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Frankfurt.

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B. Okt. 1854.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen

. 1. 30 kr.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum 2 kr.; die beiden erſten Zeilen zu⸗

ſammen 7 kr.

S1.

Freitag, den 27. Oktober.

185011.

Regierungsblatt⸗ Auszug.

Nr. 33 vom 5. October: I. Bekanntmachung Gr. Mini⸗ ſteriums des Hauſes und des Aeußern vom 2. Septr., daß unterm 28. v. M. dem Hrn. Samuel Ricker zu Frankfurt, welcher mittelſt Patents vom 22. Juni d. J. von dem Herrn Präſidenten der Ver einigten Staaten von Amerika zum Conſul derſelben für das Groß herzogthum Heſſen ernannt worden iſt, von S. K. H. dem Großher oge das Exequatur ertheilt worden iſt. II. Bekanntmachung Gr. iniſteriums der Finanzen vom 15. Sept., welche die mit Ruͤckſicht auf die erfolgte Verbindung der Gr. Heſſiſchen Ludwigseiſen⸗ bahn mit der K. Bayriſchen Ludwigseiſenbahn zur Contro lirung des durch dieſe Eiſenbahnen vermittelten Verkehrs mit übergangsſteuerpflichtigen Gegenſtänden vereinharten Be ſtimmungen zur öffentlichen Kenntniß bringt. III. Bekanntmachung Gr. Oberzolldirection vom 20. Sept., welche, da ſeit der Bekannt machung vom 17. Juni 1844 vielfache Veränderungen in Beziehung auf die in den Zollvereinsſtaaten beſtehenden, zur Ausferti gung und Erledigung von Begleitſcheinen befugten Zollſtel len ſtattgefunden haben. IV. Nachträgliche Ueberſicht der für 1854-56 genebmigten Umlagen zur Beſtreitung der Communal bedürfniſſe in den israelitiſchen Religionsgemeinden des Kreiſes Op penheim. V. Dienſtnachrichten. S. K. H. der Großherzog haben allergnädigſt geruht: am 11. Sept. den Steueraufſeher Damb mann zum 2. Brückengelderheber zu Caſtell; 16. Sept. den Finanzacceſſiſten Heß zu Darmſtadt zum Secretär bei der Oberrech nungskammer; 18. Sept. den Forſteandidaten von Weitershauſen aus Worms zum Oberförſter der Oberförſterei Erbach; 19. Sept. den außerord. Profeſſor Dr. Heyer zu Gießen zum Oberförſter der Oberförſterei Gießen zu ernennen. VI. Concurrenz für: die neu errichtete evang. Pfarrei Seligenſtadt mit einem jährlichen Einkommen von 500 fl.; die 2. kath. Schulſtelle zu Zellhauſen mit jährlich 276 fl. 30 kr. einſchließlich einer Wohnungsvergütung von 25 fl. und ausſchließlich einer Entſchädigung von 14 fl. für Heizung des Schullocals.

Die Liebesprobe. Novellette.

(Fortſetzung und Schluß.)

Mittlerweile mußte der Kutſcher der Familie Rabe ner pünktlich jeden Tag nach Traunau herüber reiten, um ſich nach dem Befinden des Kranken zu erkundigen; hatte aber den gemeſſenen Auftrag, ja bei Leibe niemals zu die ſem Behuf den Fuß über des Doctors Schwelle zu ſetzen, und ſeine Taſchen waren ein wahres Magazin von Kampher, Aether, Räuchereſſig und derlei Palliativen.

Nun ſehe mir doch Einer dieſe beiden herzloſen Weiber an! rief Hermann Lorenz eines Tages, als er dieß erfuhr;hätten wir alle die Peſt bekommen und Cholera und gelbes Fieber dazu, ſie könnten uns nicht mehr fürchten!

Sein Sie milder gegen die beiden furchtſamen Damen, mein lieber Lorenz! gab Eugen Marberg zur Antwort.Bedenken Sie doch, daß die eine meine Frau, die andere meine Schwiegermutter werden ſoll!

