Ausgabe 
27.6.1923
 
Einzelbild herunterladen

8

*

e,,

. ³˙Ü 0mm«ñnů p e

2

2

Nebaltlon: Gießen Bahnhofftraße 23

ische

olkszeitung Organ für die Interessen des werktätigen Volles dae. der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

Spedition: Gießen Bahnhosstraße 23 Fernsprecher 2008.

Die Oberb. Volkssettung erscheint j

f ttun eint jeden i in Gi 125 schaflliche Beilage 155 den BeilagenDes Blas Wer grund 2 3 Poi eden 550 tragt, monatlich 5500. Mt einschl. Bringerlohn.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenteil verantwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann K Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M.

Der Anzeigenpreis beträgt sür die Millimeterzeile(35 mm breit) oder deren

Naum lokal 90 Mk, auswärts 120. Mk., die Reklamemi imetergeile

450. Pk, Bei größeren Aufträgen oder Wiederholungen wird entsprechen⸗ der Rabatt gewährt Anzeigen⸗Annahme bis 6 Uhr abends.

et. einschl. Bestellgeld. Einzelnumm. 220. Mt Nr. 144

Gießen, Mittwoch, den 27. Juni 1923

Wie weit ind wir noch vom tatsächlichen Hoch⸗ und Landesverrat entfernt?

Rupprecht als Staatspräsident.

Aus München wird uns geschrieben: 5 5 Die Verhandlungen des Fuchs⸗Machhaus⸗Prozesses sind abgeschlossen. Das Urteil wird en ee de 15 Hochverrats überführten Angeklagten werden verurteilt, werden. Redet sich aber jemand ein, daß mit der Ver⸗ urteilung der armseligen Schächer, deren Absichten im wesentlichen infolge ihrer eigenen Tolpatschigkeit und Ruhmredigkeit mißlingen mußten, die in Bayern seit 1 langem grassierende Hochverratsseuche gebannt werden 1 wird? Glaubt man, daß die Kreise, die sich Patrioten und N vaterländisch gefinnt nennen, sich über die in den Prozeß⸗ ver handlungen erwiesenen Tatbestände überhaupt entrüsten und einer Wiederholung solcher Versuche, Bayern vom Reich zu trennen, entgegenzuwirken entschlossen sind? Mit nichten! In diesen Kreisen hat man die Kenntnis von den nunmehr offen zutage liegenden Separationsbestrebungen mit dem Gleichmut entgegengenommen, der einzig und allein nur bei gleichgesinnten Seelen möglich ist. Die Stimmung in diesen Kreisen ist so, daß man etwa sagt, was die Angeklagten taten, war jawohl nicht recht aber mußte das nicht einmal kommen, wird sich nicht doch einmal Bayern vom Reich trennen müssen? f

Untersucht man die Frage, wie es wohl dahin kam, daß diese Stimmung in Bayern überhaupt Platz greifen konnte so stößt man als wesentlichste Ursache hierfür auf die Republikfeindlichkeit und die kritiklose Gegner⸗ schaft gegen Berlin, die das A und das O der politischen Programms der maßgebenden Partei in Bayern, der Bayerischen Volkspartei, sind. Aus diesem Wurzelboden wucherte das Unkraut der mehr oder weniger geheimen

zerklüfteten, statt es zu einer der Not der Zeit entsprechenden festen Geschlossenheit zusammenzuführen. Diesem Boden entstiegen die Miasmen jener moralischen und rechtlichen Korruption, die den Gedanken des Verrats der deutschen Einheit, um die Generationen deutscher Patrioten gerungen und geblutet haben, als eine erörterungsfähige, ja geradezu selbstverständliche Sache ansehen ließ. Seit langem sind in diesen durch eine demagogische Agitation bearbeiteten Kreisen alle Sinne darauf gerichtet, die deutsche Einheit und ihre verfassungsrechtlichen Grundlagen nach Kröften zu ver⸗ höhnen, sie im bayerischen Volk mißliebig zu machen und möglichst viel Sprengstoff für die geplante Vernichtung der deutschen Einheit zusammenzutragen. Man klagt das Reich an Bayern seine Finanz⸗ und Steuerhoheit geraubt zu haben, während es doch der Vorstand der Baverischen Volks⸗ partei, Herr Speck, selbst war, der als bayerischer Finanz⸗ minister Abmachungen hierüber mit seinem klerikalen Ge⸗ sinnungsgenossen Erzberger getroffen hat. Man führt Be⸗ 0 schwerde über den Verlust der Verkehrshoheit. und hat doch seinerzeit selbst für die Weimarer Reichsverfassung und für den auf ihr beruhenden Staatsvertrag gestimmt, der die Zu⸗ ständigkeit des Reiches begründete. i 5. Als ein zurzeit für besonders wirkungsvoll angesehener Srenheit f denten 2. begehen g S spräsidenten 3 9. 2 5 1 1 bie Form einer für die naiven 1 8 los erscheinenden Herbelges nter Herre 120 5 innerli ür mi erbe Fe e a zu 5 etreibt diese a iu dae ue deen wee wee ae . die staatspolitische e e Parlamentarismus auge pre ge eusengen ee der 185 25 saßsgrdende politische Lebens-

ö . 0 f ö

für das deutsche 4 Lebens.

* herausgestellt haben. Man bekämpft 95 5 1

Lebensprintip nicht dort, wo es begründet 1 5 e

0 Verfassung des Reichs, sondern man 11 91 0 Hinterhalt beikommen, 1 N

eutschen Land zu Fall zu bring 0 1

nzunehmen, daß seich f 1. 1 0 Folgen ihres Vorgehens

Vorwände sind fadenscheinig. Was

Ees ware wo a heber dieses Planes ai u klaren wären. Ihre

Bünde empor, die das politische Leben des deutschen Volkes

Verfassungsänderung, um

Auf des Meslers Schneide?

von der Stärkung der Staatsautorität oder der besonderen Betonung der Staatspersönlichkeit durch einen vom Parla- ment unabhängigen Staatspräsidenten gesagt wird, sind nur Redensarten; das Wesentliche an einem bayerischen Staats⸗ präsidenten die anderen deutschen Länder einschließlich Preußens haben bisher den Gedanken an einen solchen weit von sich gewiesen und beschränken sich auf die Repräsen⸗ tation des Staates durch den vom Parlament gewählten Ministerpräsidenten ist der Umstand, daß er das bisher stärkste Pronunziamento gegen die Weimarer Verfassung, gegen das Fundament unseres politischen Lebens ist, dessen Unterminierung damit begonnen werden soll. Ist erst der Staatspräsident geschaffen, so ist es dann seine Sache, den Staatsstreich selbst, der die Zertrümmerung des Reichs zur unmittelbaren Folge hätte, in der möglichst erfolgver⸗ sprechenden Art zur Durchführung zu bringen.

Zurzeit beherrscht die Vertreter dieser Gedankengänge nur noch eineUnstimmigkeit? Wer soll der Erkorene sein, dem die Erfüllung diesergeschichtlichen Aufgabe zufällt? Die sich deutschnational, vaterlandisch, völkisch oder sonstwie nennenden Gruppen des antidemokratischen Blocks haben den Mann mit demStiernacken, Herrn v. Kahr, auf den Schild erhoben, der schon in ausgiebigster Weise seine Kandidatenreden im Lande herum hält. Aber Kahr ist der Mann, den seinerzeit ein prominenter Führer der bayerischen Volkspartei derTreulosigkeit bezichtigte, den die Partei als Ministerpräsidenten stürzen mußte, weil er sich und sie selbst unheilvoll kompromittiert hatte. Sie kann also für Kahr nicht eintreten, und darum wird sie eine eigene Kandidatur aufstellen, mit der sie Kahr glatt zu schlagen gedenkt, und das ist kein anderer als

i Rupprecht von Wittelsbach. Mit diesem Wahlfeldzug glaubt sie den in letzter Zeit trüb gewordenen Glanz ihres Parteinamens wieder frisch auf⸗ polieren und die ihr über den Kopf gewachsenenvater⸗ ländischen Orgonisationen in ihre Schranken zurückweisen zu können. Aus dieser Wurzel fließen auch die Reden führender Persönlichkeiten der Bayerischen Volkspartei, so

in den letzten Tagen des Ministers Schweyer über die Treue zum angestammten Herrscherhaus.

Die Brücke ist gebaut, die von den Monarchisten und Reichsfeinden in Bayern

demnächst betreten werden will. Wird man, wenn diese Revolution gelungen sein sollte, sich auch nach dem be⸗ kannten Wort des Kardinals Faulhaber über denMeineid und Hochverrat sittlich entrüsten, der in der Geschichte ewig mit einemKainsmal gezeichnet sein wird?

Der fächsische Ministerpräsident über die drohende Gefahr.

Dr. Zeigner hat in einer Volksversammlung in Planitz bei (Jiwickau eine Rede gehalten, über die bisher nur in dunklen An⸗ deutungen gesprochen wurde. Von ihr wurde nur bekannt, daß Ge⸗ nosse Zeigner nicht von einem bedingungslosen Abbruch der Ruhraktion gesprochen habe, wohl aber den Abbruch gefordert 11 weil sie von den Nationalisten für ihre Zwecke ausgenutzt werde.

