Friedberger Intelligenzblatt.
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Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
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ſammen 7 kr.
Nu 51.
Dienſtag, den
1851.
1. Juli.
Amtlicher Theil.
Von den erſchienenen Regierungsblättern für 1831 ſind zu publieiren:
Nr. 19 sub 1, 21 sub 1, 2, 22 sub 1, e Friedberg am 30. Juni 1854.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg Müller.
Einladung.
Zum Behufe der Berathung mehrerer die Landwirthſchaft betreffenden Gegenſtände, namentlich auch über die Ver— wendung der dem landwirthſchaftlichen Bezirksverein Friedberg für 1854 zur Dispoſition ſtehenden Mittel, werden die
Mitglieder des Vereins auf
Freitag den 14. Julil.
auf hieſiges Rathhaus eingeladen.
J., Nachmittags 2 Ahr,
Hierbei ſpreche ich den Wunſch aus, daß die Verſammlung, ſowohl von den Mitgliedern des Vereins, als auch von allen Freunden der Landwirthſchaft, recht zahlreich beſucht werden mochte.
Friedberg am 3. Juli 1854.
Der 1
Direktor des landwirthſchaftlichen Bezirksvereins des Kreiſes Friedberg Müller, Regierungsrath.
Das Gummi Elaſticum oder Kautſchuk und ſeine gewerbliche Anwendung.
Die Eigenſchaften des Kautſchuk oder des Gummi Elasticum, wie es gewöhnlich heißt, waren den Einge⸗ bornen Sud ⸗Amerikas zum Theil ſchon lange bekannt, ehe man in Europa einen andern Gebrauch dafür aufgefunden hatte, als den, die Spuren der Bleifeder auf dem Papier damit zu verwiſchen. Die Indianer ſammelten das Gummi, wie es aus den Bäumen floß, ließen es hart werden und machten Bälle daraus, die ſie bis zu einer großen Höhe warfen, oder beſchuhten ihre ſonſt nackten Füße mit Stücken deſſelben, wodurch ſie in den Stand geſetzt wur— den, ihre grotesken Tänze und Luftſprünge auszuführen. Die ſcharfſichtigen franzöſiſchen Akademiker, welche vor hundertundzwanzig Jahren Amerika beſuchten, lernten dieſe und andere Manipulationen des Gummi durch die Indianer kennen und überzeugten ſich, daß es nicht allein eine ſtarke Elaſtizität, ſondern auch die Kraft beſitze, dem Eindringen von Flüſſigkeiten zu widerſtehen.
Den neueren Zeiten war es vorbehalten, die werth⸗ vollen Eigenſchaften des Kautſchuk zu wirklich nützlichen Zwecken zu verwenden. Wir laſſen es uns kaum träu— men, wenn wir von den mannigfachen Artikeln, die aus dieſer Subſtanz verfertigt werden, Gebrauch machen, wel⸗
chen Prozeduren man ſie unterwerfen muß, wie ſie zer-
riſſen, verrenkt und zerdrückt wird, ehe ſie die erforderliche Dichtheit und Glätte annimmt. Die Indianer, welche das Gummi ſammeln und es nach ihren Ideen von Schon⸗ heit zu ſeltſamen Formen geſtalten, geben ſich nicht viel Muͤhe, den Sand oder die Holzſtückchen und Fragmente von Steinen daraus zu entfernen; alle dieſe muͤſſen fort— geſchafft werden, ehe das Gummi ſeine Rolle in der Welt ſpielen kann. Hierzu ſind mehrere Marterwerkzeuge von—
nöthen. Es wird durch eine grauſame Schneide-Maſchine
in winzig kleine Stückchen geſchnitten; es wird in warmem Waſſer gewaſchen, um noch ſo viel Schmutz loszuwerden, als ſich durch dieſes ſanfte Ueberredungsmittel zum Fort— gehen entſchließen will, und dann wird es im trockenen Zuſtande mit ſchauderhafter Härte gedrückt und geknetet. Hierauf wird es über einander gerollt, verdreht, ver— krüppelt, durchſtochen, zerſchält, verdunnt, geſtoßen, in eine Maſſe aufgehäuft, in Klumpen geſchnitten und aber— mals gepreßt— bis endlich jede Spur von Sand oder Stein, Waſſer oder Luft daraus vertrieben und der Stoff durchgehends homogen geworden iſt. In dieſem Zuſtande wird es mit großer Kraft in eiſerne Formen gezwängt, welche ihm die Geſtalt von Würfeln, Platten oder Cy— lindern geben, den verſchiedenen Zwecken gemäß, zu denen es gebraucht wird; dieſe Blöcke aber werden in der Folge in dünne Scheiben geſchnitten, oder zu Fäden geſponnen, oder auch geſchmolzen, wenn man ſie flüſſig haben will. Zu allen dieſen Arbeiten iſt beſondere Geſchicklichkeit er— forderlich, denn das Gummi hat eine hoͤchſt eigenſinnige Natur: es wird heiß und zornig, wenn man ihm zu nahe kömmt, und alle Werkzeuge und Maſchinen, die zur Be— arbeitung deſſelben angewandt werden, nehmen bald einen ſolchen Grad von Hitze an, daß ſie nicht zu brauchen ſind, wenn man ſie nicht reichlich mit kaltem Waſſer überfluthet.
In den letzten Jahren hat ſich die amerikaniſche Ju— duſtrie ganz beſonders durch die unermüdliche Beharrlichkeit ausgezeichnet, mit welcher die Verwendung des Gummi Elasticum ſtudirt wurde. Ein gewiſſer Herr Goodyear, in Connecticut, der beinahe ein Viertel-Jahrhundert dem Betrieb und der Verbeſſerung der Kautſchuk-Fabrikation widmete, hat die von Sam Slick gerühmten Ueberſchuhe zu größerer Vollkommenheit gebracht, als irgend einer von den Enthuſiaſten, die ſich mit dieſem elaſtiſchen Gegen— ſtande beſchäftigt haben. Amerikaniſche Ueberſchuhe ſind unter zwei Geſichtspunkten zu betrachten: als elaſtiſche


