Ausgabe 
15.5.1855
 
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Kreis um den Judenteich enger zu ziehen und die Andrin⸗ genden zurückzuhalten. ö f s

Der Sindicus Bünting aber rief mit lauter Stimme: Wir hegen hier ein freies und unpartheiiſches Gottesge richt! Iſt die Angeklagte unſchuldig, ſo wird Gott ſchon ſelbſt ihre Unſchuld verkünden; darum laßt dem Gerichte freien Lauf. Büttel, thut Eure Schuldigkeit! 5

Als aber die Büttel trotz des Widerſtandes, den ihnen Johannes Wöhler entgegenſetzte, hinzudrangen und ihre Hände an ihr Opfer legen wollten, ſank dieſes plötzlich lautlos zu Boden. Der Korper war den Martern und Anſtrengungen erlegen; der Schlag hatte die alte Hart wich getroffen. Sie ſtand jetzt vor einem höheren und gerechteren Richter. Der Prediger Garberus aber rief fanatiſch aus:Seht da Gottes Gericht! Der Teufel hat ihre Seele geholt! Der Körper iſt verflucht! Ruͤhre ihn keiner an!

Ein dumpfes Murmeln des Schreckens und Erſtau nens durchlief die Menge, die ſich ſcheu zurückzog. Da ſtürzte ein junges, bleiches Mädchen aus dem Volke hervor und warf ſich mit lautem Wehgeſchrei über die Todte hin. Johannes Wöhler aber ſtreckte die Hände gegen die be ſtürzten Richter aus und ſprach, ſich uber das jammernde Mädchen beugend:Das Blut dieſer Unglücklichen komme über Euch!

Raſch und ſtill zerſtreute ſich die Menge. Richter, Prediger, Stadtwappner und Büttel kehrten zur Stadt zu⸗ rück. Keiner wagte den entſeelten Körper zu berühren. Nur Johannes Wöhler blieb mit der unglücklichen Anna und dem Leichname ihrer Mutter allein an dem Rande des Judenteiches zurück.

Die Einwohner Hannovers waren in den, dieſer Be⸗

gebenheit folgenden Tagen in keiner geringen Aufregung. Während die durch die heftigen Predigten des Pfarrers Gaͤrberus fanatiſirten Einwohner in dem plötzlichen Tode

der alten Hartwich die Hand Gottes erkannten und die

Wittwe als eine Hexe und Zauberin verfluchten und ver⸗ wünſchten, ſchüttelte doch mancher Unbefangene und Heller⸗ ſehende bedächtig den Kopf, und konnte ſich des Gedankens nicht erwehren, daß man hier doch wohl zu weit gegangen ſei. Doch wagte Keiner offen und laut dieſe Meinung zu äußern, denn die Macht der Geiſtlichkeit, die einmal die Hartwich für eine Zauberin erklärt hatte, war zu groß in der Stadt. Am andern Morgen nach der Scene am

Judenteiche war der Leichnam der Wittwe verſchwunden.

Mehre vermummte Männer hatten denſelben in der Nacht aufgehoben und fortgetragen. Auf dem Kirchhofe wollte man auch gleich darauf Spuren eines friſchen Grabes be merkt haben, obgleich aus der Gemeinde- in den letzten Tagen kein Mitglied zur letzten Ruheſtätte gebracht worden war. Noch verwunderter aber wurden die Bürger von Hannover, als ſich das Gerücht verbreitete: Johannes Wöhler, der Sohn des Senators, ſei ſeit jenem Ereigniſſe ſpurlos verſchwunden und auch von Anna Hartwich habe man nichts wieder gehört noch geſehen.

Und ſo war es in der That. Die ſorgfältigſten Nach forſchungen, die der Senator Wöhler und ſpäter ſelbſt das Gericht anſtellten, um eine Spur der Verſchwundenen auf zufinden, waren vergeblich. Das kleine Hartwich'ſche Haus an der Ecke des Rozehofes ſtand leer, denn Keiner wollte in demſelben wohnen, bis der Magiſtrat daſſelbe dem da⸗ neben wohnenden Nachrichter zum beliebigen Gebrauche überließ.

(Schluß folgt.)

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.

Main ⸗Weſer⸗ Bahn. 1638] Steinhauerarbeiten zu Perron⸗Stüß⸗ mauern ſollen Donnerſtag den 24. Mai l. J., Nachmittags 2 Uhr, auf dem Geſchäftszimmer des Unterzeichneten verakkordirt werden. Sie ſind veranſchlagt: 1) Zu dem Perron in Friedberg

au eee 93. ff. 10 kr. 2) Zu dem Perron in Nieder-

wöllſtadt um 41118 3) Zu dem Perron in Vilbel 372

1478 fl. 28 fr. Friedberg den 4. Mai 1855. Der Großherzogliche Sektions⸗Ingenieur der Sektionen Friedberg und Vilbel Hochgeſand.

