Ausgabe 
27.10.1854
 
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fort und blickte Julien an, deren Auge gierig auf ſeinem Munde haftete;nein, ich darf es Ihnen nicht verheh len, mein Fräulein! im phyſiſchen Sinne iſt eine große Umwandlung mit ihm vorgegangen: nicht nur, daß die Krankheit ihre tiefen Spuren in ſeinem Geſichte zurückge laſſen hat das wäre das Wenigſte, denn was iſt Schön heit im Verhältniß zu den edleren Eigenſchaften des Ge müths?...

Iſt er ſehr haͤßlich? fragte Julie geſpannt.

Leider muß ich zur Steuer der Wahrheit dieſe Frage bejahen, mein Fräulein! entgegnete Lorenz.Sein Ge ſicht iſt voll Pockennarben. Sie werden übrigens morgen ſelber am beſten hierüber urtheilen können! Die beiden Damen wechſelten bedeutſame Blicke, aber Lorenz ließ ſich dadurch nicht irre machen, ſondern fuhr zögernd fort: das iſt aber nicht Alles: ſeine Stimmung iſt eine ſehr gedrückte; ein Theil ſeines Vermögens ſteht auf dem Spiel in einem Prozeſſe.., ſein Großvater ſcheint ihn theilweiſe enterben zu wollen...

Wie? rief Madame Rabener und vergaß alle Selbſtbeherrſchung;er iſt alſo vielleicht arm geworden? Nun denn, Herr Lorenz, dann werden Sie gewiß auch mit mir einverſtanden ſein, daß es für Herrn Marberg das Klügſte wäre, ſogleich nach München zurückzukehren! Seine Vermögensumſtände erheiſchen doch gewiß alle Auf merkſamkeit; man kann doch noch mehr für ſich thun, wenn man ſelbſt an Ort und Stelle iſt. Und die ge ſchickten Aerzte in München finden vielleicht auch ein Mittel, ihm die entſtellenden Spuren ſeiner Krankheit zu ver treiben... Und wie hoch, ſagen Sie, beläuft ſich Herrn Marbergs Verluſt?

Hierüber kann ich Ihnen leider nichts Beſtimmtes ſagen, Madame, entgegnete Lorenz achſelzuckend.Ver ſtehen Sie mich wohl, ich weiß hierüber nichts Zuver läſſiges. Eugen hat mir noch nichts darüber mitgetheilt. Allein ſeine Zerſtreutheit, ſein Trübſinn, und zeitenweiſe ſogar Schwermuth.... Dunkle unbeſtimmte Gerüchte, die mir in München zu Ohren gekommen.. meine Vermu thungen... Sie verſtehen mich, Madame! ich weiß nichts Zuverläſſiges und die Sache wird in Wahrheit nicht ſo e eee

Nun ja, die Leute machen gleich einen ungeheuren Lärmen über derlei Dinge! ſagte Madame Rabener ſehr kalt;indeſſen iſt doch gewiß das Klügſte, daß Herr Marberg nach München geht. Die beſten Aerzte und Ad vokaten trifft er dort, denn hier auf dem Lande findet man nur Stümper. Meines Erachtens ſollte er keine Stunde länger in Traunau verweilen!

Aber morgen bringe ich ihn doch noch heraus! ſagte Lorenz;Sie werden ihm doch erlauben....

Wir werden ſchwerlich morgen hier ſein, beſter Herr Lorenz, verſetzte Madame.Ich hatte ganz vergeſſen, daß wir mit Herrn Rabener nach Salzburg reiſen ſollen, der ſo ſchlecht auf iſt, daß er noch mit ſeinem Geſchäfts

mann ſich über Verſchiedenes berathen muß. Aber wir

werden in ſpäteſtens acht Tagen in München ſein und ich hoffe, Sie werden uns dort recht oft beſuchen, denn meine Julie iſt ganz enchantirt von Ihnen....

Und was ſoll ich von Ihnen meinem armen Freunde melden, mein Fräulein? fragte Lorenz die ſehr verdüſterte Julie.

Sagen Sie ihm, daß er in München mehr von mir hören werde! erwiederte ſie kalt und verlegen.

