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Gießen, Mittwoch, den 26. März 1923.
Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 73
Gießen und Umgebung.
5 Ruhrhilfe.
An das Gewerkschaftskartell Gießen gingen weiter ein: Personal der Heil⸗ und Pflegeanstalt 14 900 44
Metall⸗Arbelter der Firma Bänninger Gießen 105350% Metall⸗Arbeiter der Finma Kaufmann. Gleßen 11380 Arbeiter der Hartstein⸗Industrie, Nieder⸗Ofleiden 113050% Transportarbeiter Gießen 4600, Bäcker vom Konsumverein, Gießen 14 000 4 Gastwirtsgehilfen, Gießen 12 250 4
Den Gebern besten Sammelgelder können auf das Postscheckkonto Nr. 64422 Frankfurt a. M., Otto Ottilie. Gießen, eingezahlt werden. . Gewerkschaftskartell Gießen und Umgegend.
* 2 1 92* 1 0 2 Für die Bedrängten im Nuhrgebiet
Es gingen weiter bei uns ein: 5 5
Von Gästen bei Göricke⸗Garbenteich 3500 A, e verein Germania⸗Alten⸗Busock 13 000 ,. zusammen 16 500 l. Bereits quittiert 378 950.—. Zusammen 395 450 /,
Den Gebern herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne
entgegengenommen. Verlag der Oberhessischen Volkszeitung.
Gießener Anzeiger und Rechtsputsch.
Der Gießenere Anzeiger ist ein reaktionäres Blatt von der besonderen Nüance: verschwommene Hinter ⸗ hältigkeit. Was erfuhren die Leser dieser Zeitung am Freitag und Samstag über die hochverräterische Ver⸗ schwörung des Rechtsbolschewismus gegen die Republik, von der alle Blätter angefüllt sind? Am Freitag eine kleine Wolffdepesche, in der übrigend klipp und klar zu lesen stand, daß die polizeiliche Durchsuchung in den Geschäftsräumen der Deutschvölkischen Freiheitspartei in Berlin und in anderen preußischen Städten ein er⸗ drückendes Material wegen hochverräteri⸗ scher Umtriebe zutage gefördert hat. Am Samstag— nichts von den Tatsachen, nur unter den„Letzten Nach⸗ richten“ ein Wolffsches Telegrammchen von abfälligen Aeußerungen zweier Pariser Blätter über Severings Ent⸗ hüllungen. Und auch am Montag nur Telegramme über die Beschwerden der angeschuldigten Reichstagsabgeordneten Wulle, Henning und v. Graefe und über die Interpellation der deutschnationalen Reichstagsfraktion, betreffend das Verbot der Selbstschutzorganisationen und die Auflösung der Deutschvölkischen Freiheitspartei. Der Anzeiger bringt also planmäßig nur Urteile über das Vorgehen des Ministers Severing, nicht aber die von diesem ausführlichst mitge⸗ teilten Tatsachen und Vorkommnisse gefährlichster anti⸗ republikanischer Machenschaften, die zu seinem Vorgehen ge⸗ führt haben.„
So unterrichtet der Generalanzeiger für Oberhessen seine Leser in Stadt und Land über die für Wohl und Wehe Deutschlands wichtigsten Angelegenheiten— durch Schweigen
und Verschweigen. In dieser Methode liegt zweifellos be wußte Vertuschun gsabsicht.
Doch nein, halt! Der„Wochenrückblick“ hat sich eingehender, reflektierend und raisonnierend, mit den Tat⸗ sachen beschäftigt, die der Anzeiger als solche seinen Lesern verheimlicht. Die Leser des Blattes wissen ja zwar nicht, daß der preußische Minister des Innern, Severing, aus Briefen und sonstigen Urkunden authentisch eine weit⸗ verzweigte Verschwörung der sogenannten Selbstschutzorgani⸗ sationen des Rechtsbolschewismus enthüllt hat, die, besser und weiter organisiert als seinerzeit der Kapp⸗Putsch, in Aussicht genommen hatte, noch vor dem 31. März die
Weimarer Verfassung und die Republik zu stürzen, sozialisti⸗
schen Ministern womöglich das Schicksal Rathenaus zu be⸗ reiten und vorläufig eine Militärdiktatur zu errichten, kurzum mit allen„Novemberverbrechern“ und dem ganzen „Novemberverbrechen“ gründlich aufzuräumen.
