Ausgabe 
28.4.1923
 
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Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 97

Gießen, Samstag, den 28. April 1923.

Sießen und Umgebung. Fürdie Bedrängten im Ruhrgebiet

Es gingen weiter bei uns ein: Von Beamten und Angestellten des Finanzamtes Gießen 104 000 (Mark. Bereits quittiert 720860 Mk., zusammen 824 860 Mk. Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne entgegengenommen. 551 Verlag ber Oberhessischen Volkszeitung.

Reichswirtschaftsminister Dr. Becker als Parteimann. In unserem Bericht über die Rede Dr. Beckers am vorigen Sonntag haben wir die ruhige und sachliche Form anerkannt, in der der Redner sich seiner Hauptaufgabe, der Besprechung der Ruhrbesetzung und der damit in Zusammen⸗

hang stehenden Fragen, entledigte. Wenn wir heute noch

einmal auf die Rede zurückkommen, so veranlassen uns dazu die einleitenden Ausführungen, in denen sich Dr. Becker mit den Aufgaben des Kabinetts Cuno beschäf⸗ tigte und die bei aller Sachlichkeit doch die parteipolitische Einstellung nicht verkennen ließen. Das wäre an sich nichts Auffälliges, da im demokratisch⸗parlamentarischen Staat die Minister zugleich Vertreter bestimmter politischer Parteien ind. Der Gesichtswinkel, unter dem etwa ein sozialdemo⸗ kratischer Minister politische Dinge ansieht, wird also immer ein anderer sein als der eines volksparteilichen Ministers. 8 bei der Behandlung politischer Vorgänge in der Oeffentlichkeit ist doch der parteipolitischen Auffassung eine bestimmte Grenze gezogen, nämlich durch die Tat sachen selbst, und es muß unter allen Umständen gefordert werden,

daß dieses Tatsächliche voll zu seinem Rechte kommt

und das Gesamtbild nicht durch Beiseitelassen wesent⸗ licher Teile entstellt wird. So begreiflich wir es auch finden, daß Dr. Becker sich bemüht, die Erfolge der Regierung, der er selbst angehört, im hellsten Licht erscheinen zu lassen, so müssen wir doch feststellen, daß er die Grenze, von der wir eben sprachen, nicht immer eingehalten hat.

Schon die einleitende Bezeichnung des Kabinetts Cuno als einerüber den Parteien stehenden Regierung, bei deren Zustandekommen der Parteigeist nicht richtunggebend war, setzte bei den Zuhörern ein sehr kurzes Gedächtnis und ein sehr hohes Maß von Naivität voraus. Daß in Wirklichkeit diese Regierung eine einseitigbürgerliche ist und die von ihr(d. h. den sie tragenden politischen Parteien) be⸗ triebene Politik bewußt gegen die Arbeiterparteien und ihren Einfluß auf die Reichspolitik eingestellt ist, das weiß doch schließlich selbst ein politisches Kind; man kann sich auch die Nachweise im Gießener Anzeiger holen.

Wenn dann Dr. Becker weiter als wichtigsten inner⸗ politischenErfolg der Regierung Cuno dieBe⸗ friedung im Innern herausstrich, so kann diese Be⸗ hauptung und ganz besonders die Art ihrer Begründung bei dem, der die Entwicklung der Dinge während der letzten Monate aufmerksam verfolgt hat, nur ein Lächeln hervor rufen. Man höre: Das Kabinett Wirth hat den partei⸗ politischen Frieden nicht erhalten können; durch den Rufder Feind steht rechts und das Gesetz zum Schutz der Republik wurde eine Kluft aufgerissen, die heute geschlossen ist; auch im Reichstag pflegen die einzelnen Parteien ein ganz anderes Zusammenarbeiten als früher; Beweis: der har monische Verlauf der letzten Verhandlungen über die außerpolitischen Fragen; wenn auch in den taktischen Fragen keine völlige Einigkeit bestand, so doch in der Grundauf⸗ fassung, daß heute eine andere auswärtige Politik gemacht werden müsse als früher. ö

Der Herr Minister hat sich die Sache doth etwas z u leicht gemacht. Hat vielleicht die Regierung Wirth die Ge⸗ walttaten der Rechtsradilalen, das Scheidemann-Attentat und den Rathenau⸗Mord und so manches andere er fun den, nur um ein Schutzgesetz für die Republik machen zu können? Wenn heute innenpolitisch größere Ruhe und Festigkeit eingetreten ist, so ist das ganz und gar nicht auf das Walten der Cuno⸗Regierung zurückzuführen, das ist anderen Faktoren zuzuschreiben, insbesondere auch dem

