Ausgabe 
5.12.1854
 
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Friedberger Intelligenzblatt.

Erſcheint wö⸗ 2 2 7* inrückungsge⸗ ge. Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen.

oder de ren Raum

2 kr.; die beiden

erſten Zeilen zu⸗ ſammen 7 kr.

1854.

fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt eien fl. 1. 30 kr.

Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. Ni 95.

Dienſtag, den 5. Dezember.

Amtlicher Theil.

Von den erſchienenen Regierungsblättern für 1884 ſind zu publieiren:

Nr. 35 sub. 1 und 2. Rr. 36 ganz. Nr. 37 sub. 1, 3 u. 4. Nr. 38 sub. 1 u. 2. Nr. 39 sub. 3. Nr. 40 sub. 1, 2, 3, 4 u. 5. Friedberg am 30. November 1854. ene ug Kreis amt Friedberg üller.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg

an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien des Kreiſes. Betreffend: Die Einſendung der Jahresberichte. Sie haben bis längſtens den 30. d. M. bei Meidung der Abholung anher einzuſenden: 1) ein Verzeichniß der in dieſem Jahre mit förmlichen Entlaſſungsurkunden außerhalb des Großherzogthums Ausgewanderten; 2) ein Verzeichniß der in Ihre Gemeinden eingewanderten Perſonen, das heißt ſolche, die aus Orten eingezogen, welche nicht zum Großherzogthum Heſſen gehören; 3) ein Verzeichniß der ertheilten Gewerbsconceſſionen, unter Angabe des Tags der ertheilten Erlaubniß; 4) Nachweis über die Publication der zur Veröffentlichung beſtimmten Regierungsblätter. Zu den Verzeichniſſen iſt das vorgeſchriebene Formularpapier) zu verwenden. Friedberg am 4. Dezember 1854.

) Dieſes Formular iſt in C. Bindernagel's Buchhandlung in Friedberg zu haben.

Der Director des landw. Bezirksvereins Friedberg

an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien. Betreffend: Die Anſchaffung von Sämereien.

Der Ausſchuß des landw. Provinzialvereins von Oberheſſen hat in ſeiner letzten Sitzung den Wunſch ausgeſprochen, daß die landw. Bezirksvereine für Beſchaffung von Sämereien aus zuverläſſigen Bezugsquellen beſorgt ſein möchten, dabei aber bemerkt, daß ſeither vielfach darin gefehlt worden ſei, daß die Beſtellungen ſo ſpät gemacht worden wären, daß nur ſelten noch guter Saamen zu erhalten geweſen ſei.

Ich erſuche Sie deßhalb, zu veröffentlichen, daß der Vorſtand des landw. Bezirksverein Friedberg bereit ſei Säme reien, namentlich von Oberndorfer Runkelrüben, Rieſenmöhren ꝛc. zu vermitteln. Ich muß aber wünſchen, daß Sie bald möglichſt, jedenfalls aber vor Ende dieſes Jahres, dem Rechner des Bezirksvereins Herrn Ferd. Frick dahier daruber Mittheilung zukommen laſſen, ob und wieviel von den verſchiedenen Sämereien(in Pfunden und Lothen ausgedrückt) für

Müller.

Ihre reſp. Gemeinden beſtellt worden iſt. Friedberg am 30. November 1854.

WIe

Die Mitgift. Eine bürgerliche Geſchichte.

Herr Franz Altenhof, der Sohn des reichen Guts herrn auf Lindau, hatte ſich mit ſeiner ganzen Familie überworfen, weil er an dem Tage, wo er muͤndig gewor den war, ſich mit der Tochter eines armen Dorfſchul meiſters verlobt, und dieſelbe, trotz aller Einredungen ſeiner reichen Verwandten, hernach wirklich auch geheirathet hatte. Paulinens tadelloſer Charakter und mildes hingebendes Gemüth vermochte jedoch nicht den Mangel jener anderen weſentlichen Eigenſchaften zu erſetzen, welche er bei der Wahl ſeiner Gattin hätte in's Auge faſſen ſollen. Allein der junge Altenhof zeichnete ſich mehr durch ein treffliches Herz als durch beſonders ſcharfen Verſtand oder außeror dentliche Charakterſtärke aus. Sein Vater und deſſen Brüder hatten ſich zur Zeit der napoleoniſchen Kriege durch Lieferungen bereichert, dann nach Beendigung des Krieges ihr raſch erworbenes Vermögen in Grundbeſitz angelegt,

welcher damals ganz werthlos war, und galten nun mit Recht für eine der reichſten Familien des Landes. Leider aber hatten ſie, wie manche Emporkömmlinge, nicht die jenige Bildung, welche ihrer neuen Stellung im Leben entſprach, und ſomit auch nicht jene Anſpruchsloſigkeit, die den Wohlhabenden ſo ſehr ziert, und der Dünkel der Väter ſprach ſich in noch hoͤherem Grade aus bei ihren, meiſt im Ueberfluſſe aufgewachſenen und von Miethlingen erzogenen Kindern, die gewiſſermaßen ſchon mit der Muttermilch das Bewußtſein ihres Reichthums und künftigen Einfluſſes in dem kleinern deutſchen Staate, der ihre Heimath war, ein geſogen hatten. Gerade in dieſem Stücke hatte der junge Franz Altenhof allein eine rühmliche Ausnahme gemacht; ſeine Erziehung war einem geiſtvollen Pfarrer auf dem Lande anvertraut worden, der zugleich Dichter und ein Mann von ebenſoviel Kenntniſſen als Gemüth war; dieſer hatte in dem Knaben eine verwandte Dispoſition erkannt, den Keim jener weichen Gemüthsart geweckt und noch