Und von mir aus ſagen Sie Herrn Marberg, er ſolle nur ſo raſch wie möglich ſich zu ſeiner Geſundheit und zu ſeinem Vermögen verſehen! rief Madame Rabe

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ner.Sie aber werden uns in Muͤnchen recht bald mit einem Beſuche erfreuen, nicht wahr?

Sehr verbunden, Madame! Ihre Wünſche ſind mir Befehl, und ich werde meinem Freunde Ihre Ideen wegen ſeiner Verhältniſſe mittheilen! ſagte Lorenz mit einer ce remoniöſen Verbeugung und empfahl ſich. Als er draußen war und im Schlitten ſaß, warf er noch einen verächt lichen Scheideblick nach dem Herrenhauſe von Märtenſee und ſagte:Gott befohlen, ihr armen reichen Leute! nie mals werde ich wieder einen Schritt über eure Schwelle thun!

Lieber Freund, ſagte Lorenz nach ſeiner Rückkehr zu Eugen Marberg,zahlen Sie Ihren Arzt, packen Sie Ihre Siebenſachen zuſammen und laſſen Sie uns nach Hauſe reiſen. Wir haben hier nichts mehr zu ſuchen!

Wie ſo? Wie verſtehen Sie das? fragte Eugen.

Ich meine, wenn Sie nun noch daran denken, Fräu lein Julie Rabener zu heirathen, ſo werde ich in meinem Leben kein Wort mehr mit Ihnen reden, und Sie ſollen meiner Achtung verluſtig gehen! verſetzte Lorenz, und er zählte ihm ausführlich die Fiktion, womit er Julien und ihre Mutter auf die Probe geſtellt, und wie beide dieſe Prüfung beſtanden.Sie ſehen, ich hatte Recht, lieber Marberg, fuhr er fort,Juliens Liebe galt nicht dem biedern, offenen Eugen, ſondern dem Beſitzer eines glatten Geſichts und eines hübſchen Vermögens; jene beiden Koketten verſchmähen Sie, weil ſie glauben: Sie ſeien pockennarbig und minder reich als zuvor! Wann reiſen wir ab?

Ich reiſe noch nicht, ich werde noch einige Tage hier bleiben! ſagte Eugen entſchloſſen.

Das mögen Sie thun, jedoch ohne mich, erwiderte Lorenz.Wenn Sie noch Einen Gedanken an Julien hegen, ſo mögen Sie ſich einen andern Brautführer wählen, denn ich werde dieſen beiden Frauen niemals mehr einen freundlichen Blick gönnen!

Am andern Morgen waren die beiden Freunde zum Frühſtück allein in Dr. Meßner's Wohnzimmer. Eugen nahm Lorenz bei der Hand, führte ihn zum Fenſter, ſchlug den leichten Muslinvorhang zurück, und zeigte ihm draußen auf dem Hofe vor der Hausthüre Fanny, welche Suppe und Brod unter etliche arme Leute austheilte.

Sehen Sie dort das Weib meiner Wahl, lieber Lorenz! ſagte Eugen und deutete auf Fanny.Ich liebte Julie Rabener mit dem Kopfe; dieſe gute edle Fanny hier liebe ich aber mit Herz und Seele. Und nun, ſetzte er lächelnd hinzu,werden Sie hoffentlich Ihre Abreiſe noch aufſchieben und meinen Brautführer machen!

Fanny Marberg iſt nun eine der glücklichſten Frauen in Munchen. Von Fräulein Rabener kann man nicht Gleiches rühmen. Sie heirathete ein halbes Jahr ſpäter den älteren Baron Virnau, der für reich galt und den ihre Mutter für eineglänzende Parthie hielt. Der Braut⸗ ſchatz reichte gerade hin, die Schulden des alten Diplomaten zu bezahlen.

Verſchiedenes.

Warum iſt Pp. ordentlicher und NN. außeror dentlicher Profeſſor? fragte eine junge Dame, worauf Hoffmann von Fallersleben erwiederte:Weil PP. nichts Außerordentliches und NN. nichts Ordentliches ge lernt hat.

Für die Brandbeſchädigten zu Felda

iſt bei uns eingegangen: Von Fr. P. H. fl. 2. 5 Die Exped. des Friedb. Int.⸗Bl.

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