Zu einer Reihe von Anträgen sib Landwirtschaft erklär i 9 1 905 18300 t auf eine Anfrage Ministerialdirektor 8 f igli für die Keedisgewährung in ohe einer Miller Wöleße 0 Die Anträge werden für erle N r 0 Genossen, d länderzuzuges an den Hochf N letzten Teil des Menges da 55 Reichsregierung darauf hinzuwirken, 1 6 5 Hochschulen solange ni deutschen Studenten nicht erlaub znureisen. Das Haus schließt si Antrag als erledigt erklärt. Ein Antrag Werner und Kindt auf
Schulunterricht auf Kosten ö angenommen. Ein Antrag eligenstadt, und Knoll über die 105 151 1 erklärt. Ebenso zomm.) betreffend Kirchensteuer Roth(Komm.) über den Pacht⸗ Kreise Erbach. t(Deutschnat.) fordert die Regie⸗ dahin vorstellig zu werden, daß kulation vorgenommen wird, daß Jahren und Bankbeamte zur werden. Abg. Ebner(Komm.)
des Abgeordneten Bor ne⸗
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Antrag Ebner. Gegen diesen Antrag, der das Verbot der Vörsen⸗ spekulation auf alle Personen ausgedehnt haben will, erheben be die Mitglieder des Bauern⸗
Dann schließt die Sitzung und zugleich
Uhr. Der Landtag wird voraussichtlich vor sammentreten.
Gießen und Umgebung.
die Session gegen 3 Oktober nicht mehr zu⸗
Adam Volz.
Einer unserer bekanntesten Gießener
Parteigenossen,
. der auch nach der Dauer seiner Parteimitgliedschaft zu den lutte fi ältesten zählt, ist am Donnerstag abend aus dem Leben ge⸗ Hen Ag schieden. Adam Volz kam in jungen Jahren aus seinem
Venia Heimatsorte Lich nach Gießen und arbeitete hier in seinem Berufe als Schneider. Als in dem letzten Jahre des Sozialistengesetzes die Gründung einer sozialdemokratischen Parteiorganisation in Gießen möglich war, trat ihr Volz bei und hat ihr seitdem ununterbrochen angehört. Lebhaften Anteil nahm er an allem, was unsere Partei berührte, jeder⸗ zeit war er bereit für Förderung unserer Sache zu tun, was nur immer in seinen Kräften stand, mit Leib und Seele ge⸗ hörte er der Bewegung an. Längere Jahre war er Vor⸗ sitzender des Ortsvereins, und seitdem wir einen Kreis- und später Bezirksvorstand hatten, gehörte er diesen Körper⸗ schaften die meiste Zeit an. Seit seinen Jugendjahren war
er natürlich auch Mitglied seiner Gewerkschaft, für die er wertvolle Arbeit geleistet hat.— Durch das Vertrauen der
Gießener Arbeiterschaft wurde or— irren wir nicht, im Jahre 1909 in den Vorstand der Ortskranken⸗ leben kasse gewählt, einige Jahre später wurde er ihr Vor⸗ e See sitzender, welches Amt er bis jetzt inne hatte. Bei den Stadt⸗ bverordnetenwahlen im Jahre 1919 wurde er in das Stadt⸗
parlament gewählt und auch hier füllte er das ihm übertragene mit Pflichtreue aus. Bei allen, die ihn kannten, wer er wegen seines offenen und geraden Wesens hoch⸗ geschätzt, in uneigennütziger, selbstloser Weise stellte er sich
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lt u 2 stets für die Sache der Arbeiterschaft zur Verfügung, wo es munten? ihm immer mölich war. Viel Sorge machten ihm die wullih uf Schwierigkeiten, welche die Partei seit Beginn des Krieges
kam 05 durchzukämpfen hatte, besonders bedauerte er die Spaltung tief. Möglicherweise haben diese Ereignisse dazu beige. tragen, das nervöse Leiden, das sich in den letzten Jahren bei ihm geltend machte, zu verschlimmern, mit Sicherheit daß sein jäher Tod 1 0 ü ist. Volz ist 58 Jahr alt geworden. Unsere Partei zuführen ist. Volz ist 58 Jah%
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zal be 5. för 117 zen bei der Sache war. Wir alle danken ihm t h richtigem Herzen bei Enden p en
Preisbeeinflussung durch das Publikum.
