Ausgabe 
28.7.1854
 
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Und mit irgend einem guten Vorwande, Herr Doctor, nicht wahr? Thun Sie das mir zu liebe. Sie wiſſen, er iſt ſo wunderlich in allen Stücken, wo er zahlen zu müſſen fürchtet.... Wie wär's, wenn Sie z. E. um die Miethe für den kleinen Stall und die Remiſe fragten wenn Sie vorgäben, Sie werden ſie vielleicht ge⸗ brauchen, um Pferd und Wagen zu halten?....

Ein bitteres Gefühl zog durch des Doctors Bruſt, denn er erinnerte ſich, daß er einſt vor drei Ihren, da er dieſe Wohnung miethete, in den erſten Tagen der Illu⸗ ſion, dieſe ferne Hoffnung gegen den Hausbeſitzer ausge⸗ ſprochen hatte.

Meinethalben denn dieſen Vorwand, in Ermang⸗ lung eines beſſern! verſetzte er kurz, verſchloß das Hin⸗ terpförtchen des Pavillons hinter ſich und folgte dem ſchlanken Mädchen über den Hof nach dem armſeligen Hinterhäuschen, welches der alte Geizhals bewohnte. Hier bat ihn Emilie eine kleine Weile an der Thure zu warten, und erſt nach ihr einzutreten, damit der Herr Vetter nicht merke, daß ſie den Arzt geholt. Während nun der Doctor vor der Zimmerthure wartete, hörte er den Kranken Emi⸗ lien fragen, ob ſie die Gartenthür wohl verſchloſſen, das Feuer im Ofen ausgelöſcht und den Waſſereimer nicht am Brunnen gelaſſen habe, Beſorgniſſe, über welche ihn

das junge Mädchen inzwiſchen vollſtändig zu beruhigen vermochte. Inzwiſchen fiel ihm die keuchende abgeſtoßene Stimme des Alten auf, und er trat endlich geraͤuſchvoll, wie Beſuch, der ſich gefliſſentlich hören laſſen will, in die Wohnſtube des alten Geizhalſes, wo er aber der Dunkel⸗ heit wegen plötzlich zwiſchen Thür und Angel ſtehen bleiben mußte.

Das einzige Licht nämlich, welches in die Wohn⸗ ſtube des Alten fiel, worin er jetzt lag, war der Wider⸗ ſchein der Straßenlaterne jenſeit des Hofthors; es herrſchte daher hier nur eine tiefe Dämmerung, an welche das Auge des Fremden ſich erſt gewöhnen mußte. Der Kranke dagegen hatte den ſpäten Beſucher ſogleich erkannt, richtete ſich mühſam in die Ellbogenlage auf und rief ächzend: Ah, Sie ſind es, Herr Doctor? Hoffentlich kommen Sie aber nicht um meinetwillen? Ich habe nicht nach Ihnen geſchickt; ich bin wieder ganz wohl!

Beruhigen Sie ſich, Herr Hartmann! ich komme nicht als Arzt, ſondern als Miethsmann, verſetzte Marcus, und näherte ſich taſtend und tappend dem Bette hinter dem Ofen.

Als Miethsmann? wiederholte der Alte.Wollen Sie den Miethzins entrichten? Ich wußte nicht, daß er ſchon verfallen iſt... Sie bringen alſo Geld? Ge ſchwinde, Emilie! ſchaffe Licht herbei! Spute Dich, Mädel!

Ich bitte um Entſchuldigung, Herr Hartmann! ſagte Marcus, der inzwiſchen zum Bette getreten war.

Ich habe ja meine Miethe erſt kürzlich bezahlt, und ſchulde Ihnen nun Nichts mehr. Ich kam nur, um mich zu erkundigen, ob Sie mir nicht nöthigenfalls ein Unter⸗ kommen für einen Wagen und ein Pferd verſchaffen könnten?

Aha, Sie brauchen Stallung? fragte der Greis lebhafter.Schön, ſchön! Setzen Sie ſich doch, Herr Nachbar! Wir brauchen kein Licht, Emilie; die Laterne drüben genügt, und man plaudert traulicher ohne Licht. Aber reich' mir meinen Thee, Mädchen! ſetzte er huſtend hinzu, und leerte die plumpe Taſſe, welche ihm Emilie reichte, mit der durſtigen Gier der Fieberhitze. Marcus erkundigte ſich, was er denn da trinke? und der alte Hart mann erwiderte, nachdem ein neuer heftigerer Huſtenan⸗ fall ſich gelegt:'s iſt mein gewöhnliches Hausmittel, Doctorchen! ein einfacher Abſud von Wandflechte. Das iſt geſünder als alle lateiniſchen Brühen aus Euren Apo⸗ theken und koſtet Nichts, als die Mühe des Sammelns.

Und Sie nehmen Ihre Tiſane kalt? fragte der Doctor.

