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Friedberger Intelligenz!
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Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Perkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
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Freitag, den 19. Oktober.
1855.
Regierungsblatt Auszug.
Nr. 28. vom 4. September. 1. Bekanntmachung Großh. Miniſteriums der Finanzen vom 24. Aug., die Orga niſation des Aufſichtsperſonals für die inneren indirecten Auflagenz 11. Bekanntmachung Großh. Oberpoſtinſpecetion vom 28. Aug, wor— nach mit dem 1. Sept. die Cariolpoſt zwiſchen Gernsheim und Zwingenberg außer Wirkſamkeit geſetzt und an deren Stelle eine tägliche Botenpoſt errichtet wird.— 111. Bekanntmachung derſelben Behörde von demſelben Tage, wonach zur Erleichterung des Per⸗ ſonenverkehrs die Einrichtung getroffen worden, daß mittelſt des Lau⸗ terbach-Gießener Poſtwagens Perſonen von und bis zum Ein⸗ mündungspunkte der Herbſteiner Straße Beförderung erhalten (Perſonengeld für die Strecke zwiſchen dieſem Punkte und Lauterd a ch einerſeits und Engelrod anderſeits 16 kr.)— IV. Umlagen zur Beſtrei⸗ tung der Bedürfniſſe der israel. Religionsgemeinden im Kreiſe Fried⸗ berg für 1855.— V. Dienſt nachrichten. S. K. O. der Groß⸗ herzog haben allergnädigſt geruht: am 18 Juli dem Poſtexpeditions⸗ gehülfen Prinz zu Vöhl die Stelle eines Poſtexpeditor daſelbſt zu übertragen;— dem Poſtpraetikanten Hofm ann zu Darmſtadt den Titel eines Poſtaſſiſtenten zu verleihen;— 20. Juli dem Schullch er Dehn zu Arnsheim die evang. Schullehrerſtelle zu Ernſthofen zu übertragen;— 24. Juli den mit der vorläufigen Verſehung des Rent⸗ amts Großgerau beauftragten Rentamtmann Riedel definitiv für dieſe Stelle zu ernennen und dem Rentamtmann Schenck zu Gla⸗ denbach die Verwaltung des proviſoriſch errichteten Rentamts Langen zu übertragen;— den Bahnwärter Horn zum Porkier auf der Station Bensheim der Main⸗Neckar⸗Eiſenbahnz— 26. Juli den Expedienten Nies zu Gießen zum zweiten Güter⸗Expedienten auf der daſigen Station der Main- Weſer⸗Eiſenbahn 2 00. Juli den Feldwebel in der 2. Schützencompagnie des 1. Inf. ⸗Reg. Rauſch zum Kanzleidiener am Bezirksgerichts, Mainz zu ernennen;— 6. Aug. dem Pfarramtscandidaten Dr. Ae, zu Jugenheim(Greis Bingen) die 1. evang. Stadtknabenſchulſtelle, 2. Abthallung, zu Darm⸗ ſtadt zu übertragen;— 9. Aug. den. außerordentl. Profeſſor bei der philoſoph. Facullät der Landesuniverſität Dr. 55 uckart zum ordent⸗ lichen Profeſſor dabei, insbeſondere für das Lhrfach der Zoologie und vergleichenden Anatomie, ſowie den Proſeckor an dem anato⸗ miſchen Theater zu Gießen Dr. Eckh ard zum außerordentl. Profeſſor bei der medieiniſchen Facultät der Landesuniderſitat;— 14. Aug. den bisherigen Seeretär bei der Großh. Badiſchen Centralſtelle für die Landwirthſchaft und ſtaatswirthſchaftlichen Referenten bei der Großh. Badiſchen Regierung des Oberrheinkreiſes Oofſacer zu Freiburg zum Lehrer der Landwirthſchaft an der böberen Gewerbſchule zu Darm⸗ ſtadt zu ernennenz— den von dem kath. Pfarrer und dem Gemeinde⸗ rath zu Froſchhauſen in Verbindung mit dem Kreis rathe des Kreiſes Offenbach auf die kath. Schulleh— rſtelle zu Froſchhauſen präſentirten Schulvicar Gärtner zu Lindenfels für dieſe Stelle zu beſtätigen.— VI. Dienſtentbin dung: am 23. Mai Schullehrer Kitz zu Langen⸗ hain, auf Nachſuchen, von der Uebernahme der 1. evang. Schulſtelle zu Dauernhe im.— VII. Dienſtentlaſſu ngen: am 26 Juli der Lehrer an der 4. kath. Schule zu Lorſch, Rapp;— 9. Aug. der ordentliche Profeſſor bei der medieiniſchen Jacultät der Landesuni⸗ verſität, Dr. Vogel, auf ſein Nachſuchen unter der Bedingung, daß derſelbe in Gemäßheit der Beſtimmung Art, 12. des Ericts vom 12. April 1820 über die öffentlichen Dienſtverhältniſſe der Civilbeamten die von ihm bisher bekleidete Dienſtſtelle noch auf die Dauer von weiteren 6 Monaten fortzuverſehen hat.— VII. Concurrenz für: die Stelle eines Kreisarztes des Medieinalbezirks Großgerau;— die evang. Pfarrſtelle zu Breungeshain, mit 969 H kx. jährl., wovon jedoch 8 Jahre lang jährlich 150 fl. in Abzug kommen;— die evang. Pfarr⸗ ſtelle zu Aſſenheim mit 572 36 kr(Präſentation des Herrn Grafen zu Leiningen⸗Weſterburg); die 1. evang. Schulſtelle zu Hammelbach mit 281 fl. 17 kr. nebſt einer Entſchädigung von 15 fl. 30 kr. für Heizung des Schullocals;— die evang. Schulſtelle zu Climbach mit 200 fl. 42 kr. nebſt einer Vergütung von 16 fl. 48 kr. für Heizung des Schullocals.
