Ausgabe 
12.9.1854
 
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Friedberger Intelligenzblatt.

Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen

fl. 1. 30 kr.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petit zeile oder deren Raum 2 kr.; die beiden erſten Zeilen zu⸗

ſammen 7 kr.

Dienſtag, den 12. September.

18511.

Amtlicher Theil. Def fentliche Nachricht.

Durch höchſtes Decret vom 22. Auguſt l. J.

iſt Georg Nürnberger zu Wiſſelsheim zum Beigeordneten für die

daſige Gemeinde ernannt worden, was ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß bringe.

Friedberg den 4. September 1854.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg Mu ens

Regierungsblatt- Auszug.

Nr. 28 vom 1. September: J. Bekanntmachung Großh. Miniſteriums des Hauſes und des Aeußern vom 16. Auguſt, die Verfolgung von Verbrechern ꝛc. auf fremdem Staatsgebiet betr. II. Bekanntmachung Gr. Miniſteriums der Finanzen vom 15. Aug. die Prüfungen im Fin anz⸗ und techniſchen Fache betr. III. Bekanntmachung deſſelden Miniſteriums vom 26. Aug., welche zur Kenntniß bringt, daß auf die Bereitung von Branntwein aus Rüben oder Dickwurzel allein oder in Verbindung mit meh ligen Stoffen dieſelben Steuerſätze und Controlevorſchriften Anwen dung finden, welche für die Branntweinbereitung aus mehligen Stoffen feſtgeſetzt ſind. V. Bekanntmachung Großh. Oberzolldirection vom 22. Aug, welche zur öffentlichen Kenntniß bringt, daß das den Gr. Zollämtern zum Amtsgebrauche zugegangene amtliche Waaren verzeichniß zu den vom 1. Jan. 1854 an im Zollverein beim Verkehr mit Oeſterreich gültigen Tarifsbeſtimmungen von dem Publicum, ſoweit der deßfallſige Vorrath reicht, durch Vermitte lung der Gr. Hauptzollämter Mainz, Offenbach und Gießen gegen Erſatz der Koſten, bezogen werden kann. V. Steuerausſchlag zur Beſtreitung der Bedürfniſſe der israelitiſchen Religionsgemeinde zu Stadecken, Kreis Mainz, für 1854 56. VI. Umlagen der Hammerau⸗Dammbau⸗-Concurrenz zu Großrohrheim für 1854 56. VII. Erhebung einer weiteren Umlage der Gemeinde Bechtols heim für 1854. VIII. Promotionen an der Gr. Landesuni verſität Gießen. Die philoſophiſche Doctorwürde erhielten: am 3. December 1853 Carl Roth von Gießen, 1. Februar 1854

Johann Baptiſt Schmitt aus Mainz, 24. März Carl Ritter gärten der Korallengewächſe fügen, dieſer wunderbaren

aus Mainz, 23. März Otto Zöckler aus Laubach, 4. Mai Carl Aug. Fritſch aus Friedberg. IX. Dienſtnachrichten. S K. H. der Großherzog haben allergnädigſt geruht: am 4. Juni den Clemens von Schauroth zum Kammerjunker und am 13. Juli den Kammer junker Fhrn. v. Edelsheim zum Kammerherrn zu ernennen; 28. Juli dem Pfarrer Eich zu Echzell die evang. Pfarrſtelle zu Geis⸗ nidda, 2. Aug. dem Schullehrer Nieß zu Kaulſtoß die evang. Schul⸗ lehrerſtelle zu Friebertshauſen und Rügenbach, 5. Aug. dem Ergän zungsrichter bei dem Friedensgerichte zu Oppenheim Reiling, unter Ernennung deſſelben zum Polizeicommiſſär 1. Cl., die Stelle eines Polizeicommiſſärs für die Kreisſtadt Bingen, dem Schullehrer Mühr an der 4. Knabenſchule zu Bingen die Schullehrerſtelle an der 2. Knabenſchule daſelbſt und dem Schullehrer Sieben an der 3. kath. Schule zu Darmſtadt die 4. Knabenſchullehrerſtelle zu Bingen zu über tragen; 7. Aug. den Aſſeſſor m. St. bei dem Landgerichte Hom berg Sehrt zum Landrichter in Gladenbach zu ernennen; die Gerichtsacceſſiſten Baiſt aus Grünberg, Kaufmann aus Ortenberg und Dr. Muhl aus Gießen in die Zahl der Advocaten und Procu ratoren bei dem Hofgerichte der Provinz Oberheſſen aufzunehmen; 11. Aug. den practiſchen Arzt Ur. Roßkopf zu Dieburg zum Kreis arzt des Medicinalbezirks Herbſtein, 12. Aug. den Referendar an dem Bezirksgerichte Alzei, Finger, zum 2. Ergänzungsrichter an dem Friedensgerichte Oppenheim zu ernennen, 16. Aug. dem Schullehrer Schäfer zu Sichenhauſen die evang. Schullehrerſtelle zu Kleinbie berau und Webern zu übertragen. X. Characterertheilungen: am 18. Aug. dem Buchhalter und Controleur bei der Hauptſtaatskaſſe und Rechner der Brandverſicherungskaſſe Bonhard und dem Rechner der Chauſſee- und Flußbaukaſſe Raupp dahier alsRechnungs