Recht bedeutungsvoll aber ist, was Genosse Dr. Zeigner sonst noch gesagt hat, aber nicht weiter bekannt geworden ist. Dem Be⸗ richt, dessen Richtigkeit von Zeigner bestätigt wurde, des Sächsischen Volksblattes entnehmen wir folgendes:

Redner kommt eingehend auf die Untersuchung im Erzberger⸗ Mord zu sprechen und zitiert einen Ausspruch des Untersuchungs⸗ richters, der erklärt habe, daß seine Untersuchung nicht ein Kampf gegen die Mörder, sandern ein solcher gegen die Behörden gewesen sei. Die Hauptverhandlung habe nicht erfolgen dürfen, da sonst ungeheure außenpolitische Verwickelungen erfolgt wären. Es stehe fest, daß Killinger 300000 Mark aus Reichs mitteln zur erfügung gestanden hätten

Die Reichregierung habe ganz unter dem Einfluß gestanden. den passiven in den aktiven Widerstand überzuleiten. Die größte Gefahr der gewaltsamen außenpolitsschen Auseinandersetzung habe im April und Moi bestanden, sei jedoch beseitigt: die inner⸗ politische stehe jedoch noch bevor. Ueber diese Dinge könne erst einmal geredet werden, wenn bestimmte Archive geöffnee würden, den Bürgerlichen würde die Kritik dann abhanden kommen.

Für Mitteldeutschland bergen die nächsten Monate grosse Ge⸗ sahren und es werde dazu kommen, daß der Arbeiterschaft die Faschisten bis an die Kehle bewaffnet gegenüber⸗ Händen.

Banern sei der Sammelplatz und Ausgangspunkt der Bewegung, und wenn Cuno vor einem zweiten Versailles stände und dann abtreten müsse, dann sei der Augenblick für die jungdeutschen und faschlstischen Wellen gekommen und auch für Süddeutschland, wo Hitler eine Gefahr für, den Saat worden sei, wo die Faschisten mit der Reichswehr Uebungen ab⸗ halten. Die Gegensätze würden sich austoben und sich vom Aus⸗

1

18. Jahrgang

gangspunkt fortwälzen. Ueberall zeitigten die Verhältnisse eine große Nervosität; es brauche nur der Funke in das Pulverfaß zu fliegen, und so lägen die Dinge im Reich und in den Ländern

Redner verweist auf den Kapp⸗Putsch. Man solle nicht, anneh⸗ men, daß sich jemgls ein Kapp⸗Putsch wiederholen werde, diesmal gehe es anders. Man werde vom Ausgangspunkt vorerst keine Vorstöße unternehmen, sondern sich konsolidieren und dann rücksichts⸗ los vorgehen. Die Geschichte kenne Beispiele(Serbien), und es werde soweit kommen, ob man wolle oder nicht, eines Tages gehe das Gewehr los. Es sei nicht

Zufall, daß in Leipzig und Dresden derartige Elemente angetroffen wurden,

es sei nicht Zufall, daß der

Reichswehr die Waffen abhanden kämen. Für Sachsen stehe viel

auf dem Spiele. Es gehe Kampf um den Bestand und die

Sicherung der Republik; viel müsse noch geschehen. 1 Genosse Zeigner ermahnte fortgesetzt die Arbeiterschaft, ange⸗ sichts dieser großen Gefahr, alle Gegensätze zursickzustellen und Selbstdisziplin zu üben, damtt sie diese schwere Belastungsprobe aus⸗

halte. 8 95 Fascisten in Berlin. N. f Es scheint, daß ausgerechnet die Zeit der Jahrestage der Er⸗ mordung Rathenaus von den Nationalisten aller Schattierungen be⸗ stimmt war, mit besonderer Deutlichkeit den Uebermut und die herausfordernde Frechheit zur Schau zu tragen. So berichtet der Vorwärts über einen Vorfall, der sich in der nächsten Nähe Berlins