Das unfreiwillige lange Ereditgeben der Handwerker und Kaufleute.
Aus einem Vortrage, welchen K. Biedermann in einer Verſammlung der polytechniſchen Geſellſchaft zu Leipzig gehalten und worin er ein Hauptübel des heutigen geſchäftlichen Verkehrs, welches namentlich dem Hand- werker immer verderblicher zu werden droht, hervorhebt, theilen wir die nachfolgenden Stellen mit, obgleich die— ſelben bereits in verſchiedenen viel geleſenen Blättern Auf— nahme fanden, allein doch manchen unſere Leſer noch nicht zu Händen gekommen ſein konnten.
Unter den vielen Widerwärtigkeiten, mit denen der Handwerker und der kleinere Kaufmann(der ſogenannte Detailhändler) zu kämpfen hat, iſt kaum eine für ihn drückender und für das Wohlbefinden, ja die Solidität dieſes ganzen ehreuwerthen Standes bedrohlicher, als die weitverbreltete Unſitte, die Arbeiten des Handwerkers und die vom Kaufmann entnommenen Waarxen erſt nach längerer Zeit und auch dann noch oft nur auf wieder— holtes Andriugen, ja zuweilen nur nach Anwendung von Rechtsmitteln, zu bezahlen. Den Betrag der Summen, die auf dieſe Weiſe dem Handwerker und Kaufmann oft Jahre lang von ſeinem ſauer verdienten Gelde entzogen werden, kann man im Durchſchnitt ein Drittheil, die Hälfte wenn nicht noch mehr, den Betrag der ihm dabei gänzlich verloren gehenden auf wenigſtens ein Zehntheil ſeiner im Buche verrechneten Einnahme veranſchlagen. Und wie viel Zeit koſtet ihm die Eintreibung ſolcher rückſtaͤndiger Poſten, das wiederholte Ausziehen von Rechnungen und Ausfertigen von Mahnbriefen! Wie viel Störungen in einem Gewerbebetriebe bringt es ihm zuw ſehr nimmt es ſeine Gedanken in Anſpruch, ziel von ſeinem Geſchäfte ab! Mit welchen Sorgen belaſtet es ſein Ge„raubt ihm alſo die friſche Kraft und den fröhlichen Muth des Schaffens! Und am Ende, wenn er ſich lange mit der Eintreibung ſeiner Schulden abgemüht und viel ſchöne Zeit dabei verloren hat, muß er ſich noch an einen Rechtsbeiſtand wenden, muß wohl gar bei Ge— richt klagbar werden, und hat nicht ſelten neben großen Verdrießlichkeiten nur neue Geldverluſte an der Stelle der gehofften Einnahmen.
Die Unſicherheit, worin der größte Theil unſerer und kleinen Kaufleute in Betreff der Zeit
Forderungen, der 0
Gude Handwe
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ſie nicht ſelten ein 0 ſoliden und ſchwunghaften Betriebes ihres Gew fühlbar machen ſich di
es Zeiten, wie die ge w 0
hin alle ſeine Kräfte anſpornen muß, um der Ungunſt der Verhältniſſe die Stirn zu bieten. Wie mancher Hand⸗ werker, zumal von den kleineren, kommt da in die drückendſte Noth, weil er ſein wohlverdientes Geld nicht herein be— kommen kann! Wie manchem wäre geholfen, wenn er


