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und ein Zug innerer Freude und Gluͤckſeligkeit lagert auf ſeinem Geſichte. Und wißt ihr, wer ſein Liebchen iſt?
Ihr freundlichen Leſerinnen habt Arbeiterinnen, wie des Friedrich Geliebte, alle gern; ihr ſeht gar oft nach derſelben aus— und die Arbeiten ihrer Hand ſind für Euch gar oft ein Gegenſtand der tiefſten Neigung und des Verlangens. Mit einem Wort, Erdmuthe iſt eine— Putz— macherin; eine Putzmacherin, die vor Kurzem ein eigenes Geſchäft begonnen und ſich eines reichlichen Zuſpruchs bis— her zu erfreuen hatte; die für jeden ihrer Kunden ein freundliches Lächeln hat— und die ſelbſt bei den Ausſtel— lungen, die ihren Arbeiten ohne Grund gemacht werden, ihre Heiterkeit und Langmuth nicht verliert. 6
Und jetzt tritt der Friedrich ein. Der Laden iſt längſt geſchloſſen, die Mamſells, die den Tag über angeſtrengt unter der Aufſicht ihrer Principalin gearbeitet, haben das Haus verlaſſen, einſam iſt Erdmuthe ernſt beſchäftigt, die Einnahme mit der heutigen Ausgabe in Einklang zu bringen. Die Rechnung ſtimmt nicht ganz, und ein Schat⸗ ten banger Sorgniß ſteigt über das hübſche Geſicht. Doch jetzt ertönt die Stimme des Geliebten, alle Angſt, alle Sorge iſt verſchwunden, Frohſinn und Liebe ſteigt in die Höhe und macht das Auge in Freude ſtrahlen. Ein glücklich, glück— lich Kind ruht ſie an der Bruſt des Genahten.
Wollen wir dieſe Freude, dieſes Glück, dieſe Liebe dem Mädchen verargen? Iſt ihr Leben nicht in Sorge und Arbeit eingetheilt? Wenn ihr, meine freundlichen Leſerinnen, mit heiterm Geſicht das leichte graziöſe Hüt⸗ chen auf die Lockenfülle drückt, wenn ihr das Band— Diadem, das Häubchen zum Maskenball, zu einem bevor⸗ ſtehenden Feſte betrachtet, ihr ahnet es nicht, wie viel Seufzer vielleicht von der Arbeiterin mit hineingeflochten wurden— und wenn ihr die Nacht durchwalzt, hat die Putzmacherin vielleicht die Nächte vorher für euch durch⸗ wacht und euren Kopfſchmuck angefertigt. Erdmuthe hatte mehrere Nächte hindurch gearbeitet, und auch jetzt ſelbſt gönnt ſie ſich nicht längere Zeit, mit dem Geliebten zu koſen und zu ſcherzen; ſie nimmt eine Arbeit zur Hand, läßt die Nadel emſig durch die Finger gleiten, und nur zuweilen blickt ſie auf, ſchaut dem Geliebten— der mit
Farben der Liebe von ſeinen heutigen Erlebniſſen ſpricht und die Zukunft, der Gegenwart vertrauend, ſich glänzend ausmalt— in das treue Auge, reicht ihm auch wohl den Mund zum Kuſſe dar, um deſto angeſtrengter nach dieſer Herzenelabung an die Arbeit zu gehen. Sie liebten ſich.
Doch wollen wir nicht einen Gang nach dem Hauſe des reichen Waidmoſer, des Fabrikherrn, machen? b
Es ſind mehrere Wochen nach dem Erzählten ver⸗ gangen. Hedwig, die nicht mehr junge, aber noch immer hübſche Schweſter des Waldmoſer, iſt in ihrem Zimmer beſchäftigt, die blühenden Camellien an das Fenſter zu ſetzen, wobei ſie nicht unterläßt, einige Blicke nach der Straße zu werfen. Sie macht ſich bei dem Ordnen und Setzen der Blumen mehr zu ſchaffen, als nöthig zu ſein ſcheint; ſie bleibt länger am Fenſter, als die eigentliche Arbeit erfordert, und gibt überhaupt in ihrem ganzen Thun und Treiben nicht undeutlich zu verſtehen, daß ſie Jemand erwarte, daß ſie wünſcht, geſehen zu werden.
