Ausgabe 
10.11.1854
 
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male; vor zehn Jahren hatte er das Rebengeländer oder den Kirſchenbaum mehr als einmal erſtiegen, wenn es des Bürgermeiſters Kathel nach Trauben oder Kirſchen ge lüſtete. Damals war er noch ein Kind und heute der kräftigſte, ſauberſte Burſche im Dorfe, und auch jenes kleine Zuckermädel der Frau Bürgermeiſterin lachte ihm jetzt von oben als eine gar liebe, große, ſchöne Jungfrau zu. Die Muthwillige raufte ihm ſcherzend das Haar, als ſie es erreichen konnte und verſuchte zu ſchmollen:

Du biſt recht bös, Fritz! Wenn's nun Jemand ſehen thät, was müßt' es von mir denken?

's braucht's ja Niemand zu ſehen, drum laß mich ſchnell hinein! rief der Burſche und ſprang behend in's Zimmer, um gleich darauf des Mädchens Roſenbäckele zwiſchen die Hände zu nehmen und das Spitzmäulchen nach Herzensluſt abzuſchmatzen.Heute iſt ſchon wieder ein Freier für Dich dageweſen? fragte dann der Verliebte in einem Tone, der hinlänglich ausdrückte, welche geringe Beſorgniſſe ihm das machen könne.

Jal, liſpelte das Mädchen, und erwiederte die Lieb koſungen ihres Geliebten.Des Ochſenwirths Sohn von Heuchelheim war da und will bis Sonntag auf die Nach kirchweih wieder kommen. Der duͤrft' gleich daheim bleiben, 's iſt doch umſonſt. Meine Leute meinen, es müßte ſein, weil er noch eine Schweſter hat, die unſer Michel, als reicher Wittmann heirathen könnte, aber ich will doch einmal ſehen, ob ſie mich zwingen können, ihn zu nehmen.

So plauderten die Gluͤcklichen, gedachten ihrer Kind heit und ihrer Zukunft, und wie gewöhnlich ſchwuren ſie ſich auch heute wieder ewige Liebe und Treue; der Fritz hatte vergeſſen, daß er Knecht, und Kathel, daß ſie des Bürgermeiſters Tochter ſei und geldſtolze Eltern habe, die um keinen Preis ihre Liebe zu dem armen Fritz, der im Hauſe diente, zulaſſen würden, ſo ſie darum wüßten.

Eine Stunde ging ſo hin unter ſüßem Geplauder und Gekoſe; Fritz mußte jetzt fort auf dem nämlichen Weg, auf dem er gekommen war, um durch das Hofthor in's Haus zu gelangen, damit ſich kein Verdacht erheben könne. Als er ſich eben von dem Rebſtocke auf den Boden ſchwang, ſah er den Knecht, welcher drüben bei des Bürgermeiſters Michel diente, uber die Gaſſe ſchleichen. Der Knecht war ihm feind, und ein erbärmlicher Burſche, der, wenn er ihn geſehen, nicht anſtehen würde, es zu verrathen. Er zog ſich bekuͤmmert in ſeinen Pferdeſtall zurück, denn er fürchtete ſehr für das geliebte Mädchen, wenn ihr Verhältniß zu ihm aufkäme.

(Fortſetzung folgt.)

Verſchiedenes.

Zu Ulm an der Donau in der goldenen Bretzel ſaßen neulich zwei Bauern aus der Umgegend und ließen ſich ihr bayeriſches Bier und ſchwäbiſche Knödel gut ſchmecken. Sie waren in die Stadt gekommen um ſich den Verlauf des Marktes zu beſehen und ſchwatzten nun von den Frucht⸗ preiſen, Mäuſefraß und ſteigender Theurung. Sie waren darüber einig, die Preiſe müßten noch höher gehen und der Eine ſagte:er werde mit ſeiner Frucht nicht eher zu Markte kommen und verkaufen, bis der Knödel einen Gul den koſte, wozu denn auch der Andere lachend beiſtimmte. Sie hatten mittlerweile abgegeſſen und fragten nach ihrer Zeche; der Wirth, ein Schalk, hatte ihr Zwiegeſpräch mit angehört und ſagte trocken:Zwei Dutzend Knödel machen 24 Gulden, die Halbe Bier koſt't ein'n Batzen. Die Bauern ſtutzten und meinten endlich: Er mache wohl Spaß,fuͤr einen Knödel ein'n Gulden zu rechnen. Der Wirth aber ſagte ernſthaft:Heut' koſt't der Knödel ein'n Gulden, da könn't

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Ihr nun verkaufen, wann Ihr wollt, und braucht nicht zu warten. a Dabei blieb's die Sache kam zur Klage und das Oberamt gab Beſcheid: Da die Bauern nach ihrem Geſpräche ſelbſt für möglich gehalten, daß der Knödel auf einen Gul den kommen könne, ſo dürften ſie ſich auch nicht darüber beſchweren, wenn er nun ſo viel koſte, und ſie wären ver⸗ bunden, des Wirthes Forderung ſammt allen Koſten zu bezahlen.

