Ausgabe 
10.7.1855
 
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Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen fl. 1. 30 kr.

Friedberger Jutelligenzblatt.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum 2 kr.; die beiden erſten Zeilen zu⸗

ſammen 7 kr.

Nu 33.

Dienſtag, den 10. Juli.

1855.

Eine Wechſelſchuld. (Fortſetzung.)

Die Fenſter in dem Hauſe des Fabrikherrn waren hell erleuchtet, der Waidmoſer ſaß mit ſeinen Freunden am Spieltiſch, Hedwig ſaß muſizirend am Flügel. Wie ſo grell, ſo tief verletzend klangen dem Lauſchenden die Töne einen Fluch auf der Lippe ſchritt er vorüber. Stiller, ſtiller ward es auf den Straßen. Einzelne ver ſpätete Nachtſchwärmer eilten vorüber; luſtige Brüder zogen ſingend aus den Schenkhäuſern dann ward es öde mehr und mehr. Die Wächter pfiffen die Mitternachts ſtunde ab.

Weiter, weiter ſchritt der Ruheloſe. Nicht fern der Kirche lehnte er ſich an einen Baum. Die Füße waren ermattet, doch der Geiſt wollte nicht zur Ruhe gehen. In düſteren Träumen verſunken, Alles um ſich her vergeſſend, ſtand er. Plötzlich ſchlug eine markige Hand auf ſeine Schulter, er blickte auf, die nächtliche Wache hatte ihn gefunden. Es gibt Augenblicke im Leben, wo nur ein neuer Schmerz den alten mildern kann, wo es ein Glück für uns iſt, wenn ein neues Leid das alte, das un ſere ganze innere Kraft zu zerſtören droht, unſere Seele auf's Neue gefangen nimmt.

Friedrich, der junge Werkführer, von den gehabten und erlebten Eindrücken des Tages gänzlich ermattet, ſtarrte den Anführer der nächtlichen Wache wie gänzlich abweſend an, er hatte für alle Fragen kaum eine Antwort. Und als man ihn endlich in Folge dieſer unvollkommenen Anut worten und da er gar keinen Grund ſeines nächtlichen Aufenthalts angab, zur nächſten Wache und von dort nach dem Gefängniß abführte, ſo ließ er dies Alles ruhig mit ſich geſchehen; es freute ihn faſt, in eine Lage verſetzt zu ſein, die der ſeiner Geliebten ähnlich war. Der neue Aufenthalt ſchien eben nicht einladend zu ſein, ſo viel die Laterne des Schließers, der den neuen Ankömmling brum mend hineinſtieß, hatte erkennen laſſen. Es war ein weites von allen Bequemlichkeiten entblößtes Gewölbe; nur eine einzige lange Bank lud zur dürftigen Ruhe ein. Als der Schließer ſich entfernt, herrſchte die vollkommenſte Dun kelheit. Der Werkführer hatte bei ſeinem Eintritte ſofort bemerkt, daß er nicht der einzige Bewohner des Orts ſei, ſondern daß denſelben einige Männer mit ihm theilten, die ſich brummend bei ſeinem Eintritte erhoben hatten. Fried rich lehnte an der Wand. Seine Mitgefangenen ſchnarch ten um ihn her. Die Natur verlangte ihr Recht, die Augen ſchloſſen ſich, er ſchlummerte ein. Plötzlich fühlte er eine Hand leiſe ſeine Bruſt ſtreifen; er that, als ob er im feſten Schlafe ſich dehne und bewege. Die Hand fuhr zurück. Alles blieb ſtill. Er ahmte das Athmen ei nes Feſtſchlagenden nach. Einige Zeit darauf vernahm er ein leiſe geführtes Geſpräch neben ſich. Eine der Stim men fragte:Iſt's ein Neuling, oder einer der Unſerigen?

Ein Neuling! war die Antwort.Werd' ihn leicht machen!

