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Marcus erröͤthete.„Dieß nicht; es handelt ſich überhaupt nicht um mich, ſondern um die Pflegetochter des Verſtorbenen,“ verſetzte er unmuthig.
„Aha, um die Mamſell Emilie?“ rief die Brauers⸗ frau mit ihrer kreiſchenden Stimme;„der Herr iſt wohl ein Verwandter von dem Mädel, daß er ſich ſo ſeiner an⸗ nimmt?/
„Ich bin ihr Freund, Frau Strumpf!“
Das holde Ehepaar brach in ein wieherndes Ge⸗ lächter aus und Leuchtweiß fragte trocken:„Haben Sie auch eine Vollmacht, mein Herr?
„Ich habe die feſte Abſicht, mit allen mir zu Gebote ſtehenden Mitteln die Anſprüche der Jungfer Emilie Weber geltend zu machen, ſagte Marcus, welcher eine direkte Antwort auf die Frage ſeines Gegners umgehen wollte.„Obſchon mit Rechtsverhältniſſen wenig vertraut, weiß ich doch, daß in Fällen, wie der vorliegende, die
„So kann man Sie wegen Verletzung der Geſetze belangen!“ 4
„Allerdings— und mittelſt eines Prozeſſes nicht wahr?, verſetzte Leuchtweiß höhniſch.„Aber ein Prozeß koſtet Geld, Herr Doctor, und Ihrer Freundin dürfte es, meines Erachtens, ſchwer werden, nur die Koſten für das Stempelpapier u. ſ. w. aufzubringen!“
„Das heißt alſo ſoviel, als: Sie wollen Ihre Ar— muth mißbrauchen, um ihre Anſprüche zu beeinträchtigen?“ rief der Doctor empört.
„Mir wollen uns ihrer nur bedienen, um die unſri⸗ gen ſicher zu ſtellen,“ erwiderte Leuchtweiß gelaſſen.
„Wohlan denn; dann dringe ich auf die Ausübung des Geſetzes!“ rief Marcus voll Energie.„Ich habe den Verſtorbenen ärztlich behandelt, ihm Dienſte verſchiedener Art geleiſtet und baares Geld für ihn ausgelegt; als Gläubiger der Verlaſſenſchaftsmaſſe verlange ich daher die Gewährleiſtung dieſer Schuld, und trage zu dieſem Behuf
Geſetze gewiſſe Förmlichkeiten zum Schutze der unbekannten Inteſtaterben vorſchreiben, welche Niemand verletzen darf. Ehe ſich Jemand in den Beſitz der Hinterlaſſenſchaft des Verſtorbenen ſetzen darf, muß doch erſt entſchieden ſein,
wem ſie gehört!“
auf Verſiegelung an!“
(Fortſetzung folgt.)
Miszellen. Ein ſehr kleiner Mann hatte eine außergewöhnlich
„Und wenn wir ſie uns einſtweilen proviſoriſch zu-[große Frau. Als er nun einmal ſehr böſe war, da ſchaute eignen?“ fragte der Winkeladvokat trocken und ſtöberte die Gattin von ihrer Höhe verächtlich auf ihn herab und
in ſeinen Papieren weiter.
fragte:„Was brummt denn da unten ſo?“
Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.
Hofraitheverſteigerung. 12231 Dienſtag den 15. Auguſt d. J., Vor⸗ mittags um 11 Ühr, wird in hieſigem Rathhauſe die zur Verlaſſenſchaft der Anton Suhrada's Eheleute dahier gehörende Hofraithe:
Gemarkung Friedberg: Pag. No. Flur No. 22 130 II 339 Hofraithe, als ein Wohnhaus, Hinterbau und ein Stall an 8 Karl Daniel Groß, auf freiwilligen Antrag der Erben öffentlich meiſt⸗ bietend verſteigert. Friedberg den 2. Auguſt 1854. In Auftrag Großberzogliches Ortsgericht Friedberg: Bender, Ortsgerichtsvorſteher.
Güterverſtei gerung. 11224] Dienſtag den 15. Auguſt d. J., Vor⸗ mittags um 11 Uhr, werden die beiden Philipp Konrad Kopp'ſchen Gärten in hieſiger Gemar⸗ kung, wie ſolche im Intelligenzblatt No. 17, 21 und 25 pro 1854 ſpeciell bezeichnet ſind, noch ⸗ mals öffentlich zwangsweiſe an den Meiſtbieten⸗ den verſteigert.
Friedberg den 2. Auguſt 1854. In Auftrag Großherzoglichen Landgerichts Friedberg Großherzogliches Ortsgericht Friedberg: Bender, Ortsgerichtsvorſteher.
Bekanntmachung. 12411] Alles über den Räumungstermin in den Freihl. Waldungen noch liegende Holz iſt, bei Vermeidung geſetzlicher Rugſtrafe, innerhalb acht Tagen abzufahren.