Da ſind die Bauern in der nächſten Woche mit Frucht zu Markt gefahren, weil der Knödel einen Gulden ge- koſtet hatte und es an Geld fehlte die Zeche zu bezahlen.

Treffliche Abbitte. Aſſeſſor: Der Kappenma cher Franz Haubenſtock hat, wie ſie wiſſen, Klage gegen Sie geführt, weil ſie ihn einen ſchlechten Menſchen geſch impft haben. Das Gericht hat nun erkannt: Sie haben ihm Abbitte zu leiſten und die Koſten zu tragen. Wollen Sie die Berufung ergreifen, ſo können Sie's, wo nicht, ſo neh men Sie am Beſten den Schimpf gleich wieder zurück. Literat Brodneid: Ich wähle das Letztere, Herr Aſſeſſor. (Zu Haubenſtock gewendet.) Ich habe geſagt, Sie wären ein ſchlechter Menſch: das iſt wahr; ich erkläre Sie hiermit für einen braven Mann: ich habe gelogen.

Kurze Vorbereitung auf Verluſt. Ein Amt⸗ mann machte eine Reiſe. Nach einigen Stunden bog ſich ſein Kutſcher von dem Bocke um den Wagen und fragte: Herr Amtmann, was heißt doch gleich verloren auf fran⸗ zoͤſiſch? Perdu. Nu dann iſt unſer Koffer perdu!

Friedberger Kirchenbuchsauszug vom Monat October. Getraute:

11. Johann Georg Maher, penſionirter Kanzleidiener dahier, ein Wittwer, und Maria Magdalena Brückmann, des verſt. B. und Bäckers zu Kaichen, Kreis Vilbel, Johann Heinrich Brückmann, ehel. Tochter.

Gerti ni e I. Dem Großh. Landgerichtsaſſeſſor Friedrich Carl Wilhelm Lud⸗ wig von Preuſchen, eine T, Charlotte Thekla Amalia Bertha Anna Maria, geb. 25. Aug. f

8. Dem hſ. B., Webermeiſter und Gartenſchützen Adam Schleu⸗ ning eine T., Eliſa, geb. 22. Sept.

8. Dem Großh. Lehrer an hſ. Realſchule, Karl Müller, ein S., Eduard Friedrich Guſtav, geb. 14. Sept.

15. Dem hſ. B. u. Kaufmann Louis Karl Chriſtoph Emil Win⸗ heim ein S., Friedrich Wilhelm, geb. 24. Sept.

22. Dem hſ. B. u. Uhrmacher Alexander Jäckle eine T., Eliſa⸗ beth, geb. 30. Sept. 5

29. Dem Feldwebel im dahier garniſonirenden Gr. Bataillon Hermann Philipp Juſtus Lang ein S., Georg Ludwig Nikolaus, geb.

16. Sept.. Beere a

11. Karl Ludwig, ein unebel. S., alt 4 M. 10 T. 4 10.

14. Jakob Fuchs, des verſt. hſ. B. u. Oekonomen Chriſtian Fuchs ehel. led. S., alt 54 J., 1 12.

14. Maria Hanfiein, des hſ. B. u. Glaſermeiſters Friedrich Hanſtein ehel. T. alt 4 M. 21 T. 1 13. 5

15. Johann Georg Maher, penfionirter Kanzleidiener dahier, alt 80 J. 1 M. 15 T. 1 13.

17. Heinrich, ein unehel. S., alt 2 M. 20 T., 1 15.

29. Friederike Holler, des hſ. B. u. Maurermeiſters Philipp Holler ehel. T., alt 15 J., 10 M., 1 27. l

29. Chriſtina Ewald, des verſt. hſ. B. u. Seilermeiſters Thomas Ewald nachgelaſſene Wittwe, geb. Dornſeiff, alt 71 J., 1 M., 4 27.

30. Anna Barbara Otterbein, geb. Rauſch, Ehefrau des B. zu Udenhauſen u. Arbeiters an der Main-Weſer⸗Bahn Johannes Otter⸗ bein, alt 41 J., 6 M., 1 28.

Für die Brandbeſchädigten zu Felda

ging ferner bei uns ein: Von N. N. fl. 5; Ungenannt 18 kr. Summa der bis jetzt bei uns eingegangenen Gaben fl. 16. 36 kr. Um weitere Gaben wird gebeten.

Die Exped. des Frie db. Int.⸗Bl.

5 Wirt 11008 D rung au brunnen 180⁵ kiſtbleten 8 Mitt

u Ort un, 0 Solche kichneten 2 Zahlſäbigke nachzuweiſe

Windes

G ü L701] 2 Vormittag Rathhauſe zuftehenden 15 Morge kungen A weitere dr verpachtet. Friedb.

70² K Vormittag Solms bei Bauer Brennholz, meiftbietend mit einladet Oſſenhe