Ausgabe 
11.8.1854
 
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Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch

0 Friedberger Intelligenzblatt.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,

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as Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

ſammen 7 kr.

N 62.

Freitag, den 11. Auguſt.

185011.

Amtlicher Theil. An fel ton g.

Feldwebel Rixius von hier iſt als Kreisbote im Kreis Friedberg beſtellt worden, was zur öffentlichen Kenntniß

gebracht wird. Friedberg am 4. Auguſt 1854.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg Man e

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Freitag den 25. Auguſt kein Amtstag abgehalten wird.

Friedberg den 8. Auguſt 1854.

Großherzogliches Landgericht Friedberg o fmann.

Regierungsblatt⸗Auszug.

Nr. 25 vom 1. Aug.: 1. Ein aus 16 68. beſtehendes, un⸗ term 14. d. M. von Gr. Miniſterium des Innern erlaſſenes Regle⸗ ment über das bei Wildſchadensklagen einzuhaltende Verfahren, nebſt dazu gehörigen Formularen. II. Umlagen zur Beſtreitung der Bedürfniſſe der israelitiſchen Religionsgemeinden des Kreiſes Bingen für 1854. III. Concurrenz für die evang. Pfarrſtelle zu Neunkirchen, Kr. Dieburg(Präſentation zu drei Viertheilen dem Staate und zu einem Viertheile der Freiherrlichen Familie von Gemmingen), mit jährlich 2492 fl. 6 kr. Der neu anzuſtellende Geiſtliche hat die Wahl, entweder das Pfarrhaus zu beziehen oder ſich bis zu deſſen Neubau gegen Bezug einer Wohnungsmiethe⸗Vergütung von 150 fl. für eine Wohnung in Neunkirchen oder einem andern paſſend gelegenen Orte des Kirchspiels zu ſorgen. IV. Geſtorben ſind: am 22. Juni Hofgerichtsadvocat Gervinus zu Offenbach; 28. Juni der geweſene Oberſteuerbote Heuß zu Waldmichelbach; 5. Juli Oberrechnungsſecretär Rechnungs⸗ rath Rohde zu Darmſtadt; evang. Pfarrer Hörle zu Niederroßbach.

Das Vermächtniß. Erzählung von G. Freitag. (Fortſetzung.)

Emilie vermochte anfangs nur durch Thränen zu antworten; als aber der Doctor ſie ſanft fragte, warum ſie denn hier außen bleibe, und ſie bat, ſie möchte doch den ſchmerzlichen Eindruck überwinden, welchen ihr der Schritt über die nun fremde Schwelle bereiten müſſe, er⸗ hob ſie ſich zwar von der Bank, ſank aber ſogleich weinend wieder darauf zurück.

Kommen Sie, liebes Kind! faſſen Sie ſich! flüͤſterte er ihr zu;die Trübſal gleicht unſern bitteren Arzneien; man thut am beſten, wenn man ſeine Doſis auf einen einzigen Schluck hinunterwürgt; mit Zaudern und Pauſen und kleinen Schlückchen verzögert man nur ſeine Qual und ſeinen Eckel!

Um Vergebung, Herr Doctor, erwiderte Emilie leiſe;Sie müſſen es nicht mißverſtehen, wenn ich hier bleibe. Es geſchieht nicht aus kleinmüthiger Schonung für meinen Gram und Schmerz, ſondern aus Furcht, die Verwandten zu geniren, wenn ich jetzt hineinginge!

Wie ſo denn? ſind ſie denn drinnen?

Allerdings! ſie ſind mit Herrn Leuchtweiß gekommen, und durchſtöbern nun das ganze Haus! berichtete Emilie.

Wie mit dem früheren Notar Leuchtweiß? mit dem Winkeladvokaten, der wegen Betrug und Unterſchleif be ſtraft worden iſt?....

Um Gotteswillen, nicht ſo laut! Wenn er Sie hörte! fiel ihm Emilie ängſtlich in's Wort.

Dr. Marcus blickte durch die Fenſter und ſah den Vetter Strumpf und ſein Weib im Begriff, die Schränke zu leeren.So wahr Gott lebt, ſie nehmen Alles! rief er entrüſtet.

Sie haben ja das Recht! verſetzte Emilie ſanft.

Das wollen wir erſt ſehen! ſprach Marcus und ſchritt in's Haus.

Der frühere Notar durchſuchte eben eine große Mappe mit Papieren, die er aus einem der Schränke genommen,

und drehte ſich jetzt frech, wiewohl betroffen nach dem Eintretenden um.

Halten Sie inne, Herr Leuchtweiß! es iſt nicht Ihres Amtes, dieſe Papiere zu durchſuchen! rief ihm der junge Arzt zu.

Und warum nicht? fragte Jener.

Weil ſie zur Hinterlaſfenſchaft des Verſtorbenen gehören und auch noch Andere intereſſiren könnten!

Hoho! gehört nicht die ganze Hinterlaſſenſchaft von Rechts wegen uns? rief der Bierbrauer.

Das fragt ſich noch ſehr! Herr Hartmann kann auch ein Teſtament hinterlaſſen haben! ſagte Marcus.

Ein Teſtament wiederholten der Brauer und ſeine Frau und ſahen ſich verdutzt an.

Iſt es vielleicht in Ihren Händen niedergelegt? fragte Leuchtweiß ſüßlich.

Das gerade nicht, verſetzte der Doctor;allein der Verſtorbene hat ſeine Abſicht in dieſer Beziehung ganz deutlich und entſchieden gegen mich ausgeſprochen.

Und Sie ſollten wohl vermuthlich ſein Legatar ſein? fragte der Winkeladvokat im ſelben Tone weiter.