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Papa verdiente fuͤrwahr auch die Ruthe um ſeiner thö richten Schwäche willen! Aber daß Du, liebe Seele, künf tighin unglücklich und arm ſein ſollſt durch fremde Schuld, daß Dir keine beſſeren Tage lachen werden, Du armes Aſchenputtelchen, das drückt mir beinahe das Herz ab.

Bah, lieber Herr Verwalter, verſetzte Pauline und lächelte in ihrer ſtillen, ſanften Weiſe,das grämt mich nun gar nicht ſehr, daß mein Erbtheil dereinſt kleiner aus fallen ſoll. Wenn nur Papa bei ſeinen Lebzeiten auf keine ſeiner gewohnten Bequemlichkeiten verzichten darf, und wenn nur die Einkünfte noch dazu hinreichen, den Schweſtern eine gute Erziehung zu geben, für mich ſelber iſt mir dann nicht bange. Ich kann mir mein Brod verdienen, und wenn mich die Welt zu hart drückt, geh' ich nach Kaiſerswerth zum wackern Paſtor Fliedner und werde Diakoniſſin!

Damit brauchſt Du Dich nicht zu beeilen, mein Lämmchen! gab Hettich zur Antwort, und drückte ihr warm die Hand.Vorerſt brauchen wir Dich hier noch nothwendiger in der Wirthſchaft. Ich habe den Papa ſchon herumgekriegt, daß er mir freie Hand gegeben hat, das Hausweſen wieder in Einklang zu bringen mit den künf tigen Einnahmen, und dieungnädige Frau wird ſich baß verwundern, wenn ſie das jetzige Budget kennen lernt. Wir wollen ihr den Brodkorb ſchon höher hängen; die un nützen Equipagen und Luxuspferde müſſen fort, dazu das faule Domeſtikenpack, und wenn mein liebes Paulinchen mir einen Gefallen thun und ſich der Leitung des Haus weſens annehmen wird, ſo geb' ich noch heute, kraft meiner Vollmacht, dem Haushofmeiſter und der Wirthſchafterin den Abſchied, dann ſind zwei Blutegel weniger im Hane?

Ob ich will? Welche Frage?! rief Pauline, und flog dem Alten um den Hals.War das nicht ſeit Jahren mein ſehnlichſter Wunſch, hier als Nachfolgerin meiner guten ſeligen Mutter die Haushaltung führen zu dürfen, und hab ich, ſoviel ich von wegen der Mama durfte, je mals geſäumt, mich nach meinen ſchwachen Kräften im Hauſe nützlich zu machen?

Nein, das kann Dir Dein Todfeind nicht nachſagen, mein Kind!, verſetzte der Verwalter.Wie oft hab' ich mich gehärmt, wenn ich ſehen mußte, wie Du die Modiſtin und Kleidermacherin für die Schweſtern machen und bei allen Geſellſchaften und Feſten hier im Hauſe, wo ſie glänzten, in die Küche ſtehen mußteſt! Doppelt ſo lieb hab' ich Dich darum, und ich wünſchte daher dem Hauſe Deine umſichtige Leitung! Dann ſchilderte er ihr ſeinen ganzen Plan allgemeiner Reduktion im Hausweſen, bezeich nete ihr die Verhältniſſe und den Umfang ihrer Pflichten und ließ ihr ganz freie Hand. Und nachdem er noch am Abend allen Dienſtboten aufgekündigt und ſie am folgenden Morgen je mit einem Vierteljahrsgehalt und einem Zeug nißaus dem Hauſe geräuchert hatte, wie er ſagte, warf er ſich mit größerer Ruhe in ſeinen Schlitten, und fuhr nach Leipzig, um die Angelegenheit ſeines Brodherrn zu entwirren, die in der That eben ſo troſtlos als verworren waren.

Nun ward es ſtill auf dem Schlößchen zu Lindau, aber dennoch traulicher und heimiſcher, denn zuvor. Der Lärm der Feſte und Gelage war verrauſcht; Frau v. Al tenhof ſchmollte darob und blieb in Berlin, um dem ihr in den Tod verhaßten Hettich nicht zu begegnen, ſei es nun, weil ſie in ihm die Urſache dieſer plötzlichen und energiſchen Maaßregeln zur Rettung des Familien-Ver⸗ mögens ſah oder weil ſie ſich insgeheim vor ihm ſchämte. Aber Herr von Altenhof athmete darum nur deſto leichter; er geſtand, bedeutend geſünder und kräftiger ſich zu fühlen,