Ockſtadt am 3. Auguſt 1854. Freiherrl. v. Franckenſtein'ſches Rentamt An ger e k.
Oeffentliche Aufforderung. 11251] Anſprüche jeder Art an den Nachlaß des Großh. Pfarrers Hörle zu Niederrosbach ſind bis zum 16. d. M. dahier anzuzeigen, gegenfalls ſie bei Regulirung des Nachlaſſes nicht beachtet werden.
Zugleich werden diejenigen, welche noch Bücher
deſſelben beſitzen, erſucht, dieſelben alsbald an
Gr. Pfarrer Strack zu Oberrosbach abzuliefern,
gegenfalls Klage wegen deren Rückgabe erfolgt. Friedberg den 3. Auguſt 1854. Großberzogliches Landgericht Friedberg Hofmann, D. le Landrichter. Landgerichts⸗Aſſeſſor.
Bekanntmachung. [1252] Freitag den 18. Auguſt, Morgens um 11 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe nachſteben⸗ des dem hieſigen Bürger und Fuhrmann Tho⸗ mas Becker I. zuſtehende Grundſtück meiſt⸗ bietend verſteigert, als:
Gemarkung Stadt Friedberg: Pag. 616 Nr. 56 454,2 Klftr.— 231 Ruthen Acker im Lachenfeld an Adam Bender, gibt 57 kr. abge⸗
löſte Grundrente. Friedberg den 9. Auguſt 1854. In Auftrag
Großherzoglichen Landgerichts Friedberg. Großherzogliches Ortsgericht Friedberg:
Bender, Ortsgerichtsvorſteher.
Bekanntmachung. [1253] Mittwoch den 16. d. M., Vormittags um 10 Uhr, ſoll die Lieferung von 800 Paar Halbſtiefeln für das 2. Bataillon 4. Infanterie⸗ Regiments nach den in unſerm Büreau zur Einſicht offen liegenden Bedingungen auf dem Soumiſſionsweg in Accord gegeben werden.
Friedberg den 7. Auguſt 1854.
Großherzoglicher Verwaltungsrath
des 2. Bataillons 4. Infanterieregiments.
Bekanntmachung. [1254] Montag den 21. d. M., Vormittags um 10 Uhr, wird die Brodlieferung für die hieſige Garniſon auf das letzte Quartal d. J. unter den in unſerm Büreau zur Einſicht offen liegen⸗ den Bedingungen in Accord gegeben.
Friedberg den 10. Auguſt 1854. Großherzoglicher Verwaltungs rath des 2. Bataillons 4. Infanterieregiments.
Main⸗Weſer⸗Bahn. [1255] Auf dem hieſigen Bahnhoſe werden Frei⸗
tag den 18. Auguſt Vormittags 11 Uhr etwa 18 Maas Liqueur öffentlich verkauft. Friedberg den 9. Auguſt 1854. Der Großherzogliche Bahnhofs ⸗Inſpector Hochgeſan d
Bekanntmachung. [1256] Samſtag den 12. d. M., Vormittags um 9 Uhr, ſollen auf dem Büreau des hieſigen Militär⸗Lazareths folgende im Lazareth vorzu⸗ nehmende Bauarbeiten auf dem Soumiſſions⸗ wege vergeben werden, nämlich:
1) Maurerarbeit, veranſchlagt zu 449 fl. 56 kr. 2) Steinhauerarbeit,„„ 109—„ 3) Zimmerarbeit,„„ 79% 48„ 4) Dachdeckerarbeit,„ 37* 30„ 5) Schreinerare,„„ 57»— 6) Schloſſeraͤrbeit, 1„ 103%—„ 7) Glaſerarbeit,„„ 14— 8) Weißbinderarbeit,„„ 71% 28„ 9) Spenglerarbeit,„„ 36„26„ Die Bedingungen, nebſt Bauplan und Vor⸗ anſchlag, können von heute an auf dem ge— nannten Büreau eingeſeben werden. Friedberg den 10. Auguſt 1854. In Auftrag: Hoffmann, Lieutenant.
Holzverſteigerung. [1257 Die am 25. Juli d. J. im Rodheimer Gemeindewald, Diſtrikt Grauenberg, abgehallene Holzverſteigerung konnte des zu geringen Er⸗ löſes wegen nicht genehmigt werden und kommen deßhalb Freitag den 18. d. M., Vormittags 9 Uhr, nochmals
4442 Buchen⸗Wellen, 3250 Eichen⸗„ 2227 Nadel⸗„
5 150 Weichholz⸗Wellen, zur öffentlichen Verſteigerung.
Bemerkt wird, daß gegen vorſchriftsmäßige Bürgſcheine Zahlungsfriſt bis zum 1. Okto⸗ ber d. J. geſtattet wird und die Zuſammen⸗ kunft auf der Waldbahn an den ſog. drei Eichen ſtattfindet.
Rodheim am 4. Auguſt 1854.
Großherzogliche Bürgermeiſter ri Rodheim
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11232
(283 zu der


