abzulaufen, auf Anderer Koſten ſich hervorzudrängen. Das hatte er von ſeinem, ſeit vielen Jahren verſtorbenen Vater geerbt, der für ſehr reich gegolten aber wenig Um⸗ gang gepflogen hatte, und ſo lebte der junge Doctor nun ſchon ſeit beinahe drei Jahren hier in der Stadt faſt un⸗ bekannt, nachdem er früher in einem kleinen Städtchen der Nachbarſchaft vergebens um mehr Erfolg und Ver trauen angeſtrebt hatte. Zu einem Anſchein von behag lichem Wohlſtand gezwungen, welchen er nur mit den größten perſönlichen Entbehrungen aufrecht erhalten konnte, erwartete er unter dieſer Maske von Glück eine beſſere Zukunft, und friſtete ſein Leben mühſam und kärglich von dem Ertrage einiger ſchriftſtelleriſchen Arbeiten, die er von Zeit zu Zeit in mediziniſchen Zeitſchriften abdrucken ließ. So ſehr aber dieſe auch die Fachgenoſſen anſprechen und von ſeiner Tüchtigkeit überzeugen mochten, ſo mehrten ſie doch die Zahl ſeiner Patienten nicht, und der Doctor ſah ſich nun an der Schwelle des einunddreißigſten Jahres von allen Mitteln entblößt, wiewohl noch ungebeugt und voll froher Hoffnungen.

Und er brauchte die Hoffnung, um ſich aufrecht zu erhalten, denn an ſeinem Lebenshorizonte hingen noch immer trübe Wolken. Heute hatte er das letzte kleine Staatspapier, welches ihm von der Erbſchaft ſeines Vaters übrig geblieben war, verkauft, um damit rückſtändige Ver bindlichkeiten abzutragen. War dieſe kleine Summe er ſchöpft, ſo war er mit all ſeinen Hülfsquellen am Ende. Darum eben hatte er heute Abend Fenſter und Läden ſo

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zu ſehen, ob derſelbe auch noch vorhanden und nicht ge ſtohlen worden ſeie. Aber die blanken Thaler lagen noch friedlich in der kleinen Schublade, und Marcus ſtand da vor und überſchlug in Gedanken, wie lange ſie wohl bei der ängſtlichſten Sparſamkeit vorhalten würden. Das Er gebniß dieſer Berechnung mochte kein ſehr tröſtliches ſein, denn er ſchob leiſe die Schublade zurück, warf ſich in einen Stuhl, und verſank in ein tiefes Nachdenken. Er rief ſich all die Schritte wieder in's Gedächtniß, die er in der letzten Zeit gethan, um ſeine Lage zu verbeſſern. Von der Noth gedrängt, hatte er in ſeiner Umgebung Gönner ſchaften geſucht, aber Jeden ſeiner Bekannten nur mit ſeinen eigenen Sorgen beſchäftigt gefunden; man hatte zwar ſeine Gelehrſamkeit, ſeinen Eifer, ſein kitzliches Zart gefühl belobt, aber ſich hierauf beſchränkt; ließ man ihm Gerechtigkeit widerfahren, ſo brauchte man ihm ja nicht zu helfen. Er hatte ferner angelegentlich und nachhaltig ſich um die Stelle eines Hausarztes im ſtädtiſchen Spitale beworben, womit eine beſcheidene Beſoldung ſammt dem Genuß freier Verpflegung verbunden war; allein ſeine Fürſprecher hatten entweder nicht genug Einfluß oder guten Willen gehabt, denn dem armen Doctor Marcus ward ein jüngerer Mann vorgezogen, der Sohn eines Beamten an jener wohlthätigen Anſtalt. Man hatte ihm wohl einige Verſprechungen gegeben, einige Hoffnungen gemacht, anderwärts für ihn zu ſorgen, allein Marcus hatte nachgerade begriffen, daß dieſer Troſt der leerſte und wohlfeilſte ſei, auf welchen er ſich am wenigſten ver

ſorgfältig unterſucht, bevor er an ſeinen Schatz eilte, um

laſſen konnte.

(Fortſetzung folgt.)

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat-⸗Anzeigen.

Oeffentliche Aufforderung. 1106] Adam Adami II. und deſſen Ehefrau von Niederweiſel haben als Rechtsnachfolger des Konrad Adami II. nachſtehendes Grundſtück:

Gemarkung Niederweiſel, Bergfeld,

72/19 39½ Ruthen am Commenden-See ver⸗ kauft, find aber außer Stand ihr Eigenthum genügend nachzuweiſen. Etwaige Anſprüche an dieſes Grundſtück ſind deßhalb binnen einer Friſt von 2 Monaten ſogewiß dahier geltend zu ma⸗ chen, als ſonſt der betreffende Kaufbrief ohne Vorbehalt beſtätigt und der Eintrag in das

Mutations⸗Verzeichniß verfügt werden wird.

Butzbach am 29. Juni 1854.

Großherzogliches Landgericht Butzbach

In Verhinderung des Dirigenten

Dr. v. Schmalkalder, Landgerichtsaſſeſſor.

Edictalladung.

[1123] Nachverzeichnete Grundrenten, und zwar: 1) die dem Herrn Karl Chriſtian Wilhelm Freiherrn Schenck zu Schweinsberg zu Herrmannſtein, durch Allodification eines von der Balthaſer Webers Wittwe in der Gemarkung Wiſſelsheim beſeſſenen Erb leihguts zuſtehende Grundrente, im geſetz⸗ lichen Geldanſchlag von zweihundert drei undachtzig Gulden einundvierzig dreiviertel Kreuzer;

2) die dem Herrn Karl Freiherrn zu Holz⸗ hauſen zu Frankfurt a. M. ebenfalls durch Allodification eines von Peter Cunz und Conſorten in der Gemarkung Ober⸗ und und Niederrosbach beſeſſenen Erbleihguts zuſtehende Grundrente, im geſetzlichen Geld⸗ anſchlage von einundfünfzig Gulden ſechs⸗ undfünfzig zweidrittel Kreuzer,

ſollen nach den beſtehenden geſetzlichen Beſtim⸗ mungen abgelöſt werden.

Es werden daher alle bei dieſen Ablöſungen

bekannte und unbekannte Betheiligte hiermit auf⸗

gefordert, ihre etwaige Rechtsanſprüche innerhalb zwei Monaten bei dem unterzeichneten Gerichte um ſo gewiſſer anzumelden, als ſonſt die Aus⸗ zahlung der Ableiſtungskapitalien an die unter pos. 1 und 2 genannten Herren Berechtigte ge⸗ ſtattet werden wird.

Friedberg den 4. Juli 1854. Großherzogliches Landgericht Friedberg In Verhinderung des Landrichters Dr. Irle, Landgerichtsaſſeſſor.

Lie ße ru nig

von Mauerſteinen von Rockenberg. 11126] Die Lieferung von 38 Cubikklaftern feſter, lagerhafter Rockenberger Mauerſteinen, ganz oder in Looſen, für das neue Schulhaus zu Butzbach, ſoll nun aus der Hand in Accord gegeben werden, weßhalb ſich Liebhaber bald an die unterzeichnete Stelle wenden wollen, da die Lieferung bis 1. November 1854 beendigt ſein ſoll.

Friedberg den 12. Juli 1854. Großherzogliches Kreisbauamt Friedberg

affen

Bekanntmachung. [1173] Mittwoch den 23. Auguſt, Nachmittags 2 Uhr, ſoll die Hofraithe des Johannes Rack III. zu Dornaſſenheim in der Gemeindeſtube daſelbſt öffentlich verſteigert werden.

Reichelsheim den 20. Juli 1854. Herzogl. Naſſ. Landoberſchultheißerei Hildenbrand.

Bekanntmachung. 11174] Der Maurer Heinrich Mogk II. von Reichelsheim beabſichtigt mit Frau und einem Sohn von 15 Jahren nach Amerika auszu⸗ wandern.

Reichelsheim den 21. Juli 1854. Herzogl. Naſſ. Kreisamt v. Preuſchen.

Edicetalla dung.

11170] In dem Ockſtädter Grundbuche ſtehen auf den Namen: Rudolph Müller, Freiherrlich von Francken⸗ ſtein'ſches Erbleihgut⸗ die nachſtehend bezeichneten Güterſtücke: 106/16 108/27 118/77 u. ſ. w. nach dem Extracte vom 29. Juni eingetragen.

Nach vorliegenden Prozeßacten iſt der Heim⸗ fall dieſes Gutes ausgeſprochen und von dem Freiherrn Georg von und zu Franckenſtein zu Ullſtadt beantragt worden, daß daſſelbe ihm als Eigenthum, das jedenfalls durch Verjährung erworben worden, jedoch als Beſtandtheil des Familienfideicommiſſes im Mutationsverzeichniſſe zugeſchrieben werden möge.

Da nun ein anderer Eigenthumserwerb voll⸗ ſtändig wenigſtens nicht hat nachgewieſen werden können, ſo werden auf geſtellten Antrag alle, welche an die bezeichneten Grundftücke Anſprüche bilden zu können vermeinen, zu deren Anzeige binnen drei Monaten von heute an, unter dem Rechtsnachtheil hiermit aufgefordert, daß ſonſt dieſelben als durch Verjährung erworben, dem Freiherrn Georg von und zu Franckenſtein zu Ullſtadt, übrigens als Beſtandtheil des Fami⸗ lienfideicommiſſes, werden zugeſchrieben werden.

Friedberg den 12. Juli 1854.

Großherzogliches Landgericht Friedberg.

In Verhinderung des Landrichters: DIe Landgerichtsaſſeſſor.

Arbeits- Verſteigerung. [1171] Donnerſtag den 27. d. M., des Vor⸗ mittags 11 Uhr, ſollen die bei Regulirung und Reinigung der Nidda in hieſiger Gemarkung vorkommenden Arbeiten, welche zu 158 fl. 54 kr. veranſchlagt ſind, in einzelnen Abtheilungen auf Ort und Stelle öffentlich in Accord gegeben werden.

Aſſenheim den 21. Juli 1854.

Großherzogliche Bürgermeiſterei Aſſenheim Sch emi

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