Umstand, daß die Deutsche Volkspartei, die mit den Deutsch⸗

Dr. Beckers. man sei im

nationalen Seite an Seite, die Regierung Wirth be⸗ schimpfte, jetzt in der Regierung ist, daß sie den politischen Realitäten mehr Rechnung trägt, sich also den weiter links stehenden Parteien mehr genähert hat, daß die äußerste Rechte dadurch isoliert und in ihrer Aktionsfähigkeit ge⸗ schwächt ist usw. Die Dinge liegen also einfach so: Die Deutsche Volkspartei mit dem Schwergewicht der mit ihr verbundenen Großindustrie usw., die dem Kabinett Wirth Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten machte und dadurch seine Politik lahm legte, ist jetzt die Hauptstütze des neuen Kabinelts, das für seine Politik nun freie Bahn hat. Ist das aber ein Verdienst des Kabinetts Cuno? i Wie steht es aber überhaupt mit demharmonischen Zusammenarbeiten der Parteien? Bei den Parteien der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft(Volkspartei bis Demo⸗ kraten) ja, da kann man von einem solchen wohl sprechen. Bei der Steuergesetzgebung war es sogar sehr har⸗ monisch, diesmal sogar mit Einschluß der äußersten Rechten, zum Zwecke der Schonung des Besitzes. Aber wie war das Verhältnis zur großen sozialdemokratischen Partei? Wir meinen, hier könnte man schon eher vonDisharmo nie sprechen. Und die allerletzten Reichstagsver⸗ handlungen über das Gesetz zum Schutze der Versamm⸗ lungen haben gezeigt, daß, wenn eine Kluft sich geschlossen hat, sich dafür eine andere um so weiter aufgetan hat. Dank der allgemeinen Politik des Kabi⸗ netts Cuno! Mas soll man aber gar sagen zu der letzten Behauptung a Reichstag einig gewesen in der

Grundauffassung, daß heute eine andere auswär tige Politik gemacht werden müsse als in den letzten drei Jahren? Das schlägt doch der Wahrheit vollständig ins Gesicht. Ist die auswärtige Politik des Kabinetts Cuno nicht die notwendige Fortfüh⸗ rung der Politik der Regierung Wirth? Hat sie nicht auch der Entente ein Angebot gemacht(Bergmann bei der Pariser Konferenz)? Ein Unterschied besteht freilich gegenüber früher: Industrie und Handel, die sich der Politik Wirths stets versagt hatten, sind jetzt bereit, die notwen⸗ digen Garantien zu leisten. Das Bild ist also dieses: die Volkspartei, die die Politik Wirths sabotiert hat, stützt heute die gleichgerichtete Politik Cunos. Wie kann aber ein Mensch mit gesunden Sinnen diese echr national liberale Schaukelpolitik als einen Erfolg der neuen Regierung bezeichnen? Daß Cuno keine andere aus⸗ wärtige Politik machen kann als Wirth und daß diese Er⸗ kenntnis heute auch sich bei einer Reichspartei durchgesetzt hat, ist gerade der stärkste Beweis für die Richtigkeit der Wirthschen Politik; alle Verdunkelungsversuche dieser Tat⸗ sache müssen abgewiesen werden.

Auf der gleichen Höhe steht die Behauptung Dr. Beckers, die Regierung Cuno habe das Verhältnis von Reich und Ländern, besonders zu Bayern, das unter Wirth immer schlechter geworden sei, zu einem erträglichen gestaltet. Die Sache erledigt sich mit einem Satz: Bavern, das die Reichspolitik unter der Regierung Wirth ständig sabotiert hat, tut das auch heute noch, aber die Regierung Cuno läßt sich das gefallen! Also ein Erfolg der Regierung Cuno?

Als zweite Aufgabe der Regierung Cuno bezeichnete Dr. Becker das Aufhalten des fortgesetzten Mark⸗ sturzes. Die Senkung des Dollarpreises und zeitweilige Stabilisierung der Mark wurde natürlich ebenfalls als ein wichtiger Erfolg der neuen Regierung gepriesen. Aber es liegt auch hier wieder ein Verschleierungsversuch vor. Die Tatsachen sind diese: Am 22. Dezember stand der Dollar auf rund 6500 Mk., nach dem Ruhreinbruch stieg er auf 50 000 undstabilistert wurde er bekanntlich auf 20 0001 Also gegenüber dem früheren Stand keine absolute, son⸗ dern nur eine relative Senkung! Und diese Herab⸗ drückung des Kurses war auch nur durch das endliche Eingreifen der Reichsbankherren möglich die unter Wirth der ganzen zerrütteten Währung gegenüber die kalte Ruhe ihres Gemüts trotz allem Drängen nie verloren hatte. Also auch dies wieder ein Erfolg der Regierung Cuno?