Nun, bei'm Himmel! daran denk' ich ja eben! rief Lorenz lebhaft.Gerade deßhalb iſt ja das Betragen der beiden Damen um ſo unverzeihlicher. Und Sie wollen alſo Ihren Vorſatz noch immer ausführen? Sie wollen noch nach Märtenſee hinüber? Und wann wollen Sie denn

Ihren Triumph-Einzug in jenestheure Haus halten, wie Sie es am Abend unſrer Ankunft ſo poetiſch nannten?

Ende dieſes Monats oder längſtens bis Weihnach ten! erwiderte Eugen.

Warten Sie lieber noch einige Wochen länger, lie

ber Freund, ſagte Lorenz;warten Sie geduldig, bis die Spuren Ihrer Krankheit von ihrem Geſichte verſchwunden ſind, und die ſchöneſüße Julie Sie wieder erblicken kann, wie Sie zuvor waren! Sehr ungern verſtand ſich der Patient zu dieſer Ver zogerung. Indeſſen vertrieb er ſich die Zeit ſo gut wie möglich und half Fanny ihre armen Kranken im Dorf und der Nachbarſchaft beſuchen, als er erſt wieder ausgehen durfte. Lorenz war nämlich auf einige Wochen nach München gereiſt, um verſchiedene Geſchäfte dort zu beſor⸗ gen, und Marberg war daher beinahe ausſchließlich auf den Umgang des Dr. Meßner und Fanny's beſchränkt.

Am Tage ſeiner Rückkehr nach Traunau begegnete Lorenz im Dorfe dem Kutſcher Joſeph aus Märtenſee, und ſagte zu ihm:Empfehlt mich den beiden Damen drüben und ſagt ihnen, daß ſie Euch nun nicht mehr hie her zu ſchicken brauchen, um ſich nach Herrn Marberg's Befinden zu erkundigen. Eugen iſt nun beinahe ganz wiedergeneſen, und ich werde morgen die Ehre haben, den Damen meine Aufwartung zu machen!

In der That fuhr er am andern Tage im Schlitten nach Märtenſee hinüber und fand Mutter und Tochter im eleganteſten Putze zu ſeinem Empfang bereit.

Willkommen, beſter Herr Lorenz! rief Mama; ja, ich wußte wohl, daß unſer guter Eugen ſeine Wieder geneſung hauptſächlich nur Ihrer liebevollen Pflege ver⸗ dankt, und ich danke Ihnen in meiner Tochter Namen und aus eigenem Drange herzlich dafür!

Danken Sie Gott, Madame, und nicht mir! ſagte Lorenz,ich habe nichts zu ſeiner Geneſung beige⸗ tragen!

Ach Sie ſind zu beſcheiden, mein beſter Herr Lorenz! Aber werden wir ihn bald ſehen?

Wen? Eugen? Jenun, wenn Sie wollen, ſo bringe ich Ihnen meinen Freund morgen heraus; aber..

Nun? Sie ſtocken? was iſt denn mit Eugen? fragte Mama.

Ich fürchte. ich meine.. Sie werden darauf vor bereitet ſein, ihn nicht ganz ſo wiederzufinden, wie er ehe 177 war, ſtotterte Lorenz mit angenommener Verlegen eit.

Wie ſo? hat ihn die Krankheit ſehr verändert?

Moraliſch genommen iſt Marberg ganz der Alte geblieben: ein herrlicher, gutmüthiger, edler, treuer, offen⸗ herziger Menſch! erwiederte Lorenz;ja noch mehr, er liebt Fräulein Julien zärtlicher als jemals!

Wie ſie mich erfeuen! rief die Mutter;der liebe gute Eugen! Ja, mein Kind wird mit ihm recht glücklich werden!

Im phyſiſchen Sinne dagegen, fuhr Loreuz zoͤgernd