſſenen Klara war ſo groß, daß ſie daſſelbe nicht zu faſſen, ja nicht zu ahnen vermochte; es war nur der natürliche Trieb der Selbſterhaltung, der ſie leitete, den Menſchen entgegen, die ſie ja doch nicht verſchmachten laſſen konnten. Als ſie um ſich ſah, um ihre Wanderung zu beginnen, erblickte ſie vor ſich einen prächtigen Palaſt. Sie eilte in den— ſelben und ſtieg, da ſie unten Alles leer fand, die Treppe empor, von der das Licht ihr entgegen ſtrahlte und ver⸗ worrenes Geräuſch zu ihr niedertönte. Kaum hatte ſte die letzte Stufe der Treppe erreicht, als an der Hand einer älteren Dame ein Mädchen, das ihr Alter haben mochte und das geſchmückt war wie eine Puppe, aus einem gegenüber liegenden Zimmer hervortrat. Klara ſtürzte mit dem ſchmerzlichen Ausrufe:„Ein Stücklein
Brod!“ der geputzten Kleinen entgegen; dieſe aber wandte ſich mit Abſcheu ab und mit den Worten:„O pfui, das gar— ſtige Bettelkind!“ zog ſie ihre Begleiterin nach dem Salon, wo gewiß der koſtbarſte Weihnachtsbaum ihrer harrte;
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