Ausgabe 
15.5.1855
 
Einzelbild herunterladen

Karte *

., in

8 vor⸗

ag cls

3

Dae

1

1 8 2

Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis ſährl. fl. 1. 12 kr.; durch

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,

Friedberger Intelligenzblatt.

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum

kiten Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. ge

ſammen 7 kr.

Nui 38.

Dienſtag, den 15. Mai.

1835.

Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an ſämmtliche Großherzogliche Bürgermeiſtereien des Kreiſes.

Betreffend: Die Verpachtung der Gemeindejagden.

Da mehrfache Beſchwerden wegen Nichtbeobachtung der pos. 2 im Ausſchreiben Großherzoglichen Miniſteriums des Innern vom 22. November 1849(publicirt im Amtsblatt Nr. 16 von 1849) eingelaufen ſind, ſo weiſe ich Sie

wiederholt an, jenes Ausſchreiben genau zu beobachten, d.

h. dem betreffenden Oberförſter jedesmal und auch unver⸗

weilt nach jeder Verpachtung der Gemeindejagden und resp. Uebergang derſelben in andere Hände anzuzeigen, wer die

Pachter ſind, und auf wie lange dieſelben gepachtet haben. Friedberg den 1. Mai 1855.

l lie x.

Steckbriefe Großherzoglichen Kreisamts Friedberg.

Chriſtian Schultheiß von Stangenrod, Kreis Grünberg. Heimliche Entfernung aus ſeiner Heimath. Alter:

16 Jahre; Größe: Fuß; Haare: dunkelblond; Stirne: bedeckt; Augen ſchwarz; Augenbraunen: blond; Naſe: ſtark; Mund: breit; Bart: keinen; Kinn: rund; Geſicht: rund; Geſichtsfarbe: geſund; Statur: mittelmäßig.

Margaretha Gräf von Haarbach, Kreis Grünberg.

Jahre.

Heimliche Entfernung aus ihrer Heimath. Alter: 20

Der Juden ⸗Teich. (Fortſetzung.)

Darauf trat der Pfarrer Garberus zu der Angeklag ten und ſprach folgende Formel:

O Du, der Du Dich nun dem Urtheil des kalten Waſſers unterziehen ſollſt, ich beſchwöre Dich bei unſerm Herrn Jeſus Chriſtus, beim Vater, beim Sohne und beim heiligen Geiſte, bei der untrennbaren Dreifaltigkeit, bei allen Engeln und Erzengeln, bei den Cherubim und Sera phim, wenn Du ſchuldig biſt des Bündniſſes mit dem Teufel, ſo werfe Dich dieſes Waſſer zurück, ohne daß irgend eine Zauberei es zu verhindern möge, und Du, Herr Jeſus Chriſtus, zeige uns von Deiner Majeſtät ein ſolches Zeichen, daß dieſe Perſon, wenn ſie eine Zauberin iſt, vom Waſſer zurückgeworfen werde, zum Lobe und zum Ruhme Deines heiligen Namens, damit Alle erkennen, daß Du der wahre Gott biſt!

Darauf an den Rand des Judenteiches tretend und beide Hände, wie ſegnend, darüber ausſtreckend, fuhr er fort:

Du Waſſer ſollſt dieſen Körper nicht aufnehmen, wenn er ſchuldig iſt des Bündniſſes mit dem Teufel und ſeinen Engeln. Das befehle ich Dir im Namen der hei ligen Dreifaltigkeit. Amen!

Nachdem er dieſe Blasphemie geſprochen hatte, trat er zurück und die Henkersknechte näherten ſich der Ange klagten, um ſie in den Teich zu werfen. Da ſtürzte aus der gedrängt umherſtehenden Menſchenmenge ein junger ſtattlicher Mann hervor, durchſprang den leeren Raum, der die Angeklagte von dem Volke trennte, und ſtieß die Büttel zurück. Es war Johannes Wöhler.Haltet ein, rief er mit lauter Stimme,und verſündigt Euch nicht an Gott. Dieſe Frau, ich ſchwöre es Euch, iſt ſo ſchuldlos

wie wir Alle. Was die Bosheit und Hinterliſt ſchlechter Leute gegen ſie angezettelt haben, haltet Ihr für Wahrheit und doch iſt es ſicher nur Lug und Trug!

Dann wandte er ſich zu der Tribüne, auf welcher die Richter und unter dieſen ſein Vater ſaßen und ſprach:

Nein, nein, Ihr könnt den harten Urtheilsſpruch nicht vollziehen laſſen, wenn Ihr menſchlich ſeid, Ihr könnt eine unſchuldige, arme, alte Frau nicht erbarmungslos dem ſicheren Tode überantworten!

Wüthend ob dieſer Dazwiſchenkunft, ſprang der alte Wöhler von ſeinem Sitze auf und rief:

Thörichter Knabe, was hemmſt Du tollkühn den Lauf des Gerichts? Hat die Zauberin auch Dir das heiße Gehirn verrückt, daß Du alſo thuſt und Dich blosſtellſt vor allem Volke? Weiche zurück, damit der Büttel thue, was ſeines Amtes iſt.

Von Euch fordere ich keine Gerechtigkeit, Vater, ſagte feſt der Jüngling,und Eure Barmherzigkeit flehe ich nicht an. Euch aber, Ihr Richter und dem ganzen Volke rufe ich es zu: Dieſes Weib iſt unſchuldig!

Er weiß nicht, was er ſpricht, ſprach mit Salbung der Pfarrer Garberus,auch ihm hat die Zauberin die Sinne verwirrt.

Ihr wollt ein Diener Gottes ſein und ſprecht alſo? rief Johannes Wöhler entrüſtet;läſtert die allbarmherzige Gnade des Himmels nicht!

Knirſchend vor Wuth hörte der Senator Wöhler dieſe offene, warme Vertheidigung aus dem Munde ſeines Sohnes, und ſchon ließen ſich einzelne Stimmen unter dem umſtehenden Volke hören:Wer weiß, ob ſie ſchuldig iſt! Der Hencke iſt ein Böſewicht! Leidet es nicht, daß ſie in's Waſſer geworfen wird! Befreiet ſie!

Da befahl der Stadthauptmann ſeinen Söldnern, den