Friedberger Intelligenzblatt.
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Erſcheint ö 2 2 72 Einrückungsge⸗ U See, Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
tag. Preis jährl. oder de ren Raum Atuce. fl. 1. 12 kr.; durch g
Waste Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
ſammen 7 kr.
— Nu 65. Dienſtag, den 22. Auguſt. 18511. 4g 1854. * 34% ö 2 2 1 Amtlicher Theil. * 2 7 N 5 35 1 0— 5 22. 1455 Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg 5720 an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes. f 4, Unter Mittheilung des nachſtehenden Abdrucks eines Commiſſionsgutachtens des landwirthſchaftlichen Vereins für 3 Oberheſſen über die Verbeſſerung der Obſtcultur-Verhältniſſe weiſe ich Sie an, alsbald zu berichten:
g 1) ob eine Gemeindebaumſchule beſteht; 2) wie viel Stämmchen dieſelbe enthält, wie viel davon veredelt und mit . welchen Obſtſorten dieſelben beſtellt ſind. 3) Wenn keine Gemeindebaumſchule beſteht, aus welchen Gründen eine ſolche ent. nicht angelegt worden iſt, und 4) ob Privatbaumſchulen beſtehen und mit welchem Erfolg, wie viel Stämmchen dieſelben
ben enthalten, wie viel davon veredelt und mit welchen Obſtſorten dieſelben beſtellt ſind. NAI Friedberg am 7. Auguſt 1854. Mä b pes, 0— Commiſſionsgutachten, die Verbeſſerung der Obſt-Cultur-Verhaͤltniſſe der Provinz 12 Oberheſſen betreffend.
Dem uns gewordenen Auftrage gemäß ſind wir am 25. April in Lich zuſammengetreten, haben dort über den uns
ag e vorgelegten Gegenſtand berathen und erlauben uns, das Ergebniß unſerer Berathung hiermit vorzulegen.
d daßbac e I. Provinzialbaumſchule.
Arg. Wir ſind einſtimmig der Anſicht, daß von Gründung einer Provinzialbaumſchule ganz abzuſtehen ſei und zwar
. aus folgenden Gründen:
Sa- 10 Es macht ſich dermalen in der Provinz weniger ein Mangel an Obſtbäumchen, als das Beduͤrfniß beſſerer 8 Pflege geltend, indem ſogar Beſitzer vorhandener guter Baumſchulen über Mangel an Abſatz klagen.
2) Die in einer Gegend gezogenen Bäumchen eignen ſich nicht für alle Gegenden, es entſprechen daher Orts- oder Bezirksbaumſchulen mehr dem Bedürfniß als eine. Centralbaumſchule.
a g 3) Wir halten es im Allgemeinen überhaupt nicht gerathen, daß der Verein einen Zweig der Landwirthſchaft
1103 unmittelbar ſelber in die Hände nimmt, ſondern halten es mehr für die Aufgabe des Vereins, anregend und belehrend
f zu wirken.
161 II. Beförderung der Maulbeerpflanzungen.
— Dieſe Frage iſt von einem Mitgliede der Commiſſion in der letzten Ausſchußſitzung angeregt worden. Daſſelbe e wünſcht deren Berathung— in Erwartung des Ausfalls begonnener Pflanzungen— aber vorerſt bis zu erneuter An— „ 13%¼ regung ausgeſetzt und die übrigen Mitglieder ſind hiermit um ſo mehr einverſtanden, weil ſpäter die Berathung durch a* Anlehnung an bereits erzielte oder mißlungene Erfolge eine feſtere Grundlage gewinnen wird.
14* 5. III. Verbreitung von Kenntniſſen in der Behandlung der Obſtbäume. * K Nach einer längeren Berathung, in welcher wir namentlich von Ausſetzung beſonderer Prämien abkamen, ſind wir
9 zu der Anſicht gekommen, daß im Allgemeinen weniger das Anpflanzen vieler oder gar zu vieler Obſtbäume, als die
— Verbreitung gründlicher Kenntniſſe in der Veredlung und Pflege der Obſtbäume eine Aufmunterung erheiſche, wenn ſchon
— in den meiſten Gemarkungen ſich noch manche Stellen befinden, welche mit Obſtbäumen bepflanzt werden könnten. Es
* macht ſich in nicht wenig Gemeinden ſchon ein recht erfreulicher Fortſchritt in Bezug auf das Anpflanzen von Obſt— a 3 bäumen bemerklich und die gewonnenen pecuniären Ergebniſſe dieſer Thätigkeit werden ein weiterer Sporn werden, auf 3
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dem betretenen Wege fortzuſchreiten oder, für Andere, denſelben ebenfalls zu betreten. Dagegen fehlt es noch vielfach an Leuten, welche das Veredeln der Bäume gründlich verſtehen und dieſes Geſchäft ausüben und noch mehr zeigt ſich überall ein großer Mangel an Sorgſamkeit bei dem Pflanzen und bei der ſpäteren Behandlung der Bäume. Die Bäumchen werden oft ohne Befolgung aller erprobten Regeln geſetzt, nicht gehörig durch Stangen geſichert und ſpäter entweder gar nicht oder ſelten und unzweckmäßig beſchnitten, ausgeputzt und gereinigt. Daneben begegnen wir in allen Orten einer großen Verwilderung der Obſtgärten. Man läßt in der Regel, zumal bei dem ſo bald und einträglich lohnenden Zwetſchenbaume, alle Wurzelausſchläge wild aufſchießen, verpflanzt ſolche ſelten und läßt auf dieſe Weiſe die 1 Bäume wie in einem Urwalde wild durcheinander wuchern, ſo daß ſie ſich gegenſeitig hindern und nicht nur dem Boden
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tif faſt alle Sonne und Kraft genommen wird, ſondern auch die Bäume ſelber nur zu einem geringen Ertrage kommen können. el Unter ſolchen Umſtänden müſſen wir dem Verein angelegentlich empfehlen, den Weg der Belehrung aufs Neue — und mit Eifer zu betreten, einen Weg, der zwar langſam, aber ſicher zum Ziele führt. Unter den Mitteln, die uns
hierzu zu Gebote ſtehen, halten wir folgende für beſonders erſprießlich:


