Ausgabe 
19.9.1854
 
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folgten die beiden Freunde auch nach dem Speiſeſaale, warteten ab, bis Anweiler ſein Werk der Feuerung voll⸗ endet haben wurde, worauf ſie das Hinuͤberneigen zur Kerze erſparten, indem ſie ihre Glimmſtifte an der Ci⸗ garre des Freundes befeuerten. a 0.

Daraus iſt zu erſehen, daß wir es hier mit drei wunderlichen Geſellen zu thun haben.

Obwohl ziemlich jung von Jahren, hatten ſie doch bereits den Grundſatz: genieße mit Bedacht; erhitze dich niemals; halte dich fern vom Gedräng und zieh' deine Straße ſtille für dich zu ihrem ober⸗ ſten Lebensprincipe gemacht. f b

Seit Jahr und Tag ſpeiſten die Freunde bei den vier Schäfern ganz allein im Kabinetchen neben dem Speiſeſaale. Die Stunde des Mittageſſens war auf halb ein Uhr feſtgeſetzt, ohne daß ſie ſich auf die Minute binden ließen. Erſchien nun einer von ihnen im Speiſekabinet⸗ chen, ſo durfte ihm der Kellner nicht etwa folgen und ihn mit gewöhnlicher Haſt nach ſeinem Belieben fragen ſelbſt nicht einmal ſchweigſam erwartend durfte er hinter ſeinem Stuhle ſtehen bleiben: es wäre zu beunruhigend geweſen, einen ſolchen Jagteufel mit der Serviette unterm Arme hinter ſich zu wiſſen; nein, der Kellner durfte erſt auf ein gegebenes Glockenzeichen in das Speiſekabinetchen treten, wenn die Freunde mit bedachtſamer Muße Gericht um Gericht ſorgſam und nach gehörigen Zwiſchenräumen auserleſen hatten.

Der Grund dieſes Abſchließungsſyſtems war kein anderer, als weil es den drei Freunden geradezu ein Greuel ſchien, mitten im Tumult einer Table d'höte oder auch nur eines größeren Tiſches, wo nach der Karte ge⸗ geſſen wurde, ihr reinlich, bedächtig, ſorgſam gewähltes Eſſen einzunehmen. Denn dieſes Hin⸗ und Herfahren der Kellner, dieſe türkiſche Muſik der Unterhaltung, dieſes Freſſen mit Mäulern, Händen und Füßen(wie ſie ſagten), dieſes Hereinſtürzen der Gäſte in den Saal, dieſes Hin⸗ ſtürzen derſelben an den Tiſch, dieſes Nachſtürzen der Kellner um das Belieben der Gäſte zu erfahren, dieſes Hinunterſtürzen der Speiſen mit Löffeln und Gabeln, dieſes athemloſe Lallen, Rufen, Fragen, Antworten und Lachen mit gebratenen und geſottenen Dämpfen im Munde nein! ſolch unchriſtlich⸗ſchauderhafte Tafelfreuden ſollten ihnen ferne bleiben die drei Freunde gingen lieber in ihr ſtilles Kämmerlein und genoſſen mit ruhiger Andacht und alleine die wohlberichteten Gaben Gottes, zu denen ſie der Zug ihres Gaumens und Herzens vorwiegend hinzog.

Der merkwürdigſte unter den drei Freunden war offenbar Stephan Kleber, einziger Sohn und Erbe eines ſehr reichen Breiers aus Lagerſtätten. Seine Natur war von ſo langſamer bequemer Art, daß er man wolle es nun glauben oder nicht niemals lachen konnte, wann gerade etwas ſpaßhaft war, ſondern immer erſt viel, viel ſpäter, wenn ſonſt kein anderer Chriſten⸗ menſch mehr an die ganze Luſtbarkeit dachte.

Stephan Kleber war urſprünglich von ſeinen Eltern beſtimmt geweſen, mit dem Leibgurt des väterlichen Ver⸗ mögens um die Lenden, in die Fußtapfen des gewinn⸗ reichen Familiengeſchäftes zu treten; allein da die Alten ſchon bei Zeiten einſahen: eh' würden die Spitzen der Berge zu Thal und die Thäler zu den Spitzen der Berge wandeln, als daß ihr Söhnlein Stephan ihr Geſchäft einſt rührig genug betreiben würde, ſo machten ſie noch bei Lebzeiten ihren geſammten Beſitz zu baarem Gelde und ſagten zu ihrem einzigen Sproſſen und Erben einſt am Ziele ihres Lebens:Leb' wohl, o Sohn, und lebe immerdar zufrieden und in Frieden! So Etwas ließ ſich der Sohn nicht zweimal ſagen denn er lebte von