Wir haben schon oft darauf hingewiesen
ührt, s kaufende Publikum an d a ieser Heise alen Bedarfartlke einen Teil der i 155 nchen Hinsicht 0 beachtenswert, was die Abeinisch Wessffliee feier,
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8. zentrale schreibt: 8 5 2 Han 90 2 3 das an der Niedrighaltung der Preise das 85 , e ee Ire heben fais, deiset bhcer dir marge denn at ge. einen unter anscheinend ohne sich dessen bewußt zu ein 12 8 radezu unperständiges Verhalten den denkbar größten Vorschue⸗ 1. 5
f i der Preise, wie dies gegenwärtig 5 ag wit i e e 515 e en 1 10 0 i in Vielfaches des w.
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der Fall ist, wird
vernünftig wäre,
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Waren leichter kaufen, als bei elgenden Preise dem Kaufmann nicht zu ver⸗ denken, wenn er die 1 4 e 50 und wichtig machen un! ö. wird wie wild ge Angebot erheblich und die Preise Wenn nun das Publikum die 1 ferner durch die wirkfamste Art der 1 Wund zu Mund, in günstiger Aesse sürdert, 510 112 merkwürdig erscheinen. Kostet in ein 1 5 10 der Preise beispielsweise das Pfund n n e e 7 9 1 5 50 1 nächsten Wo f 11 5 11 5555 2 oder weil in einem besonders el eebgescht aus gewissen Gründen dieser Preis bereits
würde
er Kreditgewährung an die
verlangt wird, wird an allen Ecken, an allen Stammkischen und Kaffeekränzchen dieser übertriebene Preis nun zum allgemesnen Ge⸗ rede gemacht und damit zum Richtpreis für Butter geradezu ge⸗ stempelt. Jeder will sich mit seinen Preiskenntnissen interessant und wichtig machen und fiberlegt dabei garnicht, daß er duchr seine Aussprüche die Preise gewissermaßen hochschreit und sich selbst damit schädigt. Alle derartigen Redereien kommen natürlich auch zu Ohren des Kaufmanns, und der muß sich dann sagen, daß der von ihm geforderte Preis sa eigentlich viel zu niedrig und den Ver⸗ hältnissen garnicht angepaßt sei. Der Erfolg ist, daß er dem nächsten Kunden schon den höheren Preis abverlangt. Da die Wucherpoltzel nicht überall sein kann und das Publikum andererseits Anzeigen scheut, wird er es auch in vielen Fällen ungestraft tun können.
Dieses unverständige Verhalten des Publikums findet man in Perioden fallender Preise in anderer Form wieder. Als der Dollar durch die Stützungsaktion der Mark erheblich gedrückt wurde, konnte man schon im Anfang überall die Bemerkung hören: Was werden wir davon haben, die Preise werden deswegen doch nicht allen! Die Redensart:„Der Dollar fällt, die Preise steigen“ wurde sogar zum Schlagwort. Daß sich das Publikum mit solcher Ein⸗ stellung auf die Dinge selbst schädigt, liegt auf der Hand. Der Kaufmann hört und liest sie auch und aus Furcht vor Absatzstock⸗ ungen oder Verlusten wird er ganz gefühlsmäßig alles tun, um das Publikum in seinem Glauben zu erhalten.
In welch erheblichem Umfange das Publikum also selbst die Preisbildung beeinflußt, darüber haben wohl die wentigstens bisher nachgedacht. Die Behörde kann unmöglich auf die Preise einwirken, wenn das Publikum eine unverständige Haltung einnimmt.