Der Gießener Anzeiger lobt vor allen Dingen sauersüß Severing, daß er sich gehütet habe,„etwa die berüchtigte Parole Wirths: Der Feind steht rechts! zu wiederholen.“ Das ist für den Anzeiger die Hauptsache. Sodann meint er:„Severing will geheime Fäden gefunden haben.“ Er redet von„angeblichen“ Beziehungen zwischen den ver⸗ hafteten Personen und gewissen Führern der äußersten Rechten. Es ist eine glatte Lüge, wenn er weiterhin mit⸗ teilt:„Um welche Putschabsichten oder Gewaltpläne es sich hierbei handelte, wurde von dem sozialdemokratischen Mini⸗ ster nicht gesagt.“ Er will stark hoffen, daß sich die Zu⸗ sammenhänge vielleicht harmloser herausstellen, als der von rechts stark befehdete Minister sie jetzt hinstellt.“— Man sieht: Verbreitung von Nebel und Dunst, Abschwächungen, Beschönigungen auf der ganzen Linie. Selbstverständlich. Die Unschuld der Wulle⸗Brüder liegt eben dem Anzeiger unendlich am Herzen. Auf keinen Fall möchte er es voreilig mit den Deutschvölkischen verderben, die ja im Freistaat Hessen sozusagen unter dem Protektorate des Ministers Freiherrn von Brentano stehen. Die Leute um Wulle, Henning und v. Graefe sind und bleiben relativ harmlos für den Anzeiger. Gilt es ihm doch vor allem darum, den Gießener Antisemiten und ihrem versteckten Anhang unter den„Gebildeten“ nicht vor den Kopf zu stoßen. Und nun gar der Nationalheros und Erfinder der Dolchstoßlegende Ludendorff! Kiüßzum, innerste Seelengemein⸗ schaft des Anzeigers mit der ganzen Hitlerei!
Mit peinlicher Objektivität erklärt demnach der Wochen- rückblickler:„Severing will das Endurteil der Zuständigkeit der Gerichte überlassen. Warten wir also weiter ab!“ Der Anzeiger wartet also weiter ab, indes Severing be⸗ richtet hat, daß an einem der letzten Sonntage Reichswehr⸗ offiziere, Hauptleute und Majore, aus allen Teilen des Reiches bei dem berüchtigten Hauptmann Roßbach in Pots⸗ dam versammelt waren, um die Ausführung der Putschpläne endgültig zu besprechen, und während selbst ein so zahm r Staatsmann wie der Reichswehrminister Geßler bereits er⸗ klärt hat, für solche Reichswehroffiziere sei kein Platz mehr in dem deutschen Heere. Der Gießener Anzeiger aber warte und wartet und wartet, bis 5
Nein, er kann auch anders. Am Schlusse faßt sich der Wullegönner ein national⸗liberales Herz. Kühn besteigt er das Roß der hohen Politik und erklärt es für das gute Recht des Ministers Severing,„ja für seine Pflicht, staats⸗ feindliche Organisationen auszurotten.“ Teufel, klingt das energisch! Severing, merken Sie sich's: staatsfeind: liche Organisationen! Nun, werden Sie ja wissen, wie Sie zu handeln haben. Staatsfeinde stehen immer nur auf der Linken. Feste druf, Severing, auf die Kommunisten! „Mit aller Energie!