Ausgabe 
24.11.1854
 
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Friedberger Intelligenzblatt.

Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. ff. 1. 12 kr.; durch die Poſt een

fl. 1. 30 kr.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

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ſammen 7 kr.

92.

Freitag, den 24. November.

18541.

Dekret vom 20. October 1854 ernannt Friedberg am 20. November 1854.

In dem Landeszuchthauſe Marienſchloß

und nicht über 35 Jahre alt, wollen ſich unter

bei der Landeszuchthaus-Direction melden. Gießen den 21. November 1854.

Amtlicher Theil. Veroffentlichung.

Rentamts dahier bringe ich zur öffentlichen Kenntniß,

Großherzogliches Kreisamt Friedberg Müller.

Bekanntmachung.

f 0 iſt die Stelle eines Krankenwärters erledigt, Wohnung, Holz, Licht und Verköſtigung ein fixer jährlicher Gehalt von 95 fl. verbunden iſt.

Vorlage der Zeugniſſe über ihr

mit welcher außer freier Bewerber, nicht unter 25 ſeitheriges Verhalten binnen 14 Tagen

Großherzogliches Kreisamt Gießen Küchler.

Des Schulzen Fritz. (Fortſetzung.)

Fritz war furchtbar aufgeregt. Und doch wollte er nicht an der Treue und Standhaftigkeit des Maͤdchens zweifeln. Er riß die Kathel im Dreher gewaltig herum. er war ihr ſo bös, ſo bitterbös, und doch wiederum ſo unendlich gut! Jetzt ruhte er aus von dem wilden, ermüdenden Tanze. Beide ſtanden eine Zeitlang ohne ein Wort zu reden. Nun fing aber Fritz an:

Das hätt' ich nicht gedacht, Kathel!/

Was 2, fragte kalt das Mädchen, ohne aufzuſchauen.

Geh, frag' noch, Du Falſche! Deinen Leuten iſt ja alle Müh' erſpart, kann man bald zu deiner Hochzeit kommen?,

So weit iſt's noch nicht, Fritz! Ich denk' Du mögſt von dieſen Sachen jetzt nicht reden.

O, ich kann ſchweigen, Kathele! So haſt Du aber nicht geredet, wenn wir Abends ſo vergnügt beiſammen g'ſeſſen ſind! Kathel, Du biſt ein falſch Mädel! Aber brech' nur immerhin Das, was Du mir hundertmal für einmal geſchworen haſt, ich will es halten, bis in meine letzte Stunde!

Der Burſche hatte dieß mit zitternder Stimme kaum geſagt, als auch das Mägchen gerührt anfing:

Rede nicht ſo, Fritz! Ich kann ja nicht anders, als mit des Ochſenwirths Sohn tanzen, deßwegen brauch' ich ihn noch nicht zu nehmen, wenn ich jetzt auch freund lich mit ihm thu'! Sieh, mach' heut' nicht viel mit mir, der Michel wird ſonſt ganz wild.

Der Michel? Brauch' ich nach Deinem Bruder was zu fragen!? Gottlob, nein! ſo weit iſt's noch nicht!/

In dieſem Augenblick trat auch ſchon der junge Witt⸗ wer, den wir als des Bürgermeiſters brutalen Michel kennen, auf das Paar hin und ſagte zu ſeiner Schweſter:

Kathel, das iſt der letzte Tanz mit dem Knechte! Ich ſag' Dir, gib Dich nit ſo herunter!

Das Mädchen zitterte vor Angſt, Fritz vor Wuth. Er mochte ſpäter ſelbſt nicht wiſſen, warum er dem bru talen Menſchen nicht gleich den Schädel eingeſchlagen hatte. Er ſchwieg aber jetzt, tanzte den Tanz aus und führte die Kathel auf ihren Platz. Aber dieſe ſchlüpfte alsbald zu der Thüre hinaus und kam nicht wieder.

Fritz trat jetzt auf den Michel hin und fragte:

Was haſt Du geſagt?

Der Gefragte ſah ihn gar nicht an.

Hör' einmal! Glaubſt Du, weil Du des Bürger⸗ meiſters Michel biſt, dürfteſt Du mit anderen thun, wie Du willſt? Ich ſag: Nein! Und wenn ich noch ſo eine Rede hör', zeig' ich Dir, wo der Barthel den Moſt holt. Wenn ich auch kein Burgermeiſtersſohn bin, ſo iſt mein Großvater doch der Schulz geweſen!

Ja!, höhnte der Angeredete,Und dein Vater ein Lump, und deine Mutter eine Bettelfrau!-

Patſch, hatte aber der Michel auch Eine auf dem Ohr ſitzen, daß ihm ganz ſchwindlig wurde. Jetzt griffen ein Dutzend Fäuſte nach dem Fritz, da er ſich ſo ſehr ver geſſen, und wenn er auch Rieſenkräfte gehabt hätte, wurde man ihn doch zur Thüre hinaus geworfen haben.

Die kalte Nachtluft die ihn jetzt umwehte, kühlte ſeine Hitze ein wenig, und dann trieb ihn eine unwider ſtehliche Sehnſucht nach dem Kirſchenbaum, durch deſſen leere Zweige der Liebſten Lampeulicht glänzte. Er beſann ſich nicht lange, auf dem gewohnten Wege kam er vor das Fenſter und rief des Mädchens Namen.

Fritz, Fritz, Du machſt mich noch unglücklich! rief das Mädchen voller Angſt.Haſt Du nicht drüben meines Bruders Hofthor gehen gehört? Es iſt dem Michel ſein Knecht, und wenn der Dich. geſehen hat, gibt's bald Lärmen.