95 2 7 Wucherzentrale hat mit vorstehenden Ausführungen sicher⸗ re. den gerügten Uebelständen nicht abgeholfen werden kann. Die pro⸗ letarische Masse ist es nicht, die sich mit Lebensmitteln für Wochen oder Monate eindecken kann. Wenn die Frau des Arbeiters die Löhnung des Mannes bekommt, wird sie wenigstens soviel einkaufen wollen, daß es bis zur nächsten Löhnung reicht. Wartet sie mit dem Einkauf auch nur einen Tag, so hat ihr Geld schon nicht mehr die⸗ selbe Kaufkraft. Sie muß aus Selbsterhaltungstrieb die Jagd nach den Waren mitmachen, da die Preise täglich höher schnellen. Die Vorgänge auf dem Waren⸗ und Lebensmittelmarkte sind natißrlicher Ausfluß des herrschenden Chaos in der Fretwirtschaft. Sie wären
bei einer geregelten Zwangs wirtschaft undenkbar.
Altersinvalidität.
Altersinvalidität. Vom Landesversicherungsamt wird uns ge⸗ schrieben: Auf Grund des Gesetzes vom 10. November 1922 gilt als invalid im Sinne des 8 1255 RVO. auch derjenige, der das 65. Lebensjahr vollendet hat. Er hat songch, wenn er die vorgeschriebene Wartezeit erfüllt und die Anwartschaft aufrecht erhalten hat, An⸗ spruch auf Invaltdenrene, ohne daß es des Nachweises tatsächlicheer J valität durch Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses bedürfte. Trotzdem liegen den auf Grund obiger Vorschrift bei der Landesversicherungsanstalt ein⸗ gereichten Anträgen vielfach ärztliche Atteste bei. Neben der hier⸗ durch bedingten Verzögerung des Verfahrens entstehen für deren Einholung erhebliche Kosten, die gespart werden sollten. Die Be⸗ teiligten, insbesondere die Bürgermeistereien, seien deshalb noch⸗ mals darauf hingewiesen, daß bei Invalidenrentenanträgen, die auf die Zurücklegung des 65. Lebensjahres gestützt werden, eine ärztliche Begutachtung zu unterbleiben hat.
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— Stadtverordneten⸗Versammlung. Eine Sitzung der Stadt⸗ verordneten ist auf Donnerstag, 28. Juni nachmittag 5 Uhr ein⸗ berufen. Auf der Tagesordnung stehen eine Anzahl Baugesuche so⸗ wie Kreditbewilligungen, ferner ein Kredit für die Löhne der städt. Arbeiter, Erhöhung der Hundesteuer, Beitragsleistung für den Deutschen Städtetag, Gesuch des Hausfrauenvereins um einen jähr⸗ lichen Zuschuß, Ernennung der Beisitzer für das Pachteinigungsamt, Erhöhung der Sbandgelder auf den Vieh⸗ und Krämermärkten, so⸗ wie auf dem Wochenmarkte.
— Hundesteuer. Der Stadtverordneten⸗Versammlung liegt ein neuer Antrag betreffend die Hundesteuer vor, wonach für den Rest des Jahres 1923(ab 1. Juli) 12 000 Mk., für den zweiten Hund 24000 Mk., für den dritten 48 000 Mk. Steuer zu zahlen sind. Für jeden weiteren Hund soll sich die Nachzahlung verdoppeln. Für einen Hund wären danach jährlich 24000 Mk. zu zahlen. In der letzten Vorlage wurden für den einfachen Hundebesitz 30 000 Mk. gefordert. Mit der progressiven Steigerung der Steuer bei mehr⸗ sachem Hundebesitz kann man einverstanden sein, dagegen ist der Satz für einen Hund ziemlich niedrig gehalten, in anderen Städten ist die Steuer weit höher. Daß in Gießen eine wahre Hundeplage besteht, kann nicht bestritten werden, darum wäre eine höhere Steuer sehr am Platze. Unter 30 000 Mk. sollte man nicht festsetzen, in anderen Städten werden 50 000 und noch mehr erhoben, welcher Betrag ohnehin noch hinter der Steuer vor dem Kriege verhältnis⸗ mäßig weit zurücksteht. 5
— Wohnungsbauabgabe und Wohnungswirtschaft. Ueber diesen jetzt sehr aktuellen Gegenstand wird in der heute(Dienstag) abend im Saale des Gewerkschaftshauses stattfindenden öffentlichen Ver⸗
Aber sie wird auch zugeben, daß mit solchen Feststellungen
Wichtig für die Bezieher unseres Blattes durch die Postanstalten!