Ich mag kein Feuer unterhalten; die Wärme in der Stube beengt mich, und das Holz iſt unvernünftig theuer! Sehen Sie, Doctorchen, wenn man kaum genug zum Leben hat, muß man mit Allem kargen! Ach lieber Himmel! man muß ſich nach der Decke ſtrecken, denn ich will's nicht dem ſchurkiſchen Hammer nachmachen, bei dem

ich Alles verloren habe. (Fortſetzung folgt.)

Für die nothleidenden Israeliten zu Palãſtina (Jeruſalem) 100 nachfolgende Gaben eingegangen und werden hiermit dankbar be⸗ cheinigt: Von Herrn S. Lindheimer 7 fl.; Madame G. Katzenſtein Wtw. u. Sohn 5 fl. 48 kr.; L. Hanau 1 fl.; M. L. Goldmann 1 fl. 20 kr.; J. Rappolt 1 fl. 12 kr.; L. Oppenheim 1 fl. 12 kr.; M. Garde 30 kr.; S. Seckendorf 30 kr.; M. Schwarz 30 kr.; S. Garde 18 kr.; S. Butzbach 12 kr.; H. Hirſchſprung 24 kr.; A. Strauß 24 kr.; M. Hirſch 2 fl.; J. Mai 1 fl. 45 kr.; S. Engel 30 kr.; A. Wolf 2 fl.; aus der Gemeinde Hochweiſel 2 fl.; J. Schwarz in Niederweiſel 30 kr.; von Großkarben durch Herrn Lehrer Feuchtwanger: von Herrn Pachte r Funk 1 fl.; M. Strauß 48 tr.; J. Strauß 36 kr.; Iſaak Mai 30 ke; D. Mai 30 kr; D. L. Mai 30 kr.; C. Mai Wtw. 36 kr.; J. Furker 18 kt.; A. Grünebaum 1. 24 kr. A. Grünebaum II. 24 kr.; K Kirſchner 18 kr.; J. Kulb 24 kr. M. Reis 24 kr.; H. Weckerling hier 12 kr.; F. Bäcker 6 kr.; Chr. Hofmann 12 kr.; G. Schulhof 1 fl.; Frl. Guſte Wolf 1 fl.; Lehrer Speckhardt 12 kr.; J. P. Schäfer 35 kr.; Ungenannt 35 kr.; Profeſſor Dr. Sell 1 fl.; Frl. H. 18 kr.; R. 24 kr.; aus Burggräfenrod durch E. Heß: von demſelben 1 fl. 45 kr.; Iſ. Schönberg 30 kr.; N. Schott 24 tr.; L. Schönberg aus Niederw. 30 kr. im Ganzen 44 fl. 30 kr., wovon bereits 20 fl. 35 kr. durch das Comité zu Amſterdam an den Beſtimmungsort befördert wurden. Den edlen Gebern den herzlichſten Dank. Friedberg den 25. Juli 1854. Maper Hirſch, Kaufmann. J. P. Schäfer, Vorſteher der Blindenanſtalt.

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.

Materiallieferung

bei Dorheim. 11157] Mittwoch den 9. Auguft, Vormittags 10 Uhr, ſoll auf dem Dorheimer Bergwerk die Lieferung von nachſtehenden Materialien, näm⸗ lich von: I. Floßholz: 88 Böden 10ter Stämmen, 6* ter 3 Ster 1 II. Brettern N.:

100 Stück ſchmalen Schreinerdielen, 150 Dachdielen,

50 Stück Doppeldielen, für das Großherzogliche Braunkohlenbergwerk 200 Latten, III. Pfählen: 20,000 Stück 4 Fuß langen Eichenpfählen, IV. Fettwaaren:

800 Maas Rüböl,

80 Pfund Talg, auf dem Soumiſſionswege vergeben werden. Die Soumiſſionen ſind ſchriftlich, verſiegelt und frankirt mit der Adreſſe der unterzeichneten Be⸗ hörde und der Aufſchriftdie Lieferung von.... betreffend verſehen, längſtens bis zum 9. Au⸗ guſt Vormittags 10 Uhr abzugeben. Die Er⸗ öffnung derſelben geſchieht in Gegenwart der erſchienenen Soumittenten. Die Bedingungen, v.

unter welchen die Vergebung der Lieferung ſtatt⸗ findet, können vom 1. Auguſt an dahier einge⸗ ſehen werden. Dorheimer Bergwerk den 18. Juli 1854. Großherzogliches Bergamt Dorheim J

Bekanntmachung. 1174] Der Maurer Heinrich Mogk II. von Reichelsheim beabſichtigt mit Frau und einem Sohn von 15 Jahren nach Amerika auszu⸗ wandern.

Reichelsheim den 21. Juli 1854. Herzogl. Naſſ. Kreisamt Preuſchen.

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Jag 11192] Nont 10 Uhr, soll Dinter zu B in di Gemar uud Daldung 0 Jahn berpa

Bingengei

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Hol, 11193] Nor tags 9 Uhr, hieſigen Gu genehmigte