Ausgabe 
9.10.1855
 
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Friedberger Intelligenzblatt.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum

ante Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. e

ſammen 7 kr.

Dienſtag, den 9. Oktober.

1855.

Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien und die Gensd'armerie des Kreiſes.

Betreffend: Die Theuerung der Lebensmittel, hier Verbot des Ankaufs von Kartoffeln zum Branntweinbrennen und zur Stärkemehlfabrikation. Ich bin benachrichtigt worden, daß in den letzten Tagen außerhalb der Märkte von und fur Branntwein brenner und Stärkemehlfabrikanten größere Ankäufe von Kartoffeln gemacht worden ſind. Aus dieſem Grunde ſehe ich mich daher veranlaßt, die beſtehenden allerhöchſten Verordnungen vom 27. September, 9. und 23. Oktober v. J., na⸗

mentlich aber folgende Beſtimmungen, in Erinnerung zu bringen: N 17 1) Der Ankauf von Kartoffeln zum Branntweinbrennen und zur Stärkemehlfabrikation iſt in dem

ganzen Umfang des Großherzogthums verboten.

2) Getreide und Kartoffeln dürfen nur auf den öffentlichen Märkten verkauft werden. Jedoch dürfen inländiſche Conſumenten außerhalb des Markts bis zu 1 Malter und auf vorher eingeholte kreisamtliche(schriftliche) Erlaubniß bis zu 20 Malter ankaufen. Sohin dürfen Quantitäten über 20 Malter von denſelben nur auf den öffentlichen Märkten gekauft werden.

3) Ausländer, welche ſich zum eignen häuslichen Bedarf im Großherzogthum Kartoffeln aukaufen wollen, dürfen nur auf den öffentlichen Fruchtmärkten Ankäufe machen, wenn ſie vorher kreisamt

liche Erlaubniß hierzu erwirkt haben.

Die Großherzoglichen Bürgermeiſter, die Gensd'armerie und das Polizeiperſonal werden angewieſen, dieſe Vor ſchriften auf das genaueſte zu überwachen und zu befolgen, die unbefugt angekauft werdenden Kartoffeln zu confisciren und die Uebertreter der angeführten Verordnungen zur Beſtrafung anzuzeigen. Falls dies Ausländer ſind, müſſen ſie

ſofort vorgeführt werden.

Sollte ſich ergeben, daß durch Fahrläſſigkeit einzelner Lokalbeamten oder öffentlicher Diener Uebertretungen jener Verordnungen möglich geweſen ſeien, ſo wird die ſtrengſte Disciplinarunterſuchung gegen dieſelben eingeleitet werden.

Friedberg, am 5. Oktober 1855.

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Steckbriefe Großherzoglichen Kreisamts Friedberg.

Wilhelm Häfer von Reinhardshain, Kreis Grünberg. Heimliche Entfernung aus ſeiner Heimath. Alter

10 Jahre.

Maria Niekol von Stockhauſen, Kreis Grunberg. Heimliche Entfernung aus ihrer Heimath. Alter 8 Jahre.

Heinrich Pfannmüller von Rüddingshauſen, Kreis Grünberg. Heimliche Eutfernung aus ſeiner Heimath. Alter: 36 Jahre; Größe: 67 9; Haare: dunkelblond; Augen: grau; Augenbraunen: blond; Naſe: ſpitz; Mund: ge wöhnlich; Kinn: ſpitz; Geſicht: länglich; Beſondere Zeichen: Zwiſchen Stirn und Naſe eine große Narbe.

Ein Heirathsgeſuch. (Fortſetzung.)

Ja, ich weiß genug, ſagte ich bitter, um einzu ſehen, daß mein thörichter Schritt uns Beiden eine pein liche Scene verurſacht hat. Es wird das Beſte ſein, ſchnell zur Entſcheidung zu kommen. Ich fürchte, Ma dame, daß die Verſchiedenheit unſeres Alters ein unüber ſteigliches Hinderniß zwiſchen uns iſt. Da wir glücklicher Weiſe mit unſern Abſichten und Verhältniſſen gegenſeitig unbekannt ſind, ſo können wir uns trennen und Alles was vorgegangen iſt, vergeſſen.

Nicht ſo, mein Herr, ſagte ſie ernſt und feſt,ich bin keineswegs geneigt, Sie ſo leicht zu entlaſſen. Sie haben mich veranlaßt, dieſen thörichten Schritt zu thun, der mich in Ihren und in meinen eigenen Augen compro mittiren muß. Ich habe ein Recht zu verlangen, daß Sie in dieſer Angelegenheit, die auch die meinige iſt, nicht mit leidenſchaftlicher Haſt, ſondern nur nach ruhiger Ueberlegung entſcheiden. Ich will Ihnen bis morgen um dieſe Stunde Zeit geben, da werde ich Ihre endliche Ent ſcheidung erwarten.

Und wenn ſie verneinend ausfällt?

So werde ich mich beruhigen. Sie werden alſo kommen? Ich verlange Ihr Verſprechen, daß Sie kom men wollen.

Auf meine Ehre, ſagte ich und eilte fort.

Nein, es wäre ganz unmöglich, ſich einen Begriff von meinen Gefühlen und der Stimmung zu machen, in der ich mich befand, als ich wieder allein und in freier Luft war. Ich hätte lachen können, und mich zugleich zu Tode quälen. Warum ſollte ich es läugnen, daß die dreißigtauſend Pfund einen mächtigen Zauber auf mich geübt? Das überſtieg meine kühnſten Erwartungen. Alle meine Sorgen wären auf einmal beſeitigt, meine höchſten Wünſche und Pläne erfüllt. Aber auf der an⸗ dern Seite die reizende Wittwe von ſechszig Jahren! Ich ſtellte mir im Geiſte vor, wie ich an der Seite der theuren wackelnden Alten wandelte, ſah die Blicke meiner Freunde und Bekannten ſarkaſtiſch auf mich gerichtet; hörte ihre ſpottenden Scherze, die mich wie vergiftete Pfeile verwundeten. Unmöglich! Aber, um mir ſelbſt Gerechtigkeit angedeihen zu laſſen, etwas Beſſeres als

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