Ausgabe 
6.7.1855
 
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Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl.

Friedberger Intelligenzblatt.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum

bros Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

ſammen 7 kr.

Nu 52.

Freitag, den 6. Juli.

1855.

Der Guſtav⸗-Adolf⸗Verein.

Sountag den 24. Juni wurde die Jahresverſammlung von dem Wetterauer Zweigverein der Guſtav-Adolf-Stif⸗ tung in der Kirche zu Södel gehalten. Trotz des ungün⸗ ſtigen Wetters während der vorhergehenden Tage war der Ort recht feſtlich mit Maien geſchmückt. Die Schulkinder harrten gleichfalls im Feſtſchmuck mit Kränzen und Blumen verſehen, auf die erwarteten Gäſte, beſonders die Glieder des Vorſtandes. Der Sonnenſchein, der auf den regne riſchen Morgen folgte, half das Feſt verherrlichen. Die kleine, aber im Innern freundliche Kirche, war von Zu hörern dicht gefuͤllt, die umliegenden Orte hatten ſolche in großer Anzahl geſendet. Der Ortsgeiſtliche, Pfarrer Breidenſtein hielt über 2. Cor. 4,8,uns iſt bange, aber wir verzagen nicht, eine allgemein anſprechende Pre digt.

Hierauf erſtattete in Verhinderung des Secretärs, Direktor Dr. Matthias, Pfarr. Strack von Oberrosbach den herkömmlichen Rechenſchaftsbericht. Es war ihm ver⸗ ſtattet, erfreuliche Mittheilungen über das Wirken des evan⸗ geliſchen Bruderbundes machen zu köunen. Zu den beinahe eine Million betragenden Unterſtützungen, welche bis zum vorigen Jahre an bedrängte evangeliſche Gemeinden ver theilt worden ſind, kamen nach der letzten zu Braunſchweig im September v. J. abgehaltenen Hauptverſammlung noch 117,227 fl. und zwar trotz der herrſchenden Noth 15,000 fl. mehr, als auf der vorigen Verſammlung. Der heſſiſche, oder darmſtädter Hauptverein hat hierzu die Summe von etwa 63,000 fl. geliefert und zu dieſem Betrag der Wette⸗ rauer Zweigverein, wenn die Collecten hinzugeworfen werden, weit über 3000 fl. Im letzten Jahre betrugen die Beiträge 272 fl. 16 kr. und zwar aus folgenden Orten: Beienheim Gfl. 2 kr.; Melbach 8 fl. 48 kr.; Niederweiſel 3 fl. 15 kr.; Södel 5 fl. 3 kr.; Fauerbach II. 2 fl. 41 kr.; Eberſtadt 13 fl. 2 kr.; Friedberg 83 fl. 16 kr.; Oberrosbach 9 fl. 56 kr.; Oſſenheim mit Bauernheim 6 fl. 9 kr.: Staden und Stamm⸗ heim 33 fl. 20 kr.; Altenſtadt 17 fl. 47 kr.; Großkarben 8 fl. 1 kr.; Heldenbergen 3 fl. 48 kr.; Kaſchen 12 fl. 26 kr.; Oberau und Rommelhauſen 8 fl. 14 kr.; Petterweil 4 fl. 43 kr.; Rendel 14 fl. 54 kr. Hierzu kommen noch die Collecten, welche nicht aus allen Orten bekannt waren, da ſie nicht durch unſern Vorſtand eingeſendet werden.

Mit dieſen Geldern ſind ſchon gegen 600 Gemeinden unterſtützt worden. Gegen 40 Kirchen hat der Guſtav⸗ Adolf⸗Verein allein mit ſeinen Mitteln erbaut. An vielen Orten hat er erſt evangel. Gemeinden gebildet, wie in un ſerem Lande, zu Bensheim, Gernsheim, Dieburg, Bingen, Hirſchhorn, Seligenſtadt; beſonders iſt dieſes auch in Rhein preußen und Weſtphalen der Fall.

