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85 kritischen Stellungnahme. In
Line lolche Wiek san unf chleßt sich vollinhaltlich der Resolution J.
Gießen, Samstag, den 30. Juni 1923.
Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 147
Sießen und Umgebung.
Stürkt die„surchtbare Macht“!
daß die Presse eine Macht ist, das haben auch die Deutschvölkischen erkannt, die Hetzer gegen i die Rkissbächler und Förderer der dunkelsten reaktionären Ge⸗ Sheimorganisationen. Ihre Werbeabteilung B ist rührig am Werke, der famosen Deutschen Zeitung, einem der aller⸗ schlimmsten reaktionären Hetzblatter. weit und breit Em⸗ gang zu verschaffen. An die Ortsgruppen der Deutsch⸗ 0 onalen Volkspartei und an andere„nationale“ Ver⸗ nde aller Art hat das genannte Werbebureau soeben ein ndschreiben gerichtet, das wir hier im Wortlaut folgen lassen. denn es illustriert alles das treffend, was wir hier über die Macht und den Einfluß der Presse sagten. Ins⸗ besondere aber ersehen unsere Leser daraus, welche gewaltige Bedeutung die Reaktionäre gerade der sozialdemokratischen Presse beimessen. Das Rundschreiben lautet: 1 1 Sehr geehrter Herr Vorsitzender!. „Wir gestatten uns, in einer gerade jetzt sehr wichtigen Sache an Sie heranzutreten. die die nationale Presse, ins⸗ 1 unser führendes Blatt, die Deutsche Zeitung
5 Es ist leider nur zu wahr, daß unsere nationale Presse in ihren Gesinnungskreisen und Organisationen nicht die Unterstützung und Förderung findet, wie die fozialistischen und liberalen Zeitungen bei ihren An⸗ hängern. Wir erinnern daran, wie schon während des Krieges, dann in der Revolution und bis heute noch die sozialistischen Organisationen es als eine ihrer Haupt⸗ aufgaben betrachten ihre Mittel und ihre Mitglieder ganz in den Dienst der Verbreitung und Förderung ihrer Zeitungen zu stellen. Tatkräftig und bis in die kleinsten Kreise ihrer Gewerkschaften und Organisationen hinein hat sich auch das letzte Mitglied der sozialistischen Ver⸗ bande für die Machtverbreitung und den täglichen Ein⸗ fluß seiner Presse eingesetzt. Noch heute(wo diese Pest schon so gewaltig überhand genommen hat) erleben wir es hier in Berlin z. B., daß beim Ausfall von Boten⸗ frauen oder sonstwelchen Störungen in der Zustellung ohne weiteres Gewerkschafts⸗ und Parteimitglieder be⸗ dingungslos einspringen, um nur den hemmungslosen Fortgang dieser politischen Maschine zu sichern.
Wir geben zu, daß unsere nationalen Freunde die Werbemöglichkeiten bei Bekannten. in Betrieben und Werkstätten nicht so bedenkenlos wie dort ausnutzen können, und der Welle oftmals an der Rücksicht auf ihre Existenz scheitern muß. Aber wir haben jetzt einen Werbe⸗ plan, der es. selbst jedem einzelnen ermöglicht, tatkräftig und individuell mitzuwirken, ohne daß seine Person dabei bekannt wird, oder dem zu Werbenden gegenüber in Erscheinung tritt. Wir bitten Sie, sehr geehrter Herr Vorfitzender, sich dieses Werbeplanes, den wir hier bei⸗ fügen, anzunehmen, ihn Ihren Mitgliedern zu erläutern
und sie unter Hinweis auf die furchtbare Macht der maixistisch⸗jüdischen Presse zur Tat anspornen und sich auch wiederholt nach dem Ergebnis zu erkundigen. Die Werbeprämie, die wir für jeden neugewonnenen Freund unserer Zeitung aussetzen, beträgt jetzt 800 Mark und im nächsten Monat schon 1400 Mark. Sie soll Anreiz sein, die Bemühungen entschädigen und vielleicht manchem einen willkommenen Nebenverdienst für seine Mitwir⸗ kung an einer so bedeutsamen nationalen Sache ver⸗ schaffen e 5 1 a Daß die Deutschpölkischen don den sozialdemokratischen . als von der„marristisch⸗jüdischen“ Presse
fprechen, darüber sehen wir hinweg. Solche Lächerlichkeiten⸗
gehören nun einmal zur deutschoölkischen Agitationsmethode Daß die Herrschaften aber von unserer Presse als von einer „furchtbaren Macht“ reden, das ist es, was sich jeder Sozial⸗
ddemokrat hinter die Ohren schreiben und sich fragen sollte,
ob er persönlich denn auch allerwegen bemüht ist, diese
furchtbare Macht“ immerdar zu mehren und zu stärken. Keine Abbestellung der sozialdemokratischen Zeitung,
— denn das hieße Schwächung der politischen Macht des
kämpfenden sozialistischen Proletariats— Treue zum denn das
Arbeiterblatte, weitere Verbreitung desselben, 1 heißt Stärkung der von der Reaktion so ungemein ge⸗ fürchteten Macht des sozialdemokratischen Proletarigts!
Der Kampf um die Sommerferien.
Artikel unter dieser Ueberschrift(Nr. 000) schrie⸗ 1 967 Verlauf einer Elternversammlung im Gym ⸗ nasium am vorigen Montag noch nicht bekannt. Die ganze Art, wie in dieser hauptsächlich 111 e 1 a 1 5 samm ie F elt wurde, veran! 3 b ne 7 Sache halten 9 7 natürlich den in N ikel rtretenen Standpunkt fest. Wir billigen es also, 1 5 55 9 der Eltern das Bildungsamt ersucht wird, aus den bekannten Gründen von einer Kürzung der Sommerferien ab⸗ usehen. Die besondere Eingabe jedoch, die in der Versammlung zustande kam, aber nicht in ihr formuliert und nicht im Wortlaut durch Abstimmung gutgeheißen wurde, hat offenbar durch die 15 ine Form angenommen, die ihr den
ktion e 5 5 Harafter e verleiht. Wir teilen sie hier mit, wie sie
0 i de. 550 Gießener Anzeiger veröffentlicht wur 5 f ine i estsaal des Gymnasiums zu Gießen n beute Elternversammlung hat mit
Seserants bavon gantute genere 102 bislang nicht beat
ö schaft Gießens 9 55 2 t — 5 e deshalb die Befürchtung besteht, daß die Ver⸗ 0 der Sommerferien auf drei Wochen zur ee soll. Die Elternversammlung weist das Landesamt für das Bildun uf die Schwere der Verantwortung hin, die durch
jen das Landesamt auf sich laden
und bem ärztlichen Gutachten der Elternversammlung in der Höheren Mädchenschule am 18. Juni 1923 an. Im besonderen würde sie es als rechtswidrig betrachten, wenn eine Ferienverlängerung des vorigen Schuljahres an den Ferien des laufenden Jahres in Abzug
t werden sollte. Bei dem so ungünstigen Gesundheits⸗ und Ernährungszustand der hiesigen Schüler steht zu befürchten, daß zahlreiche begründete Zeugnisse um Befreiung vom Schulunterricht einlaufen würden, sodaß eine geregelte Fortführung des Unterrichts nicht möglich wäre.
Einem baldigen Entscheid im Sinne dieser Eingabe sieht die Elternversammlung entgegen, da sie im Falle der Ablehnung im Interesse der Gesundheit der Kinder weitere Schritte höheren Orts tun will.“
Wäre namentlich der Schlußsatz, dessen Inhalt nur von einem Diskusstonsredner vorgetragen wurde, zur Abstimmung ge⸗ kommen, so hätten zweifellos manche Teilnehmer der Versammlung ihn abgelehnt.
Ueber den Charakter der Drohung wird sich übrigens niemand wundern, der erfährt, mit welcher Schärfe der Hauptredner, Univ. ⸗ Prof. Dr. Herzog seine Abneigung gegen das Bildungsamt über⸗
auszudrücken beliebte. Demagogischer konnte man die Sache nicht behandeln. Der Redner begann mit dem Satze:„Wenn das Bildungsamt nur 5 Minuten Nachdenken auf die Sache verwandt hätte, so würde es anders entschieden haben.“ Also Vorwurf der Unfähigkeit, Leichtfertigkeit und Pflichtvergessenheit! Und der Red⸗ ner schloß mit dem Satz:„Man muß die Sache energisch dem Bil⸗ dungsamt vortragen; denn das Bildungsamt weicht immer zurück, wenn man ihm energisch kommt.“ Also Vorwurf der Feigheit! Von den Exaltationen einer ihre Entrfstung über das verbrecherische Bil⸗ dungsamt nur so heraussprudelnden Universitätsdame wollen wir lieber schweigen. Sehr bezeichnend war auch die Haltung des größten Teiles der Versammlung, der alle Angriffe auf das Bildungsamt mit gerade nicht„vornehm“ anmutendem Beifall unterstrich und auch sonst dem Ernst der Sache angemessene Würde vermissen ließ. Die Herrschaften fühlten sich offenbar ganz unter sich.