Emma, eine arme Waiſe, eine Anverwandte des Fabrikherrn und als Geſellſchafterin für Hedwig in das Haus genommen, ſcheint dies Treiben anfänglich nicht be⸗ achten zu wollen, emſig arbeitet ſie an ihrer Stickerei; endlich jedoch ſieht ſie ſich veranlaßt, ihr Schweigen zu brechen, und mit einem leiſen Anflug von Ironie ſpricht ſie:„Liebe Hedwig, wollen die Blumentöpfe gar nicht ſtehen? Kann ich Dir vielleicht behülflich ſein 2“
Hedwig ward roth, unwillig ruft ſie:„Was küm⸗ mert's Dich! Laß mich treiben und thun was mir beliebt!“ z„Hindere ich Dich?“ ruft Emma ſanft, wenngleich in etwas verletzt. ö 5„Und nun magſt Du nicht offen im Fenſter liegen,“ lächelte ſpöttiſch Emma,„das würde auffallen. Die Blu⸗ men ſollen Deine Abſicht verdunkeln. Darf ich fragen, wen Du erwarteſt?⸗
Hedwig anwortete nicht; ſie machte ſich emſig bei den Blumen zu ſchaffen, ſie beugte ſich vor und lehnte ſich endlich ganz zum Fenſter hinaus. Plötzlich jedoch ſchlug ſie daſſelbe heftig zu, rückte die Blumen dicht zuſammen und ließ ſich unmuthig auf ihren Seſſel nieder.
(Fortſetzung folgt.)
Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.
Edictalla dung. [758] Heinrich Breidenbach's Erben zu Beien⸗ heim haben das Grundſtück III. 252—363 Klftr. Acker durch den Dorheimer-Weg und Konrad Lind I. Erben von da, haben das Stück III. 346— 254 Klafter auf dem Höchſten an den Großherzoglichen Bergbauſiskus verkauft, ohne ihr Eigenthum vollſtändig nachweiſen zu kön⸗ nen. Alle welche Anſprüche auf dieſe Grund⸗ ſtücke zu haben vermeinen, werden aufgefordert, ſolche binnen 6 Wochen von heute an hier gel⸗ tend zu machen, als ſonſt die Kaufbriefe über jene Grundſtücke werden beſtätigt und der Ein⸗ trag in's Mutationsverzeichniß wird verfügt werden. Friedberg am 15. Mai 1855. Großherzogliches Landgericht Friedberg J. B. Gr, 9.
Dr. Irle, Landgerichtsaſſeſſor.
(Butze bach.) Lieferungen an Brod, geläutertem Oel, Thran, Stearinlichter, Gerſte, Weizenkleie und Leinkuchen, ſodann Stroh zum Füllen einzelner Betten. [762] Mittwoch den 6. Juni d. J., des Vor⸗ mittags um 10 Uhr, ſollen die Lieferungen der überſchriebenen Bedürfniſſe der Garniſon Butz⸗ bach auf das zweite Semeſter d. J. auf dem
Wege der Soummiſſion an den Wenigſtverlan⸗ genden in Accord gegeben werden. Die Be⸗ dingungen liegen zur Einſicht bereit. Butzbach den 24. Mai 1855. In Auftrag des Verwaltungsraths Cellarius, Oberquartiermeifler.
Edicetalla dung.
[688] Die Wittwe des Gräflich Solmſiſchen Amtsſchreibers Jung in Aſſenheim, Chriſtina Suſanna, geborne Rumpf, iſt am 8. Februar d. J. ohne Leibeserben verſtorben. Der ge⸗ ſetzliche Erbe derſelben ſoll ihre Nichte Pauline Müller, geb. Rumpf, zuletzt in Leipzig wohn⸗ haft, ſein. Da deren Aufenthaltsort bis jetzt nicht ermittelt werden konnte, ſo wird dieſelbe, ſowie Jeder, welcher Erb⸗ oder andere An⸗ ſprüche an den geringen Nachlaß geltend machen will, hiermit aufgefordert, ſolche binnen drei Monaten dahier anzuzeigen, gegenfalls ſpäter darauf Rückſicht nicht genommen, und der Nach⸗ laß dem Großherzoglichen Fiscus überwieſen werden wird. Friedberg den 13. Mai 1855. e eee Friedberg
r. le Landgerichtsaſſeſſor.
Aufforderung. 1730] Das Eigenthum der nachbenannten, in der Gemarkung Bönſtadt belegenen Immobilien:
1981. 1 631. 1 600. 1 301. 11 247. III 80. III 4. IV 478. IV 75. IV 288. IV 317. IV 276. VII 82. VII 204. IX 297 a. XI 120 xlI 102. XIII 90. XIV 249. XIV 128. XIV 305. XV 101,5. XV 499. XV 357. XW 526. XV 46. welche im Grundbuch auf den Namen des Lud. wig Wilhelm Schreitz eingetragen und verkauft worden find, kann urkundlich nicht nachgewieſen werden.
Es werden daher alle Diejenigen, welche Eigenthumsanſprüche an genannte Stücke bilden wollen, aufgefordert, ſolche binnen 4 Wochen ſogewiß bei unterzeichneter Behörde geltend zu machen, als ſonſt die Steigbriefe gerichtlich be⸗ ſtätigt und der Eintrag im Mutationsverzeichniß verfügt werden wird. 0
Altenſtadt den 16. Mai 1855.
Großberzogliches Landgericht Altenſtadt Dr. Gilmer.
Edietalla dung. 687] In dem Ockſtädter Grundbuche ſteht auf den Namen:„Rudolph Müller, Freiherrlich von Franckenſteiniſches Erbleihgut“ auch das Grundſtück 67/1 287½ Ruthen im Holder⸗
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