Vor einigen Tagen haben wir unserer Postauflage eine Zahl⸗ karte beigegeben mit der Bitte, uns den darauf bezeichneten Be von 1500 Mark als Nachzahlung zum Juni⸗Abonnement gefl. zu überweisen. Ein Teil unserer Abonnenten hat unserem Ersuchen noch nicht entsprochen. Wir wiederholen deshalb unsere Bitte, un⸗ serer Aufforderung um Begleichung des Unterschiedsbetrages bal⸗ digst stattzugeben, soweit dies in der Zwischenzeit nicht schon ge⸗ schehen ist. Verlag der Oberhess. Volkszeitung. sammlung gesprochen. Wir machen wiederholt darauf aufmerksam: das Thema beansprucht ohne Zweifel viel Interesse, zahlreicher Be⸗ such darf deshalb erwartet werden.
— Konzerte des Landes⸗Theater⸗Orchesters, das 70 Musiker stark ist, werden morgen, Mittwoch, und Samstag, 30. Juni 975 Stadttheater aufgeführt. Das Orchester steht unter Leitung des hervorragenden Dirigenten M. Balling. Weiteres war in den In⸗ seraten angegeben.
Die Ausstellung 195 das Hotel⸗ und Gastwirtsgewerbe in Darm⸗ stadt, die anläßlich des 40. Verbandstages des Rhein⸗Main⸗Gast⸗ wirteverbandes E. V. verbunden mit dem 40jährigen Bestehen der Gastwirte⸗Innung Hessen hier stattfindet, wurde in Gegenwart der Vertreter von Stagt und Stadt, sowie der Fachverbände und der Presse feierlichst eröffnet. Der Vorsitzende des Ausstellungsaus⸗ schusses begrüßte die Erschienenen und gedachte in einem Rückblick de Gastwirteverband Hessens sowie des Rhein-Main⸗Gastwirteverbandes, der nun seinen 40. Verbandstag mit dem Fest des Gastwirtevereins begehen kann. Er gedachte der früheren Ausstellungen und der Not⸗ lage des Gewerbes infolge der heutigen Verhältnisse und dantte allen Mithelfern zum Gelingen der Ausstellung.— In Vertretung des Staatspräsidenten sprach Arbeits⸗ und Wirtschaftsminister ö und wünschte sowohl der Ausstellung, als auch den Beratungen des Verbandstages guten Erfolg. Glückwunsch der Stadt aus. Ein Rückblick auf die Zeit des Entstehens
— Blürgermeister Müller sprach den
der Innung zeige leider, daß alle Namen, die damals genannt wur⸗
den, heute der grüne Rasen decke. Demnach sei das Werk nicht stehen geblieben. In der Entwicklung der Zeit habe auch das vertreten Gewerbe ungeahnte Fortschritte gemacht, die heute gegen früher si wie Wunder ausnehmen. Große Hemmnisse brachten dem Gewerbe Krieg und Revolution, die Ausstellung aber zeige, daß man auf dem besten Wege sei, die schier unüberwindlichen Schwierigkeiten zu
meistern.— An die Ansprachen schloß sich ein Rundgang durch die
Ausstellung, die eine Fülle interessanter Neuheiten und Verbesserun⸗ gen der Einrichtungen des eng demati verbundenen Küfergewerbes, ferner eine Sammlung von Menüs, eine Festtafel des Bundes der Hotel⸗Restaurants und Caféangestellten, Nahrungs⸗, Genußmittel und vieles mehr zeigt. Die Ausstellung zerfällt in drei Gruppen Gruppe 1(Nahrungs⸗ und Genußmittel) bilden Aussteller aller erdenklichen Speisen und Getränke. Besonders angenehm empfanden die Besucher ein Täßchen„Kornfrank“ oder Maggi⸗Fleischbrühe, oder Maggi⸗Suppe, die in Gratisproben verteilt wurden. Gruppe II zeigt die mannigfaltigsten Einrichtungsgegenstände für Gasthaus oder auch Privathaushalts. Hier fiel besonders eine Riesenkochenanlage der Firma Junker u. Ruh⸗Karlsruhe auf, die vom Hotel zur Traube angekauft wurde. Eine Neuheit zeigt in dieser Ab⸗ teilung die Firma Heinrich Lautz⸗Darmstadt, mit ihren Dauernotiz⸗ blocks. Gruppe III: Getränken zeigt sie manchen edlen Tropfen Weine, Liköre, Sekt, Mineralwasser usw. Die Ausstellung darf als gelungen, ja unter den heutigen Verhältnissen als großartige Leistung bezeichnet werden. 5
Kreis Wetlar.
