danderer Atmen
Friedberger Intelligenzblatt.
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Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
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bebe ge Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. e
Nu 10.
Freitag, den 2. Februar.
18535.
Eine gute Lehre. (Schluß.)
„Die ganze Geſchichte iſt folgende,“ hub Loriot zu er— zählen an, ohne die Zerſtreutheit ſeines Begleiters zu be— merken,—„vor zwei Tagen gehe ich nach Meiſter Bour— gois Schenke, um dort eine alte Schuld zu berichtigen, denn meiner Treu! ich mache keine neuen mehr! Dort treffe ich, ſag' ich, einen Burſchen, der ſich in den feinſten Kleidern ſo prächtig herausgeputzt hat, daß er mir ſogleich auffällt, denn ich habe gottlob einen geübten Blick. Burſche, ſag' ich zu mir ſelber, mit Dir iſt's nicht ganz geheuer! Entweder gehören dieſe Kleider nicht Dir oder Du haſt ſie nicht mit rechten Dingen bekommen, denn Leute in ſolch feinem Tuch laſſen ſich ſonſt in einer ſolchen Kneipe nicht ſehen. Um nun der Sache auf den Grund zu kommen, laſſe ich mir ein Glas Wein geben und ſetze mich neben ihn, ſowohl aus Neugierde, als im Intereſſe meiner philoſophi— ſchen Studien!“
„Nun? und was weiter?“ fragte Raymond zerſtreut.
„Jenun, der Kerl war ſo wenig zum Plaudern auf⸗ gelegt, daß man ihm ordentlich die Worte aus dem Munde zwängen mußte, wie man Nägel aus einer Bohle zieht, und ich ſah bald, daß mit dem Burſchen nichts zu machen war!“
„Und Ihr habt alſo nichts von ihm herausgebracht?“
„Gar nichts denn um meinen Fragen auszuweichen, nahm der Kerl eine zerſtreute Miene an und unterſuchte den Inhalt ſeiner Taſchen. Bei dieſer Gelegenheit fiel mir eine Brieftaſche auf, die er auf den Tiſch gelegt hatte..“
„Eine Brieftaſche?“ rief Raymond und bebte zu— ſammen.
„Ja eine Brieftaſche von dunkelblauem Chagrin mit einem Frauenporträt auf dem Deckel....“
„Wirklich!“
„Ja, ja; die Brieftaſche war mir ſchon damals auf— gefallen, als Sie ſie herausnahmen, um mir meinen Em— pfehlungsbrief an den Spitalverwalter zu ſchreiben; ich habe das Miniaturbild im Augenblick wieder erkannt....“
„Und Ihr habt nicht errathen, daß mir die Brief— taſche geſtohlen worden iſt?“ fiel ihm Herr Raymond in's Wort.
„Doch, doch; ich habe es gleich im Anfange gearg— wöhnt, und bin dann meiner Sache gewiß geworden, als der Burſche bei dem erſten Wort, das ich davon erwähnte, ganz erſchrocken auffuhr...“
„Ihr hättet ihn verhaften laſſen ſollen!“ rief Herr Raymond.
„Das ging nicht an; ſobald er ſich entdeckt ſah, war er auf und davon wie die Kugel aus dem Rohr, ohne ſeine Zeche zu bezahlen....“
„Und Ihr wißt nun nicht, wer er war oder was aus ihm geworden iſt?“ rief Raymond.
„Keins von Beiden; aber ich habe mir wenigſtens die Brieftaſche zu Gemüthe geführt— hier iſt ſie!“ rief Vater Loriot.
Herr Raymond ergriff ſie mit einem Freudengeſchrei⸗ oͤffnete ſie mit krampfhaft zitternder Haſt, durchſuchte ihre Fächer und brachte die Quittung über die 150,000 Fran⸗ ken zum Vorſchein. Bei dem Freudenrufe, den er ausſtieß, drehte ſich der alte Bettler nach ihm, und rief:„Iſt Ihnen mit der Geſchichte wirklich eine Gefälligkeit erwieſen wor— den 2.
„O mehr als eine Gefälligkeit! Ihr rettet mich vom Elende!“ rief Herr Raymond, vor Aufregung zitternd. „Mit dieſer Brieftaſche und dieſem Stückchen Papier gebt Ihr mir alle Freude und alles Glück der Zukunft wieder, auf welches ich ſchon verzichtet hatte. Ohne ſie hätte ich meine Lieben verlaſſen und in fernen Landen unbekannte Gefahren beſtehen müſſen. Der Brief hier, den ich vorhin geſchrſeben, und welchen ich ſoeben auf die Poſt beſorgen wollte, war ſozuſagen ein Todesurtheil für mich. Ihr habt ihn jetzt unnöthig gemacht! Von nun an iſt Alles geord— net und Euch verdanke ich einen ſorgenfreien Lebensabend und eine geſicherte Zukunft für die Meinigen.“
Er erklärte Loriot in wenigen Worten die Wichtig keit des Dokuments, das die Brieftaſche enthalten hatte und der Bettler ſchlug betroffen die Hände zuſammen:„All⸗ mächtiger Gott!“ rief er,„ſo ſoll denn ich einmal in mei— nem Leben auch einen Menſchen glücklich gemacht haben! Und zwar den einzigen Menſchen, der gegen mich gütig ge— weſen iſt. Ja führwahr, nun ſehe ich ein, daß es eine Vorſehung gibt!“
„Und dieſe Vorſehung ſoll für uns Beide geſorgt haben!“ rief Raymond und ergriff des Bettlers Hand,— „denn ich will, daß Ihr den Wohlſtand theilt, den Ihr mir wieder verſchafft habt.... wir werden uns fortan nicht mehr verlaſſen! Ihr müßt in meiner Familie leben....“
„Gemach, gemach, lieber Herr!“ fiel ihm Vater Lo— riot in die Rede;„vor acht Tagen haben Sie ſich meiner angenommen, ohne mich zu kennen, und aus bloßer Her⸗ zeusgüte; heute leiſte ich Ihnen aus Zufall einen Dienſt. Das ſoll mein Lohn ſein und ich will keinen andern. Hätten Sie Ihre Brieftaſche nicht herausgezogen, um mir ein Empfehlungsſchreiben zu geben, das mir ein Unterkommen geſichert hat, ſo hätte ich es auch nicht wieder erkennen und Ihnen zurückbringen können. Ihr Glück iſt daher nur die Folge Ihrer großmüthigen Handlung. Erzählen Sie nur dieſe Anekdote Ihren Kindern zum Beweiſe dafur, daß La Fontaine Recht hat, und daß es bei Menſchen wie bei Thieren zutrifft: Man braucht oft einen noch Ge— ringern als man ſelber iſt!“(Erheit.)
Die Geſchichte der Entdeckung des Goldes in Californien.
Man wußte längſt, daß Capitän Sutter, ein ehe— maliger O fizier der franzoͤſiſchen Schweizergarde, welcher nach der Juliusrevolution auswanderte und in Californien bedeutenden Grundbeſitz erwarb, Entdecker des Goldreich— thums jener Gegend ſei; allein erſt neulich hat derſelbe