“ Aber... aber—, nun kommt die Fraktion Drehscheibe im Anzeiger noch einmal zu Wort. Wir zitieren den Schlußsatz:„Aber auch Minister Severing wird beherzigen müssen, daß jetzt alles auf die Gesichtspunkte unseres großen Außenzieles eingestellt werden muß, damit der Feind sich nicht freut, wenn der innere Zwiespalt bei uns sich vergrößert.“ Severing, nun wissen Sie es wieder! Sie dürfen die„Einheitsfront“ nicht stören. Sie müssen Während Sie die„Pflicht“ haben, den Linksbolschewismus auszurotten, so haben Sie nach rechts hin beide Augen zu⸗ zudrücken! Die gesamten Rechtsbolschewisten, d. h. die Hitler⸗ banden, die Ludendorffianer, die Nationalsozialisten, die Deutschfascisten, die Deutschvölkischen, die Antisemiten nebst allen Roßbach⸗, Ehrhardt usw. Selbstschutzvereinen, sowie die Organisation Consul, die ja nur den Erzberger und den Rathenau so ein bischen gemordet und nach dem Scheide⸗ mann etwas Blausäure gespritzt hat, alle diese Ueber- und Oberpatrioten sind doch im Grunde an sich harmlose, höch⸗ stens etwas phantastische„Realpolitiker“. Erich, komm zu⸗ rück, es soll Dir alles verziehen werden! Was macht es auch aus, wenn solche Hitzköpfe in ihrem treudeutschen Ueber⸗ schwang gelegentlich einmal die Republik zu stürzen ver⸗
suchen, da sie doch tatsächlich nach den„Novemberverbrechern“ später auch die äußeren Erbfeinde, die Franzosen durch das „Volk in Waffen“ vernichten lassen wollen! Die gute Ab⸗ sicht heiligt das Mittel. Also beileibe nicht zu streng urteile und verfahren gegenüber diesen in ihren„Motiven“ so hoch⸗ stehenden Tugendbündlern, die sich höchstens einmal in ihren Plänen und Maßnahmen gegen den inneren Feind ver⸗ greifen! Gilt es doch, augenblicklich einzig und allein,„sich auf die Gesichtspunkte unseres großen Außenzieles einzu⸗ stellen“, also, um eine„Vergrößerung des inneren Zwie⸗ spalts“ zu vermeiden und somit„dem Feinde die Freude zu verderben“, die berühmte Einheitsfront Breitscheid(der Anzeiger rümpft die Nase)— Wulle(der Anzeiger schmun⸗ zelt) auf jeden Fall zu wahren!
Wahrscheinlich im ganzen genommen wieder einmal ein unvergleichliches Musterbeispiel unverfälschter Reaktions⸗ politik des General-Anzeigers für Oberhessen! ph.
— Wahlverein Gießen. Eine Mitgliederversammlung findet morgen Donnerstag abend 8 Uhr im Gewerkschaftshause statt. Auf der Tagesordnung steht„Hessische Angelegenheiten“ worüber die Landttagsabgg. Kiel und Mann sprechen werden Auf diese Versammlung sei an dieser Stelle besonders hingewiesen, die Parteigenossen wollen sich zahlreich einfinden.
— Wegen Gewährung freier Lernmittel an den Gießener Volksschulen müssen sich die Eltern oder die Kinder bei Beginn des Schuljahres an die Klassenlehrer wenden. Die Einkommensgrenze für die Gewährung freier Lernmittel an der Volks⸗ und Fortbil⸗ dungsschule ist auf 400 000 Mk. bei einem schulpflichtigen Kinde festgesetzt worden. Für jedes weitere Kind erhöht sich die Ein⸗ kommensgrenze um 100 000 Mk. Auf die in unserem Montags⸗ blatte enthaltene Bekanntmachung des Oberbürgermeisters sei“ hingewiesen..
