Ausgabe 
18.9.1855
 
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Der gelehrte Poſtmeiſter. (Fortſetzung und Schluß.) Vor Aufregung und innerer Zufriedenheit mit ſich ſelbſt hatte ihm zuletzt faſt die Stimme verſagt. So? ſo? ſprach der Landrath gedehnt und mit

unterdrücktem Lächeln. mal den Hergang.

Nun die Sache machte ſich ganz einfach! ſprach er in der Stimmung eines Feldherrn, der einen großen Sieg berichtet,großer Diebſtahl mit Einbruch in Berlin geweſen, wie Sie wiſſen, raſend viel Geld in Papieren geſtohlen. Seitdem ſah ich jeden Paſſagier und Poſtrei ſenden mit gerechtem Mißtrauen an. Natürlich! ich bin bei der hochlöͤblichen Landespolizei und die thut jeder Zeit mehr als ihre Pflicht und Schuldigkeit. Alles für meinen König, iſt mein Wahlſpruch. Da kommt vor circa 2 Stunden ein Reiſender mit Extrapoſt und ruft ſchon von weitem aus dem Wagen heraus:Courierpferde! ſo raſch als möglich! Aber ich bin nicht auf den Kopf gefallen, bin, mit Ehren zu melden, ein alter Regimentspfifficus! denken der Herr Landrath nur: Courierpferde! Ich faſſe mich aber kurz und frage nach Paß und Reiſelegitimation. Er hat weder jenen noch dieſen. Ich frage nach ſeinem Namen; es iſt ein angenommener. Ich beobachte ſeine Phyſiognomie; ſie iſt ſehr verdächtig. Kurz die Sache war richtig; ich ließ das Vögelchen einſperren und eilte hierher, Ew. Hochwohlgeboren das glücklichſte Ereigniß meines Lebens ſofort ſelbſt gebührend anzuzeigen.

Na! Das muß ich ſagen! ſprach der Landrath ſichtbar erfreut und ſteigerte nur dadurch die erhöhte Stimmung des Poſtmeiſters;höchſt ſcharfſinnig und ge wandt zugefahren! Wahrlich es iſt mir unbegreiflich, wie Sie ſo raſch dahinter kommen konnten!

Nicht wahr? ſtammelte er behaglich.Aber vor meinen polizeilichen Augen lag gleich Alles klipp und klar. Hören Sie: Erſtens: ſie kamen mit Extrapoſt! Schon das iſt verdächtig, wenn Diebe mit Extrapoſt reiſen. Zweitens: ſie hatten dringende Eile und verlangten Cou rierpferde. Das ſteigerte meinen Verdacht natürlich! und iſt's nicht auch eine Unverſchämtheit, als Dieb mit Cou rierpferden fahren zu wollen. Drittens: ſie hatten keinen Paß, noch ſonſtige Reiſelegitimation. Viertens: ſie be dienten ſich eines falſchen Namens, den ſie nicht einmal ausſprechen konnten. Fünftens.... Wie nannte ſich denn der Reiſende? unterbrach ihn hier der Landrath, neugierig forſchend.

Prinz Biron nannte er ſich, erwiderte der Poſt meiſter, den Ausdruck ungeheurer Verachtung in den Zügen,Prinz Biron, denken ſie ſich, Herr Landrath, Prinz Biron! Aber daran erkannte ich ſofort meinen Pappenheimer. Nun war ich meiner Sache gleich gewiß! Ich...Wie ſo denn? unterbrach ihn der Landrath von Neuem.

Nun, Biron wird doch bekanntlich nicht Biron, ſondern Bairen ausgeſprochen, wie mich mehr als ein durchreiſender Engländer verſichert hat, und da ſich dieſer Menſch nun Biron und nicht Bairen ausſprach, ſo wußte ich gleich, daß er ſich eines falſchen Namens bediente.

Aha! Hm! Aha! rief der Landrath und rieb ſich vor innerem Vergnügen die Hände.Der Grund ſchlägt allerdings durch! Vortrefflich! Einzig!

Nicht wahr? o! ich bin nicht auf den Kopf ge fallen,, fuhr der Poſtmeiſter, ſich ſelbſt erhitzend, fort. Fünftens alſo, ſie führten das geſtohlne Geld gleich mit ſich und das war doch vollends verdächtig, kurz die Sache iſt, wie geſagt, klipp und klar.

Nun, ich will gleich mit Ihnen fahren und mir das

Aber erzählen Sie mir doch ein

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Vögelchen anſehen, beſchloß der Landrath dieſe intereſſante Unterredung und bald nachher fuhren ſie von dannen.