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Unser Abonnementspreis.
Sprunghaft klettern seit einigen Wochen die Preise in allen Branchen in die Höhe. Daß die Preise der Materialien für das Buchdruckgewerbe davon nicht verschont bleiben, dürfte wohl jedem Leser als selbstverständlich erscheinen. Und hier ist es immer wieder das Papier, das bei Fest⸗ setzung des Abonnementspreises den Ausschlag gibt.
So zwingen die Verhältnisse uns leider, den Abonne⸗ mentspreis unseres Blattes stark zu erhöhen. Wir sind genötigt, f 5
für den Monat Juli 18000 Mark und
1000 Mark für Trägerlohn 5 zu erheben. Wir hoffen, hiermit ohne eine Nacherhöhung auskommen zu können. g
Wir sind überzeugt, bei unserer Leserschaft auf volles! Verständnis für die Preisfestsetzung zu stoßen, die sich auf der niedrigsten Stufe bewegt. Wir fordern nur, was unbedingt notwendig ist. Umso mehr dürfen wir Ver⸗ ständnis für die Schwierigkeiten unseres Betriebes und
. Treue zum Parteiblatt erwarten. Die Zeiten sind bitter ernst. Deutschlands Schicksal steht vor der Entscheidung. Kein sozialdemokratischer Wähler darf da ohne Parteiblatt sein! Wer die Geschicke des Volkes, die seine eigenen Geschicke sind, mitbestimmen und beeinflussen will, muß jetzt informiert sein. Informiert vom Standpunkt der Partei der Minderbemittelten, d. h. der deutschen Sozialdemokratie. Nur die Volkszeitung gewährleistet diese Information! Also Treue dem Arbeiterblatt in schwerster Zeit!
Verlag der Oberhessischen Volkszeitung.
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Der die sachlichen Auskünfte erteilende Direktor glitt merk⸗ würdigerweise über einen sehr wichtigen Punkt hinweg, der die Ent⸗ scheidung über den vorzeitigen Schluß des Unterrichts an den höhe⸗ ren Schulen zu Ostern einzig bestimmt hat, nämlich daß nach einer bestehenden Verordnung die Schulen derselben Stadt gemeinsam zu schließen haben. Auch wäre es interessant gewesen, zu erfahren, in welcher Form die letzte Eingabe der Direktoren der höheren Schulen an das Bildungsamt gehalten war, die den Zweck hatte, eine Fortführung des Unterrichts um einige Tage zu erreichen. Wir glauben zu wissen, daß gerade diese Eingabe, die nicht in der Form eines Ersuchens, sondern einer bloßen Mitteilung gekleidet war, den telephonischen„Befehl“ veranlaßt hatte. Erstaunlich war übrigens, daß der auch die Versammlung leitende Direktor es nicht für nötig hielt, auch nur die schärfsten Angriffe gegen seine vorge⸗ setzte Behörde zurückzuweisen.
Wir hegen die Befürchtung, daß es durch diese drohende Eingabe dem Bildungsamt nur erschwert wird, den berechtigten Gießener Ferienwünschen zu entsprechen.
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48 5% Fleischausfall.
0 Nach der Statistik der beschaupflichtigen Schlachtungen, die jetzt für die ersten drei Monate dieses Jahres vorliegt, ist die Zahl der Viehschlachtungen in Deutschland gegenüber dem letzten Vierteljahr 1922 abermals sehr erheblich zurückgegangen. Es wurden ge⸗
schlachtet: 9 1. Vierteljahr 1923 4. Vierteljahr 1922 Rindvieh leinschließlich Kälber) 1334573 1473 000 Schweine 1725 441 1 763 400 Schafe 241 816 539 800 Ziegen 42 808 65 000 Pferde 52 579 98 500 Hunde 4141 4500
„Die Schlachtungen der Kälber für sich sind um rund 113 000 höher als im Vierteljahr vorher, trotzdem sind die Rindviehschlach⸗ tungen, weil die der Bullen, Ochsen, Kühe und Jungrinder um über 30 Prozent zurückgegangen sind,
insgesamt niedriger. Auch die l
Pferde⸗ und Hundeschlachtungen sind gesunken, sind aber trotzdem noch beträchtlich zahlreicher als vor dem Kriege.