— Deutschvölkische Jugendvergiftung in Gießen. Schon vor geraumer Zeit wurde von uns gegeißelt, daß ein deutsch⸗ völkischer Jugendverband,„Pfadfinderkorps“ genannt oder unter einer ähnlichen Flagge zu einer Sedanfeier ein⸗ lade. An derselben Stelle und in demselben Schaufenster (Ricker sche Buchhandlung, Erker nach der Bis marck⸗ straße) sind ständig Plakate ähnlichen Inhaltes aufge⸗ hängt. Seit einigen Wochen zum Exempel figuriert ein handschriftlich hergestelltes Programm unter der Spitzmarke „Pfadfinderhorst, Gießen“.(Minister Severing wies ja in seiner Anklagerede bereits darauf hin, daß immer unter einem anderen Namen diese Sammelbecken der Reaktion sich von neuem zu bilden pflegen.) Der„Feldzugs⸗ plan“ klingt ja keineswegs„staatsgefährlich“. Es ist die Rede von Probefahrten für die ganze Radfahrerabteilung, tagsüber mit Abkochen, Landesverbandstag zu Ehren des— Reichsfeldmeisters(1)... usw. 4
Hier zeigt sich, wie auf alle mögliche Art versucht wird, die Jugend für die„völkischen“ Interessen— denn darum handelt sichs ohne Zweifel— einzufangen. Welcher Geist der Jugend dort beigebracht wird, haben ja traurige Vor kommnisse in den letzten Jahren gezeigt.
— Die Freie Turnerschaft unternimmt am Karfreitag einen
Turngang nach dem Stoppelberg bei Wetzlar. Der Abmarsch er⸗ folgt morgens 7½ Uhr von der Lahnbrücke aus und führt der Weg durch die Orte Heuchelheim, Atzbach, Dorlar nach Wetzlar, von wo aus der Aufstieg nach dem Stoppelberg in einer Stunde zu erreichen ist. Nach längerer Rast auf dem Stoppelberg, welcher zugleich bei gutem Wetter einen prächtigen Ausblick auf die Um⸗ gebung bietet, erfolgt der Rückmarsch über Münchholzhausen nach
Gießen. Die Mitglieder sowie Freunde des Arbeiter-Turn⸗ und Sportbundes werden nochmals besonders darauf aufmerksam gemacht. 7
— Jugendfürsorge und Wohlfahrtspflege. Im Rahmen des vom Bezirksvorstand unserer Partei veranstalteten Kursus für Jugendfürsorge und Wohlfahrtspflege fand am Sonntag nachmit⸗ tag im Gewerkschaftshaus der zweite Vortrag statt. Genossin Quarck⸗ Frankfurt referierte über das Reichsjugendwohlfahrts⸗ gesetz und die Jugendämter, ihre Zusammensetzung usw. Die Referentin suchte den reichhaltigen Stoff mit Wärme den Zuhörern nahe zu bringen. Sie ging zunächst auf den sehr wichtigen Punkt ein, wie notwendig ein Mitwirken gerade der Arbeiterkreise bei den Vorarbeiten und der Durchführung der neuen Jugendwohl⸗ fahrtseinrichtung ist. Denn dieses Gesetz soll allen Kindern zu⸗ gute kommen, und der Einfluß der schon lange bestehenden bür⸗ 0 N n....
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Die Verfolgungen der Juden.
Das Attentat auf den Minister Rathenau hat nicht nur mit einem Schlage die Gefahr. in der sich die Republik befindet erkennen lassen, es hat uns ebenso an all die Leiden und Verfolgungen, denen die Juden ausgesetzes sind, erinnert, Als kurz nach der Re⸗ volution sich in den größeren Städten die Tätigkeit des neuge⸗ gründeten deutschvölkischen Scheltz und Trutzbundes bemerkbar machte, sehlte es micht an entschiedenen Stimmen, die auf diese Gefahr für die Republik deutlich hinwiesen. Aber zunächst waren noch andere Gefahren da, da wurde die eine aus dem Auge ver⸗ loren und vielleicht auch unterschätzt. Dennoch konnte man die
rührige Tätigkeit der gehemen und offenen Agenten dieses Bundes bald überall bemerken. leberall, auf Straßen, in Wirtshäusern, in Geschäftslokolen aut den CLisenbehn, überall, wo über die Zeit geredet wurde, sehlte es nicht an Leuten, die die Juden beschuldig⸗ ten, den Untergang Deutschlands besorgt zu haben. Schon nach einem halben Jahre waren sie mit einem Machtdünkel ausgestattet, daß sie ernsthaft glaubten. Niesenversammlungen einfach ausein⸗ ander jagen zu können. Was einige Jahrzehnte nur eine lächerliche Episode gewesen, sollte jetzt mit Mitteln reich versehen, zu einem Schrecken werden.
