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hatte, ſo war er durch Rang, Verſtand und Wohlhaben⸗ heit offenbar mit dem Herrn Oberpfarrer der bedeutendſte und angeſehenſte Mann im Orte.
Er ſaß an dieſem geſegneten Morgen gerade mit ei— nigen Spießbürgern am Frühſtückstiſche, las aus der Tante Voß die Nachricht von dem großen in Berlin verübten Diebſtahl vor und deducirte dabei als Nutzanwendung ſei— nen Zuhörern die Vortrefflichkeit und Nothwendigkeit einer guten Polizei für jeden Ort, groß oder klein.„Denn,“ ſagte er und legte den Zeigefinger an die Naſe,„wenn trotz all der vortrefflichen Polizei in der Reſidenz derglei⸗ chen Diebſtähle ausgeführt werden können, wie würde dann erſt geſtohlen werden, wenn gar keine Polizei auf Erden wäre!“
In dieſem Augenblicke ward das Signal der erwar- teten Schnellpoſt gehört. In drei bis vier Minuten mußte umgeſpannt werden. Die Pferde ſtanden bereit. Ein Poſt⸗ ſchreiber expedirte. Dieſe kurze Zeit mußte unſer Poſt— meiſter benutzen, von den von Berlin kommenden Reiſenden wo möglich einige neueren Nachrichten uber den großen Diebſtahl einzuziehen. Er trat deshalb an den Wagen, „Um Vergebung, kommen die Herrn von Berlin?“ fragte er eifrig.
„Zu dienen?“ antwortete der Lieutenant von Stol— zenberg.
„Nichts Näheres über den großen Diebſtahl, mein Herr Lieutenant? Iſt der Dieb ſchon erwiſcht?“ fragte er haſtig weiter.
„Noch nicht, mein Herr!“ antwortete der Gefragte. „Aber man hat eine Prämie von Tauſend Thalern für denjenigen ausgeſetzt, der den Dieb feſtnimmt und den Gerichten einliefert. Man muthmaßt, daß er noch in Ber— lin ſich aufhält und als vornehmer Herr daſſelbe zu ver— laſſen ſucht. Man hat ſtarke Vermuthung auf einen jungen Mann mit ſchwarzem Schnurrbart und verdächtigem Ge— ſicht, der Tags zuvor unter einem auffallenden Vorwande im Hauſe des Beſtohlenen geſehen worden iſt. Wer weiß, ob der nicht der ganzen Polizei ein Schnippchen ſchlägt
12 als großer Herr mit Extrapoſtpferden von Berlin ab⸗ ährt.“ a a
Die Poſt war expedirt; der Poſtillon gab das Sig⸗ nal und dahin rollte die Schnellpoſt.„Tauſend Thaler Prämie!“ ſprach der Poſtmeiſter nachdenklich für ſich und ſtand fünf Minuten auf derſelben Stelle,„Tauſend ganzer Thaler! na! wer die verdient, braucht ſich wegen des rothen Vogels weiter keine Sorge zu machen, der kommt dann gewiß von ſelbſt auf die Bruſt geflogen.“
Eben fährt die Droſchke langſam vor und ſchon aus dem Innern ruft ihm eine Stimme haſtig zu:„Courier⸗ pferde! ſo raſch, wie möglich!“ g
„Courierpferde? ſo raſch wie möglich? und mit Extrapoſt angekommen ſein? was iſt denn das? murmelte der Poſtmeiſter in ſich hinein und es regte ſich der Polizei— beamte mächtig in ihm.
Mit verdächtiger Miene nimmt er dem Poſtillon den Begleitſchein ab, um des Reiſenden Namen, Stand und Würden daraus zu erſehen. Aber der Berliner Poſtſecre— tair hatte in unverantwortlicher Flüchtigkeit den Reiſenden nur kurzweg als Herrn& aufgeführt.
„Was iſt der Herr Iks, den du gefahren haſt?“ fragte er nun leiſe den Poſtillon.
„Was weiß ich's? antwortete dieſer,„ein vorneh— mer Herr wird's ſein, der viel Geld und große Eile hat. Ich habe furchtbar auf das arme Vieh losſchlagen müſſen. Dabei iſt das Handpferd geſtürzt und hat ſich das Knie geſchunden. Sehen Sie da nur, wie es hinkt.“
„Nun, er wird auch das Trinkgeld darnach gegeben haben?“ forſchte der Poſtmeiſter weiter.
„Nun ja! das wohl!“ erwiderte der Poſtillon ſchmun⸗ zelnd;„der Herr hat auf der ganzen Tour doppeltes und dreifaches Trinkgeld gegeben und dem Wagenmeiſter auf der letzten Station gar einen harten Thaler zugeworfen, damit er nur raſch Pferde beſorge.“
„Hm! hm! hm!“ murmelte der Poſtmeiſter, nicht möglich! doppeltes und dreifaches Trinkgeld? das iſt eine wahre Seltenheit jetzt! Und dem Wagenmeiſter einen harten Thaler zugeworfen! Unerhört das!“(Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.