Daß Dir die Finger erlahmen! ſprach der Andere erboſt.Willſt um einer Lumperei willen den Fang ver derben? Sind wir erwiſcht? Haben ſie ein Stuͤck bei uns gefunden? Werden ſie etwas finden? Hat der blonde Wilhelm nicht Alles bei Seit' geſchafft und iſt entſprun gen, ehe ſie kamen? Was ſind wir, was wollen ſie von uns? Wir haben uns ein Bischen verſpätet, hatten kein Nachtquartier, und man hat uns hier eine Lagerſtätte an gewieſen. Morgen oder übermorgen werden wir mit einer weiſen Ermahnung entlaſſen. Willſt Dir das Ge ſchäft verderben? Was wird der Neuling haben? Sein Geld hat er verſoffen, und hat er eine Uhr, iſt's nicht für uns. Er würde am Morgen Lärm machen und fände man ſie bei uns, wären wir feſt. Laſſe ihn laufen. Was liegt am Kleinen, wenn uns das Große gewiß? Der blonde Wilhelm iſt noch frei, er hat's Geſchäft ausgekund⸗ ſchaftet. Der Waidmoſer bekommt das Geld, ſeine Leute, der Nürnberger und der Wiener, ſind die Unſeren, ſie melden uns Alles. Zum Dienſtag Nacht halte Dich bereit!

(Fortſetzung folgt.)

Friedberger Kirchenbuchsauszug vom Monat Juni. Getrau te:

3. Chriſtian Wilhelm Werner, Gr. Schullehrer zu Großkarben, des hſ. B. u. penſ. Controleurs Kaspar Werner ehl. led. S. u. Maria Wiederhold, des Kurfürſtlich Heſſiſchen Chauſſeegelderhebers Chriſtian Wiederhold ehl. led. T.

Getaufte:

17. Dem hſ. B. u. Schubmachermeiſter Johann Heinrich Rauſch ein S., Friedrich Karl Ludwig Gottfried Franz, geb. 4. Juni. 17. Dem hſ. B. u. Cigarrenmacher Johann Ferdinand Wörner ein S., Juſtus Philipp Wilbelm, geb 3. 24. Dem hi. B. u. Rentamtsdiener Michael Jung ein S., Karl Chriſtian, geb 26. Mai. 24. Dem hſ. B. u. Oekonomen Wilhelm Ulrich ein geb. 3. Juni. 24. Dem hi. B. u. Bäckermeiſter Franz Joſeph Reitz ein S., Georg Alexander Magnus, geb. 18. Mai. 24. Dem hf. B. u. Drehermeiſter Jacob Starck ein S., Jacobus,

geb. 15. Juni. B

19. Konrad Heß, B. u. Schäfer zu Ockſtadt, alt 57 J., 1 17.

26. Wilhelm Lang, des hſ B. u. Schuhmachermeiſters Johann Hartmann Lang, ehel. S., alt 7 J. 4 M. u. 12 T. 1 24.

29. Kaspar Wehrheim, Ortsb. u. Schreiner zu Södel, alt 36 Ja ih 2%

30. Anna Eliſabetha Sieck, geb. Sommer, des hf. B., Küfers

u. Bierbrauermeiſters Chriſtian Friedrich Sieck hinterlaſſene Wittwe, alt 49 J., 10. M. 14 T., 1 29.

S., Chriſtian,

Butzbacher Kirchenbuchsauszug vom Monat Juni. Getraute: Kei en e. Getauft e: 10. Dem B. u. Schuhmacher Johs. Berner III. ein S., An⸗ dreas Friedrich Karl, geb. den 21. Mal. 21. Dem B. u. Fabrikanten Georg Karl Braubach eine Ti, Wilhelmine Auguſte Eliſabethe Louiſe Katharina, geb. W. Beerdigte:

12. Amalie Metzger, des verſt. B. u. Schneidermeiſters Heinrich

Metzger hinterlaſſene Wütwe, geb. Hadermann, alt 61 J. 10 M. 21. T