Die Gesch lte der Juden ist eine Geschichte der Leiden und Verfolgungen. Mit der babylonischen Gefangenschaft bis zum Judenvogrem und den Attentaten auf Rathenau und Harden zieht sich eine Kette von Drangsalen und Hetzen. Kein Volk der Erde hat gleiches über sich ergehen lassen müssen. Man hat den Neger versklavt, die Indianer ausgerottet, den Kuli ver⸗ tert, aber den Juden hat man über die Erde gehetzt. Von der Erlaubnis aus der babylonischen Gefangenschaft nach der Heimat zurückzukehren, hatte nur ein Teil Gebrauch gemacht. Viele hatten schon vorher versuckt diefer Knechtschaft zu entfliehen, und das ist der Zeitpunkt, mit dem die Verbreitung der Juden über die ganze Erde begann. 1
Aus der Gefangenschaft mach Palästina zurückgekehct, fehlte es nicht an tapferen ung tatkräftigen Männern, den alten Judenstaat W aufzurichten: doch nun kamen die Römer und maßten sich die Oberherrschaft an, die im Jahre 70 nach einer heldenmütigen Verteidigung Jerusalem eroberten und den Tempel mit dem Aller⸗ heiligsten in Asche legten Im Jahre 72 fielen die letzten Boll⸗ werke des jüidische, Staates das Land wurde an römische Soldaten
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beginnend
verteilt oder veräußert. Der Staat Israel hatte aufgehört, die nationale Selbständigkest war durch die Gewalt der Römer dahin, die Juden waren vaterlandslos, sie zerstreuten sich über die ganze Erde, jetzt nur noch allein durch die Gesetze ihrer Religion ver⸗ bunden. Die Geschichte ihrer Leiden beginnt, kein Volk nahm sich ihrer an, keine Weltmacht meldete sich, die für das Recht der kleinen
Völker eintrat, wohin sie kamen, wurden sie beselndet, verfolgt,
bedrückt, mit Abgaben überhäuft, vom ehrbaren Erwerb ausge⸗ schlossen. an den Schulen nicht zugelassen. Der in Palästina ver⸗ bliebene Rest nahm keineswegs die Bedrückung willenlos auf; ihr Verlangen nach staatlicher Selbständigkclt rief sie zu mehrfachen Erhebungen auf, die Niederschlagung eines solchen Aufstandes kostete mehr denn eine halbe Million Menschen, die hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten verfielen der Hinrichtung. Jerusalem wurde völlig zerstört und als eine römische Militärstadt neu aufge⸗ baut. Die Bedrückung in ihrem Stammlande war ärger als in der Fremde, in Rom genossen sie sogar einige Zeit die Rechts⸗ gleichheit mit den römischen Bürgern.
Nur in Spanien genossen sie eine gewisse Achtung und be⸗ kleideten viele öffentliche Aemter; sie hatten eine eigene Gerichts⸗ barkeit, völlige Religionsfreihsit, und alle Berufe und Gewerbe standen ihnen offen bekleideten die höchsten öffentlichen Aemter und stellten die berühmtesten Aerzte Gelehrten und Dich⸗
Sie
ter. Unbekümmert um die päpstlichen Edikte wurden ihnen volle Freihah t der Religionsübung und die billige Gleichberechtigung zuteil. Aber schließbich fiel es auch hier einem Erzbischof bei, über
die Junden herzuziehen so daß es zu den schrecklichsten Judenver⸗
solgungen kam, die gegen Ende des 14. Jahrhunderts begannen.
und nunmehr kein Ende nahmen. Besondere Judengesetze schrieben ihnen Kleidung und Wohnstätten vor machten sie rechtlos, bis Inquisition und Ausweisung einsetzten und 300 000 Juden besttz⸗ und heimatlos Spanien verließen..
