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Indem der Unterzeichnete Vorſtehendes zur öffentlichen Kenntniß bringt, ladet er die Vereinsmitglieder, ſowie alle
Freunde der Landwirthſchaft zu recht vielſeitiger Theilnahme an den Preisvertheilungen ein.
Sehr dankenswerth wäre
es, wenn unabhängig von der Preisvertheilung ſchönes, ſelbſtgezogenes Vieh und andere intereſſante Gegenſtände der
landwirthſchaftlichen Induſtrie zur Anſicht aufgeſtellt würden.
Laubach den 17. Juli 1854.
Der Präſident des landw. Vereins von Oberheſſen Otto, Graf zu Solms-Laubach.
Das Vermächtniß. Erzählung von G. Freitag. (Foriſetzung.)
Der Alte zuckte höhniſch die Achſeln.„Bah, was kümmern mich die wackeren Leute und der Gotteslohn!“ ſtammelte er.„Ich habe nun einmal meine Freude da⸗ ran, dem dicken Bierbrauer und ſeinem Weibe, das vor lauter Neid geſchwollen iſt, die Hoffnungen auf mein Erbe zu Waſſer zu machen. Der dicke Burſche ſitzt ja ohnedem ſchon in der Wolle und erſtickt bald im eigenen Fette vor lauter guten Biſſen. Ich will ihn nicht noch dicker machen!“ Dieſer Einfall beluſtigte den Alten höch⸗ lich und er wollte laut auflachen; allein ſein krampfhaftes Lachen ging in einen plötzlichen Stickanfall über, der den Greis in ſeine Kiſſen zurückwarf. Der Doctor beeilte ſich,
umwunden Bevor ich ſterbe,.... noch.... ein Geheimniß anvertrauen....“
„Dann theilen Sie mir daſſelbe nur ſchnell mit!“ gab Marcus ernſt zur Antwort.
„O großer Gott! ſo iſt alſo keine Hoffnung mehr vorhanden?!“ jammerte Hartmann verzweifelnd.„Iſt es wahr, hab' ich gar keine Ausſicht mehr, daß ich wieder geneſe?.... Muß ich jetzt Alles verlaſſen, was ich mit ſo viel Mühe zuſammengeſpart habe?... muß Alles, Alles Andern überlaſſen?....“
Der Geizhals rang voll Grimm und Verzweiflung die Hände, und Marcus verſuchte ihn zu beruhigen und erinnerte ihn an Emilien, die gerade ausgegangen war, aber jeden Augenblick nach Hauſe zurückkehren mußte; er fragte ihn, ob er ſeine Pathe nicht noch ſprechen wolle?
„Ja, ich will ſie ſehen!“ röchelte Hartmann, der ſich, wie alle Sterbenden, noch an die ihn Ueberlebenden anklammern wollte, als könnte er ſich durch ſie am Leben „Das arme Kind!.... Der dicke Vetter Bier⸗
beugte ſich geſpannt über den Sterbenden. „Ach.... ich gebe noch nicht alle Hoffnung auf,“
„Nicht wahr.... lie... ber... Doctor
noch einige Augenblicke ſich bewegen, als wollten ſie noch Worte bilden, die man nicht mehr hören konnte; ein krampfhaftes Zucken lief über das ganze Geſicht hin,— dann ward Alles ruhig, unbeweglich. Der Vetter Hart⸗ mann war todt.
Kurz darauf kam Emilie nach Hauſe. Ihr Schmerz war ſtumm, als ſie den Tod ihres Pathen und Wohl⸗ thäters erfuhr. War er ja doch der einzige Menſch ge⸗ weſen, der ſich ihrer angenommen hatte, und da ſie die menſchliche Naͤchſtenliebe und Barmherzigkeit nur durch dieſen harten Wohlthäter kannte, ſo hing ihr ganzes Herz, in Ermangelung eines beſſern Gegenſtandes, mit voller Dankbarkeit an ihm.
Am Abend kamen Vetter Strumpf und ſeine Frau noch einmal und fanden Emilien auf den Knieen neben dem Todten, das Geſicht über eine ſeiner kalten Hände gebeugt, welche ſie mit ihren heißen aufrichtigen Thränen benetzte. Sie hatten in der Stadt ſchon den Tod des alten Geizhalſes vernommen, und waren nun herzugeeilt, weniger in der Abſicht, dem Verſtorbenen noch die letzte Ehre zu erweiſen, als vielmehr, um ſich ſogleich ihre Anſprüche an ſeine Hinterlaſſenſchaft zu ſichern. Beide machten ſich unverweilt daran, vom ganzen Hauſe und ſeinem Inhalt Beſitz zu nehmen, und bemächtigten ſich dazu der Schlüſſel, die ſie unter dem Kopfkiſſen des Ver⸗ ſtorbenen gefunden hatten. Hierauf ließ Vetter Strumpf ſeine Frau als Wache bei der Erbſchaft, und eilte in die Stadt, um die zur Beerdigung und ſonſt nöthigen An⸗ ſtalten zu treffen. Emilie erwartete vergebens von der Brauersfrau ein Wort der Theilnahme oder der Ermuthi⸗ gung; man ließ ſie verlaſſen und troſtlos bei dem Todten, bis man dieſen in die Bahre gelegt hatte.
Die arme Waiſe hatte noch den Muth, dem Leichen— zug auf den Friedhof zu folgen; als ſie aber von dort zurückkehrte, war ihre Kraft gebrochen und ihr Muth zu Ende. Sie wußte nun, daß ſie heimathslos war und nicht hatte, wohin ſie ihr Haupt legte. Als ſie die Schwelle des Hauſes erreichte, das ihr ſeit Jahren Ob- dach und Zuflucht geweſen war, zögerte ſie, dieſelbe zu überſchreiten. Meiſter Strumpf war vom Friedhofe ſtracks in der Kutſche nach Hauſe gefahren, und jetzt mit ſeinem Weibe beſchäftigt, das Inventar über Alles aufzunehmen, was ihnen als Erbe zugefallen war; ſie hatten alle Schränke aufgeriſſen, alle Möbeln von der Stelle gerückt, das ganze Haus umgewühlt. Emilien blutete das Herz im Leibe, und ſie ſetzte ſich mit gefalteten Händen auf die Steinbank neben der Hausthüre, und bat den lieben Gott, ſich ihrer anzunehmen. So ſaß ſie lange mit geſenktem Haupte und weinte ſtille vor ſich hin. Endlich nannte eine ſanfte Stimme neben ihr ſie bei Namen, und auf⸗
blickend ſah ſie Herrn Marcus vor ſich. Dieſer hatte ſie
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