Ausgabe 
7.9.1855
 
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Friedberger Intelligenzblatt.

Erſcheint. 0 7 A f f 5 O 2 beinrückungsge⸗ 9 Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, ga tag. Preis 58 oder deren Raum fl. 1 128

beate Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. e

er ſammen 7 kr.

Nu 70. Freitag, den 7. September. 1855.

Amtlicher Theil. Steckbriefe Großherzoglichen Kreisamts Friedberg. Conrad Ott von Pfaffenwiesbach. Heimliche Entfernung aus ſeiner Heimath. Stand: Taglöhner. Alter: 28 Jahre. Größe: 5 2. Haare: dunkelblond. Stirn: nieder. Augenbraunen: dunkelblond. Augen: braun. Naſe: gewöhnlich. Mund: aufgeworfen. Bart: blond. Kinn: rund. Geſichtsform: oval. Farbe: geſund. Marie Eliſabethe Keuchler von Himbach. Heimliche Entfernung aus ihrer Heimath. Alter: 31 Jahre. Größe: 6 Schuh. Haare: blond. Stirn: hoch. Augen: grau. Augenbraunen: blond. Naſe: ſpitz und ſtark. Mund:

etwas breit. Kinn: ſpitz. Geſicht: länglich und mager. Geſichtsfarbe: geſund. Statur: ſchlank und ſchmal. Be ſondere Zeichen: Keine.

Veröffentlichung.

Unter Bezugnahme auf meine Verkündigung in Nr. 24 des Intelligenzblatts von dieſem Jahre das Lotterieſpiel und den Promeſſenhandel betr. bringe ich den nachſtehend abgedruckten Aufſatz über das Promeſſenſpiel aus dem in Gotha erſcheinenden allgemeinen Polizeianzeiger von Eberhard zur Kenntniß des Publicums, damit ſich jeder vor dergleichen Spiel hüten möge.

Friedberg den 3. September 1855. Großherzogliches Kreisamt Friedberg

Müller. Noch ein Wort über das Promeſſenſpiel mit Anlehnslooſen.

Unter den Betrügereien der Neuzeit, die in verſchiedenen Arten, wie Giftpilſe dem Erdboden, dem raffinirten Diebsſinne beuteluſtiger Speculanten entwachſen, ſteht das Promeſſenſpiel immer noch obenan.

Zwar hat es nicht an Warnungen in öffentlichen Blättern gefehlt, zwar hat unter Andern am 16. Februar 1852 die Großh. Badiſche Amortiſations- und Eiſenbahn⸗Schuldentilgungskaſſe zu Carlsruhe mit namentlicher Anführung der vorzüglich in Frankfurt a. M. und Mainz in großer Anzahl exiſtirenden Firmen, die ſich jenem rentablen Geſchäfte widmen, eine Erklärung veröffentlicht, in welcher auf jenes ſchwindelhafte Treiben aufmerkſam gemacht und an alle Behörden, die es mit dem Publiceum wohl mein en, die Einladung geſtellt wird, zur Unterdrückung des Geſchil derten, auf die Leichtgläubigkeit und Unkenntniß deſſelben gegründeten Treibens die Hand zu bieten, zwar hat jeder Sicherheitsbeamte mit Genugthuung den trefflichen Artikel über denſelben Gegenſtand in dem Dresdner Allgemeinen Polizei⸗Anzeiger vom 3. März d. J. geleſen, aber noch immer ſcheinen einige Regierungen der Sache nicht die gehörige Aufmerkſamkeit zu ſchenken, noch immer mag der Inhalt jener Veroͤffentlichungen nicht in das Volk gedrungen und ſo mag es gekommen ſein, daß der in den meiſten Staaten erlaſſenen Strafverbote ungeachtet noch immer große Summen dem ungebildeten Theile des deutſchen Volkes abgeſchwindelt werden, um in die Taſche gewiſſenloſer Handlungshäuſer zuſammenzufließen, deren eines ſich nicht entblödete, zu erklären, daß es einer angedrohten Veröffentlichung ſeines Treibens nurſtumme Verachtung entgegenſetzen werde; ſo ſcheint leider faſt, als wenn das Verbot jenes Spiels und das Geheimniß, mit welchen ſich die Agenten nothgedrungen umgeben müſſen, hier und da noch einen beſonderen Reiz auf die Theilnehmer ausübt.

Je dunkler, geſchraubter und räthſelhafter der Inhalt jener wohl verclauſulirten Promeſſen, je eleganter ihre äußere Ausſtattung, und je ähnlicher ſie dem Aeußeren einiger Staatspapiere iſt, je mehr es die Unternehmer verſtehen, einen Zuſammenhang, eine Verbindung ihrer nichtswürdigen Unternehmungen mit ſoliden, wohlfundirten Staatsaulehen vorzu ſpiegeln, je mehr ſie dabei auf die Leichtgläubigkeit und auf die Sucht, mit Einem Schlage reich zu werden, ſpeculiren, je raffinirter und verſteckter mit Einem Worte die Schwindelei iſt, deſto ſchwieriger iſt natürlich ihre Entlarvung und deſto ſchwerer halt es, den Bethörten und Uneingeweihten von dem Sinne und dem Weſen jener Promeſſen ein deutliches Bild beizubringen und die grobe Täuſchung, zu deren Opfer er erkoren iſt, zu entſchleiern.

Und je mehr ſich jene Firmen hüten werden, gerade in denjenigen deutſchen Staaten, in welchen ſie wohnhaft ſind, ihre Promeſſen auszugeben und je natürlicher es iſt, daß ſie z. B. im Großherzogthum Baden Promeſſen auf die badiſchen Anlehen nicht vertreiben werden, deſto erklärlicher iſt es, daß die betreffenden Regierungen zur Zeit ſich immer noch nicht entſchloſſen haben, jenen Unfug zu unterdrücken und die Urheber bis an den Sitz ihrer Speculationen zu verfolgen.

Wenn nun die öffentlichen Bekanntmachungen der Behörden und Sicherheitsorgane eines Theils nicht in das Volk gedrungen zu ſein, andern Theils nur in allgemeinen Umriſſen und für das Faſſungsvermögen der Nichtſachverſtändigen zu hoch gegeben ſcheinen, wenn in neuerer Zeit die Tactik jener Speculanten eine noch raffinirtere und darum noch vetrüglichere geworden ſein dürfte und weil man, wo es dem Wohle des Volkes und dem Kampfe mit ſeinem Feinde gilt, nicht zu oft und nicht zu viel ſprechen kann, weil es vielmehr nothwendig ſcheint, in dieſer Sache ſo gründlich und ſo populär als möglich durch die Preſſe zu wirken, ſcheint es angemeſſen, nochmals auf jenes Treiben in etwas aus führlicherer Weiſe zurückzukommen.