Ausgabe 
24.11.1854
 
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's war der Wind, entgegnete unmuthig und düſter Fritz, indem er vollends durch's Fenſter hereinſprang. Der Knecht iſt droben bei der Muſik und hat ſich wieder bei Deinem Michel ein roth Röckel verdient.

Nun, was iſt geſchehen?'s hat gewiß Händel geben? Jeſus Gott, was machſt Du nicht Alles?

Sie ſind zu zehnt' über mich her, der Knecht am allerärgſten, und haben mich..... aber, ſie ſollen's noch erfahren! Donnerwetter! Aber daß Du, Kathel, fuhr er fort,mir ſo weh' thun kannſt, das hätte ich mir nicht im Traum einfallen laſſen!

Ach, Gott! was ſoll ich denn thun? Du kennſt ja meine Leut', Du weißt ja was meine Mutter für eine Frau iſt, und wenn die was ſagt, daß man da nicht anders kann.

Nicht anders kann 2, Da hört man's. Glaubſt Du, Kathel, ich thäte mich durch irgend Jemand abhalten laſſen! Nein, durch Gott und die Welt nicht! Ich hab' Dir einmal verſprochen, und lieber ſchieß ich mir eine Kugel durch den Kopf, alis 3

Horch! horch! Fritz, das Hofthor iſt gegangen! unterbrach hier das bleichgewordene Mädchen des Burſchen Rede, und ſprang zitternd und bebend zum Fenſter, um zu horchen. In entſetzlicher Angſt rief ſie dann:

Ach Gott! ach Gott! Mein Bruder kommt, er hat gerade zum Fenſter hereingerufen, wo mein Vater ſchläft, daß man ihm aufmachen ſoll. O Jeſus, was fangen wir an! Wenn er Dich antrifft, ſind wir verloren!

Das Mädchen rang jammernd die Hände und blickte verzweiflungsvoll umher. Fritz ſah ſie an, ſagte dann:

Kathel, haſt Du nicht's Herz, Deinen Leuten ge rade herauszuſagen: Ja, der Fritz iſt bei mir? Ich will ihn und keinen Andern haben! Sieh, Kathel, ich wollte es thun, wenn mein Vater der reiche Bürgermeiſter wär', und Du ein arm's, verlaſſen's Mädel!

Fritz, geh! O Gott, o Gott! Sieh da, hinauf auf den Speicher, ſie kommen ja ſchoen thu's nur dieß⸗ mal, ich will Dich dafür mein Lebenlang lieb haben. Nur dießmal erſpar' mir den Spektakel!

Fritz ſtand unſchlüſſig, unmuthig auf das angſtvolle Mädchen blickend, dann gab er ihrem Flehen nach, da man ſchon die Stiege herauf geeilt kam. Er hatte kaum noch Zeit, mit zwei Sätzen über den Gang, durch eine offene Thür in eine größere Stube zu kommen.

Mittlerweile hatte der Knecht, den wir als Feind unſeres Fritz kennen, zwei Gensdarmen die Gaſſe herauf geführt, in welcher Abſicht, wußte damals noch Niemand. Seit der Fritz aus des Bürgermeiſters Dienſt entlaſſen war, hatte Jener Manches im Hauſe gearbeitet, bis ein anderer Dienſtknecht eingeſtellt war; voll Neid auf des Schulzen Fritz und voll Aerger über des Bürgermeiſters Kathel, die ſo ſpröd gegen ihn that, während ſie die Freundlichkeit ſelber gegen den Andern war, benützte er die Gelegenheit, der Kathel, wie dem Fritz einenTucken zu ſpielen. Er hatte ſich den Anſchein gegeben, als glaube er, es ſeien Diebe bei des Bürgermeiſters eingebrochen, war, nachdem er dem Fritz nachgeſchlichen und ihn be⸗ lauſcht hatte, alsbald in das Wirthshaus zurückgekehrt, flüſterte von ſeinem Argwohn dem Michel, ſeinem Dienſt⸗ herrn, etwas zu und nahm, ohne deſſen Wiſſen, die Gen⸗ darmen mit, um die Sache ſo viel als möglich in die Oeffentlichkeit zu bringen. Auch mochte dieß Alles noch einen tiefer liegenden Grund haben.

Als nun des Bürgermeiſters Michel vor Wuth ſchäu⸗ mend die Stiege hinauf in ſeiner Schweſter Schlafkäm⸗

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ſich durch deren ſcheinbaren Schrecken über ſein Eindringen täuſchen, ſtand verwirrt und ſagte:

Ich hab' geglaubt, der Knecht ſei bei Dir!

