liegt eben darin die beruhigende Verſicherung, daß man bei vorkommenden Brandfällen vollſtändig entſchädigt wird. (Schluß folgt.)
Die Liebesprobe. Novellette. (Fortſetzung.)
„Keineswegs, mein junger Freund, ich will der „ſüßen“ Geliebten nicht zu nahe treten; aber ich kenne die Frauen, mein Lieber, und darum ſchwärme ich nicht mehr für ſie. Unſere heutigen Frauen und Mädchen lieben nicht mehr mit der Seele, mit dem Gemüth, mit dem Herzen! das wäre unſchicklich, das gehört nur in die Romane und auf die Schaubühne. So liebt man in der Penſion: den erſten Lieutenant oder Auscultator, der dem fünfzehnjähri⸗ gen Engel nahe kommt. Iſt aber ein Mädchen von Stand und Vermögen zwei Winter lang die gefeierte Ballkönigin geweſen, ſteht ſie dem Traualtare ſo nahe, wie Ihre himm⸗ liſche Julie, ſo liebt das holde Weſen mehr mit dem Ver⸗ ſtande und mißt ſich die Empfindungen mit dem Zollſtabe zu, um nicht zuviel koſtbaren Materials an den Verlobten zu vergeuden, den man ſchon ſicher beſitzt. Man darf ſein Pulver nicht ſo raſch verknallen! vielleicht kommt man ſpäter in den Fall, mit einem— Hausfreunde im ſüßen Spiel der Minne die Empfindungen und Gefühle des Her⸗ zens und die Leidenſchaften aus dem Winterquartiere heraus⸗ zuholen, wohin ſie der gute Ton verbannt...“
„Sie ſind doch unausſtehlich, wenn Sie auf dieß Kapitel kommen, Lorenz!“ rief Marberg.„Im vorliegen⸗ den Fall haben Sie entſchieden Unrecht; aber ich verzeihe Ihnen, weil Sie bis jetzt meine herrliche Julie noch nicht kennen. Ein Hauptgrund dafür, daß ich Sie einlud, Zeuge meiner Verlobung mit dieſem ſüßen Weſen zu ſein, war die Ueberzeugung, daß Juliens Tugenden und Reize ſicher⸗ lich vermoͤgend ſein werden, das geſchmähte und verachtete Geſchlecht der Frauen in Ihren ſkeptiſchen Augen wieder zu Ehren zu bringen, Ihnen zu beweiſen, welch' herrliche Eigenſchaften eine Frau beſitzen....
„Und nicht ausüben kann, weil— der gute Anſtand es verbietet!“ fiel ihm Lorenz bitter in's Wort.„Jenun, der Theorie nach haben Sie recht mit Ihrem Köhlerglauben an die Trefflichkeit des weiblichen Gemüths; nur Schade, daß man in praxi bei den Frauen unſeres Standes ſo wenig davon vermerkt. Indeß werden wir ja ſehen, wie viel Ihre himmliſche Julie über mich verſtockten Sün⸗
der vemag!, ſetzte er halb komiſch, halb zweifelnd hinzu.
„Nun aber kein Wort mehr, denn bei dieſem Sprechen erkältet mir der ſcharfe Wind ordentlich den Magen!“
Ein Viertelſtündchen ſpäter hielten die dampfenden Pferde aus eigenem Antriebe keuchend vor dem erſten Gaſthofe des Städtchens, der recht gaſtlich und behaglich die halb erſtarrten Reiſenden anblickte und aus deſſen Fen⸗ ſtern heller Lichtſchein auf die dämmernde Straße fiel. Marberg ſah ſelber ein, daß er den Pferden einige Raſt gönnen muͤſſe, und trat mit ſeinem Freunde in die warme Gaſtſtube. Lorenz ſtreckte und dehnte ſich behaglich, ſchlug die Arme über einander und warf ſich in den großen Lehn— ſtuhl neben dem Ofen.„So le rief er,„nun mögen alle Julien der ganzen Monarchie kommen und ihre verführe⸗ riſcheſten Reize ſpielen laſſen— mich ſollen ſie heute Abend nicht mehr aus dieſem Hauſe hinausbringen!“
„Wie Sie wollen, Freund,“ verſetzte Marberg.„La⸗ ben Sie ſich meinetwegen mit Sauerkraut und Speck, mit Würſten und Bier, ſchwitzen Sie in einem Federbett zwiſchen feuchten Laken; ich für meinen Theil ſetze die Fahrt fort, ſobald die Pferde ihren Hafer verzehrt haben, und