Main⸗Weſer⸗ Bahn. 11191] Die neben der Bahn liegenden Par⸗
meldet habenden Erben gegen Cautionsleiſtung überlaſſen, deren Erbrecht für anerkannt ange⸗ 259/21. 269/44. 271/54. 316/14. 323/25.
3068/6. 306/7. 226/43. 238/23. 239/80.
zelleureſte follen, auf die Dauer von 6 Jabren, nommen und die zum Eintrage in das Muta⸗ 258,18. 248/20. 218,4. 1/6%%. IV/Y27.
5 je Meiſbie⸗ tionsverzeichniß erforderliche Urkunde ausgeſtellt vom 1. November l. J. an, an die Meiſtbie werden) falls mitt beſſere Erbe ober ufig
tenden verpachtet werden.
VI/42. 1/91. IV/81. 330/29. 312/38. 23 4/2. 30/5. 225/88. 235,9. 230/64
5 5 5. b 1 5 5 ncht Die Zusammenkunft iſt Montag den 27. Anſprüche binnen 2 Monaten dahier erhoben vertheilt, können jedoch, obwohl ſie die gericht
Auguſt für die Gemarkungen: Fauerbach II. Morgens 8 Uhr am Uſathor, Bruchenbrücken Morgens 9 Uhr am Linden— baum,
und begründet werden; desgleichen auch bezüg- lich beſtätigten Erwerbsurkunden über die Grund⸗ lich nachſtebender 4 Obligationen, die von den ſtücke beſitzen, nicht genügend nachweiſen, daß Eltern des Abweſenden, den Gottfried Weiſels die davon zu zahlenden Kaufſchillinge und da⸗ Eheleuten von Münſter errichtet, und be- rauf angewieſene Schulden bezahlt ſeien, weß⸗
Niederwöllſtadt Morgens 10 Uhr an der ſcheinigtermaßen abgetragen ſind, hiernach aber halb die Theilung nur mit Vorbehalt deßfall⸗
alten Schlags hohle, als Okarben Nachmittags 2 Uhr am Forſter⸗ wald, Kloppenheim Nachmittags 3 Uhr am Selzer⸗
brunnenweg, 9. Januar 1789;
in den Hypothekenbüchern gelöſcht werden ſollen, ſiger Verbindlichkeit der Erbintereſſenten con⸗
firmirt worden iſt. Um dieſen Vorbehalt aus
1) bei dem Curator der Gerhard Ortiſchen der Beſtätigungsklauſel zu entfernen, werden, Concursmaſſe Adv. Heß über 50 fl., dd. auf Antrag der Vertheiler, alle Diejenigen,
welche von den obigen Grundſtücken etwa noch
Vilbel Nachmittags 4 Uhr an der Dortel⸗ 2) bei Adv. Heß über 40 fl., dd. 10. Juli Kaufſchillinge zu fordern, hypothekariſche oder
weiler Grenze. 1780;
Die Bedingungen werden bei der Verſteige— rung bekannt gemacht. Friedberg den 10. Auguſt 1855. Der Großherzogliche Bahn-Ingenieur des Bahnbezirks Friedberg Hochgeſand.
Oeffentliche Aufforderung.
1792 und
Landrichter.
ſonſtige Anſprüche daran zu bilden haben ſollten,
3) bei demſelben über 50 fl., dd. 12. Mai hierdurch aufgefordert, dies ſogewiß binnen 6
Wochen von heute an dahier anzuzeigen, als
4) bei Maria Margaretha Ruppel zu Mai- ſonſt die ſtattgehabte Theilung für unbedingt bach über 100 fl., dd. 12. Oktober 1792. beſtätigt und die Theilungsintereſſenten zur freien
Butzbach den 25. Juli 1855. Großherzogliches Landgericht Ebel, M
Disposition über die vertheilten Grundſtücke
Butzbach für berechtigt erachtet, insbeſondere etwaige in Hf, den Sprotbeieug hen 1 10 W 0 i 1 einträge bezüglich obiger Parzellen gelöſcht wer⸗ Landgerichtsaſſeſſor. dun u rde
[1154] Nachdem die Erbſchaft über das ledig⸗
Weiſel aus Münſter, geb. 1774, als defe⸗
zirt anzuſehen iſt, ſo wird dieſelbe den ſich ge⸗ ö markung:
EGSdie tal lad up g⸗
lich aus Immobilien beſtehende Vermögen des[1155] Die Philipp Laubus'ſchen Erben von abweſenden, für todt zu erachtenden Johannes der Görbelheimer Mühle haben folgende Grund⸗ ſtücke in Bruchenbrücker und Fauerbacher Ge⸗
Friedberg am 2. Auguſt 1855. Großherzogliches Landgericht Friedberg In Verh. Gr. Landr. v. Preuſchen, Landgerichts ⸗Aſſeſſor.
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Oeffen 1 2] Jace, 9 5 Auguff“ weſend, lll* Gemarkung 0 alben Vermogen einen Bröderm, ur Beuuung vnterdeſſen ber Kinder wollen! Da nun Jacob. überschritten hab der genannten feine bwin 15 forderung, binn zu
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