Unter Zugrundelegung des vom Reichsgesundheitsamt festge⸗ stellten Durchschnittsschlachtgewichts ergeben die Schlachtungen der ersten, dret Monate dieses Jahres eine Fleischmenge von rund 3,05 Millionen Doppelzentner, während die Schlachtungen im gleichen Zeitraum des Jahres 1913 eine Fleischmenge von 5,90 Millionen Doppelzentner lieferten. Es besteht also gegenüber der Vorkriegs⸗ zeit ein Fleischausfall von 2,85 Millionen Doppelzenter oder 48 Prozent, also eine Minderung um fast die Hälfte. Da wir in Deutschland heute eine Einwohnerzahl von rund 65 Millionen haben, entfallen auf den Kopf der deutschen Bevölkerung im ersten Viertel⸗ jahr 4,54 Kilogramm oder pro Tag ganze 50 Gramm, inländisches Fleisch. Die Einfuhr von ausländischem Fleisch fällt demgegen⸗ über nicht sehr ins Gewicht. Es sind in diesem Zeitraum nur 114 780 Doppelzentner Fleisch, Speck und Wurst aus dem Auslande gekommen oder pro Kopf und Tag der Bevölkerung 2 Gramm. Es steht also fest, daß in Deutschland im ersten Vierteljahr jeder Ein⸗ wohner durchschnittlich nur 52 Gramm Fleisch täglich zur Verfügung hatte— und wie viele Hunderttausende von ihnen haben überhaupt bein Fleisch gehabt. 5
5. Bundestag des Deutschen Arbeiter⸗Süngerbündes. i
Nach einer Pause von drei Jahren tagt am 17. und 18. Jun
das Parlament der deutschen Arbeitersänger in den„Stadthaus
sälen“ in Erfurt. Wie jede Arbeiterorganisation, ist auch der Ar⸗ beitersängerbund dem Druck der wirtschaftlichen Verhältnisse im be⸗ sonderen Maße ausgesetzt. Der Bundes⸗Generalversammlung, die der inneren und äußeren Weiterentwicklung der Arbeitersänger⸗ bewegung Richtung und Ziel zu geben hat, lag diesmal also die Lö⸗ sung besonders schwierigen Fragen, hauptsächlich finanzieller Beziehung, ob. Der Verbandsvorsitzende Jul. Meyer(Berlin) eröffnete die Verhandlungen mit begrüßenden Worten an die Er⸗ schtenenen, besonders an die Vertreter der ausländischen Bruderor⸗ ganisationen Oesterreichs, der Schweiz, und der Tschechoslowakei, di die Grüße ihrer Organisationen überbrachten. 5
Der Bericht der Mandatsprüfungskommisfion stellt die Anwesenheit von 42 Delegterte aus 29 Gauen des Bundes fest; nicht vertreten find die Gaue Danzig, Oberschlesten, Mecklen⸗ burg und Pfalz. Der Delegierte des letzten Gaues ist nach einge⸗ gangener Mitteilung von der französischen Besatzungsbehörde an der Reise in das unbesetzte Deutschland verhindert wo Die Liederprüfungskommission vertritt Werner(Frankfurt a. M.), die Kontrollkommission Schmidt(Leipzig). Vom Bundesvor⸗ stand sind Meyer, Kroh, Kaiser und Fehsel anwesend.
Bundesvorsitzender Meyer(Berlin) erstattete den Rechen ⸗ schafftsbericht für die Zett vom 1. April 1920 bis 31. Ma 1923. Die äußere Aufwärtsentwicklung des Bundes zeigt sich in der Zunahme dex Mitgliederzahl. Der Bund umfaßte im April 1923 zusammen 263 669 Mitglieder(darunter 34 700 Frauen) i 3732 Männerchören, 743 gemischten und 691 Frauenchören. Mehr an Männerchören gegen 1920 beträgt 1556, an Chören 241, an Frauenchören 390 Vereine. Die fortwährende, wucherische und von keiner Seite gehemmte Erhöhung der Papier⸗ preise hat sich beim Druck des Notenmaterials und bei Herausgabe der obligatorischen Lieder im vollsten Maße ausgewirkt. Die meister⸗Kurse in der Staatl. Hochschule in Berlin haben gute Er⸗ gebnisse für den Arbeitergesang gezeitigt. Das 1921 erlassene Preisausschreiben brachte 750 Kompositionen, von denen 45 Ankauf gelangten. Der Verlag des Bundes, der den Vereinen gute Material zu günstigen Bedingungen vermittelt, ist in seinem weite.— ren Ausbau durch fehlende Mittel gehemmt. Der Berichterstatter wandte sich scharf gegen die den Vereinen auferlegte Bergnü⸗ gungssteuer, die kulturelle Bedeutung der Chorvereine müsse den Behörden gegenüber nachdrücklich unterstrichen werden. Di Zuerkennung der Gemeinnützigkeit sei von Regterungsstellen ver weigert worden, von denen man eine andere Auffassung müsse. Der Bund steht mit den Arbeitersängern der amerikanischen Staaten in Verbindung, die Solidarität hat ihren Ausdruck in der Gewährung eines Dollar darlehns gefunden, das zum Teil mit der Ueberweisung von Liedern abgegolten werden soll. In dem zur Hebung des Chorgesangs ins Leben gerufenen Reichsaus⸗ schuß ist der Bund vertreten.
