Ausgabe 
4.9.1855
 
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zufener Burſch wird damit unter Empfehlung möglichſter Eile abgeſchickt. Derſelbe erreichte den Sitz des Land- raths auf dem Fußwege ſchneller als der Poſtmeiſter auf dem weitern, tief ausgefahrenen Fahrwege. Wie ſtaunte der Landrath, als er folgendes Schreiben von der ihm wohlbekannten Hand des Prinzen las:

Lieber Putlitz!

Durch den mir unerklärlichen, aber jedenfalls blinden Eifer eines Ihrer Werkzeuge ſitze ich hier ſeit einigen Minuten als Gefangener. Meine Situation iſt freilich mehr komiſch als unangenehm zindeſſen gute Luſtſpiele müſſen, wie Sie als ein Kenner am beſten wiſſen, mit einem Acte beendigt ſein und ſich nicht durch mehrere Acte hindurch⸗ ſchleppen, ſonſt tritt Ermüdung ein. Daher bitte ich Sie, mich bald durch Ihre Vermittlung aus meiner unfreiwilli gen Haft befreien zu wollen. Ihr Prinz Biron v. l.

Narrenſtadt den 14. Nov. 49.

Der Landrath wollte ſeinen Augen nicht trauen beim Leſen dieſer Zeilen. Doch er kannte die Handſchrift des ihm nahe befreundeten Prinzen, es war kein Zweifel: Brief und Unterſchrift waren ächt.»Eine vortreffliche Geſchichte das! ruft er laut und lacht vergnügt in den blonden Bart hinein;köſtlicher, einziger Witz von dem fa⸗ moſen Poſtmeiſter! der Queſenkopf wird wahrhaftig meinen Kreis noch in Verruf bringen! Aber es geſchieht dem Bi⸗ ron ſchon ganz recht: anders bekommt man den Herrn nicht zu ſehen, als wenn man ihn ſo bei der Durchreiſe arre tiren läßt. Einziger Kerl, der Poſtmeiſter! bin begierig was er angeben wird. In beſter Laune von der Welt beſtellte er das Anſpannen, um ſofort ſich in eigner Per⸗ ſon auf den Schauplatz der polizeilichen Thaten des Poſt⸗ meiſters zu begeben, und will eben den Wagen beſteigen, da fährt eine Extrapoſt in den Hof. Strahlenden Ange⸗

ſichts und halb verklärt wie ein Poſaunenengel ſpringt der Poſtmeiſter aus dem Wagen, ſtürzt auf den Landrath zu und ruft noch 20 Schritte entfernt mit glorioſer Stimme: Einen kühnen Griff gemacht, verehrteſter Herr Landrath! Zwei Vögelchen gefangen, Vögelchen von ſeltenſter Art, mit Goldfedern! Sehr verſchmitzte Gauner, aber mich betrügt man nicht; ich habe ſie doch durchſchaut und über liſtet; ſie ſind wohl verwahrt und aufgehoben. Ein Gens darm und zwei Polizeidiener halten Wache vor ihren Käfigen. Doch entſchuldigen Sie, verehrteſter Herr Land⸗ rath, daß ich Sie noch gar nicht ſchuldigſt begrüßt habe; Gehor⸗ ſamſten guten Morgen Herr Landrath und Sie haben doch gewiß auch von dem großen Diebſtahl bei dem Herrn Hoflieferanten in Berlin gehört. Nun! die Uebelthäter ſind entdeckt, entlarvt und feſtgemacht und das Schwert der Gerechtigkeit kann walten! (Fortſetzung folgt.)

An Lehrer und Lehrerfreunde.

Vor Kurzem ſtarb im Kreiſe Vilbel ein Schullehrer in den beßten Jahren(er war von 18341837 in Friedberg ausgebildet) und hinter⸗ ließ eine Wittwe mit 4 unerzogenen und einem ungebornen Kinde in den dürftigſten Verhältniſſen. Hülfe thut dringend Noth. Darum die Bitte an alle Lehrer und Lehrerfreunde, um ein, wenn auch nur kleines Scherflein für die armen Waiſen. Die Redaction die ſ. Bl. nimmt jede Gabe an und überſendet ſie zur Verwendung an den proviſoriſchen Vorſtand der heſſiſchen Lehrerwaiſenſtiftung, welcher ſpäter öffentlich über Größe und Verwendung der Gaben Rechenſchaft ablegen wird.

Die verehrlichen Redactionen benachbarter Blätter werden um gefällige Aufnahme vorſtehender Bitte gebeten.

Bei der Expedition d. Bl. ging ferner ein: Ungenannt 1 fl.; Fr. P. H. 1 fl.; F. aus F. 1 fl.; Lehrer Müller in St. 2 fl.; F W. R. 9 krez Lehrer Bitſch dahier 36 kr.; zuſammen mit den früher ein⸗ gegangenen Beiträgen 7 fl. 9 kr.

Um weitere Gaben wird gebeten.

