115. 10. Oktbr.
Einrückungsge⸗ bühren fur die ge⸗ ſpaltene Petit zeile oder deren Raum 2 kr.; die beiden erſten Zeilen zu⸗
ſammen 7 kr.
18511.
Friedberger Intelligenzblatt.
Er ſcheint wo⸗ 5 2 0 2 2 2 Sen e Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, eee Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
Dienſtag u. Frei⸗ r. 8 Nu S!.
Dienſtag, den 17. Oktober.
Amtlicher Theil.
1 Von den erſchienenen Regierungsblättern für 1884 ſind zu publieiren: Nr. 25 pos. 1. Nr. 26 pos. 1 und 2. Nr. 27 pos 1 und 8. Nr. 28 pos. 1, 2, 3 und 4. Nr. 29 pos. 1, 2 und 4. pos. 1 und 2. Nr. 31 pos. 1 und 2. Nr. 32 pos. 1 und 2. Nr. 33 pos. 1,2 und 3. Nr. 34. pos. 1, 2 und 3 Friedberg am 13. October 1854. Großherzogliches Kreis amt Friedberg In Verhinderung des Kreisrathes de Beauclair, Kreisaſſeſſor.
eee ach ce Dem Gerſon Schulhof zu Friedberg iſt die nachgeſuchte Conceſſion zum Betriebe einer Unteragentur für den Haupt—
agenten J. Lauckert zu Gießen Behufs der Beförderung von Auswanderern über Bremen nach Amerika Namens der
Schiffsrheder und Schiffsbefrachter C. D. v. Buttel und Comp. zu Bremen, ertheilt worden, was ich hiermit zur öffent— lichen Kenntniß bringe.
Friedberg den 9. October 1854.
Nr. 30
Großherzogliches Kreisamt Friedberg: In Verhinderung des Kreisraths— de Beauclair, Klreisaſſeſſor.
Die Liebesprobe. Novellette.
(Fortſetzung.)
Trotz der Trennung von der ſüßen Julie aber griff der Verliebte und Verlobte nicht minder energiſch das auf— getragene Abendbrod an, als ſein weniger empfindſamer und kälterer Begleiter. Der Rehbraten war fürtrefflich, die Knödel und der Eicherkuchen tadellos, die Wildente war vom feinſten Fümet, und den Käſe und Wein hätte der Kaiſer nicht verſchmähen dürfen. Nach Tiſche fuͤhrte Nanni die beiden Gäſte in das für ſie beſtimmte und angenehm erwärmte Zimmer, wo ihrer bequeme und reinliche Betten harrten, wünſchte Beiden eine gute Nacht, und überließ ſie ihrem Schickſal. Herr Lorenz rauchte ſeine Cigarre zu Ende und betrachtete ſich inzwiſchen die Bilder an den Wänden: den Sandwirth Hofer, den Speckbacher mit ſeinem Buben, die Brunſthirſche und andere Jagdſtücke, und war damit kaum zu Ende, als er den zärtlichen Ver— lobten ſchon ſchnarchen hörte wie einen alten Grenadier.
Am andern Morgen erwachte Lorenz zuerſt; es war kaum Tag, aber der über der ganzen Landſchaft liegende Schnee machte ungewöhnlich helle.„Heda, Marberg! Eugen!“ rief er,„reiben Sie ſich die Augen aus—'s iſt Tag, wir wollen aufbrechen!“
Allein Marberg antwortete nur mit Stöhnen. Er lag im ſtärkſten Fieber im Bette und ſeine Hände, Hals und Geſicht waren ganz mit rothen Flecken und einzelnen Puſteln beſät.—„Zum Henker, Freundchen, was iſt Ihnen? rief Lorenz und rüttelte den Kranken mühſam wach. End— lich ſchlug Marberg die unheimlich glühenden Augen auf und ſtöhnte:„Ach beſter Lorenz, mir iſt erbärmlich zu Muthe. Ich habe die ganze Nacht beinahe kein Auge geſchloſſen und die Hitze hat mich faſt verzehrt. Meine Glieder ſind wie gelähmt— ich kann nicht aus dem Bette!“
„He Nanni, Nanni!“ ſchrie Lorenz die Treppe hinun— ter; habt Ihr einen Arzt im Orte, Herzenskind?“
„O ja, Herr, und einen recht geſchickten: Doctor Meßner heißt er.“
„Dann ſchicken Sie ſogleich nach dem Doctor Meß— ner und laſſen Sie ihn hieher bitten!“
Der Arzt kam nach einem Viertelſtündchen, beſichtigte den Kranken genau und erklärte endlich: er habe die Pocken in beſter Form.
„Ei du lieber Himmel!“ ſtöhnte Marberg;„das kommt doch wahrlich ganz polizeiwidrig ungelegen.— Beſter Lorenz, wenn Sie mir gut ſind, ſo eilen Sie doch ſo bald wie möglich nach Märteuſee hinüber und befreien Sie die liebe Julie aus ihrer fürchterlichen Angſt und Ungewißheit. Verſichern Sie ſie und ihre Familie, daß ein leidiges, aber nur vorübergehendes Unwohlſein mich hier feſthalte, daß ich aber ſo bald als möglich in Juliens Arme fliegen werde. Sie brauchen ihr meine eigentliche Krankheit jetzt nicht zu nennen, um ſie nicht allzuſehr zu erſchrecken. Gehen Sie, lieber Freund, und kommen Sie raſch wieder. Eine Nachricht von Julien wird mir die beſte Arzenei ſein!“
Lorenz lächelte nach ſeiner Weiſe für ſich hin, em— pfahl dann ſeinen Freund auf das Dringendſte der Pflege des Arztes und der ſchmucken Nanni, ließ die ausgeruhten Pferde vor den Schlitten ſpannen und flog nun, zumal die Bauern inzwiſchen mit dem Bahnſchlitten den Schnee geebnet und die Landſtraße praktikabel gemacht hatten, auf dem Wege nach Märtenſee dahin. Pettol, Nanni's Bruder, kutſchirte, und ehe zwei Stunden um waren, ſtand er wohl— behalten vor der ſchönen Wohnung des Grundherrn von Märtenſee, des Herrn Florian Rabener, Juliens Vater. Das werthvolle Landgut mit ſeinem Hohofen, ſeiner Hammer- und Senſenſchmiede war das freie Eigen— thum des Hrn. Rabener, welcher mit Recht für einen der reichſten Männer im Hausruckviertel galt, aber wegen ſeiner Gicht und ſeines Spleens dennoch ſeiner Reichthümer nicht froh werden konnte. Früher war er Kaufherr in Trieſt geweſen, hatte dann einen Theil ſeines Vermögens


