Ausgabe 
8.5.1855
 
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Friedberger Intelligenzblatt.

irche;

12 EP

Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum

bete Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

ſammen 7 kr.

36.

Dienſtag, den 8. Mai.

1855.

Amtlicher Theil.

Von den erſchienenen Regierungsblättern für 1885 ſind zu publieiren:

Nr. 10 sub. 3. Friedberg am 2. Mai 1855.

Nr. 11 sub 3. Nr. 12 sub 1, 2 und 7. Nr. 13 sub 1 und 7. Nr. 14 sub 2. Nr. 15 sub. 1.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg Müller.

Steckbriefe Großherzoglichen Kreisamts Friedberg.

Katharina Burk von Lindenſtruht. 13 Jahre.

Kreis Grünberg.

Heimliche Entfernung aus ihrer Heimath. Alter:

Der nachſtehend ſignaliſirte Burſche macht ein Gewerbe daraus, unter dem Vorwand, er ſei Gärtnergehülfe und ſtehe in Arbeit zu Frankfurt a. M., bei Privatleuten ein Zimmer zu miethen, in demſelben eine Nacht zuzubringen und ſich dann Morgens in aller Frühe zu entfernen, wobei er das ganze Bettzeug, das Handtuch und gewöhnlich auch den

Hausſchlüſſel ſtiehlt.

auf dem linken Backen, wie von Blattern herrührend.

Alter: 24 26 Jahre; Größe: mittlere; Statur: ſtark; Haare: dunkelbraun; Stirn: hoch; Bart: keinen; Kinn: rund; Geſicht: desgl; Geſichtsfarbe: geſund, ſehr roth.

Beſondere Kennzeichen: zuſammengefloſſene Narben

Kleidung: dunckele(mancheſterne) Hoſen; gräulicher oder ſchwar

zer, verſchabter Mancheſter-(Baumwollenſammt-) Rock oder graues, geſtricktes Kamiſol: Kleine(Oeſterreicher) Kappe.

Der Juden⸗Teich. (Fortſetzung.)

Wenige Tage darauf klagte die Frau des Schneiders Hencke den Nachbarn, daß ihr Mann von einer böſen Krankheit befallen worden ſei und ſehr elend ausſehe. Man rieth ihr deßhalb, die Hülfe der alten Hartwich in An ſpruch zu nehmen, da dieſe die beſten Mittlel gegen alle Krankheiten beſäße. Die Frau verſprach dieſen Rath zu befolgen.

Gegen Abend ſah man den Schneider mit wankenden Schritten und bleichem, halb verhülltem Antlitze, von ſeiner Frau geführt, ſich nach dem Hauſe der Hartwich begeben, um, wie man wußte, ſich von derſelben Hülfe gegen die Krankheit zu holen. Die Wittwe mußte ihm auch einige ihrer Kräutermittel gegeben haben, denn als der Schneider kurze Zeit darauf wieder zurückkehrte, bemerkte man, daß ſeine Frau eine ziemlich große gefüllte Flaſche in der Hand trug.. g Der Abend und die Nacht vergingen ruhig. Am Mor gen aber, ſchon beim Anbruch des Tages, erhob ſich in der Wohnung des Hencke ein Geſchrei und Gelärm. Mit fliegenden Haaren und halbgekleidet rannte ſeine Frau auf die Gaſſe und rief jammernd und wehklagend um Hülfe.

Die Nachbarn, erſchreckt und herbeigezogen durch das Hülfegeſchrei, eilten in das Haus und das Schlafgemach des Schneiders und ſtanden ſtumm vor Erſtaunen und Ver wunderung bei dem Anblicke, der ſich ihnen darbot.

Bleich und mit aufgedunſenem Geſichte lag Hencke auf ſeinem Lager; unter Stöhnen und Jammern ſich hin und herwälzend. Vor dem Bette ſtand eine große Schüſſel, in welche er ſich erbrochen hatte und in der zwei weiße, le bendige Hündchen, mit geſchloſſenen Augen, lagen. Seine Frau erzählte der ſtaunigen Menge, daß Ihr Mann, nach dem er am verfloſſenen Abend einen Trank, den ihm die alte Wittwe Hartwich bereitet, eingenommen, während der Nacht ein gewaltiges Grimmen im Leibe bekommen und

gegen Morgen unter heftigem Würgen dieſe beiden Hünd lein ausgebrochen habe.

Die Erzählung der Frau wurde hin und wieder von dem Stöhnen und Wimmern des Kranken unterbrochen; als ſie aber mit derſelben, zum allgemeinen Entſetzen der Anweſenden, zu Ende gekommen war, ächzte er mit faſt erloſchener Stimme:

Ja, die Hartwich hat's gethan; ſie hat mir den Sa tanstrank gebraut und mich behext. Sie allein iſt an mei nem Tode Schuld.

Dann warf er ſich wieder, wie es ſchien von un zähligen Schmerzen gefoltert, auf ſeinem Lager umher.

Mit tiefem Grauen betrachtete die Menge das Mi rakel; aber keiner wagte die irdene Schüſſel mit den beiden Hündchen zu berühren.Das iſt Satanswerk, rief man laut;es iſt klar, die Hartwich iſt eine Hexe, ſie hat den Hencke behext und aus ſeinem Leibe die Teufelsbrut her ausgezaubert.

Sich bekreuzend und Gebete murmelnd verließ die Menge eilends das Schlafgemach des Schneiders, ihn und die Hündchen darin zurücklaſſend.

Die Kunde von dem Vorgefallenen ging wie ein Lauf feuer durch die Stadt und kam bald zu Jedermanns Ohren. Die Vernünftigeren und Vorurtheilsfreien ſchüttelten un gläubig die Köpfe; die fanatiſche und abergläubiſche Menge aber ſchrie über Zauberei und Wunder. Auch der hoch weiſe Rath erhielt Kenntniß von dem Ereigniß und von der Aufregung, die dadurch in der Stadt erregt worden. Es wurde deßhalb ein Gerichtsherr abgeſandt, um die Sache zu unterſuchen. Als derſelbe ſich mit ſeinem Schreiber und dem Gerichtsdiener der Wohnung des Schneiders näherte, fand er dieſelbe von einer großen Maſſe Neugie riger umlagert, die ſich die Wundermähr erzählten. Nur mit Mühe gelang es ihm und ſeiner Begleitung, ſich durch die Haufen des Volkes Bahn zu brechen und bis zu dem Schlafzimmer des Schneiders zu dringen.