er lebte wieder auf, und ruhte nicht eher, als bis Pauline ihr Piano in ſein Studierzimmer ſtellte und den lieben, langen Tag ihm widmete. Eine eigenthümliche Fröhlichkeit ſtrahlte aus ſeinem Geſicht, wenn Pauline um ihn war; er ſchien ſich förmlich zu bewundern, und fragte ſich oft: wie er denn ſo gar verblendet habe ſein können, die reichen Vorzüge ihres Gemüths und Charakters nicht eher zu er⸗ kennen und zu ergründen. Das lag aber nicht an ihm allein: auch an Paulinen, die vielmehr eine ganz andere geworden war, ſeit der gehäſſige Zwang und der Druck der ſtiefmütterlichen Zucht nicht mehr auf ihr laſtete. Als die Mama noch im Hauſe war, hatte man niemals ihr heiteres Lachen vernommen; damals war ſie nur ſtill und wehmüthig durch die Zimmer gehuſcht, froh, wenn ſie wieder aus der Nähe der ſtets ſtrengen und ſchmälenden Mama in ihr ſtilles Zimmerchen fluͤchten konnte. Sie blühte darum jetzt auch plötzlich an Leib und Seele auf, wie eine Blume, die man aus dumpfer Stubenluft und Finſterniß an die liebe Sonne geſtellt. Unter den Augen der Mama hatte man Paulinen nie erlaubt zu ſingen, obſchon ſie eine herrliche Altſtimme hatte; ihre Schweſtern hatten keine Stimmen, und hätten ja durch ſie verdunkelt werden können. Auch Klavierſpielen durfte ſie nie im Salon, außer wenn die Gäſte mit den Schweſtern tanzen wollten, und man ſie dazu an den Flügel rief. Ihre hübſchen Landſchafts⸗ ſkizzen, in welchen ſie mit Stift und Waſſerfarben ziem⸗ liches Talent bekundete, wurden nie belobt, nie den Gaſten gezeigt; aber die Blumen der Schweſtern und noch mehr die Karikaturen, welche dieſe zeichneten ein humoriſtiſch es aber gefährliches Talent! gingen ſtets von Hand zu Hand. Auf dieſe Weiſe hatte man Paulinen in den Augen der Gäſte ſtets als ein linkiſches, ungeſelliges, ſcheues Gänschen erſcheinen laſſen, die höchſtens den jüngeren, lebhafteren Schweſtern zur Folie dienen mußte. Papa ſelbſt hatte ſie auf dieſe Weiſe beurtheilt, und lernte nun erſt ſeinen Irrthum einſehen. Und es lag in dieſer Natur, die bei aller Schwäche eine von Haus aus edle, großmüͤ thige war, ihr das frühere Unrecht durch verdoppelte Liebe und Werthſchätzung vergeſſen zu machen, was wiederum nicht wenig dazu beitrug, Paulinen unbefangener, freier erſcheinen zu laſſen und in ihr noch mehr zärtliche Für ſorge und Liebe für den Vater zu erwecken. (Fortſetzung folgt.)

Verſchiedenes.

Eine Köchin bekam von ihrer Herrſchaft einen Ent laſſungsſchein und bat, man möchte den Grund ihrer Ent laſſung:Vernachläſſigung ihrer Arbeit wegen Liebſchaften, möglichſt behutſam angeben. Der Prinzi pal glaubte dieſem Wunſch durch folgende Anmerkung zu genügen:Die N. N. war oft zur unrechten Zeit liebens würdig.

Eine Frau, deren Mann in den letzten Zuͤgen lag, ſchien ſo untröſtlich, daß ihre Freundinnen ſie in ein anderes Zimmer führen wollten.Laſſen Sie mich nur hier, ſagte ſie,man iſt doch immer froh, ſeinen Mann ſterben zu ſehen.

Friedberger Kirchenbuchsauszug vom Monat November.

Getraute:

19. Karl Kunkel, B. u. Oekonom zu Glashütten, Kreiſes Nidda, des daſ. B. u. Oekonomen Heinrich Kunkel ehel, led. S., u. Eva Margaretha Fortmann, des verſt. hſ. B. u. Metzgermeiſters David Fortmann ehel. led. T.

25, Wilbelm Auguſt Simon, hſ. B. u. Gaſtwirth, des verſt. hſ. B. u. Gaſtwirths, wie auch Gemeinderathsmitgliedes, Johann Mar⸗ tin Simon ehel, led. S., u, Friederike Homeyer, des B. u. Organiſten zu Duderſtadt, im Königreich Hannover Joſeph Homeyer ehel. led. T.

geb. 40 Oe 6, e 23. D. uud tin S 26. De Gliſabethe 30. Oel 6, Gugllhar

20. S.

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