Auf Anregung unſeres Vereins haben ſich auch in der Schweiz, in Belgien, in Holland, in Frankreich ähnliche Vereine gebildet, welche den bedrängten Glaubensgenoſſen zur Befriedigung ihrer kirchlichen Bedürfniſſe brüderliche

Handreichung leiſten wollen. In Preußen wurde eine

Jahrescollecte für die in der Zerſtreuung lebenden Proteſtan⸗ ten angeordnet und dieſe betrug in einem Jahre über 30,000 Thlr. Der Eifer für die Sache iſt im Wachſen begriffen, wie ſchon die vermehrte Jahreseinnahme beweiſt. Ein wegen ſeiner Armuth bekannter Flecken(Burgſtadt) in Sach⸗ ſen gab trotz der Theurung 28 Thlr. Auch die ärmſten Bewohner wollten ein kleines Scherflein zu dem großen Werke geben.

In Berlin ſchenkte ein Ungenaunter unſerem Vereine eine Erbſchaft von 2800 Thlr. Der König erließ, um dem edlen Geber ſeinen Beifall zu beweiſen, die Erbſchaftsſteuer von 300 Thlr. Als das der Geber hörte, fügte er aus ſeiner Taſche noch 200 Thlr. hinzu, damit die Summe von 3000 Thlr. vollzählig wurde. i

Zu Wernigerode im Harzgebirge ſah eine Frau das Bild der baufälligen, nur durch Pfeiler noch aufrecht erhal⸗ tenen Kirche zu Schocken in Preußen. Sie wünſchte zu helfen und hatte doch nicht viel; da gab ſie ein goldnes Kettchen, den einzigen Schmuck, welchen ſie beſaß, mit der Bitte, daſſelbe für die bedrängten Brüder in Schocken zu verkaufen.

In gleicher Geſinnung ſchenkte eine Frau in Leipzig einen ſilbernen Pokal, welchen ihr verſtorbener Vater als Ehrengeſchenk erhalten hatte.

Aus Paris wurde der armen Gemeinde Oſchen in Preußen ein ſilberner Hoſtienteller überſendet, die Ueber⸗ ſchrift desſelben lautete:Die armen proteſtantiſchen Arbeiter in Paris den armen Proteſtanten in Oſchen. Die Geber leben ſelber nur in den dürftigſten Verhältniſſen, ſie müſſen in dieſer theuren Zeit die Frage aufwerfen:Woher nehmen wir Brod! Doch wollten auch ſie für die ihnen aus Deutſchland gewährte Unterſtütz⸗ ung ihre Dankbarkeit beweiſen und ihre Liebe zur evange liſchen Kirche bethätigen.

In Hildburghauſen wurde eine Jungfrau durch die Mit theilungen über die Noth ſo vieler evangel. Glaubensgenoſſen ſo ſehr in ihrem Herzen ergriffen, daß ſie den Entſchluß faßte, von ihrer Habe das Liebſte und Beſte dem Vereine zu überlaſſen. Sie ſchenkte demſelben einen ſchönen Garten mit Acker und Wieſe, deſſen Werth auf 800 Thlr. ange⸗ ſchlagen werden kann.

Eine andere Frau überreichte eine goldene Kette im Werthe von 28 Thlrn. Man machte den Vorſchlag, dieſelbe zu verlooſen, damit ſie zu einer Kette werde, welche um die Erde reiche. Der Verlooſung ſtellten ſich Schwierigkeiten in den Weg und doch ſollte das Wort von der Verlängerung der Kette, wenn auch in anderer Weiſe erfüllet werden.

Als der tief ergreifende Brief, womit die mitleidige Dame das Geſchenk begleitet hatte, in weiteren Kreiſen bekannt wurde, kam eine Gabe nach der andern, ſo daß ſchon in kurzer Zeit mehrere 100 Thlr. als neue Ringe zu der Kette hinzugefügt worden konnten. Es wurde der Be ſchluß gefaßt, vorlaufig zinsbar anzulegen, was zur Ver⸗