Ausgabe 
12.9.1854
 
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Die Korallenbaͤume ſind die Blumengewächſe der Meeresgärten, die an buntem Farbenglanz die Blumen der Lichtwelt weit übertreffen; und wenn die Lichter der Oberwelt erblaſſen, und einförmiges Dunkel ſie einhüllt, da leuchtet und funkelt es in geiſterhaftem Glanze in den Gärten der Meerestiefe, da wimmelt es von zahlloſen Funken und Flämmchen unter der Glasdecke der Gewäſſer. Und was kein Baum der Oberwelt vermag, das kann der Thierblumenbaum des Meeres, er wandelt, obſchon ein füßig, auf und ab auf den Zauberbeeten des Waſſerreichs; denn einige Polypen ſind wandernde Pflanzen, da ſie ſich mit ihrem kalkigen Stammende von dem Boden, wo ſie ſich feſtſogen, loszumachen und weiter zu bewegen ver mögen. Ja, was kein Baum der Welt zu vollbringen im Stande iſt, das vollführt der kaum erbſengroße Polyp; er baut große gewaltige Steinburgen, haushohe Schlöſſer in ſeinen Korallenriffen und Koralleninſeln, die den Men ſchen eine willkommene Heimat bieten, und auf denen die ſchlanke Kokospalme ihre grüne Blätterkrone im Meeres- winde wiegt. Wie mühſam baut der Menſch ſeine Ufer⸗ dämme gegen die andringenden Meeresfluthen, wie klappern und raffeln dabei ſeine gewaltigen Dampfmaſchinen! Die winzigen Polypen führen dagegen in geräuſchloſer Be harrlichkeit den ewigen Kampf gegen die anprallenden

Sturmwellen, ſie bauen Jahrhundert um Jahrhundert an

ihren Dämmen, und ſieh, meilengroße Seen ſchließen ihre Atolls oder Ringmauern vom Meere ab, ſo daß man mitten in dem unermeßlichen indiſchen Ocean hundert ſol cher Binnenſeen findet. Das iſt die Macht des Kleinen. Zauberiſch liegen ſie da, die Koralleninſeln der Malediven. Ein kokosgrüner Korallenring umſchließt ein ſtilles, ſchim merndes Binnenmeer mit weißem Sandgrund, der bei ſenkrechter Beleuchtung lebhaft grün ſchimmert, während an der Außenſeite die dunkeln Wogen des Meeres ſich in weißen Schaumwellen an den Klippen brechen, darüber das lichte Aetherblau niederſchaut und bis in unendliche Ferne der Meeresſpiegel flimmert und ſchimmert, auf dem hier und da ein weißes Segel auftaucht und verſchwindet. Bei den Inſeln der Südſee umgeben Korallenriffe mit ihren Palmen oft in meilenweiter Entfernung eine Berg inſel, an deren Fuße eine üppige Tropenbaumwelt wu chert. An der Innenſeite des burgwallähnlichen Riffs ſteht das Waſſer ſtill und wärmt ſich behaglich im Glanze der Tropenſonne, an der Außenſeite aber tobt der Vernich tungskampf; da zürnende, ſchaumbedeckte Wogen gegen das Riff anrennen, um es zu durchbrechen, Tag und Nacht, Jahr aus Jahr ein. Dieſe wogenbrechende Bank befindet ſich oft in großer Nähe an der Berginſel, bald umkreiſt ſie dieſelbe in 510 Meilen weiter Entfernung, oder ragt als hoher Steinwall hoch über die niedrige Inſel empor. So ſchützt das Polypengeſchlecht den Men ſchen auf ſeiner bedrohten Inſel vor dem Untergange durch das vernichtende Meer; der Polyp kämpft muthig und ſiegreich gegen das unermeßliche Weltmeer! Und wenn alle Völker der Erde ihre Macht vereinigten, ſie würden nicht die kleinſte dieſer Korallenbänke im Welt meere zu bauen vermögen; die Koralle aber baut einen Theil der Erdrinde!