In seinen Erläuterungen zu dem ebenfalls gedruckt vorliegen⸗ den Kassenbericht verwies Bundessekretär Kaiser(Berlin) auf die Schwierigkeiten der Finanzgestaltung. Die Beitragsfrag muß eine Regelung erfahren, die eine gesunde Weite rentwicklung des Bundes verbürgt. Den Bericht über das Bundesorgan, die Deutsche Arbeiter⸗Sängerzeitung, gaben die Sgb. Fehsel(Berlin) und Werner(Frankfurt a. M.). Der ständig gestiegene Bezugspreis der Zeitung hat leider eine wesentliche Ver⸗ minderung der Leserzahl zur Folge gehabt. Die Bundesleitung ist bestrebt, den Bezugspreis so niedrig zu halten, als es die kata⸗ strophale Geldentwertung zuläßt; aus der Bundeskasse wurde ei Zuschuß von einer Million Mark geleistet. Rege Aufklärung deu Bundesorgan überall Eingang verschaffen, um es bei besseren Zeitverhältnissen ständig ausbauen zu können. Die Generalver⸗ sammlung nahm sodann die Berichte der Liederprüfungs⸗ und Kon⸗ trollkommission durch Werner(Frankfurt a. M.) bzw. Schmidt (Leipzig) entgegen. a
In der Aussprache über die Vorstandsberichte traten zum Teil scharfe Gegensätzlichkeiten zu der Haltung der Bundesleitung in organisatorischer, taktischer und künstlerischer Hinsicht hervor. Bei aller Schärfe verschiedener oppositioneller Redner blieb die Dis⸗ kussion auf einer Basis, die erkennen ließ, daß man im Arbeiter⸗ i die Person von der Sache zu trennen weiß, und das Streben auf planmäßige Förderung und Entwicklung der mit der gesamten Arbeiterbewegung eng verbundenen Sängerorganisa⸗ tion in den Vordergrund stellt. Von mehreren Rednern wurde die mangelnde Anteilnahme der Arbefterpresse an der Arbeitersänger⸗ sache mißbilligend gerügt. Der Bund erfahre leider in weiten Kreisen nicht die ihm als machtvoller Kultur⸗ und Bildungsfaktor gebührende Würdigung. 5 5
Die Beratung der eingegangenen Anträge nahm den größten Teil des zweiten Verhandlungstages in Anspruch. Den Kernpunkt der Erörterungen bildeten die Beitragsfrage, die Arbeiter⸗Sänger⸗ zeitung und die Versorgung der Bundespereine mit, Liedermaterial. Eine weitere Reihe von Anträgen galt dem organisatorischen Aus⸗ bau und den kulturellen Aufgaben des Bundes. Entsprechend dem vom Sgbr. Töpper(Karlsruhe) erstatteten Bericht der vorberaten⸗ den Kommission beschloß die Generalversammlung einstimmig, daß der Zentralvorstand alljährlich je ein obligatorisches Lied für die drei Chorgattungen, Männer, Mischchor und Frauen. herauszubringen habe. Ein weiterer Beschluß macht es sämtlichen Bundesvereinen zur statutarischen Pflicht, auf je 50 Mitglieder mindestens ein Exemplar der Sängerzeitung zu abonnieren. Ein⸗ stimmig wurde ferner beschlossen, den Bundesbeitrag auf monatlich 50 Mark für jedes aktive Mitglied zu erhöhen. Es wurde der Er⸗ wartung Ausdruck gegeben, daß alle Bundesvereine, besonders die der ländlichen Bezirke, diese im Interesse der gesamten Organisation unumgänglichen Maßnahmen zu würdigen wissen. Die Herausgabe eines Bundesliederbuches soll den Vorstand beschäftigen. Einer Anregung des Berliner Volkschors, eine zentrale Vermitt⸗ lungsstelle zum Austauschgroßer Chorwerke zu schaffen. wurde stattgegeben. Zur Hebung und Förderung der Musikkultur innerhalb des ASB. soll ein dreiköpfiger künstlerischer Bei⸗ rat eingesetzt werden. Für die Drucklegung und Herausgabe neuer Kompositionen soll ausschließlich der Bundesvorstand zuständig sein.
Angenommen wurde ferner der vom Gau Schlesien eingebrachte
Antrag:
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