rath.) XI. Dienſtentbindung: 11. Aug. den Reviſor bei der Oberforſt⸗ und Domänen-Direction, Möller, von der ihm übertrage nen Nebenſtelle eines Secretärs und Regiſtrators bei der Civildiener

Wittwenkaſſe-Commiſſion auf ſein Nachſuchen. XII. Verſetzung in den Ruheſtand: am 5 Aug. Schullehrer Geßner an der 2. Knabenſchule zu Bingen. XIII. Concurrenz für: die evangeli⸗

ſchen Pfarrſtellen zu Bottenhorn mit 500 fl., Bernsburg 501 fl., Stumpertenrod 845 fl., Winnerod 634 fl. 48 kr. jährlich; letztere Stelle iſt Präſentation der Freiherrn von Nordeck zur Rabenau; die kath. Schulſtelle zu Hainhauſen mit 264 fl., nebſt Entſchädigung von 20 fl. für Heizung des Schullocals; die evang. Pfarrſtelle zu Petterweil mit jährlich 1024 fl. 36 kr., auf welcher jedoch eine temporäre Abgabe von 350 fl. und ein weiterer temporärer Nachlaß von nahe bei 100 fl. laſten(Präſentation des Herrn Grafen zu Solms⸗ Rödelheim); die 2. evang. Pfarrſtelle zu Reichelsheim mit jährlich 647 fl. 516 kr.(für diesmal Präſentation des Herrn Grafen zu Erbach⸗ Erbach); die 1. evang. Schulſtelle zu Großzimmern mit jahrlich 361 fl. nebſt 28 fl. Heizungsentſchädigung. XIV. Geſtorben find: am 6. Aug. penſ. Cantor Schmidt zu Schlitz; 7. Aug. Militär⸗ penſionär Bonn zu Mainz.

Unterſeeiſche Landſchaften. (Fortſetzung.) Zu dieſen Tangwaldungen müſſen wir die Blumen

Thierpflanzen oder Pflanzenthiere.

Wenn in die buntgefärbte, vielfachgeſtalte Kalkſchale der Muſchel ſich ein weiches Thierleben einſchließt, ſo daß das Knochengerüſte außerhalb deſſelben iſt, und der Leib ſich mehr oder minder von ihm losmachen kann, ſo ſind die Korallengewächſe das blumenartig dem Kalkſtein ent knospende Sinnenleben des Thieres. Aus dem ſteinernen Baum ſprießt der empfindende Fangarm des Polypen, nährt ſich, pflanzt ſich fort, verſteinert, indem er ſein Wohnhaus zum Steingrab macht, über welchem aufwach⸗ ſende Geſchlechter ihre neuen Steingehäuſe aufbauen.

So wächſt der vielgeſtaltige, äſtige Korallenbaum, und wo die Gewächſe der Oberwelt Blätter und Blüthen tragen, da keimt aus dem Stein ein lebendes, empfinden des Thier in bunter Blumengeſtalt und phosphoriſchem Glanze. Iſt es doch, als ob das alte Meer, träumend von dem farbenprangenden Blumenleben der ſonnigen Ober welt, aus ſeinen Steinen jene Gewächſe habe nachahmen, oder in den Geſteinen der Meerestiefe das Thier- und Pflanzenleben im Voraus ahnend habe darſtellen wollen. Wie ein Traum erwacht der thieriſche Polyp im Stein, und wie ein Traum erſtarrt er wieder zu Stein.