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Friedberger Jutelligenzblatt.
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eue Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
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66.
Freitag, den 25. Auguſt.
1851.
Amtlicher Theil.
Das Großherzogliche Kreisamt
Friedberg
an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes.
Betreffend:
Friedberg den 24. Auguſt 1854.
Die Voranſchläge der Gemeinden des Kreiſes Friedberg für 1855.
Diejenigen von Ihnen, welche noch mit obigen Voranſchlägen zurückſtehen, haben ſolche binnen Meidung der Abholung durch Wartboten, anher einzuſenden.
3 Tagen bei Muller.
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Der auf den Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin, Mittwoch den 30. d. M. fallende Zahltag bei den Kaſſen des Mathildenſtifts wird ausgeſetzt, was die Großherzoglichen Bürgermeiſter zur Kenntniß ihrer Gemeinde-
angehörigen bringen werden. Friedberg am 24. Auguſt 1854.
Der Großherzogliche Kreisrath des Kreiſes Friedberg als Präſident des Mathildenſtifts Müller, Regierungsrath.
Das Vermächtniß. Erzählung von G. Freitag. (Fortſetzung.)
So überzeugend aber dieſe Gründe dem jungen Arzte anfangs auch erſchienen, ſo beſchloß er doch, den Morgen abzuwarten, bevor er etwas Entſcheidendes unter— nahm. Denn trotz aller Gründe dafür, ſträubte ſich doch auch Etwas in ihm dagegen. Er ahnte dunkel, daß er ſeine eigene Gerechtigkeit an die Stelle der öffentlichen, geſetzlichen der Geſellſchaft ſetzen wollte, und daß er den Bereich des Geſetzes aus ſelbſtſüchtigen und eigenmäch— tigen Gründen überſchritte. Wider ſeinen Willen ſträubte ſich ſein geſunder Menſchenverſtand dagegen, daß ein Jeder ſich das Recht nehmen dürfe, nach eigenem Gut— dünken zu ſchalten und zu walten und fremdes Unrecht durch eigene Willkür wieder gutzumachen. Unter der Auf— regung, in welche ihn dieſer innere Kampf und dieſes Schwanken verſetzte, verbrachte er eine ſchlafloſe Nacht, und war am Morgen noch nicht über ſeinen Entſchluß im Klaren, als Jemand ſchüchtern an ſeine Thuͤre pochte. Er öffnete ſchnell mit Herzklopfen, und ſah ſich Emilien gegenüber. Das Mädchen entſchuldigte ſich zitternd und mit niedergeſchlagenen Blicken, daß ſie ihn ſchon ſo frühe am Morgen ſtöre. Marcus bat ſie freundlich einzutreten und bot ihr einen Stuhl, aber ſie blieb ſchüchtern an der Thüre ſtehen.
„Ich danke freundlich!“ ſprach ſie und lehnte mit einer Handbewegung den Stuhl ab;„ich komme nur, um von Ihnen Abſchied zu nehmen! /,
„Wie? Sie wollen von hier weggehen?“ rief Marcus verwundert.
„Ich muß wohl,“ ſagte ſie;„eine Frau, die ſich meiner angenommen hat, will mir in Frankfurt einen Dienſt verſchaffen.“
„Und Sie wollen ihn annehmen?“
„Was kann ich Anderes thun! Ich bin arm, und wenn ich eine leidliche Stelle als Dienſtbote bekomme, ſo falle ich l Niemand zur Laſt, und hoffe durch
danken, und Sie noch um 1 Gefälligkeit zu bitten!“
„Und welche wäre das?“ fragte Marcus freundlich.
„Die Erben meines Vetters haben Ihnen nicht ein— mal das bezahlt, was Ihnen von Gott und Rechts wegen zukommt,“ ſagte Emilie.„Das hat mir in der Seele wehe gethan, zumal da Sie den Verſtorbenen nur auf meine Bitte behandelt haben,— und wenn ich Sie in dieſem Augenblicke nicht bezahlen kann, wie ich gerne möchte, ſo wollen Sie das doch nicht übel nehmen und mir glauben, daß ich, ſobald ich kann....“
„O ich bitte, Emilie! ſprechen Sie nicht davon!“ fiel er ihr lebhaft in's Wort.
„Nein, nein, ich will meiner Verpflichtung nach— kommen, ſobald ich kann; aber nur jetzt iſt es mir beim beſten Willen nicht möglich!“ fuhr Emilie fort.„Ehe ich jedoch von hier weggehe,... möchte ich noch... und Sie werden es mir hoffentlich nicht abſchlagen, Herr Doctor! — möchte ich Ihnen noch ein kleines Andenken verehren 1% Die Verlegenheit raubte dem armen Kinde die Sprache, und es zog mit zitternder Hand aus der Schürzentaſche ein kleines, ſorgſam in Papier eingeſchlagenes Päckchen, das ſich beim Auseinanderwickeln als ein ſilbernes Beſteck