Die politische Entwicklung der letzten Monate hat wieder einmal gezeigt, daß Gestaltung und Richtung aller Politik einzig und allein durch die Gesamtverhältnisse be⸗ stimmt wird. Wirkliche Politiker wissen daraus die Folge⸗ rungen zu ziehen, wie das Beispiel des ebenfalls deutschvolks⸗ parteilichen Dr. Stresemann beweist. Dr. Becker soll ein kluger Mann, ja ein Finanzgenie sein, aber es kommt öfter vor, daß ein großer Mathematiker, der sogar ein Finanz genie sein kann, doch in der Politik ein rei ner Waisen⸗ knabe ist. Unter diesem Gesichtspunkt braucht man die innerpolitischen Ausführungen des Reichsministers Dr. Becker nicht allzu tragisch zu nehmen.

Der Einspruch zurückgewiesen. Das hessische Volk muß zahlen.

Gegen die einstweilige Verfügung an den hessischen Staat, an den ehemaligen Großherzog auf die von diesen geltend gemachten Forderungen vorläufig 30 Millionen Mark auszuzahlen, hatte der Staat Einspruch erhoben, der aber Dienstag durch Endurteil kosteupflichtig abgewie⸗ sen, worden ist. Es ist überaus bezeichnend, in einer Zeit der schwersten Not gerade von einem bedrückten Volk eine der⸗ artige Zahlung zu verlangen.

Preisschilder an ausgestellte notwendige Bedarfsartikel!

Unter dem 23. April 1923 ist von dem Ministerium des Innern und dem Ministerium für Arbeit und Wirtschaft eine Verordnung über die Preisbeschilderung von Gegenständen des notwendigen Lebensbedarfs erlassen worden. Diese bestimmt, daß die im Klein⸗ handel feilgehaltenen Waren der in der Verordnung näher bezeich⸗ neten Art, die in Schausenstern, Schaukästen oder Auslagen anderer Art, auf dem Wochenmarkt, in Markthallen oder im Straßenhandel dem Publikum sichtbar ausgestellt oder angepriesen werden, mit Preis- schildern zu versehen sind, aus denen der genaue Verkaufspreis der einzelnen Ware ersichtlich ist. Der Preis ist tunlichst für ein genzes

Pfund, Kilogramm, Liter, Meter, Stlick oder eine sonstige handels⸗

übliche Einheit der Ware in deutlich lesbaren Zahlen, in deutscher Währung an gut sichtbarer Stelle anzugeben. Die Preisbeschilderung ist nicht erforderlich, wenn die Ware zweifelsfrei bezeichnet in einem Preisverzeichnis aufgenommen ist, das an einer dem Publikum von der Straße aus sichtbaren Stelle deutlich lesbar angebracht ist. Auf Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften sind empfindliche Strafen gesetzt. Die Polizeibehörden sind zur strengen Durchführung der Ver⸗ ordnung angewiesen. Es empfiehlt sich, für die in Betracht kommen⸗ den Geschäftsinhaber, insbesondere die Ladenbesitzer, sich mit den betreffenden Vorschriften vertraut zu machen und sie genau zu be⸗ achten.

Die Teuerungszahlen der 5 größten Städte Hessens be⸗ trugen auf Grund der Preise vom 11. April 1923 ausschließ⸗ lich Bekleidung für Mainz 269 374(247 282), Darmstadt 268 139(262 203), Worms 271669(246 220, Offenbach 257842(243 261), Gießen 278 145(242 113). Die Teuerung ausschließlich Bekleidung ist vom 7. März um 5,2 Prozent, einschließlich Bekleidung um 3,06 Prozent, und vom 21. März ausschließlich Bekleidung um 7,7 Prozent und einschließlich Bekleidung um 5,9 Prozent gestiegen.

Konsumverein Gießen. Das Personal des Konsumvereins hat beschlossen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Gegenwärtig sind, wie nebenbei bemerkt sei, über 100 Personen in der Genossen⸗ schaft beschäftigt. Von der Verwaltung werden die Mitglieder durch Anzeige im heutigen Blatte ersucht, sich mit ihren Einkäufen einzu⸗ richten, weil am 1. Mai die Verkaufsstellen geschlossen bleiben.