Bekanntmachungen von Behoͤrden und

Oeffentliche Aufforderung. [1224] Jacob Ratz von Gambach, geb. den 5. Auguſt 1780, iſt ſeit vielen Jahren ab⸗ weſend, und ſein in einigen in Gambacher Gemarkung gelegenen Grundſtücken beſte⸗ hendes Vermögen iſt ſchon vor längerer Zeit ſeinen Brüdern, Andreas Ratz und Jacob Ratz, zur Benutzung überlaſſen worden. Beide ſind unterdeſſen verſtorben und ihre zurückgebliebenen Kinder wollen jetzt die ſe Grundſtücke veräußern. Da nun Jacob Ratz das ſiebenzigſte Lebensjahr

überſchritten haben würde, ſo ergeht auf Antrag

der genannten Intereſſenten an ihn oder an ſeine etwaigen Descendenten dieſe öffentliche Auf⸗ forderung, binnen einer Friſt von zwei Monaten ſich dahier anzumelden, auch zu legitimiren, oder zu erwartlen, daß Jacob Ratz für ver⸗ ſchollen erklärt und ſein Vermögen den aufge⸗ tretenen Erben ohne weitere Caution überlaſſen wird. Butzbach am 16. Auguſt 1855. Großherzogliches W Butzbach Ebel.

Hofraum ⸗Verſteigerung. 11286] Donnerſtag den 6. Septbr., Morgens 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe nachſte⸗ hender, der Stadt gehörender Hofraum, neben den Gebäuden der Bürger Georg Philippi und Heinrich Schutt in der Engelſtraße, meiſtbietend verſteigert, als: Ordn.⸗Nr. Flur. Nr. des Grundſt. UIKlftr. 1 2 372 6% Hofraum in der Stadt. Friedberg den 29. Auguſt 1855. Großherzogliche Bürgermeiſterei Friedberg Bender.

Bekanntmachung. [1272] Nachdem durch Verfügung des unter⸗ zeichneten Gerichts vom 17. d. M. Johannes Bingel zu Rödgen, Heinrichs Sohn, wegen Geiſtesverwirrung unter Curatel geſtellt und ihm die eigene Verwaltung ſeines Vermögens ent⸗ zogen worden iſt, ſo wird ſolches hierdurch mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Rechtsgeſchäfte nur mit dem beſtellten Cu⸗ rator, Schuhmachermeiſter Georg Wolf da⸗ ſelbſt, gültig abgeſchloſſen, auch Zahlungen nur an dieſen gültig geleiſtet werden können.

Nauheim am 22. Auguſt 1855. Kurfürſtliches Juſtizamt Kröber. dt. Schlarbaum.

Gras ⸗Verſteigerung. 12900] Das der freihl. Gutsherrſchaft dahier auf 6 Morgen der fiskaliſchen f. g. Markwieſe in Bauernheimer Gemarkung zustehende Grum⸗ metgras wird*

Mittwoch, den 5. September l. J., Mittags 12 Uhr, im Solz'ſchen Wirthshauſe zu Bauernheim öffentlich verſteigert. Ockſtadt, 28. Auguſt 1855. Freihl. v. Franckenſtein'ſches Rentamt. Angerer.

Grummetgras⸗Verſteigerung. 113121 Montag den 10. September 1. J., Morgens 10 Uhr, wird das Gemeinde-Grum⸗ metgras in der Beumbach in Abtheilungen öffent⸗ lich an die Meiſtbietenden verſteigert.

Oberwöllſtadt den 31. Auguſt 1855.

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Privat⸗Anzeigen.

Main⸗Weſer⸗ Bahn. [13131 Die auf Rüböl, Sparöl, Talg und weiße Seife eingelaufenen Gebote haben die Ge⸗ nehmigung nicht erhalten und wird über:

1) 22000 Pfd. Rüböl, 2) 6000 Sparxöl, 3) 600 Talg, 4) 180 weiße Seife neue Submiſſion auf Freitag den 7. Septem⸗ ber l. J., Morgens 10 Uhr ausgeſchrieben, bis zu welcher Zeit die Gebote verſiegelt an unter⸗ zeichnete Behörde eingereicht ſein müſſen. Nach 10 Uhr eingereichte Gebote können keine Be⸗ rückſichtigung finden. l Gieſſen den 31. Auguſt 1855, Großherzogliche Magazing⸗Commiſſion. In Verhinderung des Vorfitzenden: Daudt, Maſchinenmeiſter.

O bſtverſteigerung. 11314] Freitag den 7. d. M., des Vormittags 10 Uhr, ſoll das der hieſigen Gemeinde zu⸗ ſtehende dießjährige Obſt, in etwas Aepfel, Bir⸗ nen und Zwetſchen beſtehend, an Ort und Stelle öffentlich meiſtbietend verſteigert werden.

Niederrosbach den 1. September 1855. Großherzogliche Niederrosbach unn tz.

Gras verſteigerung. L13151 Künftigen Montag den 10. d. M., Vor⸗ mittags 10 Uhr, wird auf hieſigem Rathhauſe das Gras von der Pfingſtweide und dem Kreuz⸗ placken, circa 27 Morgen haltend, an die Meiſt⸗ bietenden in einzelnen Abtheilungen verſteigert.

Niederwöllſtadt den 1. September 1855. Großherzogliche ft e Niederwöllſtadt t o

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