Oeffentliche Aufforderung. 16391 Johannes Enders jun. Kinder von Münzenberg haben die von ihren Eltern, fer⸗ ner die von dem Großvater Philipp Walter und einem Oheime Johannes Enders sen., auch zweiter, ererbten, in der Münzenberger, Traismünzenberger, Gambacher, ſowie bezüg⸗ lich/ Mark Holz in der Muſchenheimer Ge⸗ markung gelegenen Güterſtücke zur Vertheilung 5 können jedoch zum größten Theile das Eigenthum urkundlich nicht nachweiſen. Eigen⸗ thums⸗ oder ſonſtige Anſprüche an dieſe Güter⸗ ſtücke, deren nähere Bezeichnung aus den dahier offen liegenden Flur resp. Grundbuchsauszü⸗ gen erſehen werden kann, find innerhalb ſechs Wochen ſogewiß dah ier geltend zu machen, als ſonſt gerichtliche Beſtätigung der Theilzettel er⸗ folgen und deren Eintrag in das Mutations⸗ verzeichniß verfügt werden wird.

Butzbach am 30. April 1855.

Großherzogliches Landgericht Butzbach Ebel, Muth, Landrichter. Landgerichtsaſſeſſor.

Bekanntmachung. 631] Eingetretener Hinderniſſe zufolge wird die auf den 14. J. Mts. anberaumte Verpach⸗ tung der Begraſungen der ſtädtiſchen Allmeien, Freitag den 18. Mai, Morgens 9 Uhr, in hie⸗ ſigem Rathhauſe abgehalten. Friedberg den 5. Mai 1855.

Großherzogliche Bürgermeiſterei Friedberg Bender.

Main⸗Weſer⸗ Bahn. [637] In dem Geſchäftszimmer des Unterzeich.

neten ſoll Dienſtag den 22. Mai 1855 Vor⸗

mittags 9 Uhr, der Anſtrich der Barrieren auf der Strecke von Friedberg bis Vilbel mit ab⸗ wechſelnd rothen und weißen rautenförmigen Feldern an den Wenigftnehmenden veraccordirt werden. Die Voranſchlagsſumme beträgt 303 fl. 6 kr. Friedberg am 2. Mai 1855. Der Großherzogliche Bahn⸗Ingenieur des Bahnbezirks Friedberg Hochgeſand.

Schreinerarbeits⸗Verſteigerung.

[662] Die bei Anfertigung eines Dachgeſimſes an dem neu erbauten Bezirksgefängniß dahier

vorkommende Schreinerarbeit, im Ganzen zu

54 fl. 28 kr. vervoranſchlagt, ſoll

Freitag den 18. d. M., Vormittags 10 Uhr, auf dem Rathhauſe dahier öffentlich wenigſtfor⸗ dernd in Akkord gegeben werden.

Ueberſchlag, Zeichnung und Akkordsbedingun⸗ gen liegen bis zum Verſteigerungstag in dem U des Unterzeichneten zur Einſicht offen.

Altenſtadt den 7. Mai 1855.

Großherzogliche Bürgermeiſterei Altenſtadt Kreuder.

Verſteigerung. 1598] Montag den 21. Mai l. J., Vormittags um 10 Uhr, ſoll das von dem Unterförfter Seitz zu Engelthal bewohnte zweiſtöckige, von Holz gebaute Wohnhaus, 45%½ Fuß lang, 28 Fuß breit, und mit Ziegeln gedeckt, unter den bei der Verſteigerung bekannt gemacht werden⸗ den Bedingungen, öffentlich meiſtbietend auf Ort und Stelle verſteigert werden. Laubach den 21. April 1855. fle x. Gräflicher Bauaufſeher.

Weißbinder arbeit in der Reiter⸗Caſerne zu Butzbach. 1673] Dienſtag den 22. dieſes Monats, des Vormittags um 10 Uhr, ſoll das Ausweißen verſchiedener Localitäten der hieſigen Reiterca⸗ ſerne auf dem bekannten Soummiſſionswege ver⸗ geben werden. Die Bedingungen, die das Nähere beſagen, find zur Einſicht aufgelegt. Butzbach, den 11. Mai 1855. In Auftrag des Verwaltungsraths Cellarius, Oberquartiermeiſter.

Holzverſteigerung. [674] Freitag den 18. d. M., Vormittags 10 Uhr anfangend, ſollen in dem hieſtgen Gemein⸗ dewald, Diftiet Steinernwand und Kirchweg

5 Stecken Buchen⸗Prügelholz,

350 Stück Buchen⸗Wellen, 300 Birken. 1050 Aspen⸗ 1 1200 Linden⸗ 75 Kiefern⸗ meiſtbietend verſteigert werden. Florſtadt den 10. Mai 1855. Großherzogliche Bürgermeiſterei Florſtadt Wagner.

öffentlich a 196 Zu Die Gro etuucht, di machen laff Maibach Gtoßt

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677] Do 2 Ahr, ſoll terzeichnete gegeben we.

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