Volkshochschule Gießen. Im Anzeigenteil der heutigen Nummer ist eine Uebersicht über die Kurse enthalten, die im neuen Semester abgehalten werden. Wer die Volkshochschule be⸗ suchen will, hat gegen eine Einschreibegebühr von 50 Mk. eine Aus- weiskarte zu lösen. Diese Karte berechtigt ihn, eine Woche lang die⸗ jenigen Kurse zu besuchen, die ihn interessieren und unter denen er seine Auswahl zu treffen gedenkt. Nach Ablauf der Probewoche müssen dann die gewählten Kurse bezahlt werden. Das Semester beginnt am 30. April und dauert 10 Wochen. Ein Kurs kostet 1000 Mark. Das ist, wie ein Vergleich mit anderem lehrt, ein sehr nied- riger Preis. Trotzdem können die Gebühren in Raten bezahlt werden oder es können bei Bedarf noch weitere Erleichterungen eintreten. Hier sind vielleicht nochmals einige Erklärungen über die Volkshoch⸗ schule und ihre Arbeit am Platze: Die Volkshochschule ist keine Fach⸗ schule. Sie dient der Vertiefung der Allgemeinbildung. Ihr tel find geistig bewußte, selbständige Persönlich⸗ keiten, auf denen allein eine neue geistige Volksgemeinschaft be⸗ ruhen kann. Sie bedarf der tätigen Teilnahme aller, die an wirk⸗ lichen so zialen Fortschrit glauben und ihn verwirk⸗ lichen wollen. Sie will ihr Ziel erreichen, indem sie es jedem denkenden Volksgenossen ermöglicht, in freber Arbeit un d Kritik zu den Grundlagen aller Gebiete menschlicher Erkenntnis vorzudringen. Die Volkshochschule ist eine gemeinnützige Einrichtung, die sich an alle Kreise des Volkes wendet. Das kommt auch in der Zusammensetzung ihres Vorstandes zum Ausdruck, in dem Angehörige aller Kreise zusammenarbeiten. Er besteht zur Zeit aus folgenden

Mitgliedern: pf. 17 0 0 tt 205 9 5 9 8 112* Dr. Flörke Prof. Dr. Haupt, eisekretär user, M Hüter, Rektor Müller, Direktor Dr. 114

flihrer Simon, Reallehrer Will, Bankbeamter Wolf.

Kirchen⸗ und Umsatz*

Gießener Stadtanleihe, Wie wir hören, legt die Stadt Gießen eine neue Stadtanleihe in Höhe von Mk. 100 000 000. auf. Die Bedingungen für die Anleihe werden folgende sein: ne 15 Prozent, Ausgabekurs:(Preis) 100 Prozent, Zinstermin: April Oktober, Kündigung: ab 1. April 1926. Der Verkauf wird durch nachstehende Gießener Banken vorgenommen: Commerz⸗⸗ und Privat bank A.⸗G., Filiale Gießen Darmstädter⸗ und Natio⸗ nalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien, Zweigniederlassung Gießen Deutsche Vereinsbank, Filiale Gießen Direktion der Dislonto⸗Gesellschaft, Zweigstelle Gießen Handels⸗ und Gewerbe⸗ bank e. G. m. b. H., Gießen Mitteldeulsche Kreditbank Filiale Gießen.

Ein Fünshundertmarkstück soll in einiger Zeit zur Ausgabe gelangen. Das Geldstück soll aus Aluminium angefertigt werden und die Größe eines sogenannten Verfassungstalers haben, von denen man, nebenbei bemerkt, mrr noch sehr selten einen sieht. Zunächst 5 Ausprägung von 180 Millionen Stlick der neuen Minze vor⸗ gesehen.

Der Bauer'sche Gesangverein veranstaltet am Sonntag, den 13. Mai, nachmittags Uhr in der neuen Aula der Universität ein Konzert mit interessantem und reichhaltigem Programm. Zur Mitwirkung sind Frl. Clara Weber, Konzertsängerin aus Augs⸗ burg und Herr Pianist Jul. Hahn aus Gießen gewonnen. Frl. Weber, die als vortreffliche Ltedersängerin noch von ihrem Auf⸗ treten in früheren Jahren in bester ErEinnerung steht, wird auch in 2 Männerchören mit Sopransolo mitwirken. Freunden guter Musik sei der Besuch des Konzerts bestens empfohlen.