Das Erſte, was der Landrath vornahm, als ſie im Poſthauſe ankamen, war, daß er den Gensdarmen und die beiden Polizeidiener verabſchiedete, ein Umſtand, über den der Poſtmeiſter Wunderlich ſich nicht wenig verwunderte. Seine Verwunderung, ſo ſein ſtummes Staunen ſtieg aber auf einen bedenklichen Höhengrad, als er dann zunächſt den Landrath zu dem angeblichen Prinzen hinaufeilen und unter einem Wechſel von freundlichen Entſchuldigungen, von Lachen und ſorglichen Begrüßungen ihn umarmen ſah. Da ging dem Armen ein Licht auf, ein ſchauderhaftes Licht. Ganz leiſe ſchlich er davon und erinnerte ſich plotzlich, auf dem hinterſten Futterboden ein nothwendiges Geſchäft zu haben.Wunderlich! Wunderlich! rief er daſelbſt einige Male laut aus und ſchlug ſich mit der geballten Fauſt heftig an den Gehirnkaſten,Wunderlich ich glaube gar, Du haſt einen hircus gemacht, zum erſten und einzigen Male in Deinem Leben einen garſtigen hireus. Aber Du kannſt nicht dafür. Die Umſtände rechtfertigen vollkommen Dein Verfahren. Warum reiſt der Prinz in einer ſolchen Spitzbubenzeit mit Courierpferden durch die Welt ohne Paß, ohne Karte, warum weiß er ſeinen eigenen Namen nicht richtig auszuſprechen; denn er wird Balren und nicht Biron ausgeſprochen, darauf laſſe ich mein Leben und will's zu jeder Stunde beſchwören. Warum trägt er ferner ein ſchwarzes Bärtchen und hat ein verdäch tiges Geſicht, kurz und gut, ich bin an dem Handel und an dem Irrthum unſchuldig, vollkommen unſchuldig, ſo wahr ich Daniel Wunderlich heiße.

Der Prinz und der Landrath in der Oberſtube konnten Anfangs vor herzlichem Lachen kaum zu Worte kommen. Endlich ſagte der Prinz:Dieſe wahnſinnige Geſchichte hat wenigſtens das Gute für mich, Sie, lieber Putlitz, auf einige Stunden in meine Gewalt zu bekommen. Sie ſind ein tüchtiger Pferdekenner und ich bin hier, um in W. bei dem Domainenrath Kornmilbe zwei Stück köſtlicher Pferde zu kaufen; Sie müſſen mir dabei beiſtehen, kurz ich laſſe Sie nicht wieder los, Sie müſſen mit, in 4 Stunden können wir wieder zurück ſein.

Ach, Theuerſter, da können Sie ſich gefälligſt den Weg ſparen, antwortete laut lachend der Landrath;die Pferde ſind ſchon verkauft, und wenn Sie Verlangen tra gen dem glücklichen Erwerber derſelben zu gratuliren, ſo können Sie nur Ihre Glückwünſche bei mir anbringen; denn ich habe ſie geſtern Abend gekauft. Aber wahr iſt's, brillante Pferde, das! und für einen wahren Spottpreis und noch dazu auf Credit. Ein famoſer Handel ſo wahr ich ein Preuße bin! Ein exquiſit prächtiges Exem plar von einem Patrioten, die alte Kornmilbe! Sattel und Zaum gleich mit eingehandelt, kurz! es konnte nicht beſſer kommen.

Na Putlitz, erwiederte der Prinz,mir geht die verlangte Gratulation zwar verdammt ſchwer von der Leber; indeſſen, wenn's einmal im Buche des Schickſals ſtand, daß ich die Pferde nicht haben ſollte, ſo gönne ich ſie Ihnen am meiſten und tröſte mich damit, daß auch der Stolzen⸗ berg mit langer Naſe abziehen wird. Und nun erzählte er dem Landrath die Geſchichte des geſtrigen Abends und der heutigen Fahrt. Viele Stunden ſaßen ſie fröhlich beiſammen, und wo ein Paar alte Freunde zuſammen ſitzen, da fließen die Stunden raſch dahin, aber auch die Flaſchen bleiben nicht voll und manches Glas guten Ungerweins fand heut ſein ſeliges Ende.

Ihre genußreiche Seſſion ward unterbrochen durch das Geraſſel einer Poſtchaiſe, die in der Richtung von W. herankam. Ein wie es ſchien ſich gründlich gelangweilt

Fabel

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