In Deutschland haben sich Juden schon sehr frühzeitig nieder⸗ gelassen, besonders im Süden während sie im Norden erst viel später auftraten. In Köln lassen sie sich schon vom Jahre 321 nachweisen, in Mainz aber erst vom 9. Jahrhundert an, in den anderen Städten noch später, Bis zum Beginn der Kreuzzlige blieben die Juden in Deutschland unbehelligt, konnten alle Berufe ausüben und genossen jedes gesellschaftliche Ansehen. Der Bischof von Speyer erwirkte ihnen im Jahre 1090 das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit, des Grunderwerbs, des freien Handels im ganzen
Reiche den Eid nach den eigenen Gesetzen abzulegen usw. Aber dann kamen die Kreuzfahrer mit ihrem fanatischen Glaubenseifer und tauften, plünderten und ermordeten sie zur höheren Chre Gottes; sie wurden aus den Städten vertrieben und siedelten sich von da an zumeist auf dem Lande an. Im Jahre 1298 wurden sie in 146 Gemeinden förmlich und regelrecht niedergemetzelt. Das 14. Jahrhundert wurde eine Kette der schrocklichsten Verfolgungen. Hunderte wurden in manchen Jahren einsach niedergemasht, willkommene Gelegenheit, sich von lästhgen Gläubigern zu defreten. Immer wieder sanden erst Plünderungen. dann Ermordungen, startt. Dabei wußten die Juden zu ihrem Schutz Abgaben an den Kaisee entrichten, der ihnen besondere Schutzbriefe hierfür aus⸗ stellte. Ter Kaifer verpfändete sogar dieses Schutzrecht an Städte und Adlige. Gegen hohe Abgaben wurde ihnen sicheres Bereit gewährt, doch ohne jede Garantie und dieser Zoll wurde ahne jede Gegenteistung bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von ihtten erhoben, in einicen Landesteilen auch noch länger. Jede Geld at des Kaisers ließ eine neue Judensteuer ersinden. Durch Vorschrig einer besonderen Kleidung und der Beschränkung des Wohnens wurden sie vor der Bevölkerung verächtlich gemacht. Von allen Gewerben, Berufen und dem Handel ausgeschlossen, blieb ihnen allein das Psand⸗ und Geldgeschäft, mit dem sie ihr Leben fristen und die hohen und vielen Abgaben bestreiten mußten.
Erst der als großer Deutscher gefeierte Luther erwirkte den Juden einige Erleichterung. In seiner 1523 erschienenen Schrift „Daß Jesus ein geborener Jude gewesen“ ermahnte er, die Juden als Blutsfreunde und Brüder zu behandeln. Dennoch blieben alle Ausnahmebestimmungen erhalten und die Bedrückungen und Be⸗ schuldigungen nahmen kein Ende. Aus Bayern, der Pfalz und Oesterreich ausgewiesen, ließen sich die Juden jetzt mehr im Norden nieder. Erst mit dem Auftreten der Mendelsohn, Dohn und Lessing, mit der nach der franzßsischen. Revolution in Frankreich prokla⸗ mierten Gleichberechtigung kamen bessore Zeiten. Aber die jahr⸗ hundertelangen Verfolgungen und die sorgsam gepflegten Vor⸗ urteile würken noch heute nach und lassen übersehen, daß viele Be⸗ sonderheiten nichts anderes als die sich rächende Schuld sind. In ganz bestimmte Bahnen gedrängt, konnte die Entwicklung keine andere sein. Daß sich die Art trotz der ganz systematischen Be⸗ drückung doch hat erhalten können das sollte eigentlich für sie surechen. Dr. H. Rohden.
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