Ausgabe 
30.4.1923
 
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Organ für die Interessen des werktätigen der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete

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Vor meinem Fenster schräg empor steigt eines grauen Hauses Wand 1 hart an ihr drückt den Blick ein Baum kohlschwarz und wie von Glut verbrannt. 3 Ich seh den Baum, ich seh die Wand, das ist so schwarz und grau und tot, e

mein Auge zürnt und

Da sieh! im Winkel fast versteckt winkt mir ein sprossendes Gebüsch,

mit welcher Lust hab

Aus jedem Aestchen schlüpft hervor und trinkt den Tropfen, der ihm träuft,

ein Blättchenvolk, ein

Das ist der schönste Frühling ja, der mir vom Hofe Meldung bringt,

und morgen ist der Mai schon da, der hold an meine Seele klingt.

Der Mai, der Mai, nun lebt es grün, nun leuchtets rot,

nun seh ich kein Kasernengrau und keinen Kahlbaum schwarz und tot..

Der Mai, der grüne

nun bin ich frisch und froh und frei und will mein Lied dem Frühling weihn.

Dem Menschheitsfrühling will ichs weihn, der jubelnd durch die Lande zieht, der Hoffnung in die der Sonne in die Seelen streut, daß sich verkriecht die Nacht der Not, der Blüten lockt am Lebensbaum mit siegesläutendem Gebot. N Nun kommt zu Hauf, nun feiert all, die ihr mit Hirn und Muskel schafft,

nun lobt mit lautem

Das ist ein herrlich Hochzeitsfest der triumphierenden Idee, wie bin ich fröhlich bis ins Mark, daß ich den Flug der Freiheit seh! Einst mühsam nur mit schwerem Schlag langsam von Haupt zu Haupt sie zog,

heut mit gewaltigem Und was der klaren nun wird es Fleisch, Unüberwindlich groß

wie bin ich fröhlich bis ins Mark! Ich seh der neuen Menschheit Saat.

Ich weiß ein lockend

des Maien freuet sich mein Herz, lebendger blüht nun der Genuß.

Wenn durch die blauen Lüfte weich und wonnevoll der Vögel Sang

sich senkt in unser Liebesreich, so wollustsüß und sehnsuchtsbang...

wie pocht mein Herz, wie leb ich reich! Doch höher schlägt mein Herz empor, und reicher leb ich tausendmal, klingst du, o Weltmai, an mein Ohr.

Du Jubellied der Menschheit du, die ihrer Freiheit Lenz empfängt,

du Kraftgesang der neuen Zeit, die durch die alte Hülle drängt!

O grüner Mai, o bl

sei mir gegrüßt in aller Welt, wo dein Symbol die Herzen packt!

Von Jahr zu Jahr

und immer kühner sei dein Blick und lieblicher dein Angesicht!

Du junges Fest der

Wir grüßen dich, wir feiern dich, wir ruhn beglückt in deinem Schoß. encen.

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Nr. 98 0 Gießen, Montag, den 30. April 1923 18. Jahrgang. N 85 0 0.80 5.

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flieht und sucht ein lebend Grün, ein leuchtend Rot.

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ichs entdeckt! wie wird mir frei und froh und frisch!

grüner Quirl, dem Wonne durch die Adern läuft.

Mai, von roten Wimpeln flutets drein,

Herzen gießt, daß Völkerfrost und Elend flieht!

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Jubelschall den Siegeszug der Arbeitskraft!

Fittich schwebt sie durch der Massen Weltgewog.

Denker Mut als waltendes Gesetz erkannt,

nun wird es Blut, nun wird es Mensch von Land zu Land. und stark, so wächst der Wahrheit Wort zur Tat,

Liebchen mir, mit dem ich tausche Gruß und Kuß,

auer Mai, von roten Bannern voll durchflaggt, nun streb empor und dorre und verschwinde nicht,

neuen Welt, deut in die Zukunft licht und groß!

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