Was ſind denn aber dieſe mächtigen Polypen, dieſe Inſelbauer? Sie ſind kleine gallertartige Thierchen von der Größe eines Stecknadelkopfes, die einen Mund, einen Darmkanal und um den Mund herum mehr oder minder viel Fangarme haben, mit denen ſie nach Beute haſchen. Jeder Arm iſt mit einer Menge kleiner Erhabenheiten be deckt, aus denen ein langer, ſpiralförmig aufgewundener Faden mit einem Wiederhaken am Ende herabhängt. Da nun der Polyp viele Fangarme hat und an jedem ſehr

viel ſolcher Erhabenheiten, ſo müſſen wir ihn uns als ein mit hundert Angelſchnuren nach Beute fiſchendes Raubthier denken. Die Seerinde hat ſo kleine Zellen, daß 1800 einen Zoll bedecken. Jeder Polyp beſitzt 20 runde Fühlfäden, jederſeits mit 50 Wimpern beſetzt. Auf einen Zoll kommen alſo 3600 Fühlfäden und 180,000 Wimpern. Der einzeln lebende Polyp hat einen leder- oder hornar tigen Fuß, mit dem er ſich am Boden feſtſaugt und mei ſtens zeitlebens an demſelben Orte bleibt. Entbehren polypenartige Schleimthiere dieſen Fuß und ſchwimmen ſie frei umher, ſo heißen ſie Meduſen und Quallen, die man ſich oft wie ein loſe ſchwimmendes Gehirn mit her abhängenden Nervenfaſern vorſtellen muß. Sie haben die Geſtalt eines Pilzhutes, von dem herab zahlloſe fadenartige Fangarme hängen, und werden oft fauſtgroß. Da die Berührung mit ihren Fangarmen ein Brennen gleich dem Neſſelblatte hervorbringt, ſo nennt man ſie auch Meerneſſeln. Sie haben einen ſtarken phosphori ſchen Glanz und ſind oft in Millionen neben einander.

Die meiſten Polypen bewohnen ein gemeinſames Gehäuſe, in dem jeder Polyp ſeine beſondere Zelle hat, aber durch einen Kanal mit dem Hauptſtock in Verbin dung ſteht und mit ſeinen Brüdern in communiſtiſcher Gemeinſchaft lebt, denn was der eine von ihnen genießt, das nährt alle andern zugleich. Dieſe Zellen ſtehen ent weder roͤhrenartig ſenkrecht neben einander oder ſie brechen ſeitlich aus den Aeſten dicht neben einander hervor, oder ſie wachſen wie die Blüthen an einem Mandelbaum hier und dort an dem Zweige, oder bilden eine Schleimhaut über den ganzen Stock. Dieſe Polypen pflanzen ſich durch Theilung fort oder durch Knospung. Indem die abſterbenden verſteinern, wird der Baum immer größer, wie man ſich viele dieſer Polypengewächſe vorſtellen muß als blattloſe Geſträuche oder niedrige Bäume von rother, grüner, gelber und ſchwarzer Farbe.

Die Orgelkoralle des indiſchen Oceans beſteht aus rothen ſenkrechten Röhren, welche durch Querröhren ver bunden ſind, und trägt grüne Polypenblüthen, während die braune Gorgonie des Mittelmeers weiße Polypen mit rothen Pünktchen hat, die rothe armsdicke Melitäre gelbe Polypen. Die ſchwimmende Seefeder gleicht einer Gänſe feder, da ihre Poſen aus rothen, phosphoriſch leuchtenden Polypen beſtehen; der ellenhohe korkartige Seeſchwamm birgt in ſeinen Röhren blaue Polypen Die Seetanne trägt an ihren Zweigſpitzen bunte Polypenblumenglocken, und die kleine wandernde Seeanemone gleicht mit ihrem breiten auswärts umgelegten Fangarmenblättern dem Cactus.

Die Polypen wachſen nur bis zu einer gewiſſen Tiefe, etliche gehen bis 1000 Fuß hinab, andere bis 500, wieder andere nur bis 2050 Fuß. Die Riffe bauende Koralle muß immer in einer beſtimmten Entfernung von der Oberfläche des Meeres bleiben, weil ſie ſonſt ſogleich abſtirbt. Die Höhe der Korallengewächſe iſt ſehr verſchie den, einige ſind nur einen Zoll hoch, andere erreichen die Höhe von mehrern Ellen und die Dicke eines mäßigen

Birnbaums. (Fortſetzung folgt.)

Friedberger Kirchenbuchsauszug vom Monat Auguſt. Getraute:

29. Heinrich Seriba, hſ. B. u. Buchdrucker, des B. zu Dieburg u. Freiherrl. Fechenbach'ſchen Rentamtmanns Friedrich Philipp Scriba ehel. S., und Ottilie Mariane Karoline Marie Katharine Kettinger, des hſ. B. u. Schönfärbers Joh. Gottlieb Kettinger ehel. led. T.

31. Franz Joſeph Reitz, hſ. B. u. Bäckermeiſter, des B. zu Rockenberg u. Ackermanns Franz Reitz ehel. verwittweter S. u. Anna 1 Mack, des hſ. B. u. Schuhmachermeiſters Adam Mack ehel. ed. T.

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