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Herr Lorenz war's zufrieden, und wärmte ſich ge⸗ mächlich, während er dem drallen hübſchen Schenkmädchen in der Riegelhaube die ernſteſten Weiſungen wegen ſeines Abendbrods und eines Zimmers gab. Jeder andere Rei⸗ ſende als Eugen Marberg würde ſich hier im goldenen Adler behaglich gefühlt haben. Es war freilich kein großes Hotel mit einer Schaar geſchäftiger Kellner und einigen betreßten Portiers! aber es war ein Bauernwirthshaus, das ſich ſehen laſſen konnte, und das in Küche und Keller auf ſeine Ehre hielt. Ein hübſches Gaſtzimmer, mit Hirſch⸗ und Rehgeweihen und Gemsköpfen decorirt, ein Tiſch mit blendend weißem Tuch, eine bequeme Bank um den gewal⸗ tigen Thonofen, erfreuten den Geſichtſinn wie die fühlende Haut, und aus der nahen Küche drang ein ſolch köſtlicher Bratenduft herein, daß Lorenz ſchon jetzt das Waſſer im Munde zuſammenlief. a Die ſchmucke Nanni hatte im Nu für Lorenz ein Ge⸗ deck auf den Tiſch geſetzt und eine Flaſche funkelnden Vel⸗ teliner Wein dazu, auf welche der halb erſtarrte Lorenz ſogleich den Angriff eröffnete. Den erſten Schluck aber hatte er kaum mit bedächtiger Prüfung über die Zunge gleiten laſſen, ſo nickte er Nanni ſchmunzelnd zu und meinte:„Dieſer Wein taugt mir, mein ſchönes Kind; iſt die Küche ebenſo gut beſtellt, ſo werde ich ſagen: hier iſt gut Hütten bauen!“
„Nun, wir wollen ſehen, daß wir Sie zufrieden ſtellen,“ meinte Nanni und wandte ſich an Marberg mit der Frage:„Haben der Herr ſchon befohlen?
„Mit nichten, mein Kind; ich bleibe nicht lange! Geben Sie mir etwas Wein und einen Imbiß. Wenn meine Pferde abgefüttert ſind, fahre ich weiter!
„Heute Nacht noch? bei dieſem Schneegeſtöber?/ fragte Nanni erſtaunt; mein Gott, müſſen Sie denn reiſen?/
„Allerdings, mein huͤbſches Kind, ich muß noch heute nach Märtenſee hinüber!“
„Nach Märtenſee 2, rief Nanni;„ich fürchte, das werden Sie heute nicht mehr erreichen!
„Und warum nicht?“ fragte Marberg,»wer ſollte mich daran hindern?
„Der Schnee, verſetzte das Mädchen;„hat es ja doch den ganzen Tag geſchneit, als ob man es aus Mehl⸗ ſäcken herunterſchüttelte! Drüben in der Niederung nach dem See hinunter muß der Schnee faſt mannshoch liegen. Wie wollen Sie ſich da in ſtockfinſterer Nacht zurechtfinden? Bleiben Sie um Gotteswillen hier, oder fahren Sie wenig⸗ ſtens nicht eher, als bis Sie meinen Vater gefragt haben, der draußen auf der Schmelzhütte iſt, aber bald herein⸗ kommen wird!“ damit eilte ſie hinaus.
„Ja, bleiben Sie hier, Herr!“ ſagte ein Mann in der Tracht eines wohlhabenden Gebirgsbauers, der draußen in der ſogen. Bauernſtube am Ofen geſeſſen und ſein Pfeif⸗ chen geraucht hatte;„bleiben Sie hier über Nacht, Herr! Die Nanni hat nur allzu recht: in dieſer Nacht können Sie mit den abgetriebenen Pferden nicht nach Märtenſee hinüber. Der ſtarke Oſtwind hat den Schnee von den Jochen heruntergefegt in's Thal und am Jaufenpaß drüben liegen die Schneewehen haushoch. Die ganze Straße iſt zugeweht. Man müßte ein Narr oder ſeines Lebens über— druͤſſig ſein, wenn man in ſolch ſtockdunkler Nacht noch durch den Jaufenpaß fahren wollte. Bleib ich ja ſelber doch mit meinen Roſſen hier, der ich hier in den Bergen aufgewachſen bin!“
„Schönen Dank für den freundlichen Rath! ſagte Marberg zu dem Bauer;„nun denn, Nanni, ſo muß ich halt in's Henkers Namen hier übernachten. Rüſten Sie
ſende Ihnen morgen früh den Schlitten wieder herein!“
alſo zwei Betten und ein tüchtiges Abendbrod!“
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