Selbstmord. In der Nacht zum Dienstag verübte ein Reichs⸗ wehrsoldat in der Kaserne Selbstmord dadurch, daß er sich eimen Schuß mit dem Dienstgewehr in den Oberkörper beibrachte. Die Kugel hatte die Lunge durchbohrt, den Tod aber nicht sofort herbel⸗ geführt. Man brachte den Lebensmiiden in die Klinik, wo er nach kurzer Zeit verstarb. Aus einem hinterlassenen Briefe ist zu ent⸗ nehmen, daß der junge Mann aus Liebeskummer den Tod gesucht hit.

Zum Besten der Ruhrhilse wird am 1. Mai, abends ein Heiterer Abend veranstaltet, der unter Leitung von Dr. List im Saale des Kathol. Vereinshauses stattfindet. Zur Aufführung kommen Einakter von Grillparzer, Benedix und Nestroy. Wir weisen auf das Inserat im heutigen Blatte hin. 1

Bühnenfest. Heute abend veranstaltet das Künstlerpersonal des Stadttheaters ein Bühnenfest. Zur Aufführung kommt der SchwankDie spnische Fliege, außerdem musikalische und sonstige Darbietungen. Zum Schluß Ball.

Watzenborn⸗Steinberg. Unsere diesjährige Maifeier sindet Sonntag, 29. April im Lolale zur Ludwigshöhe statt. Nach⸗ mittags 2 Uhr stellt sich der Festzug an der neuen Schule auf. Eine zahlreiche Beteiligung der Parteigenossen und der Arbeiterschaft darf wohl erwartet werden. Jeder denkende Arbeiter muß seine Ehre 92 setzen, den Weltseiertag seiner Bedeutung entsprechend zu begehen.

d. Hungen. Ein schwerer U nglücksfall, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, ereignete sich gestern abend auf der BraunkohlengrubeFriedrich, Trais⸗Horloff. Die im Tagbau beschäftigten Leute hatten bereits Feierabend, als beim Verlesen zwei Mann fehlten. Als man rasch nach der zum Bruch abgebauten Stelle eilte, um nach den Vermißten zu suchen, war diese zusammengebrochen und hatte die beiden Bergleute Albert und Müller aus Rudingshain unter sich begraben. Trotz sofortiger Hilfeleistung konnten die beiden, von denen der erstere berhelratet, letzterer erst. 19 Jahre alt ist, nur als Leichen ge⸗ borgen werden. 5

Nieder⸗Bessingen. In der Gemeinderats⸗Sitzung am 24. April wurde zunächst die Haferverteilung an die Faselhalter ge⸗ regelt. Der Pächter der hiesigen Schafweide hatte um Ueber⸗ lassen von Wiesen zu Weidezwecken gebeten; die kalte trockene Witterung erzeugt kein Gras, weiter sallen größere Weideflächen aus, welche aufgeforstet werden. Der Gemeinderat erbietet sich, 11 205 qm in den Waldwiesen(schlechte Wiesen) abzugeben, zum Preise eines Durchschnittsmorgens zu Heu und Grummet, te 1923. Zum Schuldiener hat sich nun auch jemand gemeldet. Die geforderten 80 000 Mk. pro Jahr werden genehmigt. Putz⸗ material stellt die Gemeinde. Bei einer Besprechung über das Kriegerdenkmal wurde von unserer Seite mit Erfolg dagegen pro⸗ testiert auf die Tasel der gefallenen Krieger den Dienstgrad zu setzen. Weiter machte der Bürgermeister gegen, Schluß der Sitzung eine Beachtung verdienende Mitteilung: Die Butzbach⸗Licher Eisenbahn⸗Aktiengesellschaft wird die(Gemeinde) Aktien zum 10. Mai 1923 kündigen. Die hiesige Gemeinde besitzt 60 000 Mk. ver⸗ zinsbare und 3000 Mk. unverzinsbare Aktien von der Bahn. Die Gemeinden haben dann überhaupt kein Mitbestimmungsrecht Über den Personenzugsverkehr mehr. Wie will man denn eigentlich die 60 600 Goldmark ersetzen? Jede Gemeinde wird durch diese Tat⸗ sache in Mitleidenschaft gezogen! Der Bürgermeister wird be⸗ auftragt, sich wegen der Sache mit Herrn Pfarrer Nies, Ettings⸗ hausen und den anderen Bürgermeistereien, zwecks gemeinsam zu unternehmenden Schritten zu verständigen. Gegen solche Zu⸗ mutungen müßte Kreis, Provinz und Staat bezw. der Landtag

energisch eingreifen, hauptsächlich auch, deshalb, weil das Geld da⸗

mals auf kreisamtliches Anraten gegeben wurde! An

Dollarstand Freitag mittag 12 Uhr: 29 000 Mark.