— Die Erschießung eines Knaben aus Niederbiel bei Wetzlar, die im vorigen Jahre durch einige Jäger verübt wurde, hat bis jetzt noch nicht ihre gerichtliche Sühne gefunden. Nachdem die Staats⸗ anwaltschaft die Strafverfolgung des Täters in den Affäre der Er⸗ schießung des Sohnes der Eheleute Schäfer von Nieder⸗Biel abge⸗ lehnt und die Oberstaatsanwaltschaft die eingelegte Beschwerde des Rechtsbeistandes der Eltern des Erschossenen, des Rechtsanwalt Homberger⸗Gießen zurückgewiesen, hat nunmehr das Ober⸗ landesgericht Frankfurt a. M. auf die eingehend begründete weitere Beschwerde des vorgenannten Rechtsbeistandes entschieden, daß die Staatsanwaltschaft die Strafverfolgung aufnehmen muß und An⸗ klage wegen fahrlässiger Tötung zu erheben ist. Bekanntlich hat die betrübende Angelegenheit seinerzeit die Bevölkerung der beiden Orte Nieder- und Ober⸗Biel fowohl, als die der Umgegend sehr stark erregt. Noch heute wirkt die Erregung über den Fall, wie seine für die Bewohner schier unverständliche Behandlung seitens der Behörden sehr stark nach. Nun nachdem es den Bemühungen des Genossen Rechtsanwalt Homberger⸗Gießen gelungen ist, die Angelegenheit vorwärts zu treiben, wird sich der auf die Gesamt⸗ bevölkerung Ober- und Nieder⸗Biels drückende Alp beheben. Die fluchwündige Tat muß ihre gerechte Sühne finden.
Stadttheater Giessen.
Gastspiel des Stadttheaters Kassel. Die Marquise von Areis. Schauspiel in 5 Aufzügen nach von Carl Sternheim.
Dem Berichterstatter erwächst diesmal die leidige Aufgabe, die Kasseler Gäste in ihrem Künstlerinteresse gegenüber dem schuldlosen Publikum und schuldigen Dichter in Schutz zu nehmen.
Nach dem Gastspiel des interessanten„Wettlaufs mit dem Schatten“, das wir vor kurzem in hochkünstlerischer Wiedergabe der Kasseler Truppe verdankten und an dieser Stelle mit besonderer Freude würdigten, war der Steernheim-⸗Abend leider eine große Enttäuschung. Der spärliche Betfall gab Zeugnis davon, daß die übergroße Mehrheit des Hauses das Stück ablehnte; so gedeutet ist aus dem schwachen Zuspruch des Publikums eine Höflichkeit gegen die Künstler zu lesen, die es verbot, die Antipathie gegen die Dich⸗ tung deutlicher zu zeigen.
Carl Sternheim, der Dichter, ist dadurch als eigenartig bekannt geworden, daß er die üblichen übermodernen Menschen ihre spöttischen Bemerkungen in schnoddrigem militärtschen Kommando⸗ ton machen läßt, wobei die Ausdrucksweise eines Dienstmannes oder einer Waschfrau(d. h. eines Sternheim schen Dienst⸗ mannes oder einer Sternheim' schen Waschfrau) sich in durch⸗ aus nichts von der eines„Barons“ oder einer„Gräfin“ unter⸗ scheidet. Stelle man sich nun Gestalten aus den Zeiten größten französischen Luxus', vor allem auch in Kleidung, Bewegungen und Sprache(die Zeiten vor der französischen Revolution) in Stern⸗ heim'scher Sprache redend vor, so muß dies nicht nur auf den Kulturhistoriker, Sprachkundigen oder Literaturgestheten„erschüt⸗ ternd“ wirken, sondern auf jeden Anhänger guten Geschmackes. Per⸗ sonen in gepuderten Perücken und Reifröcken dermag ein Stern⸗ heim niemals glaubwürdig gestalten zu können, und zwischen einer Berliner Dirne und einer(wenn auch alles andere als sitten⸗ strengen) Marquise in Paris 1750 besteht doch immerhin, auch in der Sprache, ein gewisser Unterschied.
