Ausgabe 
9.2.1855
 
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Friedberger Juntelligenzblatt.

Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen

fl. 1. 30 kr.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum 2 kr.; die beiden erſten Zeilen zu⸗

ſammen 7 kr.

Freitag, den 9. Februar.

1855.

werden

Wir erinnern daran, daß das Abonnement für das Intelligenzblatt vorausbezahlt muß und bitten alle Abonnenten, welche mit demſelben noch im Rückſtande ſind,

den Betrag bis zum 22. d. M. einzuſenden, da wir von Nr. 16 an nur denjenigen das Blatt ſenden können, welche bis dahin das Abonnement bezahlt haben.

Die Expedition.

Amtlicher Theil.

A uns eich r. ei b en.

Zwiſchen dem 5. 14. Januar 1855 wurden dem Johann Jakob Adami III. von Niederweiſel zwei Taſchen⸗ uhren, die eine eine ſilberne Repetiruhr mit zwei Gehäus, das eine von Schildkrot mit Stahlkette, Uhrſchlüſſel und

Petſchaft die andere eine goldene Uhr mit goldner Kette und goldnem Uhrſchlüſſel entwendet.

kette ſind die Ringe rund und hohl.

An der goldnen Uhr

Weiter ſind demſelben zwei ſilberne Fingerringe und ein goldner in der zweiten Hälfte des Jahres 1854 entwendet

worden.

Einer dieſer Ringe kann in 3 Theile zerlegt werden und führt die Buchſtaben N. S. und A. M. H.

Sie werden nach den entwendeten Gegenſtänden forſchen und wenn ſich ein Reſultat ergibt, alsbald Anzeige bei

Großherzoglichem Kreisamt machen.

Die Erbſchleicher. (Fortſetzung.)

Nat Norton war der einzige Sohn eines jungen Ad vokaten geweſen, des einzigen, welcher es in unſrem Bezirk zu einigem Rufe gebracht hatte. Seine Mutter war frühe geſtorben, und auch ſein Vater war aus einem leichtſinni gen wiewohl höchſt thätigen Leben gerade in dem Augen blick abgerufen worden, wo ſich ihm die ſchönſten Ausſichten für das Leben eröffneten, und Nat Norton ſtand als armer Waiſenknabe verlaſſen in der Welt. Seine Verwandten kümmerten ſich nicht um ihn, ſondern behandelten ihn mit kalter Geringſchätzung; keiner von ihnen wollte ihm dazu behülflich ſein, daß er den Stand ſeines Vaters ergreife, wie es Nat's innigſter Herzenswunſch war, und der Junge hatte ſich am Ende dazu bequemen müſſen, zu einem Krä mer in die Lehre zu gehen. Manche noch lebende Perſonen

erinnerten ſich noch, wie er ſich allmählich zum Buchhalter,

zum Theilhaber und endlich zum Eigenthuͤmer eines Ge ſchäfts emporgeſchwungen. Sie erinnerten ſich noch, daß in jenen Tagen, wo er ſich nach und nach eine Stellung im Leben errang, ſeine Verwandten wieder der Bande des Bluts gedachten, welche ſie mit ihm verknüpften, daß Beſſy Bright, das Mädchen, welches er einſt vom Ertrinken in einer Furth des Skim rettete, ihm das Verlöbniß brach und einen Boſtoner Handelsherrn heirathete, ohne andern Grund oder Entſchuldigung, als daß dieſer Handelsherr reich und Nat Norton noch arm war.

Wahrſcheinlich hatten dieſe fruͤh erworbenen Erfah rungen Nat's von der Macht des Reichthums auch einen bedeutenden Einfluß auf ſeinen innern Entwicklungsgang, und hatte Mancherlei jene Liebe zum Gelde und jene ab ſtoßende Kälte gegen ſeine Verwandten in ihm hervorge rufen. Dieſer Mann hatte ſich nie über ſeine eigenen Erfahrungen erheben können; er kannte in der Praxis nichts, was über diejenigen Dinge hinausgeht, welche mit dem

Verbrauch ihren Werth verlieren, und während Nat ſich

mit ihrem Beſitz brüſtete, konnte er in allen minder wohl habenden Leuten, die ſich ihm näherten, keinen andern höhern Beweggrund ſehen als die Abſicht, einen Antheil an ſeinem eigenen Vermögen zu erlangen; und er verdachte es ihnen theils aus einer Art roher Ehrbarkeit und Recht ſchaffenheit theils aber auch aus lauernder Selbſtſucht, daß ſie Das unter falſchen Vorſpiegelungen thaten.

Nat's Verwandte rechtfertigten auch in einiger Be ziehung dieſe argwöhnfſche Behutſamkeit und dieſes Miß trauen von ſeiner Seite. Sie umfaßten eine ziemliche Kopfzahl, nämlich außer den ſchon genannten Notabilitäten unſerer Stadt auch noch einen gewiſſen Jonathan Bennet, einen Wittwer mit zwei Töchtern, welcher in dem aller letzten Häuschen des Skimgäschens wohnte. Die übrigen Verwandten waren nach ihrer bürgerlichen Rangſtufe fol gende: zuerſt der ehrwürdige Mr. Naresby, ein Prediger, der ſehr in der Mode war und vielen Zulauf hatte. Er hatte die älteſte Tochter des verſtorbenen Dr. Mathewſon geheirathet, welcher Nat's Oheim von mütterlicher Seite und ein ſehr beſchäftigter Arzt geweſen war, ein um ſichtiger, rühriger, ſparſamer Mann, der ſeiner Familie ein hübſches Vermögen und namentlich einen ſchönen An theil an der Bank von Troy und an einer ſehr einträg lichen Verſicherungs-Geſellſchaft hinterlaſſen haben ſollte. Die Mathewſons galten fur die erſte und angeſehenſte Familie der Stadt: Mrs. Mathewſon trieb nichts; Dr. Adolphus Mathewſon trieb nichts; Miß Louiſa trieb nichts. Wundre Dich, lieber Leſer! daß es in dem nüchternen, ge werbſamen Neuengland auch ſolche Leute gibt! Es war ein Piano und ein Koͤrbchen für abgegebene Viſitenkarten im Hauſe, und hart nebenan eine Leihbibliothek und der Laden einer Modiſtin, und mittelſt dieſer Dinge wußten die Mathewſons ihre Zeit herumzubringen. Mrs. Naresby half ihnen dabei und ſtimmte in allen Stücken mit ihnen