Ausgabe 
21.7.1854
 
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512 fr.

Friedberger Jutelligenzblatt.

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E Amts-

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Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,

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und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

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Nu 36.

Freitag, den 21. Juli.

18511.

Zwei Verzweifelte. Von Ludwig Storch. (Schluß.)

Während ſie in die Kammer ſchlüpfte, ſchlug Stauton das Buch auf und laß die frommen Herzensergüſſe des Mädchens. Seine Augen leuchteten und füllten ſich mit Thränen der Rührung und Wonne. Sie kam und hatte ein ſehr geringes Tuch umgeſchlagen, aber als ſie auf der Straße ſo neben ihm hinſchritt in ihrer unbewußten Würde, betrachtete er ſie mit Blicken der Ehrfurcht und Bewunderung.

Miß White gab den neuen Vorſchuß nicht, ver ſicherte aber dem Begleiter des Mädchens, Betty ſei ein Engel. Das war ihm aus dieſem Munde lieber als das Geld aus dieſer Hand. Er verſetzte alſo auf dem Wege das Buch bei einem Trödler, und die zwölf Schillinge kamen zuſammen. Betty hatte eine große Freude darüber.

Wovon wollen Sie aber heute und morgen leben, Miß, wenn Sie all ihre Baarſchaft weggeben?

Ich weiß es nicht, aber Gott wird helfen, ver ſetzte ſie vertrauensvoll.Ich werde die Nächte hindurch arbeiten.

Ja, Gott wird weiter helfen! rief er und hätte ſich durch ſeine Bewegung faſt verrathen.

Stauton ging erſt allein in die Taberne und auf das Zimmer des alten Smid, um ihn mit wenig Worten in ſeiner Rolle zu inſtruiren. Dann holte er Betty herbei. Welch ein himmliſcher Genuß für ihn, als das ſüße Kind den Vater weinend um den Hals faßte, küßte und an ihr Herz drückte.Ach, mein Vater, mein Vater, welche ſchreckliche Nacht hab' ich verlebt, voll Angſt und Kummer um Dich! Doch ſtill davon! Gelobt ſei Gott, daß ich Dich geſund wieder habe. Und nun lachte und jubelte ſie.

Dann löſte ſie den theuren Mann ein und führte ihn im Triumphe davon.

Stauton begleitete ſie und meinte, er habe noch ein paar Schillinge aufgetrieben; ſie ſolle ein Mittagseſſen beſorgen. Nun die frohe Geſchäftigkeit, das flinke heitre Weſen, die ſüße Anſpruchsloſigkeit des herrlichen K Kindes! Der junge Mann hätte vor ihr niederfallen und ihr die Füße küſſen mögen.

Stauton ging ſpät Abends und dachte nicht mehr an den Sprung von der Blackfriasbrücke. Er kam alle Abendeum ſeinen angeblichen kleinen Verdienſt mit der Familie zu verzehren.

Nach vierzehn Tagen ſagte er Abends beim Scheiden: Miß Betty, wollen Sie meine Frau werden? Ich bin zwar nur ein armer Schreiber, aber ich habe ein red liches Herz.

Sie ſchlug die Augen erröthend nieder.

Kannſt Du mich lieben, Kind? fragte er mit überwallendem Gefühl.

Sie nickte ſtumm und reichte ihm die Hand. Er

küßte dieſe Hand und ſagte:Ich liebe Dich unausſprech lich. Du haſt mir das Leben gerettet.

Wenige Tage ſpaͤter in der Morgenfrühe ging das Pärchen, einfach aber anſtändig gekleidet, und vom alten Smid begleitet, nach der nächſten Kirche, wo es ſtill ge traut wurde. Wonnebebend ſchloß Stauton ſein Weib chen an das Herz und küßte ſie auf die Stirne. Vor der Kirche hielt ein prächtiger Stadtwagen. Der gallo nirte Diener öffnete ehrerbietig den Schlag.Hinein! rief der glückliche Gatte der ihn mit ſtumm fragendem Staunen anblickenden jungen Frau zu. Eh' ſie ſich's ver ſah, ſaßen ſie alle drei in der Kutſche, die im Fluge da von fuhr. Vor einem hohen prächtigen Hauſe in Weſt minſter hielt ſie. Reich gekleidete Dienerſchaft hob ſie heraus und führte ſie in glänzend decorirte Zimmer. Hier iſt Eure Herrin! ſagte Stauton zu der Diener ſchaft.Bezeigt ihre Eure Ehrfurcht und erfüllt ihre Befehle.

Mein holdes ſüßes Kind, ich bin Lewis Stauton, einer der reichſten Männer dieler reichen Stadt. Dieſes Haus iſt Dein Eigenthum, dieſe Diener und N ſind die Deinigen. Ich habe die Bürgſchaft von Dir in der Hand, daß der Reichthum Dein reines Kindesherz nicht verderben wird. Hier iſt ſie, das Gebetbuch Deiner Mutter. Sieh, was Du hineingeſchrieben:

Und wenn Du mir alle Schätze der Welt gäbeſt, mein Gott, ich würde Deine demüthige Magd bleiben. Denn was iſt Gold vor Dir, der Du auf die Herzen ſiehſt? Dein iſt mein Herz und ſoll es bleiben.

Gott und Dein, mein Lewis, flüſterte Betty und ſank ſanft erröthend an ſeine Bruſt.

Hurrah, der Sprung von der Blackfriarsbrücke! rief Stauton ſeelenvergnügt und umarmte ſeinen Schwie gervater.(Gartenl.)

Miszelle.

Aus Java. Bei einem der letzten Gefechte, welche ein Theil der Garniſon von Patnam gegen die wilden Stämme im Innern zu beſtehen hatte und welches ſehr mörderiſch war, gerieth ein holländiſcher Soldat(ein Bran denburger von Geburt) verwundet in die Hände der Wil den. Gewohnt, alle Gefangenen zu erwuͤrgen, würde dies Loos auch unfehlbar den armen Brandenburger betroffen haben, und ſchon glaubte er ſein letztes Stündlein heran gekommen zu ſehen, als der Häuptling des Stammes, ein coloſſaler Wilder mit tättowirtem Geſichte, ihm mit ge ſchwungener Keule entgegentrat. Aber wer ſchildert das Erſtaunen des Soldaten, als plötzlich der Häuptling die Keule ſinken läßt und in wohlbekannten Tönen zu ihm ſpricht:Aber Bähnemann, um Jottes Willen, wo gommt Ihr denn her? wie jeht's in dam 2% c. Der Häupt⸗ ling, ein ehemaliger preußiſcher 2 Deſerteur, hatte ſich nach Java anwerben laſſen, allein der im holländiſchen Dienſte empfangenen öfteren Stripſe höchſt überdrüſſig, war er zu jenem wilden Stamme geflüchtet.