Bei mir? Ich glaub', Du biſt nicht recht geſcheidt, Michel! antwortete hierauf ſo unbefangen als möglich, das Mädchen.Ich weiß gar nicht, was Du von mir denkſt, ich werde es der Mutter ſagen!

Sei nur ruhig und mach' keinen Lärmen! Und wenn Du geſcheidt biſt, gehſt Du jetzt mit zur Tanzmuſik, 's iſt noch nicht ſehr ſpät, dann ſehen die Leute, daß Du nur wegen dem frechen Kerl fortgegangen biſt! Komm, Kathel, zieh dich an! Du wirſt von des Ochſenwirths Sohn viel Plaiſir haben! Aber was gibt's denn da unten! rief er jetzt und lief an's Fenſter, nach dem Lärm zu ſehen, der von der Gaſſe herauf gehört wurde.

Als nämlich die Gendarmen von dem Knecht gefuͤhrt in den Hof gedrungen waren, hatte ihnen die Frau Bür⸗ germeiſterin zum Fenſter ihres Schlafkämmerleins heraus bedeutet, daß ſie nur immerhin wieder dahin gehen ſollten, von wo ſie gekommen.

Sind Diebe im Hauſe, ſagte die kluge Frau, Iſo ſind wir im Hauſe Manns genug, ſie zu verjagen. Fuͤr nichts und wieder nichts braucht man aber den Lärm nicht zu machen.

Die dienſteifrigen Gendarmen zogen denn auch mit heimlichen Flüchen auf dieRippe des Herrn Bürger⸗ meiſters ab, und hätten gute Luſt gehabt, dem Knecht, der ſie hergeführt, den Rücken abzubläuen, weil ſie gar gemüthlich beim Weine im Wirthshaus geſeſſen waren. Als jedoch die Gendarmen auf die Straße wieder kamen, ſahen ſie etwas durch die Luft fallen, es dünkt ihnen der Sprung eines Menſchen, und wirklich ſtoßen ſie in der Dunkelheit auf eine Mannsperſon, die ſich müͤhſam vom Boden erhebend fortzuſchleppen verſucht.

Hier iſt der Dieb! rief der Knecht und packte den Gemeinten am Kragen, war aber an den unrechten Mann gekommen, wie man zu ſagen pflegt, denn er wurde ſo kräftig von demſelben weggeſchleudert, daß er der Länge nach in den Dorfgraben ſtürzte. Jedoch übermannten die beiden Gendarmen den Andern nach kurzem Kampfe. Es war des Schulzen Fritz.

(Fortſetzung folgt.)

Verſchiedenes.

Zu Leipzig fand man in einem der von der Poſt auf⸗ geſtellten Briefkäſtchen einen Brief mit der Aufſchrift:An Friedrich S., auf Quergaſſe, am Hauſe, wo früh die Milchfrau ſteht.. W 5

Für die Brandbeſchädigten zu Felda gingen weiter bei mir ein: 1 fl. von Fr. Obriſtl. Weber und 1 fl. von Hrn. Rev. Kirchner in Ziegenberg; 1 fl. von A. J. in Fr.; 1 fl. von M. M., davon 12 kr. für die alte Magd. Herzlichen Dank. In dieſen Tagen habe ich einen Brief voll rührenden Dankes für die geſandten 25 fl. erhalten. Die Noth wäre außerordentlich groß. Jetzt konnten für dieſe Gabe und für das aus Darmſtadt Erhaltene Kartoffeln ange⸗ geſchafft werden, um dem augenblicklichen Mangel entgegen zu arbeiten. Auch wären die Kleider ſehr erwünſcht; da die Leute bei der ſchnellen Verbreitung des Feuers kaum ihre Kinder, ihre Kranken und ihr Vieh zu retten im Stande geweſen wären. Die alte Magd habe ſelbſt ihre Schuhe und Strümpfe eingebüßt, da ſie einem bedroheten Kinde wäre zu Hülfe geeilt. In Stunde wäre alles in Flammen geweſen. Noch ſei wenig Hülfe gekommen; Friedberg und die Umgegend hätten ſich vor andern ausgezeichnet. Dieſes ermuthigt mich, mein bittendes Wort zu

wiederholen. Oberrosbach am 21. November 1854.

. 6 K. Strack. Bei der Unterzeichneten gingen ferner ein: Von Herrn Decan Hof⸗

mann in Griedel 1 fl. 5 um weitere Gaben wird gebeten.

merlein ſtürzte und ſeine Schweſter allein fand, ließ er

Die Exped. des Friedb. Int.⸗Bl.

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