Ausgabe 
7.9.1855
 
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Als Grundbaſis, als Deckmantel und Aushängeſchild dienen jenen Speculanten ſtets ſolide Staatsunternehmun gen und Anlehen und erinnern wir hierbei nur beiläufig, daß wir Promeſſen 3. auf die Königlich Preußiſche Seehand⸗ lung, auf das Anlehen der unirten Deutſchen Fuͤrſten, an deren Spitze Se. Königl. Hoheit der Prinz Friedrich von Preußen, in Maſſen vor den Augen gehabt und confiscirt haben. ö f 5

Am häufigſten aber ſind neuerdings die Promeſſen auf das Kurheſſiſche Lotterie-Staats-Anlehen und das Großherzogliche Badiſche Staats-Eiſenbahn-Anlehen vorgekommen. a

Es wird nothwendig ſein, zunächſt das Weſen ſolcher Staats-Anlehen etwas näher zu beleuchten.

Beide haben Vieles mit einander gemein und beruhen auf denſelben Principien.

Bleiben wir daher beſpielsweiſe bei den letztern ſtehen. ü i

Das Großherzogthum Baden nahm laut Geſetzes vom 21. Februar 1845 zur Herſtellung ſeiner Eiſenbahn ein An⸗ lehen von 14 Millionen Gulden in der Weiſe auf, daß es an die Darleiher 400,000 Stück Staats-Obligationen oder Looſe à 35 fl. ausgab. g b

Dieſe 400,000 Looſe ſind in 8000 Serien à 50 Stück vertheilt und zwar ſo, daß vom Jahre 1846 ab bis zum Jahre 18885 einſchließlich in vier Vierteljahrsziehungen jährlich 120400 Serien mit 6000 und mehr Looſen behufs der Rückzahlung lotteriemäßig ausgeloſt, der fällige Zinsbetrag aber welcher natürlich ſteigt, je länger ein Loos nicht herauskommt an die einzelnen Inhaber der gezogenen Looſe nach einem beſtimmten berechneten und veröffentlichten Plane vertheilt wird. f 5 f i 5

Jeder Vierteljahrsziehung geht in beſtimmten Zeiträumen die Serienziehung voraus, durch welche beſtimmt wird, welche Serie zur Ziehung und Auslooſung, alſo zur Rückzahlung kommen ſollen.

So wurden z. B. im Jahre 1846 in 4 Ziehungen 509,840 fl. an die Inhaber der ausgezogenen Looſe in der Art vertheilt, daß in allen vier Ziehungen folgende Gewinne:

2 Mal 50,000 fl.; 2 Mal 15,000 fl.; 2 Mal 5,000 fl.; 8 Mal 2,000 fl.; 60 Mal 1,000 fl.; 40 Mal 250 fl.; 960 Mal 70 fl.; 500 Mal 50 fl.; 4420 Mal 42 fl. ausgezahlt wurden, während im Jahre 1855 2 Mal 40,000 fl.; 2 Mal 10,000 fl.; 2 Mal 5,000 fl.; 10 Mal 2,000 fl.; 54 Mal 1,000 fl.; 40 Mal 250 fl.; 970 Mal 70 fl.; 500 Mal 50 fl.; 5420 Mal 22 fl. zur Auslooſung gekommen ſind, bezuglich kommen werden, ſo daß auf ſolche Weiſe im Jahre 1885 das geſammte An lehen von N 14,000,000 fl. ſammt den bis dahin erwachſenden Zinſen an 16,261,495

30,261,495 fl. Summa

getilgt ſein wird. 5

Jene Looſe haben natürlich die Natur von Staatspapieren mit ſteigendem und fallendem Courſe und es werden diejenigen Looſe, von denen in der Serienziehung bereits beſtimmt iſt, daß ſie zur Vierteljahrsauslooſung kommen werden, wegen der zu hoffenden Gewinne, ungleich theurer als zu dem Courswerthe und häufig mit 100 200 fl. und darüber ekauft.

9 Prüfen wir nun die Manipulation, mit welcher unſere Speculanten zu Werke gehen, etwas näher und legen wir dabei eine von den vielen 100 neuen Promeſſen, die uns von einemGroßhandlungshauſe in Frankfurt a. M. vor⸗ liegen und welche auf die Ende Auguſt d. J. erfolgende Serienziehung des Großh. Badiſchen Staats-Eiſenbahnfonds lautet, zu Grunde.

Zunächſt trägt dieſe Promeſſe die groß gedruckte Ueberſchrift:

Großherzoglich Badiſches Staats-Eiſenbahn-Anlehen von 14,000,000 Gulden.

Das iſt die erſte Lüge, denn jenes Staats-Anlehen hat mit dem Promeſſenſpiel nichts gemein, als daß es der Deckmantel für jenes iſt und die Badiſche Staatsſchuldentilgungskaſſe ſteht mit den Promeſſenhändlern nicht in der geringſten Berührung.

Sodann figuriren auf dem Promeſſenſchein die ſämmtlichen auf die Jahre 1846 1885 ſich vertheilenden Haupt⸗ gewinne jenes Anlehens von

14 Mal 50,000 fl., 54 Mal 40,000 fl., 12 Mal 35,000 fl. u. ſ. w.

Hierauf folgt das Wort:Original-Certificat und folgender Text:über das Spiel der Serie 712 gültig fur die Ziehung Ende Auguſt achtzehnhundert fünf und fünfzig.

Nach bei mir erfolgter Entrichtung des Einſatzes vor der obengenannten Ziehung wird, wenn die vorſtehende Serie Ende Auguſt achtzehnhundert fünf und fünfzig gezogen wird, nach Einlieferung der herausgekommenen Actie, eine Original⸗Obligation des vorerwähnten Anlehens ausgeliefert, welche in allen folgenden Ziehungen bis zu ihrem Erſchei⸗ nen mitſpielt und ſicher gewinnen muß. Der höchſte Treffer iſt fl. 50,000, der niedrigſte fl. 42, und werden dieſe in Carlsruhe und Frankfurt a. M.. ausbezahlt.

Sechs Wochen nach obiger Serienziehung iſt dieſe Verbindlichkeit jedoch unwiderruflich erloſchen.

Frankfurt am Main, den 1. Juni 1800 fünf und fünfzig.

Dagegen enthält dieſes Certificat keine Nummer und keinen Preis.

Wir werden ſehen weßhalb?(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachung.

Die Tilgungsrenten für 1855 werden mit den directen Steuern im September, Oktober und November erhoben und die allenfallſigen Rückſtände nach der Steuerexecutionsordnung beigetrieben. Zahltage ſind Dienſtag und Donnerſtag in jeder Woche. Friedberg den 4. September 1855. Großherzogliche e Friedberg Bit ſch.

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