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nun an ebenſo wohl als immerdar zufrieden und in Frie⸗ den wurde aber erſt zwei Jahre nach dem Tode ſeiner Eltern von einem ſeltſamen Lächeln heimgeſucht, da es ihm nun erſt ſpaßhaft vorkam: wieſo ihm ſeine Alten am Sterbebette eine Weiſung hatten ertheilen können, die er von Kindesbeinen an ſtets aufs Beſte zu befolgen ſtrebte. Genug; Stephan Kleber zog nach dem Tode ſeiner Eltern nach der Hauptſtadt, ſchnitt Jahr aus Jahr ein gemäch⸗ lich ſeine Coupons von Actien und Staatspapieren und konnte jedesmal etwa vierzehn Tage nach Empfang der Zinſen hoͤchſt erquicklich lächeln über die Art, wie ihm die lebendigen Leihemaſchinen, die Zahlmeiſter in den Banken, die Geldrollen entgegenſchoſſen. Einſt ſagte ihm ein ſolcher Zahlmeiſter, der ein Witzlein gerne zwiſchen die Zahlen ſeines Geſchäftes ſchwärzte:Ich muß Ihnen ſagen, Herr Kleber, Sie haben ein beſſeres Auskommen als Fort⸗ kommen. Der Witz zielte auf Klebers körperlichen Umfang, der für ſeine dreißig Jahre in der That bedeutend war. Kleber hatte den Witz vernommen, ſteckte ruhig und ohne eine Miene zu verziehen ſeine Geldrollen ein, ſagteguten Morgen und ging gemächlich die Treppe hinunter ſeiner Wege. Nach einer halben Stunde hatte er das Haus erreicht, in welchem er wohnte und ſteckte eben den Schlüſſel in das Schloß ſeiner Zimmerthüre als um ſeine Lippen ein ſtilles Lächeln erblühte und ſeine Hand nicht ſogleich im Stande war, den Schlüſſel umzu⸗ drehen, denn der harmloſe niedliche Witz des Kaſſenbe⸗ amten fing eben erſt an, ſeine holde Wirkung auf ſein langſames Gemuͤth zu äußern.

(Fortſetzung.)

Miszellen.

Intereſſante Choleracur. Eine franzöſiſche Zei⸗ tung meldet folgende Heilung der Cholera aus Mißverſtänd⸗ niß. Ein Arzt, welcher zu einem Kranken im gefährlichſten Stadium der Cholera gerufen wurde, verordnete demſelben, mit der geringſten Hoffnung eines günſtigen Erfolgs, als Brechmittel 1 Gramme Ipecacuanha, welche auf dreimal je im Zwiſchenraume einer halben Stunde genommen werden ſollten. Die Perſon, welche dem Kranken die Arznei ver⸗ abreichen ſollte, las auf der Verordnung das Wortprises (die franzöſiſche Bezeichnung für Doſen), und da ſie zugleich ſah, daß die Arznei in einem Pulver beſtand, ſo meinte ſie, es ſei etwas zum Schnupfen, und die Verordnung meine drei Priſen(für die Naſe). Gedacht, gethan! Sie ließ den Kranken den dritten Theil des Ipecacuanha-Pulvers ſchnupfen. Statt ſich darauf zu brechen, mußte der Kranke ſo ſtark und ſo lange fort nießen, daß dadurch eine ſtarke Re⸗ action hervorgerufen wurde. Die Haut des Kranken wurde wieder warm, die Symptome der gefährlichen Krankheit ließen nach, und als der Arzt wieder kam, fand er den Kranken geneſen.

Die Ruſſen ſind bekanntlich Meiſter in der Anfertigung glorioſer Siegesbulletins. Indeß ſind ſie doch nur Schüler im Vergleich zu den Römern der Kaiſerzeit. Dieſe verſtan⸗ den es noch beſſer. Lucian erzählt von einem literariſchen Zeitgenoſſen, der über eine Schlacht, welche ein römiſcher Feldherr in Perſon lieferte, folgenden Bericht machte:Der Oberſtlieutenant Priscus machte allein durch ſein lautes Commandogeſchrei, daß ſiebenundzwanzig Feinde todt zu Boden ſtürzten. In der Schlacht ſelbſt aber fielen von feindlicher Seite dreimalhundertſiebenzigtauſendzweihundert⸗ undſechs Mann, während die Römer nur zwei Todte und neun Verwundete hatten.

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