zutrug: 5

Vor dem privatenKrankenhaus Nordend, das in einsamer Gegend nahe dem Straßenbahnhof liegt, führte nachts um ½2 Uhr ein aus der Kneipe heimkehrender Trupp eine wüste Radau⸗ szene auf. Die dem Sanitätsrat Dr. Dos guet gehörende, früher von Krankenkassen viel benutzte Anstalt hat Ende vorigen Jahres ihren Betrieb ganz eingestellt, zurückgeblieben sind aber in ihr noch ein paar kranke Angestellte der Interalliierten⸗ Kommission, die etwa 2 Jahre hindurch das Krankenhaus für ihr Personal mitbenutzt hat. Gegen die dort jetzt noch untergebrach⸗ ten vier Franzosen i tätsrat Dr. Dosquet richtete sich der Mut und die Wut der Radau⸗ helden, die mit dem LiedeSiegreich wollen wir Frankreich schla⸗ gen! anmarschiert waren. Vor dem Hause Halt machend, schrien sie:Dosquet, du Lump, du Hund, du Schwein, gib die Franzo⸗ sen heraus, sonst schlagen wir dir das ganze Krankenhaus ka⸗ put! Als keine Antwort erfolgte, setzten sie ihr Schreien und Toben verstärkt fort und brüllten, Unter der Horde mußten Personen sein, die über die Verhältnisse im Hause Dosquet unterrichtet waren und auch um die Reise des Sani⸗ tätsrats wußten. Einer rief:Der Kerl ist ja weg! und nun ging das Geschrei los:Frau Dr. Dosquet, halten Sie zu uns, geben Sie uns die Franzosen heraus! Als wieder keine Antwort erfolgte, erging einer der Strolche sich in unflätiger Schimpferei gegen Frau Sanitätsrat Dr. Dosquet. Schließlich schritten sie sogar zu Gewalttätigkeiten, zertrümmerten die hölzerne Gar⸗ tentür, drangen in den Garten ein und zerschlugen an einem Gebäude ein paar Fensterscheiben. Dem Haus⸗ diener, der sich jetzt meldete und auf sie einredete, antwortete einer: Sie kenne ich, Sie sind der Hausdiener. Es gelang dem Haus⸗ diener, die Tobenden zu bewegen, daß sie wieder abzogen. Das nächste Polizeibureau(in Niederschönhausen, Blücherstraße) wurde um ½2 Uhr nachts um Hilfe angerufen, aber 2 Beamte. die später eintrafen, fanden niemand mehr vor. Eine am nächsten Tage zu⸗ fällig hinauskommende Ordonnanz der Kommission sah die angerich⸗ teten Zerstörungen, erfuhr Näheres darüber von den in der Anstalt untergebrachten Franzosen und erstattete Bericht an die Kom⸗ mission, die dann sofort durch einen hinausgesandten Major weitere Erkundigungen einzog.

Geländenbungen. 5 Strohdiemen bei Wilsdorf bei Freyburg a. d. Unstrut. wurden neben zahlreicher Munition sieben Maschinengewehre auf⸗ gefunden. Ein wandernder Handwerksbursche wollte in einem Strohdiemen übernachten. Dabei fand er einen Kasten Munition, die er am nächsten Tage in Naumburg verkaufte. Als er schon mehrere Male Munition verkauft hatte, wurde er verhaftet. Bei näherer Nachforschung durch drei Landjäger wurden im Strob⸗ diemen mehrere Kästen mit Munition und insgesamt sieben Maschinengewehre gefunden.

So wußte die bürgerliche Presse zu melden, der man auch ent⸗ nehmen konnte, was mit diesen Dingen geschehen sollte. Dieselben brachten nämlich Aufforderungen an die Leute vom Stahlhelm, Werwolf, Bund der Frontsoldaten an einer Geländeübung im Un⸗ struttal teilzunehmen. Die Uebung sollte sich bis Eibleben und Querfurt ausdehnen, wo ausgerechnet am gleichen Tage die Gewerk- schaftsfeste stattfanden. 5

Tatsächlich ist der Zweck der Uebung erreicht. In Eisleben kam es am Sonntag zu bluligen Zusammenstößen der Stahlhelm⸗ leute und Kommunisten, wie die bürgerliche Presse und ihre Agenten⸗ turen berichten. Die Kommunisten sollen die Jugendgruppe der Stahlhelmleute überfallen haben, worauf diese die Kommunisten furchtbar zusammengehauen haben.

Provokationen in Schlesien,

In Schlesien streiken 90 000 Landarbeiter, weil ihnen, wie Ge⸗ nosse Buchwitz im preußischen Landtag ausführte, die Verein⸗ barung vom April-Mai nicht erfüllt wurde. Die Notstandsarbeiten. wie Viehfüttern, werden erledigt, aber man will auch die Erntear⸗ beiten und sogar das Rübenziehen zu Notstandsarbeiten machen, um die technische Nothilfe anrufen zu können. Jetzt will man sogar rote Hundertschaften im Umherziehen gesehen haben. Dagegen konnte Genosse Buchwitz feststellen

Im Kreise Neumarkt treiben jetzt die berüchtigten Bandenführer

In einem

nn, e eee. idee r t g. e-

wieder ihr Unwesen. Im Kreise Steinau erlebten wir, daß Masor

sowie gegen den zurzeit verreisten Sani⸗

sie seien die Ehrhardt⸗ Garde.

1

3