In der„Marquise von Areis“ handelt es sich um die Rache einer„Marquise von Pommeraye“(Berta Hermann) an ihrem seitherigen Liebhaber, eben dem überdrüssig gewordenen
Diderot
„Marquis von Arecis“(Alfons Pape)(schon daß sich dieser
jemals für die Sternheim'sche Marquise Pommeraye inter⸗ esstert haben könnte, ist völlig unglaubwürdig). Und zwar besteht die Nache darin, daß sie sich durch Geld eine verarmte ehemalige Freunden und deren Tochter als Sklaven verpflichtet, alle ihre Rachehe cle auszuführen.„Henriette Duanenov“(Margarete
Hopf), eine junge Schöne, die um der Armut zu entrinnen, ihre Liebe öffentlich verschenken mußte, soll dem Marquis zugeführt werden. Die Pläne der Marquise gelingen; der Marquis verliebt sich bis zur Raserei in Henriette, bietet ihr die Hälfte seines unge⸗ heuren Vermögens und schließlich seine Hand an. Im Morgen⸗ grauen nach der Hochzeitsnacht vollendet die Rächerin ihr gemeines Werk(wie immer in rohester und unmoralischster äußerer Form). Sie offenbart dem Marquis die makelhafte Vergangenheit Hen⸗ riettes und hofft nun, den Ungetreuen für ewig vernichtet zu haben. Dem ist aber nicht so. Die Liebe siegt: mit rührseliger Bewegung und Worten hebt der„Marquis“ das„Mädchen aus dem Volke“ aus dem„Staube“ empor und bestätigt ihr Namen und Rang einer „Marquise von Areis“:
Henriette(ihre Arme um seinen Hals, sieht ihn prüfend an)„Jean Gaspard—“ Marquis:„und Henriette von Arcis!“
Das Urteil der Berichterstattung über die Uraufführung im Sckauspielhaue zu Frankfurt a. M. am 5. Septembce 1919 ist durch die nur kaum schwächere Wiedergabe der Kasseser in Gießen nur verankert worden: Die Darsteller werden bei der Unmöglichkeit der Personen und der Handlung vor eine unmögliche Aufgabe gestellt. Was Diderot erlaußt und billig war, ist Sternheim unerreschoar und fremd. Es ist schade, daß sich der geistreiche und eigenartige Dichter aus dem Kreise seiner dichterischen Gestalten in der „Marquise von Areis“ in einer ihm völlig fremde Umgebnug ge⸗ wagt hat, in der nicht nur viel Schlechtigkeit und Bosheit, sondern auch viel Ueber⸗ nicht Un⸗„Kultur“ regierte.—
Alfons Pape offenborte sprachlich und mimisch erstklassiges Können, obwohl ihm neulich die Rolle des brütenden Gelehrten noch besser lag als die des leichtlebigen Franzosen. Berta Her⸗ mann bot zweifelsohne in Schminke(Augen!), Bewegungen und Ton die Sternheim sche Pommeraye aus Berlin N. N. Auguste Scholz(die Mutter der Henriette) bot eine beachtenswerte ein⸗ wandfreie Leistung und Margarete Hopf selbst eine glänzende Verkörperung der glaubwürdigsten Bühnen- und Titel⸗Figur.
Aus dem Gießener Ensemble unterstützten Heinz Bech⸗ stein, Karl Holl, Gisa Iven und Else Engel die liehen wobei die Damen leider die fremde Umgebung etwas merken
eßen.
Die Inszenierung und Spielleitung von Oberregisseur Pape war eine hervorragende.
Wir danken den Kasseler Gästen herzlich und hoffen, daß sie uns ihre reife Künstlerschaft in dankbareren Werken recht bald wieder genießen lassen. 5 St.
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